Varaha

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Varaha in anthropomorpher Gestalt mit Eberkopf hebt die Erde – in Gestalt der Erdgöttin Bhudevi – aus dem Urozean; zu seinen Füßen schlangengestaltige Dämonen. Zwei seiner Arme halten typische Attribute Vishnus - Keule (gada) und Diskus bzw. Rad (chakra).
Varaha im Dorf Eran (Madhya Pradesh) wahrscheinlich aus dem 5. oder 6. Jahrhundert. Ihm gegenüber steht Garuda auf einer Säule.

Varaha (Sanskrit वराह varāha  "Eber") ist im Hinduismus die dritte Inkarnation (avatara) des Gottes Vishnu in Gestalt eines Ebers.

Legenden[Bearbeiten]

Seinem Ruf als Erhalter/Bewahrer der Welt wird Vishnu auch in der Inkarnation als Varaha gerecht. Laut Varaha-Purana versank die Erde einst, als ein neues Zeitalter angebrochen war, in den Gewässern der Urzeit. Wie eine Mutter, deren Kind ins Wasser gefallen ist, nicht zögert ihm hinterherzuspringen, um es zu retten, galt Vishnus erster Gedanke dem Erhalt der Erde. Er nahm die Form des Ebers, des mächtigsten Sumpftiers an; als guter Schwimmer tauchte er in den Urozean hinab. Dort tötet er den gefährlichen Dämon Hiranyaksha, hob auf seinen kolossalen Hauern die Erde in Gestalt der Göttin Bhudevi − auch Prthivi genannt − empor und rettete sie vor dem Versinken im vorzeitlichen Chaos.

In einer anderen Fassung entführte der Dämon Hiranyaksha, der von Brahma Unsterblichkeit erlangt hatte, die Erde in die Tiefen des Urmeeres.

Eine weitere Fassung der Legende berichtet, dass die Erde beim Schöpfungsakt Brahmas versehentlich in den Urozean fiel, woraufhin Brahma die Hilfe Vishnus erbat, der die Gestalt eines Ebers annahm.

Darstellungen[Bearbeiten]

Mittelalterliche Varaha-Skulpturen sind über ganz Indien verbreitet, wobei zwei verschiedene Darstellungsweisen zu unterscheiden sind:

der Körper des tiergestaltigen Ebers ist zur Gänze mit kleinen Götterfiguren bedeckt; die Göttin Bhudevi ('Göttin, die die Erde ist') − auch Prithivi ('Erde') genannt − steht in der Nähe seines Kopfes oder hält sich mit den Händen an den Hauern des Ebers fest.
der Körper Varahas ist der eines Menschen, sein Kopf ist der eines Ebers; eines seiner Beine ist angehoben. Bhudevi/Prthivi befindet sich stehend oder sitzend auf der Schulter oder einem angewinkelten Arm Varahas.

Grundsätzlich kommt die vollplastische, tiergestaltige Darstellungsweise Varahas ausschließlich in Nordindien (Madhya Pradesh) vor; die meisten Darstellungen dieser Art − etwa ein Dutzend sind noch erhalten − befinden sich in Museen (Delhi, Gwalior, Indore).

Literatur[Bearbeiten]

  • Anneliese und Peter Keilhauer: Die Bildsprache des Hinduismus. Die indische Götterwelt und ihre Symbolik. DuMont, Köln 1986, S. 82f, ISBN 3-7701-1347-0
  • Veronica Ions: Indian Mythology. Hamlyn Publishing, London 1988, S. 49, ISBN 0-600-34285-9

Weblinks[Bearbeiten]