Vampyr – Der Traum des Allan Grey

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Filmdaten
Originaltitel Vampyr – Der Traum des Allan Grey
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Erscheinungsjahr 1932
Länge 73 Minuten
Stab
Regie Carl Theodor Dreyer
Drehbuch Christen Jul
Carl Theodor Dreyer
Produktion Carl Theodor Dreyer
Julian West (Pseudonym von Nicolas de Gunzburg)
Musik Wolfgang Zeller
Kamera Rudolph Maté
Schnitt Paul Falkenberg
Besetzung

Vampyr – Der Traum des Allan Grey ist ein Horrorfilm des dänischen Filmregisseurs Carl Theodor Dreyer, der von April bis Oktober 1930 produziert und am 6. Mai 1932 in Deutschland erstmals aufgeführt wurde. Er basiert lose auf der Novelle Carmilla des irischen Autors Joseph Sheridan Le Fanu.

Handlung[Bearbeiten]

Allan Grey, ein Student auf der Durchreise, kehrt in der Nähe der französischen Ortschaft Courtempierre in ein Gasthaus ein. Der Student erfährt, dass hier unheimliche Ereignisse stattfinden: die alte Vampirin Marguerite Chopin hält das Dorf in ihrem Bann. Auch das Mädchen Léone steht unter ihrem Einfluss und leidet auf ihrem Krankenlager. Der Schlossherr Bernard erfleht Greys Hilfe, den Bann zu brechen. Grey willigt ein, gegen die Vampirin und ihre Gehilfen, einen Arzt und einen einbeinigen Soldaten, vorzugehen. Dabei wird der Student von erschreckenden Visionen geplagt; er muss unter anderem sein eigenes Begräbnis durchleben. Letztendlich schafft er es, mit Hilfe eines Dieners den Körper der Vampirin zu exhumieren und sie mit einem Pfahl zu durchbohren. Das Dorf ist damit befreit und Léone gesundet.

Hintergrund[Bearbeiten]

Obwohl Vampyr Carl Theodor Dreyers erster Tonfilm war, enthält er zahlreiche Zwischentitel, teilweise übertrieben körperbetonte Darstellungen und relativ wenig gesprochenen Text.

Die simple Handlung und die knappen Dialoge des Films treten jedoch gegenüber der visuellen Aussagekraft in den Hintergrund.

Durch den Einsatz spezieller Kamerafilter (teilweise aus Gaze) und einer ausgefeilten Beleuchtungstechnik (die Außenaufnahmen wurden bei Morgen- bzw. Abenddämmerung gedreht) erzeugte Dreyer eine unheimliche und traumartige Atmosphäre. Die für damalige Verhältnisse bemerkenswerten und innovativen Spezialeffekte (Schatten führen ein reges Eigenleben, Allen sieht sich selbst im Sarg liegen, Szenen laufen rückwärts ab) tragen einen weiteren, wesentlichen Teil zur unheimlichen und surrealen Wirkung des Films bei.

Das Grauen, das Dreyer mit Vampyr erzeugen wollte, beschrieb er einmal mit folgenden Worten: „Stell dir vor, wir sitzen in einem gewöhnlichen Zimmer. Plötzlich erfahren wir, dass sich eine Leiche hinter der Tür befindet. Mit einem Mal hat sich das Zimmer, in dem wir sitzen, völlig verändert: Alles in ihm hat eine neue Bedeutung. Das Licht, die Atmosphäre haben sich verändert, obwohl sie rein physisch dieselben sind. Der Grund ist, dass wir uns verändert haben.“

Bei der Besetzung verzichtete Dreyer größtenteils auf professionelle Schauspieler und griff hauptsächlich auf Laien zurück. Da der Film auf Deutsch gedreht wurde, viele der Akteure diese Sprache jedoch nicht beherrschten, lernten sie ihre Texte phonetisch. Mit dem Geld des niederländischen Filmenthusiasten Nicolas de Gunzburg wurde Vampyr produziert und dieser trat unter dem Pseudonym Julian West auch in der Hauptrolle auf.

