Van Gogh (1991)

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Filmdaten
Deutscher Titel Van Gogh
Originaltitel Van Gogh
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1991
Länge 158 Minuten
Stab
Regie Maurice Pialat
Drehbuch Maurice Pialat
Produktion Sylvie Danton,
Daniel Toscan du Plantier
Musik A. Bernot, J.M. Bourget, J. Dutronc, P. Revedy
Kamera Gilles Henri,
Jacques Loiseleux,
Emmanuel Machuel
Schnitt Yann Dedet,
Nathalie Hubert,
Hélène Viard
Besetzung

Van Gogh ist ein französischer Spielfilm aus dem Jahr 1991. Unter der Regie von Maurice Pialat behandelt der Film die letzten drei Monate im Leben des Malers Vincent van Gogh, der vom 17. Mai bis zum 27. Juli 1890 in Auvers-sur-Oise bei Paris lebte, dort nicht nur durch einen Pistolenschuss in die Brust Selbstmord verübte, sondern auch in einen sogenannten "Schaffensrausch" verfiel, der der Nachwelt rund 80 Gemälde und 60 Zeichnungen hinterließ, darunter so berühmt gewordene wie die Portraits von Dr. Gachet Porträt des Dr. Gachet, Marguerite Gachet am Klavier, Fräulein Gachet im Garten, Die Kirche von Auvers, Straße mit Zypressen, Weizenfeld unter bewölktem Himmel und Weizenfeld mit Krähen.

Handlung[Bearbeiten]

Erzählt werden die letzten drei Lebensmonate von Vincent van Gogh, als er am Bahnhof von Auvers-sur-Oise ankommt, sein Zimmer im Gasthof Ravoux bezieht und Paul Gachet seinen ersten Besuch abstattet, denn er untersucht ihn als Arzt, um seine Kopfschmerzen und die Depressionen zu therapieren, an denen er seit seinem Nervenzusammenbruch in Arles leidet. Gleichzeitig ist Gachet sein Berater und Förderer, da er selbst malt und ihn die internationale Kunstszene interessiert, somit ist er Arzt, Berater, Freund und Gesprächspartner in einem. Vincent ist Dauergast bei den Gachets, er wird zum Essen eingeladen, unter den Gästen befindet sich auch sein Bruder Theo, der im nahe gelegenen Paris eine Kunsthandlung betreibt, verheiratet ist und mit seiner Frau Johanna van Gogh-Bonger ein Kind hat, Vincent Willem van Gogh, das erst Monate zuvor geboren wurde. Vincent malt Gachets Tochter Marguerite klavierspielend Marguerite Gachet am Klavier und im Garten Fräulein Gachet im Garten. Später verliebt er sich in sie. Das Verhältnis von Marguerite und Vincent entzweit Vincents Freundschaft zu Gachet. Vincent bezieht ein Atelier, ein verwachsenes altes Bauernhaus im Dorf, erhält Besuch von den ärmsten Dorfbewohnern, darunter Trinker, Wohnungslose, Arbeitslose und Habenichtse.

Vincent hat oft schlechte Laune und es wird sichtbar, dass er unter Depressionen leidet, darüber hinaus ist er leicht streitsüchtig und man sieht ihn mit einem Gesicht von stoischer Gleichgültigkeit und übertriebener Ernsthaftigkeit. Er hat einen Assistenten im Atelier angestellt, mit dem er über Kleinigkeiten und über Details seiner Gemälde in die bereits erwähnten Streitereien gerät. Vincent besucht seinen Bruder Theo in Paris, auch dort gerät er in Streit über die Bilder, die Theo nicht verkaufen kann, kurzzeitig versöhnen sie sich durch einen Besuch im Vergnügungsviertel des Montmartre: Im Le Moulin de la Galette, wo sie den berühmten Cancan in einer langen Einstellung tanzen und die Bekanntschaft mit Henri de Toulouse-Lautrec machen. Dort bekommen sie, oder vielmehr Vincent, Besuch von Marguerite, die ihm heimlich nachreist. Das stärkt die Beziehung und schwächt sie auch wieder, denn auf der Rückreise mit der Bahn nach Auvers gerät Vincent abermals in einen Streit, in dessen Verlauf er sich von Marguerite abwendet.

