Value Investing

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Value Investing (englisch für „wertorientiertes Anlegen“) ist eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen für Wertpapiere ausschließlich unter Bezugnahme auf deren realwirtschaftlichen Gegenwert, den so genannten inneren Wert (engl. intrinsic value) getroffen werden.

Ablauf[Bearbeiten]

Der Anleger versucht zunächst, den inneren Wert eines Wertpapiers mittels der Fundamentalanalyse zu bestimmen. Anschließend nutzt er zeitweilige Ineffizienzen an den Finanzmärkten bei der Preisbildung aus, indem er gezielt bei aus seiner Sicht zu niedrigen Preisen kauft (Stock Picking) und gegebenenfalls ebenso gezielt bei aus seiner Sicht zu hohen Preisen wieder verkauft. Das erklärte Ziel der Strategie liegt vor allem in der Vermeidung von Verlusten und unangemessen niedriger Renditen auf das eingesetzte Kapital. Als gewollter Nebeneffekt stellen sich dabei in der Regel für die jeweilige Anlageklasse überdurchschnittlich hohe Erträge ein.

Als Maßgabe für den inneren Wert eines Wertpapiers (z. B. einer Aktie) können dabei je nach Anlageklasse und Situation der Substanz-, der Liquidations- oder der Ertragswert dienen. Die Bestimmung des inneren Werts unterliegt dabei aber gewissen Schwierigkeiten, was meist nur eine ungefähre Schätzung erlaubt. Aufgrund dieser Ungenauigkeit besteht der Value-Investor beim Kauf eines Wertpapiers auf eine sogenannte Sicherheitsmarge (engl. margin of safety), einen ausreichend hohen Abstand zwischen dem Preis und dem geschätzten inneren Wert. Denn je niedriger der Kaufpreis im Vergleich zum inneren Wert ist, desto geringer ist das Risiko mit der Beteiligung Geld zu verlieren.

Entstehung[Bearbeiten]

Als Urvater des Value Investing gilt der US-amerikanische Intellektuelle Benjamin Graham (1894–1976) mit seinem 1934 erschienenen Buch Security Analysis, welches noch heute als die „Bibel[1] oder das „Alte Testament[2] des Value-Investing gilt. In jüngerer Zeit spielen aber zunehmend auch eher subjektive Faktoren eine Rolle, wie sie vor allem von Philip Fisher postuliert worden sind. Dazu gehören etwa die Robustheit des Geschäftsmodells, die Qualität des Managements sowie mögliche Wettbewerbsvorteile des Unternehmens.

Der bekannteste Vertreter und zugleich Verfechter der Value-Investing-Strategie ist einer von Grahams Schüler, der US-amerikanische Multimilliardär Warren Buffett, der es mit dieser Strategie zum drittreichsten Menschen der Welt (2012) gebracht hat.

Benjamin Graham verfasste 1949 sein einflussreiches Werk „The Intelligent Investor“, das Warren Buffett als das „mit Abstand beste Buch, das jemals für Anleger geschrieben wurde“ bezeichnete. Es beeinflusste neben Warren Buffett auch John Templeton, Philip Fisher und Peter Lynch. In seinem Buch Security Analysis (1934) geht Benjamin Graham als Erster klar auf den fundamentalen Unterschied zwischen Investition und Spekulation ein. Wenn man Aktien kauft, solle man sich als Investor so verhalten, wie wenn man sich an einem Unternehmen beteilige und sich nicht nur von steigenden Kursen blenden lassen. Weiters behauptete Graham früh, dass Aktienmärkte nicht immer effizient funktionieren und besonders auf kurze Sicht stark von menschlicher Psychologie beeinflusst werden können (Behavioral Finance).

