Validation (Medizin)

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Die Validation ist sowohl eine Methode als auch eine Haltung im Umgang mit demenzerkrankten Menschen, die vor allem in der Altenpflege, aber auch in der Sozialen Arbeit anzutreffen ist.

Methodik[Bearbeiten]

Validation oder auch Validieren ist eine wertschätzende Haltung, die für die Begleitung und Pflege von Menschen mit Demenz entwickelt wurde. Sie basiert insbesondere auf den Grundhaltungen der klientenzentrierten Gesprächsführung nach Carl Rogers, und hat zum Ziel, das Verhalten von Menschen mit Demenz als für sie gültig zu akzeptieren („zu validieren“).

Die Methode der Validation selbst wurde von Naomi Feil entwickelt. Sie geht davon aus, dass alte, desorientierte Menschen danach streben, die unerledigten Aufgaben ihres Lebens noch aufzuarbeiten. Die Anwender der Validation nach Feil machen es sich zur Aufgabe, die Menschen dabei zu unterstützen. Nicole Richard änderte die Methode der Validation ab und nennt ihre Methode Integrative Validation. Ihr Ansatz sieht es nicht als Aufgabe an, Menschen mit Demenz bei „unerledigten Aufgaben“ zu begleiten, sondern sie in ihrem aktuellen Sein und ihren aktuellen Befindlichkeiten zu akzeptieren und zu begleiten.[1] Die Veränderungen werden aufgrund hirnorganischer Krankheiten und der aktuellen Bedingungen akzeptiert. Die Validation findet in Feldern der Altenpflege, in der Geriatrie, Palliativmedizin und der Gerontopsychiatrie ihren Platz. Die Gerontologie beschäftigt sich unter anderem mit der Erforschung von Auswirkungen validierenden Umgangs.

In der neueren Entwicklung löst man sich zunehmend von der Festlegung auf den einen oder anderen Ansatz, zudem hat die Methode auch Niederschlag in anderen gerontopsychiatrischen Konzepten wie der Mäeutik gefunden. Auch wenn nach wie vor Wirksamkeitsstudien fehlen, wird auch von wissenschaftlicher Seite aus empfohlen, das „Validieren“ als hilfreichen Umgang insbesondere bei demenziell veränderten Menschen mit herausforderndem Verhalten anzuwenden, wie die im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit von einer Expertengruppe entwickelten „Rahmenempfehlungen zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz in der stationären Altenhilfe“ zeigen.[2]

Grundsätze der Validation nach Feil[Bearbeiten]

Es gelten dabei die 10 Grundsätze der Validation:

  • Alle Menschen sind einzigartig und müssen als Individuen behandelt werden.
  • Alle Menschen sind wertvoll, ganz gleichgültig, in welchem Ausmaß sie verwirrt sind.
  • Es gibt einen Grund für das Verhalten von verwirrten, sehr alten Menschen.
  • Verhalten im sehr hohen Alter ist nicht nur eine Folge anatomischer Veränderungen des Gehirns, sondern das Ergebnis einer Kombination von körperlichen, sozialen und psychischen Veränderungen, die im Laufe eines Lebens stattgefunden haben.
  • Sehr alte Menschen kann man nicht dazu zwingen, ihr Verhalten zu ändern. Ein Mensch ändert sein Verhalten nur, wenn er es will.
  • Sehr alte Menschen muss man akzeptieren, ohne sie zu beurteilen.
  • Zu jedem Lebensabschnitt gehören bestimmte Aufgaben. Wenn man diese Aufgaben nicht im jeweiligen Lebensabschnitt schafft, kann das zu psychischen Problemen führen.
  • Wenn das Kurzzeitgedächtnis nachlässt, versuchen ältere Erwachsene, ihr Leben wieder in ein Gleichgewicht zu bringen, indem sie auf frühere Erinnerungen zurückgreifen. Wenn die Sehstärke nachlässt, sehen sie mit dem „inneren Auge“. Wenn ihr Gehör immer mehr nachlässt, hören sie Klänge aus der Vergangenheit.
  • Schmerzliche Gefühle, die ausgedrückt, anerkannt und von einer vertrauten Pflegeperson validiert werden, werden schwächer. Schmerzliche Gefühle, die man ignoriert und unterdrückt, werden stärker.
  • Einfühlung/Mitgefühl führt zu Vertrauen, verringert Angstzustände und stellt die Würde wieder her.

Ausbildung[Bearbeiten]

Die Ausbildung in der Validation nach Feil findet in den dafür von der European Validation Association, einer europäischen Dachorganisation mit der Zielsetzung der Verbreitung der Methode, autorisierten Einrichtungen statt.[3] Sie umfasst vier aufeinander aufbauende Stufen: Anwender, Gruppenleiter, Lehrer und Master. Die Ausbildung ist kostenpflichtig, der Begriff Validation ist urheberrechtlich geschützt.[4]

Kritik[Bearbeiten]

Der Methode der Validation nach Feil wird mangelnde theoretische Fundierung vorgeworfen. Bislang gibt es nicht genügend Hinweise aus randomisierten Studien, die eine Aussage über die Wirksamkeit der Validation erlauben.[5] Auch an der Geschäftstüchtigkeit und dem selbstdarstellerischen Auftreten Feils gab es Kritik.[6]

Literatur[Bearbeiten]

  • Naomi Feil: Validation. Ein Weg zum Verständnis verwirrter alter Menschen. 9. überarbeitete und erweiterte Auflage. Ernst Reinhardt Verlag, München 2010, ISBN 978-3-497-02156-7, (Reinhardts gerontologische Reihe 16).
  • Naomi Feil: Validation in Anwendung und Beispielen. Der Umgang mit verwirrten alten Menschen. 6. aktualisierte und erweiterte Auflage. Ernst Reinhardt Verlag, München 2010, ISBN 978-3-497-02157-4, (Reinhardts gerontologische Reihe 17).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. www.integrative-validation.de. Abgerufen am 8. Oktober 2012.
  2. Forschungsbericht Rahmenempfehlungen für den Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz. Abgerufen am 8. Oktober 2012 (PDF; 1,6 MB).
  3. European Validation Association. Abgerufen am 8. Oktober 2012.
  4.  Bernd Meyer: Philosophische Grundlagen in Konzepten zur Begleitung demenziell erkrankter Menschen in der stationären und ambulanten Altenhilfe. GRIN Verlag, 2009, ISBN 978-3-640-28393-4.
  5. Cochrane Review der Validationstherapie (englisch). Abgerufen am 10. November 2010.
  6.  Norbert Erlemeyer: Alternspsychologie: Grundlagen für Sozial- und Pflegeberufe. Waxmann Verlag, 2002, ISBN 3-8309-1185-8, S. 239 ff..