Valie Export

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Valie Export (2013)

Valie Export, Eigenschreibweise VALIE EXPORT (* 17. Mai 1940 in Linz), mit bürgerlichem Namen Waltraud Stockinger, geb. Waltraud Lehner, ist eine österreichische Medienkünstlerin, Performancekünstlerin und Filmemacherin.[1]

Leben[Bearbeiten]

Valie Export wuchs in Linz mit zwei Schwestern als Tochter einer Kriegswitwe auf und ging in eine Klosterschule.[2] Von 1955 bis 1958 besuchte sie die Kunstgewerbeschule in Linz. Von 1960 bis 1964 besuchte sie die Höhere Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt für Textilindustrie in Wien. Nach ihrem Diplom im Bereich Design begab sie sich in die Filmbranche und arbeitete als Script Girl, Cutterin oder Filmkomparsin. Ab 1965 wendete sie sich vermehrt dem Medium Film zu und im gleichen Jahr nahm sie ihren Künstlernamen VALIE EXPORT als künstlerisches Konzept und Logo an, mit der Vorgabe, ihn nur in Versalien zu schreiben.[3]

Von 1989 bis 1992 war Valie Export Full Professor an der University of Wisconsin-Milwaukee, School of Fine Arts, 1991 bis 1995 Professorin im Fachbereich Visuelle Kommunikation an der Hochschule der Künste Berlin. Von 1995/1996 bis 2005 war sie Professorin für Multimedia-Performance an der Kunsthochschule für Medien Köln.

Valie Export lebt in Köln und Wien.[4]

Werk[Bearbeiten]

Die frühen Arbeiten von Valie Export zeichnen sich insbesondere durch die Auseinandersetzung mit Feminismus, Aktionskunst und dem Medium Film, insbesondere der Bewegung des Expanded Cinema, aus.

Die Entstehung von Valie Export markierte die Künstlerin durch die Überklebung einer Zigaretten Packung der zu jener Zeit sehr populären österreichischen Marke „Smart Export“ mit dem Namenszug „VALIE“ und ihrem Foto. Eine der wichtigsten Fotoreihe der Künstlerin Valie Export – Smart Export, 1967/1970, S/W-Fotografie entstand wenige Jahre nach der Erfindung des Künstlernamen.[5] Die Aktion selbst möchte sie als feministische Kritik an patriarchal-kapitalistischen Zuschreibungspraktiken verstanden wissen. Bevor ein Eigenname die individuelle Einspeisung ins Marktgeschehen verdecke, werde er besser durch ein Logo ersetzt.[6]

Expanded Cinema[Bearbeiten]

Ende der 1960er Jahre setzte sich Valie Export vor allem mit dem Expanded Cinema auseinander. Eine der wichtigsten Aktionen war das Tapp- und Tastkino, welches sie gemeinsam mit Peter Weibel zum ersten mal im Rahmen des 1. Europäischen Treffens der Unabhängigen Filmemacher in München durchführten. Bei dieser Aktion auf öffentlichen Plätzen trug Esport eine lockige Perücke, war geschminkt und trug über ihren nackten Brüsten einen Kasten mit zwei Öffnungen. Der restliche Oberkörper war mit einer Strickjacke bedeckt. Peter Weibel warb durch ein Megafon und lud die Schaulustigen zum Besuch ein. Der „Zuschauer“ hatten zwölf Sekunden lang Zeit, mit beiden Händen durch die Öffnungen zu strecken und die nackten Brüste der Künstlerin zu berühren.[7][8] Valie Export sagte später zu dieser Aktion: „(...) das Tapp- und Tastkino – das war Straßenaktion, es war Feminismus, es war Expander Cinema, es war Film; ich nannte das Tapp- und Tastkino damals auch tapp und tastfilm. (...), denn ich sagte damals, jeder Mensch kann diese Filmaktion durchführen, Filminstallation ausführen, es gibt kein Original.“ [9]

Wiener Aktionismus[Bearbeiten]

Sie war bei der berühmten Aktion Kunst und Revolution 1968 – indirekt als Beleuchterin – und ebenso an anderen Aktionen der Gruppe Wiener Aktionismus beteiligt. Obwohl sie durch ihre persönlichen Beziehungen direkten Kontakt zu den Wiener Aktionisten hatte, betonte Export immer wieder die Unterschiede zu den Aktionen der Gruppe. Später sagte sie in einem Interview: „Ein Teil meiner Arbeiten ist sicherlich mit dem Wiener Aktionismus verbunden, obwohl es gravierende Unterschiede gibt. Ich fühle mich der ganzen Richtung des Aktionismus zugehörig, ich sehe mich, neben meiner Arbeit als Medienkünstlerin oder Filmemacherin, vor allem als Aktions- und Performancekünstlerin. Das würde ich aber nicht mit dem Wiener Aktionismus vergleichen, weil er von meinen Formen der Arbeit ästhetisch, inhaltlich und formal unterschieden war.“ [10]

