Virtual Private Network

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Virtual Private Network (deutsch „virtuelles privates Netzwerk“; kurz „VPN“) ist eine Schnittstelle in einem Netzwerk und hat zwei unterschiedliche Bedeutungen.

Das konventionelle VPN dient dazu, Teilnehmer eines privaten (in sich geschlossenen) Netzes an ein anderes privates Netz zu binden.[1] Sobald also ein Computer eine VPN-Verbindung aufbaut, ist der Vorgang vergleichbar mit dem Umstecken seines Netzwerkkabels von seinem ursprünglichen Netz an ein anderes (per VPN zugeordnetes) Netz.

So kann beispielsweise ein Mitarbeiter von Zuhause aus Zugriff auf das Firmennetz erlangen, gerade so, als säße er mittendrin. Aus Sicht der VPN-Verbindung wird dafür das ursprüngliche Netz auf die Funktion eines Verlängerungskabels reduziert, das den VPN-Teilnehmer ausschließlich mit dem zugeordneten Netz verbindet. Technisch gesehen geht die Verbindung hin zu einem VPN-Gateway, der Anschlussstelle des zugeordneten Netzes. Dafür muss das VPN-Gateway von dem ursprünglichen Netz aus erreichbar sein. Gibt es auf dem Weg dorthin weitere dazwischen liegende Netze, dann werden auch diese bildlich gesehen zum Bestandteil des Verlängerungskabels.

Dieser Vorgang, dass ein VPN-Teilnehmer (VPN-Partner) zum Teilnehmer des zugeordneten Netzes wird, funktioniert unabhängig von der physischen Topologie und den verwendeten Netzwerkprotokollen selbst dann, wenn das zugeordnete Netz von einer vollkommen anderen Art ist.[1]

Der sich daraus ergebende Nutzen eines VPNs kann je nach verwendetem VPN-Protokoll durch eine Verschlüsselung ergänzt werden, die eine abhör- und manipulationssichere Kommunikation zwischen den VPN-Partnern ermöglicht.[2]

SSL-VPN (auch Web-basierendes VPN) unterstützt einen VPN-Modus im Sinne des konventionellen VPNs (Fat Client SSL VPN). Daneben werden seit 2002 unter dem Begriff SSL-VPN auch Lösungen verstanden, die einen Fernzugriff auf Unternehmensanwendungen und gemeinsam genutzte Ressourcen realisieren, ohne dass sich die SSL-VPN-Partner dafür an das Unternehmensnetzwerk binden.[3] Hier wird sinnbildlich also nicht mehr das Netzwerkkabel an ein anderes Netz angeschlossen; es wird lediglich ein gesicherter Zugriff auf bestimmte Dienste des anderen Netzes ermöglicht.

Technisch gesehen basieren diese Lösungen auf einem Proxy-Mechanismus (Thin Client SSL VPN) oder darauf, dass die begehrte Unternehmensanwendung selbst eine Webanwendung ist (Clientless SSL VPN), auf die ein SSL-VPN-Partner über eine gesicherte Verbindung zugreifen kann, ohne jedoch einen direkten Zugriff auf das Unternehmensnetz zu erhalten.[4]

Struktur eines konventionellen VPNs: Unten abgebildet sind Heimarbeitsplätze („Remote / roaming users“), die sich per VPN durch das Internet hindurch in den Hauptsitz einer Firma einwählen („Head-office“), wobei der blaue Kasten ein VPN-Gateway ist (auch VPN-Einwahlknoten genannt). Darüber hinaus ist der Hauptsitz per VPN auch mit zwei seiner Filialen verbunden („Regional Office“), wobei das dazwischen liegende Netz auch hier das Internet ist, das dem VPN als Transportweg dient (aus Sicht der VPN-Verbindung wird das Internet auf die Funktion eines Verlängerungskabels reduziert).

Konventionelle VPNs[Bearbeiten]

Grundlagen[Bearbeiten]

Das Netz, an das ein VPN seine Teilnehmer bindet, wird teilweise auch ein zugeordnetes Netz genannt. Das zugeordnete Netz kann in einem physischen Netz münden, in das externe Geräte mit Hilfe von VPN über ein spezielles (VPN-)Gateway aufgenommen werden („End-to-Site“-VPN).[5] Sie, die VPN-Partner, werden dadurch zum Bestandteil des zugeordneten Netzes und sind nun von dort aus direkt adressierbar – praktisch so, als befänden sie sich mittendrin. Aufgrund dieser Illusion spricht man bezüglich der VPN-Partner von einem virtuellen Netz.

