Varel

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Dieser Artikel befasst sich mit der Stadt Varel. Siehe auch: Farel, Varrel, Varrel (Stuhr) bzw. Varell.
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Varel
Varel
Deutschlandkarte, Position der Stadt Varel hervorgehoben
53.3947222222228.1356Koordinaten: 53° 24′ N, 8° 8′ O
Basisdaten
Bundesland: Niedersachsen
Landkreis: Friesland
Höhe: 6 m ü. NHN
Fläche: 113,53 km²
Einwohner: 23.554 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 207 Einwohner je km²
Postleitzahl: 26316
Vorwahl: 04451
Kfz-Kennzeichen: FRI
Gemeindeschlüssel: 03 4 55 026
Stadtgliederung: 21 Stadtteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Windallee 4
26316 Varel
Webpräsenz: www.varel.de
Bürgermeister: Gerd-Christian Wagner (SPD)
Lage der Stadt Varel im Landkreis Friesland
Bockhorn (Friesland) Varel Zetel Sande (Friesland) Schortens Jever Wilhelmshaven Landkreis Friesland Wangerland Minsener Oog (zu Gemeinde Wangerooge) Mellum Wangerooge Landkreis Leer Landkreis Ammerland Landkreis Aurich Landkreis Wittmund Landkreis Wesermarsch Landkreis WittmundKarte
Über dieses Bild

Varel [ˈfaːʀəl] ist eine Stadt in Friesland am Jadebusen in Niedersachsen, südlich von Wilhelmshaven. Sie ist mit 23.554 Einwohnern die größte Stadt im Landkreis Friesland. Ihre Beliebtheit als Ferien- und Tagungsort verdankt sie der landschaftlich und klimatisch besonders günstigen Lage am Jadebusen (gemäßigtes Seeklima).

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Varel liegt südlich des Jadebusens an der Nordsee auf einem Geestrücken. Im Laufe der Stadtentwicklung und in Verbindung mit sicheren Deichen hat sich Varel auch in die niedriger gelegenen Gebiete ausgedehnt.

Östlich von Varel fließt die Wapel, die vor dem Wapeler Siel in die Jade und damit in den Jadebusen fließt. Die Kernstadt Varel wird von der Südender Leke und Nordender Leke als Entwässerungssystem umflossen, die über ein Siel am Vareler Hafen in den Jadebusen entwässern.

Die Umgebung von Varel ist durch Landwirtschaft, Wald und Meer geprägt. Die landwirtschaftlichen Flächen sind zum Teil dem Meer durch Eindeichungen abgetrotzt und zum Teil durch Kultivierung der Moorgebiete urbar gemacht worden.

Während Varel im Norden an den Jadebusen reicht, ist Jade im Landkreis Wesermarsch die östliche Nachbargemeinde. Im Süden grenzt Varel an die Gemeinden Rastede und Wiefelstede im Landkreis Ammerland und im Westen an die Gemeinde Bockhorn. Varel liegt im äußersten Südosten des Landkreises Friesland und hat somit lediglich mit einer einzigen weiteren Kommune des Kreises, nämlich Bockhorn, eine gemeinsame (Land-)Grenze.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Varel grenzt an folgende Gemeinden (im Uhrzeigersinn, im Osten beginnend): Jade, Rastede, Wiefelstede und Bockhorn.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Varel ist in 21 Stadtteile aufgeteilt. Diese bestehen aus dem Stadtkerngebiet sowie den Ortsteilen Altjührden, Borgstede, Büppel, Dangast, Dangastermoor, Grünenkamp, Hohelucht, Hohenberge, Jeringhave, Jethausen, Langendamm, Moorhausen, Neudorf, Neuenwege, Obenstrohe, Rallenbüschen, Rosenberg, Seghorn, Streek und Winkelsheide.[2] Weitere Ortschaften sind Almsee, Bramloge, Brunne, Jethausermoor, Logemoor, Plaggenkrug, Rahling, Rotenhahn, Schwarzenberg, Tange, Vareler Schleuse und Wilkenhausen.

