Value Investing

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Value Investing (engl. „wertorientiertes Anlegen“) ist eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen für Wertpapiere ausschließlich unter Bezugnahme auf deren realwirtschaftlichen Gegenwert, den so genannten inneren Wert (engl. intrinsic value) getroffen werden.

Ablauf[Bearbeiten]

Der Anleger versucht dabei zunächst, diesen inneren Wert jenes Papiers zu bestimmen, meist mittels Fundamentalanalyse. Anschließend nutzt er zeitweilige Ineffizienzen der Finanzmärkte bei der Preisbildung jener Wertpapiere aus, indem er bei aus seiner Sicht zu niedrigen Preisen gezielt kauft und gegebenenfalls bei zu hohen Preisen ebenso gezielt wieder verkauft. Das erklärte Ziel der Strategie liegt vor allem in der Vermeidung von Verlusten und unangemessen niedriger Renditen auf das eingesetzte Kapital. Als gewollter Nebeneffekt stellen sich dabei in der Regel für die jeweilige Anlageklasse überdurchschnittlich hohe Erträge ein.

Als Maßgabe für den inneren Wert eines Wertpapiers können dabei je nach Anlageklasse und Situation dienen der Substanz- oder Liquidationswert, der Ertragswert oder das realwirtschaftliche Wachstum. Die Bestimmung des inneren Werts unterliegt dabei aber gewissen Schwierigkeiten, was meist nur eine ungefähre Schätzung erlaubt. Aufgrund dieser Ungenauigkeit besteht der erklärte Value-Investor beim Kauf eines Wertpapiers auf ausreichenden Abstand zwischen dem Preis und dem geschätzten inneren Wert, der sogenannten Sicherheitsmarge (englisch: Margin of Safety). Denn je tiefer der Kaufpreis zum inneren Wert ist, desto geringer ist das Risiko mit der Beteiligung Geld zu verlieren.

Entstehung[Bearbeiten]

Als Urvater des Value Investing gilt der US-amerikanische Intellektuelle Benjamin Graham mit seinem 1934 erschienenen Buch Security Analysis, welches noch heute als die „Bibel[1] oder das „Alte Testament[2] des Value-Investing gilt. In jüngerer Zeit spielen aber zunehmend auch eher subjektive Faktoren eine Rolle, wie sie vor allem von Philip Fisher postuliert worden sind. Dazu gehören etwa die Robustheit des Geschäftsmodells, die Qualität des Managements sowie mögliche Wettbewerbsvorteile des Unternehmens.

Der bekannteste Vertreter und zugleich Verfechter der Value-Investing-Strategie ist einer von Grahams Schülern, der US-amerikanische Multimilliardär Warren Buffett, der es mit dieser Strategie zum (2012) drittreichsten Menschen der Welt gebracht hat.

Benjamin Graham (1894–1976) verfasste 1949 sein einflussreiches Werk „The Intelligent Investor“, das Warren Buffett als das „mit Abstand beste Buch, das jemals für Anleger geschrieben wurde“ bezeichnet. Es beeinflusste neben Warren Buffett auch John Templeton, Philip Fisher, Peter Lynch und Amit Ayare. Auch in Grahams erstem Buch „Security Analysis“ von 1934 geht er als erster klar auf den fundamentalen Unterschied zwischen Investition und Spekulation ein. Außerdem behauptete Graham früh, dass Aktienmärkte nicht immer effizient funktionieren und besonders auf kurze Sicht stark von menschlicher Psychologie beeinflusst werden können. Wenn man also Aktien kauft, solle man sich verhalten, wie wenn man sich an einem Unternehmen beteilige, unternehmerisch denken und sich nicht nur von steigenden Kursen blenden lassen.