Das Gateway kann auch auf ein rein virtuelles Netz zeigen, welches lediglich aus weiteren VPN-Partnern besteht („End-to-End“-VPN).[6]

Daneben besteht die Möglichkeit, zwei zueinander kompatible Netzwerke, die an ein und demselben benachbarten Netz angrenzen, miteinander zu verbinden („Site-to-Site“-VPN),[7] wobei auch hier das dazwischen liegende benachbarte Netz von einer vollkommen anderen Art sein kann.[1]

Gegenseitig erreichbare Netze[Bearbeiten]

Sobald wenigstens zwei separate Netzwerke über ein Gerät miteinander verbunden sind, handelt es sich um gegenseitig erreichbare Netze. Das Verbindungsgerät ermöglicht eine Kommunikation zwischen den Netzwerken und könnte zum Beispiel ein (NAT-)Router oder ein Gateway sein; bei rein virtuellen Netzen (die in einem anderen Netz eingebettet sind) kann auch einer der Teilnehmer diese Funktion übernehmen.

Ein übliches Verbindungsgerät ist der DSL-Router, der beispielsweise ein Firmennetz mit dem Internet verbindet. Dank dieses Gerätes kann ein Arbeitsplatzcomputer Internetseiten aufrufen. Die gegenseitige Zugriffsmöglichkeit bleibt dabei eingeschränkt; im Unterschied zu einem direkt am Firmennetz angeschlossenen Teilnehmer kann ein am Internet angeschlossener Teilnehmer nicht einfach auf alle Netzwerkressourcen der Firma zugreifen (wie beispielsweise Datei- und Druckerfreigaben). Hierfür müsste der am Internet angeschlossene Teilnehmer am Firmennetz angeschlossen sein. Genau das lässt sich über ein VPN realisieren, wobei sich die Zugriffserlaubnis auf bestimmte Teilnehmer einschränken lässt.

In der klassischen VPN-Konfiguration spielt das Verbindungsgerät eine zentrale Rolle; auf ihm wird eine VPN-Software installiert. Das verbindende Gerät wird dadurch – zusätzlich zu seiner bisherigen Funktion – zu einem VPN-Gateway (auch VPN-Einwahlknoten).

Routing mit VPN.svg

In der Beispielabbildung könnte Netz A ein Heimnetzwerk sein, Netz B das Internet und Netz C ein Firmennetz. Vorausgesetzt dass eine Kommunikation mit dem jeweils angrenzenden Netz bis hin zum VPN-Einwahlknoten möglich ist, funktioniert VPN auch über mehrere Netzwerke hinweg. So können sich also nicht nur Teilnehmer aus Netz B, sondern auch Teilnehmer aus Netz A per VPN in Netz C einwählen.

VPN ist ein reines Softwareprodukt[Bearbeiten]

Die gegenseitig erreichbaren Netze bilden zusammen die Hardware (die Geräte selbst, zuzüglich Kabel etc.) und Software, die wiederum von den Geräten benötigt wird, um ihnen „zu sagen“, was sie überhaupt machen sollen.

Um einen Teilnehmer aus seinem ursprünglichen Netz heraus an ein von dort aus erreichbares Netz zu binden, wird eine VPN-Software benötigt. In der klassischen Konfiguration wird sie zum einen auf dem Gerät installiert, das die Netzwerke miteinander verbindet, und zum anderen auf den einzubindendenen Teilnehmer gebracht. VPN funktioniert, ohne dass dafür ein zusätzliches Kabel verlegt oder sonst irgendetwas an Hardware hinzugefügt werden muss. Es ist daher ein reines Softwareprodukt.[8]

Allerdings gibt es Hardware (VPN-Appliances), die für die Verwendung der VPN-Software optimiert wurde, zum Beispiel indem ein entsprechender Hardware-Entwurf dabei hilft, Teile der (optionalen) Verschlüsselung zu beschleunigen.