Heute gilt Vampyr als ein früher Klassiker des Horrorgenres und ein Meilenstein der Filmtechnik.

Kritik[Bearbeiten]

  • Lexikon des Internationalen Films: Durch die subtile Lichtregie und kaum merkliche Akzentverschiebungen entsteht ein Klima unfaßbarer Bedrohung, in dem sich Traum und Wirklichkeit in ständigem Wechsel durchdringen. Auf raffinierte Weise entzieht sich der Film sowohl den expressionistischen Normen des Fantastischen als auch der naturalistisch-künstlichen Darstellung des Grauens.

Physisches Filmmaterial und Erhaltung[Bearbeiten]

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Bei der VHS-Aufzeichnung im Seminar für Filmwissenschaft an der Universität Zürich (Kassette, Nummer 29, 14. Januar 1991) handelt es sich um eine Ausstrahlung von antenne2. Dort wurde eine Kopie in der Länge von 5688 Fuß (63 Minuten 12 Sekunden) schwarzweiß abgetastet oder schwarzweiß gesendet.

Mit der Laufgeschwindigkeit unserer europäischen Fernsehsysteme von zwei Mal 25 Halbbildern je Sekunde (Netzfrequenz 50 Hz) wird der Film um zweieinhalb Minuten „kürzer“ und läuft über 60 Minuten 40 Sekunden. In Nordamerika besteht ein 60-Hz-Netz. Die TV-Apparate bauen entsprechend zwei Mal 30 Halbbilder pro Sekunde auf. Die Filmabtastung geschieht über aufwendige mechanische oder elektronische Anlagen mit 24 Bildern in der Sekunde unter Teilung der 60 Hz durch 2½.

Vampyr wird in verschiedenen Quellen zu Dreyers Schaffen mit der Originallaufzeit von 83 Minuten erwähnt. Dies entspricht der Länge von 7450+ Fuß. In der dänischen Cinémathèque liegen ein Duplikatpositiv von 6676+ Fuß und ein Duplikatnegativ von 6725+ Fuß. Zu einer Ausstrahlung des Titels 1968 schreibt das ZDF, die Aufzeichnung dauere 65 Minuten.

1948 hat die Autorengemeinschaft Aldo Buzzi - Bianca Lattuada bei der Società Polìgono in Milano die Analyse einer Kopie veröffentlicht. Diese Kopie stammte aus der cineteca Mario Ferrari und war 102'166 Bilder lang: 6385 Fuß und 6 Bilder, Laufzeit 70 Minuten 57 Sekunden.

Die in der Schrift abgedruckten Fotografien aus der Kopie und die Beschreibung jeder einzelnen Einstellung zeigen, daß die fehlende Länge nicht en bloc herausgefallen, sondern über den Film verteilt ist. Die Verluste machen mindestens einen bis fast zwei 1000-Fuß-Akte aus. Was fehlt in Vampyr?

Das fehlende Material ohne Unterlagen auszumachen, ist heute schwierig. Anlaß zu den Verstümmelungen war entweder Zensur oder die Tatsache, dass die Kopien wegen der Färbung voll von Klebestellen sind. Auseinanderfallende Klebestellen provozieren im Kinoprojektor leicht Brände. Fehlt eine Liebesgeschichte?

Die Fotografien geben weiter Aufschluss über Dinge, die am Bildschirm oder in der Video-Projektion verborgen bleiben. Der Film wurde im Format Vollbild minus Tonspurbreite gedreht. Das Vollformat-Bildfenster der Kamera (Debrie Parvo) wurde in der Breite der später mitkopierten Tonspur zugelötet. Eine entsprechende Suchermarkierung wurde zugefügt, um dem denzentrierten Ausschnitt gerecht zu werden. Wieviel auf den Bildern wirklich drauf ist, können wir ohne Original oder Kopie davon nicht sagen. Der Bildstrich des PAL-Fernsehsystems ist breiter als der von Vampyr.