Flächennutzung[Bearbeiten]

Etwas mehr als drei Viertel des Stadtgebietes von Varel bestehen aus Landwirtschaftsflächen. Bemerkenswert ist zudem der für eine Stadt an der Nordseeküste vergleichsweise hohe Anteil an Waldflächen, der zehn Prozent knapp überschreitet.[3]

Flächennutzung Fläche in km²
Gebäude- und Freiflächen 12,6
Verkehrsflächen 6,7
Waldflächen 10,1
Wasserflächen 2,8
Landwirtschaftsflächen 76,8
andere Nutzungen (etwa Grünanlagen, Sportflächen, Friedhöfe) 4,6
Gesamtfläche 113,5

Geschichte[Bearbeiten]

Ursprünge[Bearbeiten]

Vareler Wald

Die genaue Entstehung des Namens Varel ist nicht bekannt. Eine Erklärung besagt, es bedeute (wie Driefel) „Trift am Walde“ oder es stamme von dem Wort Farloh (Weg durch den Wald) ab. Andere vermuten, dass das Wort Farle eine Zusammensetzung der friesischen Wörter fran und le beziehungsweise lo sei. Dieses würde soviel wie „Heiliger Wald“ bedeuten. Dafür spricht, dass der heutige Kirchplatz früher einmal eine friesische Kultstätte war . Des Weiteren wird behauptet, dass Varel oder Farle eine Bezeichnung für den Sammelplatz einer germanischen Hundertschaft war.

Erste Besiedlungsfunde sind Grabhügel und Funde längs der Ostfriesischen Heerstraße im Raume Altjührden-Seghorn (etwa 3000–2000 v. Chr.) sowie ein Urnenfriedhof in Borgstede, Jeringhave und Bramloge sowie ein Bohlenweg zwischen Büppel und Jethausen (etwa 2000–750 v. Chr). Gesichert gilt auch eine Chaukische Siedlung in Oldorf (Varelerhafen) (etwa 1. Jahrhundert)

Varel war Gaukirche (= Hauptkirche) des Viertels Varel („Quadrans Varel“) des von Willehad nach 783 missionierten Gaus Rüstringen, der zur Verwaltung in vier Viertel aufgeteilt war. Nach Sturmfluten im 12. bis 14. Jahrhundert, besonders der Zweiten Marcellusflut von 1362, wurde der nördliche Teil dieses Viertels, das dann Viertel Bant genannt wurde, durch das Schwarze Brack von Varel und der Friesischen Wehde getrennt. Varel wurde im 13. Jahrhundert Mittelpunkt seiner umliegenden Region. Urkundlich erwähnt wurde Varel zum ersten Mal 1123 als Meierhof „Farle“ in einem Schreiben des Papstes Kalixt II. an das Rasteder Benediktinerkloster.

Herrschaft der Oldenburger und Bentincks[Bearbeiten]

Modell des Schlosses

Mitte des 15. Jahrhunderts geriet Varel, das zuvor zum friesischen Stammesgebiet gehörte und zuletzt von Häuptlingen regiert wurde, in den Einflussbereich des oldenburgischen Grafenhauses. Ab 1577 war Varel der Sitz eines selbstständigen Amtes in der Grafschaft Oldenburg. Mitte des 17. Jahrhunderts bildete Varel dann als Folge einer testamentarischen Verfügung des Grafen Anton Günther von Oldenburg eine reichsgräfliche Herrschaft unter oldenburgischer Oberhoheit. Zunächst regierten die Aldenburger Grafen, später durch Einheirat die Reichsgrafen von Bentinck. In den Jahren 1811 bis 1813 gehörte Varel für kurze Zeit wie das übrige Oldenburger Land zum französischen Kaiserreich und war Sitz einer gleichnamigen Mairie.