Mitte der 1970er Jahre bis heute[Bearbeiten]

1977 nahm sie an der documenta 6 in Kassel teil. 1980 vertrat sie gemeinsam mit Maria Lassnig Österreich auf der Biennale in Venedig. 1985 wurde ihr Spielfilm Die Praxis der Liebe in der Kategorie Buch und Regie für den Goldenen Bären der Internationalen Filmfestspiele von Berlin nominiert.[11] 2007 war sie sowohl auf der Biennale in Venedig als auch auf der documenta 12 vertreten.[12] 2011 zeigten die Österreichische Galerie Belvedere und das Museion in Bozen ihre Ausstellung Zeit und Gegenzeit.[13] Im Kunsthaus Bregenz zeigte sie 2011/2012 ihre Ausstellung Archiv. Vom 27. Januar bis zum 3. März 2012 wurde eine Ausstellung in der Charim Galerie in Wien gezeigt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Valie Export (2012)

Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1976 VALIE EXPORT. Körperkonfigurationen. 1972–76. Galerie Krinzinger, Wien (AT)
  • 1980 VALIE EXPORT. Galerie in der Staatsoper, Wien (AT)
  • 1992 VALIE EXPORT. Lebend oder tot. Retrospektive. Ladengalerie Linz am Oberösterreichischen Landesmuseum, Linz (AT)
  • 1997 Split Reality: VALIE EXPORT. Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig, 20er Haus, Wien (AT)
  • 2004 VALIE EXPORT. Camden Arts Centre, London (UK)
  • 2007 VALIE EXPORT. Centre Georges Pompidou, Paris (FR)
  • 2012 VALIE EXPORT Archiv. Kunsthaus Bregenz, Bregenz (AT)
  • 2014 VALIE EXPORT. Kunsthaus, Weiz (AT)

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Assmann (Hrsg.): Valie Export. Oberösterreichische Landesgalerie, Linz 1992. ISBN 3-900746-48-6.
  • Robert Kudielka, Michael Schoenholtz, Inge Zimmermann (Vorw.): aus. gezeichnet. zeichnen. Eine Ausstellung der Sektion Bildende Kunst. Akademie der Künste, 25. April bis 14. Juni 2009, ISBN 978-3-88331-127-2.
  • Roswitha Mueller: Valie Export - Bild-Risse. Passagen-Verlag, Wien 2002. ISBN 3-85165-354-8.
  • Anita Prammer: Valie Export, eine multimediale Künstlerin. Wiener Frauenverlag 1988. ISBN 3-900399-25-5.
  • Thomas Trummer (Hrsg.): Valie Export: Serien. Revolver Archiv für aktuelle Kunst, Frankfurt am Main 2004. ISBN 3-86588-050-9.
  • Andrea Zell: Valie Export. Inszenierung von Schmerz: Selbstverletzung in den frühen Aktionen. Reimer, Berlin 2000. ISBN 3-496-01224-2.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Valie Export – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Homepage von Valie Export
  2. Katja Nicodemus: Sie zeigt es uns. Eine Doppelausstellung in Linz und Wien feiert die große politische Künstlerin Valie Export. in Die Zeit, Nr. 46, 11. November 2010, S. 71
  3. Andrea Zell: Valid Export. Inszenierung von Schmerz: Selbstverletzung in den früheren Aktionen. Berlin 2000, S. 15.
  4. http://www.valieexport.at/de/biografie/biografie/
  5. http://pomeranz-collection.com/?q=de/node/106, abgerufen am 31. August 2014
  6. Ines Kappert: Die Mechaniken des Blicks. Valie Export hat die Medienkunst miterfunden und geprägt In: Jungle World Nr. 5, 30. Januar 2003
  7. Andrea Zell: Valie Export. Inszenierung von Schmerz: Selbstverletzung in den früheren Aktionen. Berlin 2000, S. 35.f.
  8. http://www.medienkunstnetz.de/werke/tapp-und-tastkino/video/1/
  9. Gerald A. Matt und Österreichisches Parlament (Hg.): Österreichs Kunst der 60er-Jahre. Gespräche. 2011, S. 92.
  10. Andrea Zell: Valid Export. Inszenierung von Schmerz: Selbstverletzung in den früheren Aktionen. Berlin 2000, S. 18.
  11. http://www.valieexport.at/de/biografie/, abgerufen auf der Hauptseite am 12. November 2010
  12. http://www.valieexport.at/de/biografie/biografie/, abgerufen zum Jahr 2007 am 12. November 2010
  13. http://www.deepdyve.com/lp/mit-press/location-and-dislocation-the-media-performances-of-valie-export-dEbk7yoqfg, Ausstellungsbesprechung von Mechtild Widrich in PAJ (MIT Press)
  14. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)