Das Bildformat existierte von 1927 (Fox Movietone Newsreel) bis 1932 (Academy-Norm). Heute kommt ihm das Bild CinemaScope-Lichtton (1953) auf dem Film sehr nahe. Der Unterschied besteht in der Höhe der Bildfenstermaske im Projektor. Vollbild-Lichtton-Filme können mit wenig Anpassung in jedem heutigen Kino korrekt gespielt werden. Der „Schwebeeffekt“, welchen Buzzi und Lattuada ausmachten, darf nun aber nicht mit dem Geisterhaften der Figuren in Zusammenhang gebracht werden. Die Autoren machten sich nämlich ebenso wenig einen Reim auf die Diskrepanz ihrer Fotografien (Seitenverhältnisse zwischen 23:20 und 25:20) zum Academy-Ausschnitt ihres Betrachtungsgerätes, wie es die Leute von antenne2 zustande brachten, die wegen „Weichzeichnereffekten“ augenfällig kolorierte Kopie nicht in ihrer Farbigkeit auszustrahlen. Eine andere Erklärung dafür, dass einzelne Einstellungen wie die des Mühlwerkes am Schluss hart im Kontrast und scharf sind, gibt es außerhalb der Kopieeinfärbung nicht. Es ist jedoch trotzdem unwahrscheinlich, dass man bei antenne2 eine Farbkopie schwarzweiß wiedergibt. Folglich muss es sich um eine Dupkopie handeln, einen Abklatsch von einer Kinokopie oder die Kopie eines Duplikatnegatives einer solchen. Wo ist das Original?

Zur Tonqualität der Ferrari-Kopie sagen Buzzi und Lattuada, dass bestimmte Stellen schlecht oder nicht verständlich wären. Es handelt sich bei ihrer Fassung (Textabdruck der Titel) um eine französische Synchronisation (neben deutscher und englischer von Dreyer). Die Verständlichkeit der deutschen Seminaraufzeichnung ist gut, also müssen die Italiener eine Schwierigkeit mit dem Französischen oder eine Dupkopie vor sich gehabt haben. Manchmal werden auch Tonnegative dupliziert, womit die Qualität drastisch verliert. Als der Film verbreitet wurde, gab es noch keine schlupffreien Tonkopiermaschinen.

Eine Dupkopie ist auch im Besitze des Filmmuseums München. Sie misst angeblich 1999 Meter. Das sind 6558 Fuß und 6 Bilder, Laufzeit 72 Minuten 52 Sekunden. Die entsprechende Bilderzahl ist 104.934.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Joseph Sheridan Le Fanu: Carmilla, der weibliche Vampir. Eine Vampirgeschichte. (Originaltitel: Carmilla). Deutsch von Helmut Degner. Mit Zeichnungen von Edward Ardizzone. Diogenes, Zürich 1979, 121 S., ISBN 3-257-20596-1.
  • Christa Bandmann und Joe Hembus: Klassiker des deutschen Tonfilms 1930-1960. München 1980, Seite 55-57.
  • William K. Everson: Klassiker des Horrorfilms. (OT: Classics of the Horror Film). Goldmann, München 1982, ISBN 3-442-10205-7, u. a. S. 70-77.
  • Jacques Aumont: Vampyr de Carl Th. Dreyer. Editions Yellow Now, Crisnée 1993.
  • Marcus Stiglegger: Ein Traum in einem Traum. Carl Thedoro Dreyers Vampyr - Der Traum des Allan Gray (1932). In: Stefan Keppler: Der Vampirfilm. Klassiker des Genres in Einzelinterpretationen. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, S. 73-84.

Weblinks[Bearbeiten]