Nach dem Ende der französischen Besatzung im Jahre 1813 entstand die reichsgräfliche Herrschaft Varel neu und bildete nun als Amt Varel erneut einen Bestandteil des Großherzogtums Oldenburg, ging aber erst 1854 mit dem Ankauf der verbliebenen bentinckschen Herrschaftsrechte (Ende des „Bentinckschen Erbfolgestreits“) durch den oldenburgischen Staat endgültig darin auf.

Mit Wirkung vom 8. Dezember 1832 bildeten die beiden Bauerschaften Nordende und Südende, d. h. der eigentliche Ort Varel, innerhalb des Kirchspiels Varel den Flecken Varel mit eigener Ortsverwaltung, Ortsausschuss und einem Ortsvorsteher.

Am 1. Mai 1856 entstand aus diesem Teil des Kirchspiels Varel die Stadtgemeinde Varel (Stadt II. Ordnung), aus dem restlichen Teil des Kirchspiels wurde die Landgemeinde Varel gebildet. Die Stadtgemeinde Varel erhielt am 1. Mai 1858 den Status einer amtsfreien Stadt (Stadt I. Ordnung). Das Amt Varel – mit Amtssitz in der Stadt Varel – umfasste ab dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts bis zur Verwaltungsreform von 1933 die Landgemeinde Varel und die Gemeinden Jade, Schweiburg, Bockhorn, Zetel und Neuenburg. Mit der Stadtgemeinde Varel bildete es einen Amtsverband. Im deutschen Kaiserreich war Varel eine Hochburg des Linksliberalismus, die Vareler Tageszeitung Der Gemeinnützige galt als inoffizielles Zentralorgan der Linksliberalen im Großherzogtum Oldenburg. In Varel entwickelte sich auch eine sozialdemokratische Vereinslandschaft, neben der Parteiorganisation (SPD) existierten eine Vielzahl von Arbeitersport- und Kulturvereinen. Durch ein undemokratisches Wahlrecht auf Kommunalebene blieben Stadtrat und Stadtmagistrat aber unangefochtene Domäne der Bürgerlichen.

Nach dem Ersten Weltkrieg[Bearbeiten]

Nach der Novemberrevolution 1918 herrschte im Amtsverband Varel und damit auch in der Stadtgemeinde Varel zunächst von November 1918 bis Februar 1919 ein sozialistischer Arbeiter- und Soldatenrat unter dem Vorsitz von Albert Sonnenmoser (USPD). Der 1908 gewählte und 1916 wiedergewählte Bürgermeister Wilhelm Oltmanns, die ebenfalls noch zu Kaisers Zeiten gewählten vier Ratsherren und die 18 Stadträte blieben jedoch zunächst in ihren Ämtern. Am 6. April 1919 fanden dann erstmals Stadtratswahlen nach einem demokratischen Wahlrecht statt. Weitere Stadtratswahlen in der Weimarer Republik fanden jeweils im November der Jahre 1921, 1924, 1927 und 1930 statt. Die bürgerlichen Parteien und Wahlgruppierungen stellten bis 1930 immer die Mehrheit im Stadtrat, die USPD (1919 und 1921), die SPD (1919 bis 1933) und die KPD (1924 bis 1933) blieben in der Minderheit. Im Sommer 1920 trat Bürgermeister Oltmanns zurück und wurde im Mai 1921 zum Ehrenbürger der Stadt Varel ernannt. Zu seinem Nachfolger wählte der Stadtrat im August 1921 Max Berlit.

Im Zuge der politischen Rechtsentwicklung wurde die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) in den zwanziger Jahren stärkste politische Partei in Varel, bereits 1920 entstand in Varel die erste Ortsgruppe im Freistaat Oldenburg des rechtsgerichteten Kampfverbandes Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten. Im Sommer 1928 erschütterte der Sparkassen-Skandal die Stadt Varel, der 1921 gewählte Bürgermeister Max Berlit wurde in diesem Zusammenhang amtsenthoben und beging am 5. August 1928 Selbstmord. Nachfolger wurde erneut Wilhelm Oltmanns, der das Amt von Juli 1928 bis Februar 1929 kommissarisch verwaltete und dann vom Stadtrat erneut zum Bürgermeister – diesmal „auf Lebenszeit“ – gewählt wurde.

