Vaikuntha

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vishnu-Narayana ausgestreckt auf der kissenförmig gewundenen Weltenschlange Shesha ruhend, zusammen mit Lakshmi und anderen Begleitfiguren am Dashavatara-Tempel in Deogarh, Uttar Pradesh (um 500 n. Chr.)
dreiköpfige Vaikuntha-Statue in der Cella (garbhagriha) des Lakshmana-Tempels im Tempelbezirk von Khajuraho (um 950 n. Chr.)

Vaikuntha (Sanskrit वैकुण्ठ Vaikuṇṭham.[1]) ist im Hinduismus einer der Beinamen des Gottes Vishnu. Es bezeichnet den Ort, wo er auf der Schlange Shesha ruhend, zusammen mit seiner Gemahlin Lakshmi wohnt. Manchmal wird der Ort auch vaibhra genannt. Von diesem Ort ewiger Wonne (Paradies) steigt er als Avatar ab.

Etymologie[Bearbeiten]

Der Name Vaikuntha ist wahrscheinlich von den Sanskritwörtern vi und kuntha herzuleiten und bedeutet in etwa 'ohne Bruch' im Sinne von ganzheitlich oder vollkommen.

Darstellung[Bearbeiten]

Die häufigste Darstellung Vaikunthas ist die des auf der Weltenschlange Ananta oder Shesha ruhenden – meditierenden oder träumenden – Gottes Vishnu-Narayana (vgl. Dashavatara-Tempel).

Im Innern des Sanktums des Lakshmana-Tempels im Tempelbezirk von Khajuraho findet sich die Figur eines stehenden, dreiköpfigen Vishnu, die sowohl aufgrund ihrer Ikonographie als auch aufgrund einer – während der Ausgrabungs- und Restaurierungsarbeiten im 19. Jahrhundert – gefundenen Inschrifttafel als 'Vaikuntha' identifiziert wird. Eine derartige Darstellungsweise ist jedoch äußerst selten und stammt ursprünglich wahrscheinlich aus Kashmir.[2]

Bedeutung[Bearbeiten]

Vaikuntha ist für viele Anhänger Vishnus (vaishnavas) Ziel und Ort nach Erreichung der Erlösung (moksha), d. h. nach der Befreiung aus dem endlosen Kreislauf der Wiedergeburten (samsara). Dieser Ort – in etwa gleichzusetzen mit dem Paradies – liegt an den Hängen des Weltenberges Meru und besteht nur aus Gold und kostbaren Edelsteinen; der Fluss Ganga (Ganges) fließt mitten durch ihn hindurch.[3]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Wilhelm Haussig (Hrsg.): Götter und Mythen des indischen Subkontinents (= Wörterbuch der Mythologie, Abteilung 1, Die alten Kulturvölker. Band 5). Klett-Cotta, Stuttgart 1984, ISBN 3-12-909850-X.
  • Vaikuntha. In: John Dowson: A classical dictionary of Hindu mythology and religion, geography, history, and literature. London 1879, S. 331.
  • Andreas Bock-Raming: Untersuchungen zur Gottesvorstellung in der älteren Anonymliteratur des Pancharatra. Harrassowitz-Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 3-447-04589-2, S. 210 ff. (Beiträge zur Indologie 34).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Narayana-Bildnisse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: dreiköpfige Vaikuntha-Bildnisse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vaikuṇṭha. In: Monier Monier-Williams: Sanskrit-English Dictionary. Clarendon Press, Oxford 1899, S. 1020, Sp. 2.
  2. Bansi Lal Malla: Vaishnava Art and Iconography of Kashmir. Abhinav Publications, Delhi 2003, ISBN 81-7017-305-1, S. 42f.
  3. Veronica Ions: Indian Mythology. Hamlyn Publishing, Rushden 1988, ISBN 0-600-34285-9, S. 46.