Eigenschaften eines VPNs[Bearbeiten]

VPN bildet ein eigenes logisches Netz, welches sich in ein physisches Netz einbettet und die dort üblichen Adressierungsmechanismen nutzt, datentechnisch aber eigene Netzwerkpakete transportiert und so vom Rest dieses Netzes losgelöst arbeitet. Es ermöglicht die Kommunikation der darin befindlichen VPN-Partner mit dem zugeordneten Netz, basiert auf einer Tunneltechnik, ist individuell konfigurierbar, kundenspezifisch und in sich geschlossen (daher „privat“).[1]

Funktionsweise[Bearbeiten]

Ein VPN-Partner aus Netz A hat sich in das Netz B eingewählt und kommuniziert mit B2.
  • Netz A
  • Netz B

Bezogen auf die Beispielabbildung läuft auf dem Gerät mit Netzwerk-Anschluss A2 eine VPN-Client-Software, die dem Gerät das Netz B zuordnet. Aus vormals PC A2 wird dadurch der „Netz B“-Teilnehmer PC B7, unser VPN-Partner.

Dieser VPN-Partner schickt nun eine Nachricht an beispielsweise PC B2. Die Nachricht wird zur Weiterleitung an den VPN-Adapter übergeben, der Teil der VPN-Client-Software ist. Er steckt die Nachricht bildlich gesehen in einen Briefumschlag (Adresse=„PC B2“, Absender=„PC B7“) und übergibt den Brief dann an Netzwerk-Anschluss A2. Dabei wird der Brief in einen weiteren Briefumschlag gesteckt (Adresse=„Netzwerk-Anschluss A3(VPN-Gateway), Absender=„Netzwerk-Anschluss A2“) und so dem Netz A übergeben.

Der Trick besteht also darin, dass sich die VPN-Pakete unabhängig von ihrem Inhalt und der ursprünglichen Adressierung (innerer Briefumschlag) separat adressieren lassen (äußerer Briefumschlag), um den Brief in einer Form auf den Weg zu bringen, die kompatibel zu Netz A ist. Technisch gesehen werden die ursprünglichen Netzwerkpakete (innerer Brief) für den Transport in ein VPN-Protokoll gelegt. Daher spricht man bei VPN vom Tunnel.[9][2]

Der Netzwerk-Anschluss A3 nimmt den Brief entgegen und übergibt ihn der Software „VPN-Gateway“, die auf dem Gerät läuft. Diese Software entfernt den äußeren Briefumschlag und leitet den inneren Brief weiter in das Netz von Netzwerk-Anschluss B6 hin zum PC B2 (dem Adressaten des inneren Briefumschlags).

Seine Antwort schickt PC B2 zurück an PC B7. Der Netzwerk-Anschluss B6 fängt den Brief ab, weil das VPN-Gateway erkennt, dass die „PC B7“-Adresse zu einem seiner VPN-Partner gehört. Auch dieser Brief wird vom VPN-Gateway bildlich gesehen in einen zweiten Briefumschlag gesteckt (Adresse=„Netzwerk-Anschluss A2“, Absender=„Netzwerk-Anschluss A3“) und in das Netz A geleitet. Der Netzwerk-Anschluss A2 nimmt den Brief entgegen und übergibt ihn dem VPN-Adapter. Dieser entfernt den äußeren Briefumschlag und übergibt den inneren Brief an PC B7.

Stark vereinfacht ausgedrückt wurde das Netz A aus Sicht des VPN-Partners auf die Funktion eines Verlängerungskabels reduziert, das PC B7 direkt mit dem Netz B verbindet. Für beide Kommunikationspartner, PC B7 und PC B2, sieht es also so aus, als befände sich PC B7 mitten im Netz B und nicht im Netz A. Sie bekommen von den dazwischen liegenden Mechanismen nichts mit.

Der sich daraus ergebende Nutzen eines VPNs kann je nach verwendetem VPN-Protokoll durch eine Verschlüsselung ergänzt werden, die dafür sorgt, dass die Kommunikation zwischen PC B7 und dem VPN-Gateway von niemanden aus Netz A eingesehen oder gar manipuliert werden kann. Diese optionale VPN-Verschlüsselung ist Bestandteil des äußeren Briefumschlags. Sie reicht also nicht in das Netz B hinein, sondern endet bzw. beginnt (Rückweg) am VPN-Gateway.