In der Endphase der Weimarer Republik litt die Stadtgemeinde Varel unter einem erheblichen Defizit im städtischen Haushalt und war mit einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Erwerbslosen und Wohlfahrtsempfängern belastet. Teils gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen der NSDAP und ihren Organisationen (besonders SA und SS) mit den Kommunisten bzw. den republikanischen Schutzorganisationen Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und Eiserne Front verschärften das kommunalpolitische Klima.

Ab 1930[Bearbeiten]

Bei der Stadtratswahl im November 1930 wurde die im April 1928 gegründete NSDAP-Ortsgruppe Varel stärkste Fraktion im Stadtrat und besaß nach dem Übertritt von zwei bürgerlichen Stadträten mit 11 von 18 Sitzen die absolute Mehrheit. Varel erhielt so bereits Anfang 1931 einen Stadtratsvorsitzenden, Friedrich Wegener senior – Vater von Paul Wegener, dem späteren NSDAP-Gauleiter Weser-Ems, und dem bekannten Arzt Friedrich Wegener junior – sowie einen stellvertretenden Bürgermeister (Kaufmann Hans Flügel) mit nationalsozialistischem Parteibuch. Bei den oldenburgischen Landtagswahlen vom Mai 1932 errangen die Nationalsozialisten die absolute Mehrheit im Landtag, der Freistaat Oldenburg erhielt damit die erste rein nationalsozialistische Landesregierung in Deutschland (Ministerpräsident Röver).

Nach der NS-Machtübernahme im Reich im Frühjahr 1933 versetzte die NS-Landesregierung Bürgermeister Oltmanns „in den Ruhestand“, Nachfolger in seinem Amt wurde der Nationalsozialist Gustav Menke (bis 1940). Stadtrat und Stadtmagistrat wurden politisch zunächst gleichgeschaltet, mit der Einführung der Deutschen Gemeindeordnung im Jahre 1935 die kommunale Selbstverwaltung endgültig beseitigt. Die weiteren Bürgermeister in der NS-Zeit waren Wilhelm Gerstenberg (1941/42) und Otto Ahlers (1943–1945). Die bürgerlichen Parteien einschließlich der Deutschnationalen hatten sich bis zum Sommer 1933 selbst aufgelöst, die KPD und die SPD samt Nebenorganisationen waren verboten worden und ihre Funktionäre und Mitglieder der besonderen Verfolgung durch das NS-Regime ausgesetzt.

Mit der Oldenburgischen Verwaltungsreform vom Mai 1933 wurde der Amtsverband Varel aufgelöst und mit dem Amt Jever zum neugebildeten Amt Friesland vereinigt. Die Stadtgemeinde Varel verlor den Amtssitz und gleichzeitig ihren Status als selbstständige „Stadt 1. Ordnung“, sie war nun als „Stadt 2. Ordnung“ der Dienstaufsicht des Amtes (ab 1. Januar 1939: Landkreis) Friesland unterstellt. Die Landgemeinde Varel führte ab 1937 den Namen „Gemeinde Varel-Land“.

Die Stadt Varel war ab März 1934 Sitz der NSDAP-Kreisleitung für den Landkreis Friesland (Kreisleiter: Kaufmann Hans Flügel), hier befand sich auch der Sitz der Führung der SA-Standarte 19 sowie der Kreisleitungen weiterer nationalsozialistischer Verbände und Gliederungen des Landkreises Friesland. Der gebürtige Vareler Paul Wegener, vor der Machtergreifung zeitweise NSDAP-Ortsgruppenleiter in Varel, stieg 1942 bis in die Position des NS-Gauleiters Weser-Ems auf. Der letzte Lagerkommandant des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück, der SS-Sturmbannführer Fritz Suhren, war ebenfalls ein gebürtiger Vareler (Suhren wurde 1950 wegen seiner NS-Verbrechen hingerichtet).