Vincent bekommt Besuch von Freunden aus der Zeit in Arles, darunter Cathy, die gemeinsame Freundin von Paul Gauguin und Vincent, die Anlass gab, dass beide, Vincent und Paul in Streit gerieten, in dessen Verlauf Vincent einen Nervenzusammenbruch erlitt und sich das Ohr abschnitt, um es Cathy als Geschenk per Post zu schicken.

In Auvers picknicken sie, gehen spazieren und nehmen an Tanzveranstaltungen im Freien teil. Die Spaziergänge sind ausgedehnt, nicht nur Spaziergänge an der Oise mit den Freunden aus Arles und Paris, sondern auch die Gesellschaft um Marguerite, Theo und Gachet finden dort statt, dabei werden Fragen und Themen um das Gebiet der Malerei erläutert, warum zum Beispiel Vincent das Malen von Wasser nicht mag, im Gegensatz zu seinen impressionistischen Malerkollegen Claude Monet oder Auguste Renoir, er es schwierig, die Form, das Aussehen unklar findet und es in jeder Form zu umgehen sucht. Visualisiert wird das am Beispiel Boote am Ufer der Oise (1890). Schließlich leiht sich Vincent eine Pistole von einem der Arleser und Pariser Freunde aus.

Das scheinbar unbeschwerte Leben mit den Freunden aus Arles und Paris, seine schwierige und konfliktreiche Beziehung zu Marguerite, das Verhältnis zu Dr. Paul Gachet und zu seinem Bruder Theo, sowie das vermeintlich erfolglose Malen veranlassen Vincent die geliehene Pistole zu benutzen. Er schießt sich in die Brust. Verletzt wankt er in den Gasthof in sein Zimmer und legt sich schlafen. Madame Ravoux vom Gasthof ruft Gachet und einen anderen Arzt. Es gelingt ihnen jedoch nicht, die Kugel zu entfernen, aus medizinischen Gründen entscheiden sie, statt die Kugel zu entfernen, sie im Körper zu belassen und Vincent stirbt aufgrund von zu starkem Blutverlust und Herzversagen.

Sogar am Sterbebett gerät Vincent in Streit mit Gachet, er versucht ihn mit Händen und Fäusten abzuwehren, was ihm aufgrund seiner Schwächung jedoch nicht gelingt. Mittlerweile kommt auch Bruder Theo aus Paris herbei, Vincent stirbt gewissermaßen in seinen Armen. Der Film endet mit der Beerdigung und einem letzten von Marguerite Gachet in die Kamera gesprochenen Satz.

Wirkung[Bearbeiten]

Im Mittelpunkt des Films steht Vincents Beziehung zu Marguerite. Diese anscheinend komplizierte und von Dr. Gachet nicht geduldete Beziehung stellt ein Sichtbarmachen des inneren Konfliktes des Malers dar. Von dort aus ist jeder Zweig beeinträchtigt, wie die Malerei selbst, das Nicht-Verkaufen seiner Bilder, das Nicht-eingeladen-werden in den Pariser Salon (Salon de Paris), selbst nicht in das der abgelehnten Künstler (Salon des Refuses) des Pariser Salons. Ein anderer Zweig ist der des Innenlebens Vincents, der durch die Liebesziehung ebenfalls beeinflusst und beeinträchtigt ist. Mit der Erfolglosigkeit des Künstlers geht die Spannung zu Bruder Theo einher. Selbst die Beziehung zu Marguerite, die auf einer Ebene Glück oder Unterstützung verspricht, scheitert. Marguerite wird selbst zur schärfsten Kritikerin seiner Werke, obgleich sie als Mensch und Liebhaberin zu ihm steht. Dieser innerer Konflikt durchzieht den Film und verleiht ihm eine poetische Tiefe. Das Konstruktionsgeflecht aus innerer Empfindung und äußerem Erleben, äußeren Erfahren von Erlebtem, scheint in seiner Ganzheit schlüssig und überzeugend.