In einer realen Umgebung könnte Netz B beispielsweise ein Firmennetz sein und Netz A das Internet (in einer hier stark vereinfachten Darstellung), über das sich ein direkt am Internet angeschlossenes Gerät per VPN in die Firma einwählt. Alternativ dazu könnte Netz A auch das private Heim-Netzwerk des Mitarbeiters sein, wobei das Internet dann zwischen Netz A und Netz B liegen würde (in der Beispielabbildung bezeichnet als „Punkt X“). An dieser Stelle können sich durchaus auch mehrere dazwischen liegende Netze befinden, die der Brief dank des äußeren Briefumschlags passieren wird, ehe er zum VPN-Gateway gelangt.

VPN funktioniert weitgehend unabhängig von der physischen Topologie und den verwendeten Netzwerkprotokollen auch dann, wenn das zugeordnete Netz B von einer vollkommen anderen Art ist. Denn da die tatsächlichen Netzwerkpakete in dem VPN-Protokoll verpackt sind, müssen sie (die inneren Briefe, also die „Netz B“-Netzwerkprotokolle) nur von den VPN-Partnern verstanden werden, nicht aber von den dazwischen liegenden Netzwerkkomponenten aus Netz A. Diese müssen lediglich die Transportdaten des äußeren Briefumschlags verstehen, also das für den Transport verwendete Netzwerkprotokoll kennen.

Netzwerke verbinden[Bearbeiten]

Zwei Filialen sind über ein oder mehrere benachbarte Netze per VPN miteinander verbunden.
  • Netz A
  • Netz X


Gegenüber anderen Tunnelarten eines TCP/IP-Netzes zeichnet sich der VPN-Tunnel dadurch aus, dass er unabhängig von höheren Protokollen (HTTP, FTP etc.) sämtliche Netzwerkpakete weiterleitet. Auf diese Weise ist es möglich, den Datenverkehr zweier Netzkomponenten praktisch uneingeschränkt durch ein anderes Netz zu transportieren, weshalb damit sogar komplette Netzwerke über ein oder mehrere benachbarte Netze hinweg (in der Abbildung bezeichnet als Punkt X) miteinander verbunden werden können.

Sobald das VPN-Gateway 1 erkennt, dass eine Nachricht an einen Teilnehmer aus Filiale 2 gerichtet ist (PC A2-...), wird sie gemäß der oben beschriebenen Funktionsweise sinnbildlich in den zweiten Briefumschlag gesteckt und an VPN-Gateway 2 geschickt. Erkennt dagegen VPN-Gateway 2, dass eine Nachricht an einen Teilnehmer aus Filiale 1 gerichtet ist (PC A1-...), schickt er diese nach demselben Prinzip zum VPN-Gateway 1.

Gekapseltes Netz[Bearbeiten]

Verkapselung von drei Netzwerken.
  • Netz A
  • Netz B
  • Netz C

In der Beispielabbildung befinden sich in Netz A neben seinen üblichen Teilnehmern (z. B. A01) auch zwei virtuelle Netze (hier Netz B und Netz C). Jedes davon ist ein privates (in sich geschlossenes) Netz, das seinen eigenen Regeln folgt, angefangen von der Art der Adressierung und Aufteilung bis hin zum verwendeten Kommunikationsprotokoll. Dennoch teilen sie sich (zumindest teilweise) dieselbe physische Leitung und Infrastruktur, was gemäß der oben beschriebenen Funktionsweise sinnbildlich durch den zweiten Briefumschlag ermöglicht wird.

Bezogen auf die VPN-Partner, inklusive des VPN-Gateway, kann man sagen, VPN ist ein eigenständiges Netz, gekapselt in einem anderen Netz.

Das kann sich auf das komplette Netz beziehen, wenn es ausschließlich aus VPN-Partnern besteht, wie das in Netz B der Fall ist. Es kann sich aber auch auf nur einen Teil der Kommunikationsstrecke beziehen, wie das in Netz C der Fall ist. Dort mündet das VPN in einem eigenen physischen Netz; bei der Kommunikation eines direkt am Netz C angeschlossenen Teilnehmers (z. B. C01) mit einem „Netz C“-VPN-Partner (z. B. C06) beginnt bzw. endet (Rückweg) die Kapselung hier am VPN-Gateway.