Methoden und Arbeitsweisen von Value-Investoren[Bearbeiten]

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Momentum Investing (das Investieren in Aktien, die in letzter Zeit eine überdurchschnittliche Performance aufwiesen) sich daran orientiert, was momentan an der Börse populär ist. Im Gegensatz dazu orientiert sich das Value Investing eher daran, was momentan aus der Mode geraten ist (Contrarian Strategie). Obwohl der Name Value-Investor demnach schon auf einen bestimmten Investment-Ansatz hindeutet, haben sich die meisten erfolgreichen „Value-Investoren“ schon sehr früh vom kategorischen Anlagedenken verabschiedet. Entscheidend ist die richtige Beurteilung von einzelnen Unternehmen und deren Bewertung, nicht jedoch in welcher Anlagekategorie sie sich befinden. Es ist das System des Business Perspective Investing, des Investierens in die wirtschaftliche Aussicht eines Unternehmens.[3]

Beim Value Investing geht es konkret um die Suche nach unterbewerteten Unternehmen. Darüber hinaus sollte ein Unternehmen ein herausragendes Geschäftsmodell und einen oder mehrere Wettbewerbsvorteile besitzen. In diesem Punkt ähnelt das Value Investing dem Quality Investing. Ein Quality-Investor kauft ein Unternehmen, weil es ein exzellentes Unternehmen ist und zudem ein attraktives Bewertungsniveau aufweist. Bei Value-Investoren steht dagegen die Bewertung des Unternehmens im Vordergrund. Aus diesem Grund reicht es einem Value-Investor nicht, nur wirklich gute Unternehmen zu suchen und zu kaufen. Hat man in einem ersten Schritt ein interessantes Unternehmen gefunden, wird in einem zweiten Schritt dessen zukünftige Ertragskraft in Relation zur aktuellen Bewertung des Unternehmens gesetzt. Nur wenn der aktuelle Kurs zu einem deutlichen Abschlag zum inneren Wert des Unternehmens notiert, wird sich ein disziplinierter Value-Investor engagieren. Dieser Abschlag ist die erforderliche Sicherheitsmarge (engl. margin of safety) für ein Investment und beträgt je nach persönlicher Ausrichtung des Investors bis zu 50 %, in seltenen Fällen auch mehr. Die Sicherheitsmarge ist das zentrale Anlagekonzept beim Value Investing.

Wenn man Investitionen am Kapitalmarkt und an der Börse als unternehmerische Beteiligung ansieht, wird man - so die Vertreter des Value Investing - seine Chancen langfristig erhöhen und das Verlustpotenzial deutlich begrenzen. Dies ist der Grundgedanke des Value Investings und der signifikante Unterschied zur Spekulation.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Greenwald, Bruce C. N.: Value investing : from Graham to Buffett and beyond. Wiley, New York, NY 2001, ISBN 0-471-38198-5.
  •  Klarman, Seth A.: Margin of safety : risk-averse value investing strategies for the thoughtful investor. Harper Business, New York, NY 1991, ISBN 0-88730-510-5.
  •  Buffett, Mary; Clark, David: Buffettology. Ueberreuter, Wien 1998, ISBN 3-7064-0472-9.

Weblinks[Bearbeiten]

  • valueinvesting.de − Website über die Geschichte des Value Investing, mit Investorenbiographien
  • sfg-value.de - Website über die aktuelle Entwicklung des Value Investing, mit Beispielen
  • purerating.com - Website mit aktuellen Aktienanalysen auf Basis des Value Investing, mit vielen Informationen zum Thema

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Klarman, Seth A.: Margin of safety : risk-averse value investing strategies for the thoughtful investor. Harper Business, New York, NY 1991, ISBN 0-88730-510-5, S. xiv.
  2.  Greenwald, Bruce C. N.: Value investing : from Graham to Buffett and beyond. Wiley, New York, NY 2001, ISBN 0-471-38198-5, S. 278.
  3.  Buffett, Mary; Clark, David: Buffettology. Ueberreuter, Wien 1998, ISBN 3-7064-0472-9, S. 17.