Hintergrund[Bearbeiten]

Wie in einigen seiner anderen Filme besetzte Maurice Pialat in Van Gogh die Rollen sowohl mit Berufsschauspielern als auch mit Laiendarstellern.

Kritiken[Bearbeiten]

„Die von großer Darstellungskunst und impressionistisch-subtiler Fotografie bestimmte Schilderung der letzten zwei Monate im Leben Vincent van Goghs von Ende Mai bis Ende Juli 1890 im nordfranzösischen Auvers-sur-Oise. In Verknüpfung von Vincents Innendrama und äußerer Schicksalsform mit der wesensverwandten Zerrissenheitstragödie seines Bruders Theo, wie auch im Lebensaufriß prägnanter Nebenfiguren offenbaren sich Leid und Erlösungsbedürftigkeit als Grundlagen menschlicher Existenz.“

Lexikon des Internationalen Films [1]

„Maurice Pialat konzentriert sich auf van Goghs letztes Lebensjahr in Auvers-sur-Oise, auf seine Beziehungen zu Doktor Gachet, seine Tochter, zum Bruder Theo und dessen Frau, sowie zu Freunden und Prostituierten. Aus dem nüchtern gezeichneten Alltag entsteht das Bild eines verschlossenen, zerquälten Menschen, der sich nicht anpassen kann und deshalb überall aneckt. Die in der Rekonstruktion der Epoche stimmige filmische Annäherung an den Künstler van Gogh beläßt diesem das Geheimnis seiner Kreativität. Hervorragend Jacques Dutronc in der Rolle van Goghs.“

Film-Jahrbuch 1993 [2]

„Anders als Altman in Vincent und Theo zielt Pialat nicht auf ein Psychogramm der Brüderbeziehung. Er zeigt Vincent vielmehr als Werktätigen, der sein Produkt, mit dem er sich identifiziert, als gewogen und zu leicht beurteilt sieht. [...] "Van Gogh" ist keine Künstlerbiographie im herkömmlichen Sinne.“

Fischer-Film-Almanach 1993 [3]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Horst Peter Koll u.a. (Hrsg.): Lexikon des internationalen Films. Das komplette Angebot in Kino, Fernsehen und auf Video. Hamburg, 1993. S. 701.
  2. Lothar Just (Hrsg.): Film-Jahrbuch 1993. München, 1993. S. 311f.
  3. Horst Schäfer u.a. (Hrsg.): Fischer-Film-Almanach 1993. Frankfurt am Main, 1993. S. 340f.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Der Film wurde 1991 für die Goldene Palme in Cannes nominiert, erhielt jedoch keine Auszeichnungen.

Bei der Verleihung des César 1992 erhielt Hauptdarsteller Jacques Dutronc die Auszeichnung als bester Schauspieler. Des Weiteren erhielt der Film Nominierungen in den Kategorien bester Film, bester Regisseur, bester Nebendarsteller (Gerard Sety und Bernard Le Coq), beste Kamera, bestes Szenenbild, bestes Originaldrehbuch, beste weibliche Hauptrolle (Elsa Zylberstein), beste Kostüme sowie beste Ausstattung.

Elsa Zylberstein erhielt neben der César-Nominierung zudem den Prix Michel Simon als beste Schauspielerin.

Darüber hinaus wurde dem Film der Publikums- und Kritikerpreis der Radiosendung Masque et la Plume verliehen.

Weblinks[Bearbeiten]