Ihrem Ursprung nach bilden VPNs innerhalb eines öffentlichen Wählnetzes solche in sich geschlossenen virtuellen Netze.[1] Das sind unter anderem Netze der Sprachkommunikation, X.25, Frame Relay und ISDN,[9] die dank dieses Konzepts über ein und dieselbe physische Infrastruktur, das öffentliche Wählnetz, parallel betrieben werden können.[1] Sie sind zwar physisch (zumindest teilweise) in dem darüber liegenden Wählnetz eingebettet, aber für die Teilnehmer sieht es so aus, als würde jedes Netz über seine eigene Leitung verfügen.

Heute wird VPN alltagssprachlich gebraucht, um ein (meist verschlüsseltes) virtuelles IP-Netz zu bezeichnen, welches nicht in einem Wählnetz, sondern innerhalb eines anderen IP-Netzes (meist dem öffentlichen Internet) eingebettet ist.[9]

Verschlüsselung[Bearbeiten]

Abhängig vom verwendeten VPN-Protokoll lassen sich die Netzwerkpakete meist verschlüsseln. Da die Verbindung dadurch abhör- und manipulationssicher wird, kann eine Verbindung zum VPN-Partner durch ein unsicheres Netz hindurch aufgebaut werden, ohne dabei ein erhöhtes Sicherheitsrisiko einzugehen.[2] Alternativ dazu lassen sich über VPN auch ungesicherte Klartextverbindungen aufbauen.[1][2]

Allerdings lässt sich auch an den verschlüsselten Paketen noch erkennen, welche VPN-Gegenstellen an der Kommunikation beteiligt sind; die Zahl und Größe der Datenpakete lässt u.U. Rückschlüsse auf die Art der Daten zu. Daher ist diesbezüglich ein mitunter verwendetes Gleichnis mit einem nicht einsehbaren Tunnel irreführend; ein Vergleich mit einer Milchglasröhre ist treffender.

Praktischer Nutzen eines VPNs[Bearbeiten]

Sobald ein Computer eine VPN-Verbindung aufbaut, ist der Vorgang vergleichbar mit dem Umstecken seines Netzwerkkabels von seinem ursprünglichen Netz an das neu zugeordnete Netz, mit allen Auswirkungen wie geänderten IP-Adressen und Unterschieden beim Routing.

Ruft der Computer zum Beispiel eine Webseite auf, so wird die Anfrage nun aus dem neu zugeordneten Netz heraus in das Internet geleitet. Die Anfrage unterliegt so den Restriktionen des zugeordneten Netzes und nicht mehr denen des ursprünglichen Netzes. Das nutzen zum Beispiel Journalisten in Ländern, in denen der freie Zugriff auf das Internet nicht möglich ist, um die Zugriffsbeschränkung zu umgehen. Die einzige Voraussetzung besteht darin, dass der Computer aus seinem ursprünglichen Netz heraus eine Verbindung zum VPN-Gateway aufbauen kann. Das VPN-Gateway befindet sich hierfür in der Regel in einem anderen Land bzw. einem Netz mit freiem Internetzugang. Man spricht davon, dass die Internetanfragen (wie auch sämtliche weitere Netzwerkanfragen) über VPN getunnelt werden.

Ein weiterer Grund, um Internetzugriffe zu tunneln, besteht im Schutz der Privatsphäre. Für das Handy, das Notebook, Tablets und andere Geräte gilt gleichermaßen, dass der Datenverkehr von Dritten leicht mitgelesen werden kann, sobald für den Internetzugriff ein öffentlicher Zugang genutzt wird. Nicht jeder Zugriff lässt sich über den direkten Weg verschlüsselt aufbauen, und selbst wenn der Anwender für bestimmte Vorgänge eine verschlüsselte Verbindung nutzt, bleibt die Information, wohin er sich gerade verbunden hat, einsehbar. Ein VPN-Tunnel löst beide Probleme, da (je nach VPN-Protokoll) hier eine Verschlüsselung sämtlicher Netzwerkpakete möglich ist. Zudem kann derjenige, der den Datenverkehr des öffentlichen Zugangs möglicherweise mitliest, nur noch eine Verbindung zum VPN-Gateway erkennen. Das tatsächliche Ziel bleibt ihm verborgen, da er nicht einsehen kann, wohin von dort aus die Verbindung weitergeleitet wird.