Methoden und Arbeitsweisen von Value-Investoren[Bearbeiten]

Grundsätzlich kann man sagen, dass das Momentum Investing (Investieren in Aktien mit überdurchschnittlicher Performance) sich daran orientiert, was momentan an der Börse populär ist. Im Gegensatz dazu orientiert sich die Philosophie des Value Investing eher daran, was momentan aus der Mode geraten ist. Obwohl der Name Value-Investor demnach schon auf einen bestimmten Investment-Ansatz hindeutet, haben sich die meisten erfolgreichen „Value-Investoren“ schon sehr früh vom kategorischen Anlagedenken verabschiedet. Entscheidend ist die richtige Beurteilung von einzelnen Unternehmen und deren Bewertung, nicht jedoch in welcher Anlagekategorie sie sich befinden. Es ist das System des Business Perspective Investing, des Investierens in die wirtschaftliche Aussicht eines Unternehmens.[3]

Beim Value Investing geht es konkret um die Suche nach unterbewerteten Unternehmen. Darüber hinaus sollte ein Unternehmen über ein herausragendes Geschäftsmodell verfügen und möglichst hohe Wettbewerbsvorteile haben. In diesem Punkt ähnelt Value Investing dem Quality Investing. Ein Quality-Investor kauft ein Unternehmen, weil es ein exzellentes Unternehmen ist und zudem ein attraktives Bewertungsniveau aufweist. Bei Value-Investoren steht dagegen die Bewertung des Unternehmens im Vordergrund. Aus diesem Grund reicht es Value-Investoren nicht nur, wirklich gute Unternehmen zu suchen und dann zu kaufen. Hat man in einem ersten Schritt ein interessantes Unternehmen gefunden, wird in einem zweiten Schritt dessen zukünftige Ertragskraft in Relation zur aktuellen Bewertung des Unternehmens gesetzt. Nur wenn der aktuelle Kurs zu einem deutlichen Abschlag zum inneren Wert des Unternehmens notiert, wird sich ein disziplinierter Value-Investor engagieren. Dieser Abschlag ist die sogenannte „margin of safety“, also die erforderliche Sicherheitsmarge für ein Investment. Je nach persönlicher Ausrichtung des Investors beträgt sie bis zu 50 %, in seltenen Fällen mehr. Die Sicherheitsmarge ist das zentrale Anlagekonzept beim Value Investing.

Wenn man Investitionen am Kapitalmarkt und an der Börse als unternehmerische Beteiligung ansieht, anstatt sich ein Casino vorzustellen, wird man, so die Vertreter des Value Investing, seine Chancen langfristig erhöhen und das Verlustpotenzial deutlich mindern. Dies – der Unterschied zwischen Investition und Spekulation – ist Grundgedanke des Value Investing.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Greenwald, Bruce C. N.: Value investing : from Graham to Buffett and beyond. Wiley, New York, NY 2001, ISBN 0-471-38198-5.
  •  Klarman, Seth A.: Margin of safety : risk-averse value investing strategies for the thoughtful investor. Harper Business, New York, NY 1991, ISBN 0-88730-510-5.
  •  Buffett, Mary; Clark, David: Buffettology. Ueberreuter, Wien 1998, ISBN 3-7064-0472-9.

Weblinks[Bearbeiten]

  • valueinvesting.de − Website über die Geschichte des Value Investing, mit Investorenbiographien
  • sfg-value.de - Website über die aktuelle Entwicklung des Value Investing, mit Beispielen
  • purerating.com - Website mit aktuellen Aktienanalysen auf Basis des Value Investing, mit vielen Informationen zum Thema

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Klarman, Seth A.: Margin of safety : risk-averse value investing strategies for the thoughtful investor. Harper Business, New York, NY 1991, ISBN 0-88730-510-5, S. xiv.
  2.  Greenwald, Bruce C. N.: Value investing : from Graham to Buffett and beyond. Wiley, New York, NY 2001, ISBN 0-471-38198-5, S. 278.
  3.  Buffett, Mary; Clark, David: Buffettology. Ueberreuter, Wien 1998, ISBN 3-7064-0472-9, S. 17.