Vaquero

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum uruguayischen Fußballspieler siehe Cristian Vaquero.

Der Vaquero ist allgemein der berittene Rinderhirte Spaniens und vieler seiner lateinamerikanischen Kolonien, wo er z. B. als Huaso (Chile), Gaucho (Argentinien, Uruguay), Vaqueiro (Brasilien) oder Charro (Mexiko) etc. auftritt. Im benachbarten Portugal versieht er ähnliche Arbeiten, heißt dort aber Campino und trägt eine völlig andere Tracht.

Der Vaquero trägt einen flachen Filzhut, eine kurze Jacke, ein Hemd und eine Leibbinde, gestreifte Hosen und Lederstiefel mittlerer Höhe. Seine Beine schützt er zu Pferd mit ledernen Beinlingen, den sogenannten Zahones. Seine Ausrüstung umfasst außerdem Rädchensporen und eine ca. drei Meter lange Treibestange, die Garrocha.

Haltung, Reitstil und Lebensführung sind meist von einem gewissen Machismo geprägt, einer männlichen Lebenseinstellung, die Stolz, Eitelkeit und Wagemut beinhaltet. Der Vaquero reitet einhändig, mit aufrechtem Sitz und fast nur in den Gangarten Schritt und kurzer Galopp; der unbequeme Trab wird gemieden. Viele Vaqueros und ihre Pferde beherrschen auch recht schwierige Lektionen wie Piaffen, Levaden oder Traversalen. Das Bild des Vaquero wurde in den letzten Jahren durch zahlreiche Showauftritte spanischer oder quasi-spanischer Reiter im übrigen Europa bekannt, vor allem in Verbindung mit kunstvoller Garrocha-Beherrschung oder mit Flamenco-Untermalung.

Doma Vaquera[Bearbeiten]

In Spanien ist der Vaquero insbesondere der Hüter der Rinderherden, daher sein Name, "Rinder- oder Kuhmann" - von vaca, die Kuh, das Rind. Er arbeitet vornehmlich mit den Zuchtrindern der großen Landwirtschaftsbetriebe, welche auch die Kampfstiere für den Stierkampf hervorbringen. Zum Treiben, Separieren, Einholen oder Abdrängen der oft recht aggressiven Rinder ist die Verwendung eines gut ausgebildeten, ausdauernden Pferdes unerlässlich. Die spezielle, für das Hüten und Treiben von Rindern entwickelte Arbeitsreitweise stammt vermutlich ursprünglich aus dem iberischen Raum. Die wiederum aus ihr entwickelte Ausbildungsweise der Pferde nennt man Doma Vaquera, wörtlich die "Zähmung für Rinder".

Seit einigen Jahrzehnten wird sie unter diesem Namen in Spanien auch als eigener sportlicher Wettbewerb geritten. Die verlangten Lektionen sind der alltäglichen Arbeit am "Campo" (dem Weideland) entnommen und ähneln jenen der Western-Reitweise (Reining). Sein Pferd ist meist ein entsprechend ausgebildeter Andalusier mit gut entwickeltem Cow Sense, oder ein so genannter Tres Sangres, ein speziell für die Rinderarbeit entwickelter Typ aus Englischem Vollblut, Araber und Andalusier. Mitunter kommen auch Kreuzungen aus nur zwei dieser Rassen bzw. mit Quarter Horses zum Einsatz. Ein Hirtenpferd muss wendig, sensibel, reaktionsschnell, mutig, rittig und intelligent sein Wendigkeit, über eine hohe Beschleunigung und Cow sense verfügen. Cow sense ist ein instinktives Eingehen auf das Verhalten von Rindern. Ein guter Vaquero ist imstande, seine Pferde dahingehend auszubilden und in der Regel ein instinktiver, sicherer und umsichtiger Reiter. Jedoch sind nahezu weltweit alle Arbeitsreiter wenig zimperlich im Umgang und der Ausbildung ihrer Reittiere, da sie ja unbedingten Gehorsam einfordern müssen. Das Wort Doma für Einreiten, Zureiten, Zähmen oder Einbrechen bedeutet wörtlich Unterwerfung und weist bereits darauf hin. In nahezu allen pastoralen Kulturen, welche mit Pferden arbeiten, werden mehr oder weniger präzise/harsche Ausbildungsmittel verwendet, wie die sogenannte Serreta in Spanien, der Bocado in Südamerika, das Bosal in Nordamerika, das Bozal in Peru etc.

Sattelzeug[Bearbeiten]

Das Sattelzeug des Arbeitspferdes besteht in der Regel aus einer einfachen Kandarenzäumung mit entweder ledernen Fransen am Stirnriemen (Frontaleras) oder einem quastenbesetzten Ziergeflecht aus Roßhaar (Mosquero). Beide dienen zur Abwehr von Insekten. Der Arbeitssattel wird in Spanien als Albardón bezeichnet und ist dem maurischen Sattel der Berbervölker ähnlich, mit hoher Lehne und großer Auflage. Sein Kern ist eine feste Strohmatte, die mit Leder überzogen ist und vorne und hinten die Aufbauten (Zwiesel, Galerie) aus überzogenem Holz aufweist, die einen sicheren Sitz gewährleisten. Die meist dreieckig-kastenförmigen Steigbügel sind identisch mit jenen aus Afrika und schützen den Fuß. Die gesamte Ausrüstung dürfte starke Einflüsse maurischer Reitkultur aufweisen, beziehungsweise geht auf jene zurück, während die Tracht an jene der spanischen Landadeligen (Hidalgos) angelehnt ist, die selbst als gute Reiter gelten können. Die Großgrundbesitzer beweisen ihre Reitkunst vornehmlich im berittenen Stierkampf, dem Rejoneo.

Rejoneador[Bearbeiten]

Die Pferde eines Rejoneadors (berittener Stierkämpfer im Gegensatz zum Torero der zu Fuß kämpft) sind ähnlich beschaffen und wenn möglich noch präziser ausgebildet als jene des Vaqueros, da im Stierkampf jede Fehlreaktion zu Verwundung oder Tod führen können. Die Pferde müssen mutig sein und auch gegebenenfalls mithelfen, einen Stier zu reizen, damit der Rejoneador die Banderillas (kleine Lanzen) in den Nacken des Stieres stoßen kann. Grundsätzlich gilt für sie analog das oben Gesagte. Jeder Kampf besteht aus mehreren Abschnitten, meist kommen darin verschiedene Pferde zum Einsatz, da sich das Verhalten des Stiers mit der Fortdauer des Rejoneo ändert.

Siehe auch[Bearbeiten]