Dies sind nur zwei ausgesuchte Beispiele, die zum einen den Nutzen bezüglich des Netzwerkwechsels aufzeigen und zum anderen auf den Nutzen einer möglichen Verschlüsselung eingehen. Die sich daraus ergebenden Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig.

Anwendungsmöglichkeiten[Bearbeiten]

  • Über VPN können lokale Netze mehrerer Geschäftsstellen über das Internet auf eine sichere Art miteinander verbunden werden (eine so genannte Site-to-Site-Verbindung).
  • Der Computer eines Mitarbeiters kann über VPN von Zuhause aus einen gesicherten Zugriff auf das Firmennetz erlangen. Dazu baut er eine Verbindung zum Internet auf. Dann startet er eine VPN-Software (den VPN-Client, der die Beschaffenheit des Firmennetzes auf dem lokalen Computer virtuell nachbildet). Diese baut über das Internet eine Verbindung zum VPN-Gateway der Firma auf. Nach der Authentifizierung hat der Mitarbeiter Zugriff auf das Firmennetz – gerade so, als säße er mittendrin. Diese Verbindungsart wird End-to-Site genannt. Das Verfahren wird auch verwendet, um WLAN und andere Funkstrecken zu sichern.
  • In Abgrenzung zum End-to-Site-VPN wird von einigen Herstellern (zum Beispiel bei MSDN,[10] bei VoIP-Info.de,[11] auf tomsnetworking.de[12]) „Mobile VPN“ als Bezeichnung für ein VPN genutzt, welches nahtloses Roaming zwischen zum Beispiel GPRS, UMTS und WLAN unterstützt. Dadurch soll eine dauerhafte Netzwerkverbindung ohne ständiges Neueinwählen ermöglicht werden.
  • Es ist auch möglich, dass sich der Rechner des Mitarbeiters per VPN nicht in ein entferntes physisches Firmennetz hängt, sondern direkt an einen Server bindet. VPN dient hier dem gesicherten Zugriff auf den Server. Diese Verbindungsart wird Ende-zu-Ende (englisch „end-to-end“) genannt. Auf diese Weise ist es auch möglich, ein logisch (jedoch nicht physisch) abgekapseltes virtuelles Netz aufzubauen, welches lediglich aus weiteren VPN-Partnern besteht, die sich ebenfalls mit dem Server verbunden haben. Die VPN-Partner können nun gesichert miteinander kommunizieren.
  • Es besteht auch die Möglichkeit, dass sich zwei Server über VPN miteinander unterhalten können, ohne dass die Kommunikation durch Dritte eingesehen werden kann (das entspricht einer Ende-zu-Ende-Verbindung, welche für einen solchen Fall mitunter auch Host-to-Host genannt wird).
    FreeS/WAN sowie dessen Nachfolger Openswan und strongSwan bieten noch die Möglichkeit der so genannten „opportunistic encryption“: Es wird zu jedem Computer, mit dem der eigene Computer Daten austauscht, ein Tunnel aufgebaut, wenn dieser einen Schlüssel per DNS bereitstellt.
  • Ähnlich wie bei der Einwahl von zu Hause in ein Firmennetz können sich auch beliebige Clients aus dem Firmennetz in ein separates, speziell gesichertes Netz innerhalb der Firma per VPN einwählen: ein privates (datentechnisch abgekapseltes) Netz innerhalb des Firmennetzes also, bei dem die Clients bis zum VPN-Gateway dieselbe physikalische Leitung verwenden, wie alle anderen Clients des Netzes auch – mit dem Unterschied, dass sämtliche VPN-Netzpakete bis zum Gateway verschlüsselt übertragen werden können.
  • Computerspiele, deren originale Infrastruktur über das Internet nicht mehr verfügbar ist, die aber einen LAN-basierten Mehrspielermodus haben, können mithilfe von VPN weiter über das Internet gespielt werden. VPN-Lösungen für diesen Zweck sind z.B. LogMeIn_Hamachi und Tunngle.

Sicherheit[Bearbeiten]

Durch die Verwendung von Passwörtern, öffentlichen Schlüsseln oder durch ein digitales Zertifikat kann die Authentifizierung der VPN-Endpunkte gewährleistet werden. Daneben werden auch Hardware-basierte Systeme wie bei SecurID angeboten.

Implementierungen[Bearbeiten]

VPNs setzen auf folgenden zugrunde liegenden Protokollen auf:

  • IPsec eignet sich sowohl für Site-to-Site-VPNs als auch für End-to-Site-VPNs.
  • TLS/SSL werden hauptsächlich für End-to-Site-VPNs eingesetzt.
  • ViPNet eignet sich besonders für Ende-zu-Ende-VPNs, erlaubt aber auch End-to-Site- und Site-to-Site-VPNs.
  • getVPN von Firma Cisco entwickelte Methode die IPSec-Tunnel mit Hilfe eines zentralen Schlüsselservers auf allen zum Verbund gehörenden Routern praktisch automatisch einzurichten
  • PPTP (gebrochen) und L2TP (Layer 2 VPN-Protokolle)
  • PPPD (PPP-Daemon) und SSH in Kombination kann den gesamten IP-Verkehr durch einen Tunnel leiten. Die Lösung ist ähnlich dem PPTP ohne dessen Sicherheitsprobleme.
  • SSTP von Microsoft in Windows Server 2008 und Windows Vista Service Pack 1 eingeführtes Secure Socket Tunneling Protocol. SSTP tunnelt den PPP oder L2TP Verkehr durch einen SSL-3.0-Kanal.[13]
  • fastd von Matthias Schiffer geschriebenes auf Layer 2 oder Layer 3 operierendes VPN mit kleinem Ressourcenbedarf und daher guter Eignung für eingebettete Systeme, insbesondere bei Mesh-Netzwerken wie z.B. Freifunk

Viele moderne Betriebssysteme enthalten Komponenten, mit deren Hilfe ein VPN aufgebaut werden kann. Linux enthält seit Kernel 2.6 eine IPSec-Implementierung, ältere Kernel benötigen das KLIPS-IPSec-Kernelmodul, das von Openswan und strongSwan zur Verfügung gestellt wird. Auch BSD, Cisco IOS, Mac OS X und Windows sind IPSec-fähig.

Siehe auch: SSL-VPN, OpenVPN, CIPE

Der virtuelle Netzwerkadapter einer VPN-Sitzung[Bearbeiten]

Die eingesetzte VPN-Software stellt den Eingang zum VPN-Tunnel üblicherweise als zusätzlichen virtuellen (nicht als Hardware vorhandenen) Netzwerkadapter bereit. Auf diese Weise besteht aus Sicht des Betriebssystems und der Anwendungssoftware kein Unterschied zwischen dem VPN-Tunnel und einem physikalisch vorhandenen Netzwerk. Der virtuelle Netzwerkadapter kann genauso in das Routing einbezogen werden, wie der echte Netzwerkadapter und kann genau wie dieser Pakete aller Dienste transportieren.

Dabei wird die Defaultroute (Standard-Gateway) auf den VPN-Netzwerkadapter verändert. Dies ist oft erwünscht, weil so sichergestellt ist, dass tatsächlich alle Verbindungen der Anwendungssoftware über den VPN-Netzwerkadapter und damit in die VPN-Software geleitet werden, die sie verschlüsselt, bevor sie danach über einen als Hardware vorhandenen Netzwerkadapter gezielt aus dem Rechner zur VPN-Gegenstelle (VPN-Gateway/-Einwahlknoten) geschickt werden. Dabei sind Internetanfragen noch immer möglich, allerdings nicht mehr direkt. Diese werden jetzt zunächst in das zugeordente Netz geleitet (z. B. das Firmennetz). Erlaubt das zugeordnete Netz den Internetzugriff, so wird von dort aus die Anfrage an den kontaktierten Internetserver geschickt. Abhängig von der Art der Internetschnittstelle bemerkt der Anwender diesen Unterschied mitunter nicht einmal (für ihn sieht es so aus, als könne er noch immer direkt auf das Internet zugreifen).

Schwierigkeiten ergeben sich, wenn man hingegen nur einzelne Rechner über den VPN-Tunnel erreichen will (z. B. Rechner eines Firmennetzwerks), parallel aber andere Rechner ohne VPN ansprechen muss (Rechner im eigenen LAN). Hier muss man dieses Verhalten ändern, indem man die Routingtabellen für das Erreichen des Firmennetzwerkes entsprechend anpasst und die Defaultroute auf den in Hardware vorhandenen Netzwerkadapter belässt. Ebenso kann es Schwierigkeiten bereiten, wenn die VPN-Software den zu benutzenden Nameserver auf einen Nameserver im VPN umstellt, dieser aber keine Namen außerhalb des VPNs auflösen kann. Auch hier ist eine Konfiguration von Hand nötig.

SSL-VPNs[Bearbeiten]

Hauptartikel: SSL-VPN

SSL-VPNs nutzen das gesicherte SSL- oder TLS-Protokoll für die Übertragung ihrer Daten.[14]

Auch wenn hier ein vollumfängliches VPN im Sinne des konventionellen VPNs möglich ist, wurden Site-to-Site-Lösungen fast vollständig von IPsec-basierenden VPNs abgelöst. Ein Fat Client SSL VPN kann allerdings noch immer einen End-to-Site-Zugang bieten, für den Fall dass ein Mitarbeiter aufgrund der Beschränkungen bei einem Kunden keinen IPsec-Tunnel aufbauen kann.[4] Genau wie bei dem konventionellen VPN ist es dafür notwendig, auf dem Computer eine VPN-Client-Software zu installieren, die dort das zugeordnete Netz virtuell nachbildet (siehe VPN-Adapter). Darüber ist es dann möglich, den kompletten Netzwerkverkehr über die verschlüsselte SSL-Verbindung zu übertragen und so den PC an das entfernte Netz zu binden.

Bei allen anderen SSL-VPNs entfällt die Installation der sonst üblichen VPN-Client-Software zumindest teilweise.

Ein Thin Client SSL VPN benötigt lediglich ein Plugin (eine Art Erweiterungsbaustein) für einen Webbrowser, wobei der Browser auf den gängigsten Betriebssystemen bereits vorinstalliert ist. Das heruntergeladene Plugin arbeitet auf dem Client als Proxy und ermöglicht so den Zugang zu entsprechenden Netzwerkdiensten aus dem entfernten Netz.[4]

Ein Clientless SSL VPN greift ohne spezielle Softwareerweiterungen über einen Browser auf Webseiten des Internetservers eines Unternehmens zu.[3] Der Fernzugriff ist hierbei lediglich auf Webanwendungen des Servers möglich. Der Webserver des Unternehmens kann intern eine Umsetzung für die Kommunikation mit anderen Unternehmensanwendungen realisieren und so als Schnittstelle zu diesen Anwendungen fungieren.[4] Jedoch ist der Web-Zugriff darauf oft nur bedingt möglich, wenn diese Anwendungen nicht ebenfalls Web-basierend sind.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g "What is a VPN?" (PDF; 652 kB), Paul Ferguson und Geoff Huston, April 1998
  2. a b c d „Tunneling Protokolle für VPN“ von tcp-ip-info.de
  3. a b „Making way for the new VPN“, Zeitschrift NetworkWorld, S. 64, Ausgabe 23-30. Dezember 2002 (Quelle: books.google.de, Bücher- und Zeitschriftenarchiv; frühste Ausgabe zu „Clientless VPN“)
  4. a b c d Die Wahl der richtigen VPN-Technik auf computerwoche.de
  5. End-to-Site-VPNs aus Virtuelle private Netze – weltweite LANs von Tobias Zimmer, 1999, teco.edu
  6. End-to-End-VPNs aus Virtuelle private Netze – weltweite LANs von Tobias Zimmer, 1999, teco.edu
  7. Site-to-Site-VPNs aus Virtuelle private Netze – weltweite LANs von Tobias Zimmer, 1999, teco.edu
  8. Sichere Datenübertragung trotz Internet – Virtuelle Private Netzwerke von Marcel Binder, März 2008, auf tomshardware.de
  9. a b c Virtuelles privates Netz von itwissen.info
  10. Mobile VPN
  11. http://www.voip-info.de/news/newsartikel__3085.php
  12. Mobile VPN Testbericht von NetMotion Wireless
  13. SSTP Makes Secure Remote Access Easier
  14. Daniel Bachfeld: VPN-Knigge – VPN-Protokolle und Standards. c't. 13. April 2006. Abgerufen am 7. März 2011.