Innenstadt von Varel

Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger der Stadt wurden – soweit sie nach der NS-Machtergreifung nicht rechtzeitig auswanderten bzw. fliehen konnten – rechtlich und gesellschaftlich diskriminiert und ausgegrenzt. Jüdischer Besitz wurde „arisiert“. Die letzten in Varel lebenden Bürger jüdischen Glaubens waren im sogenannten Jüdischen Altenheim in der Schüttingstraße 13 untergebracht. 29 Altenheim-Bewohner wurden in zwei Deportationen im Oktober 1941 (6 Personen) und Juli 1942 (23 Personen) in die Ghettos Lodz/Litzmannstadt (über Emden und Berlin) und Theresienstadt (über Bremen und Hannover) deportiert, einige von Ihnen weiter in die Vernichtungslager Auschwitz und Chelmo (Kulmhof). Keiner der Deportierten überlebte. Heute erinnert eine Gedenktafel bei der Grundschule Osterstraße an die ehemals gegenüberliegende Synagoge. Diese wurde beim Novemberpogrom 1938 zerstört. Während des Zweiten Weltkrieges lebten eine Vielzahl ausländischer Zivilarbeiter und Kriegsgefangene in Varel, die unter teils erbärmlichen Lebensbedingungen zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden. Obwohl Varel in unmittelbarer Nachbarschaft des im Zweiten Weltkrieg von alliierten Bomberverbänden über 100-mal angegriffenen Wilhelmshaven lag, blieb die Stadt von weitergehenden Zerstörungen verschont, es gab lediglich einzelne Bombenschäden und mehrere Opfer bei Tieffliegerangriffen in der Endphase des Krieges.

Nach 1945[Bearbeiten]

Nach der kampflosen Besetzung am 6. Mai 1945 durch Truppenverbände der 2. Kanadischen Armee gehörte Varel zur britischen Besatzungszone und seit November 1946 zum neu gebildeten Land Niedersachsen. Varel war zeitweilig Sitz der britischen Kreis-Militärregierung für den Landkreis Friesland. Der erste gewählte Bürgermeister nach dem Kriege war Adolf Heidenreich (SPD).

In den Jahren 1955 bis 1958 wurde in Dangast die Sielschleuse gebaut und so die Entwässerung bis weit nach Ostfriesland hinein sichergestellt. Die Verbindungen der Siele und die Wanderungen der Deiche werden in Mosaiken dargestellt. Bereits 1961 wurde Varel durch Belegung der ehemaligen Kasernen der Kriegsmarine Bundeswehrstandort. Die Standortverwaltung übernahm das ehemalige Hansagebäude (siehe Hansa-Lloyd, 1994 wurde die Standortverwaltung Varel aufgelöst).

Die Große Sturmflut 1962 führte zu weiteren Geestabbrüchen in Dangast. Die Vareler Schleuse wird gefährdet. Planungen für eine Erhöhung der Deiche und eine neue Schleuse beginnen. Im gleichen Jahr beginnen die Bauarbeiten für ein neues Rathaus an der Windallee. 1972 wurden beide Vareler Gemeinden zur heutigen Stadtgemeinde Varel vereinigt. In den Jahren bis 1975 entstand die Autobahn 29. Varel erhält zwei Autobahnanschlusssstellen. Die Windmühle wurde in diesen Jahren instand gesetzt und als Teil des Heimatmuseums ausgebaut. Sie ist weiterhin voll funktionstüchtig.

Zwischen 1977 und 1980 gehörte Varel zusammen mit Zetel und Bockhorn zum Landkreis Ammerland. Hintergrund war seinerzeit die Zusammenlegung der übrigen Teile des Landkreises Friesland mit dem Landkreis Wittmund, die jedoch politisch umstritten war und nach einer Klage vom Niedersächsischen Staatsgerichtshof in Bückeburg wieder rückgängig gemacht wurde. Nachdem die Landkreise Wittmund und Friesland wiederhergestellt wurden, kamen auch die genannten drei Kommunen zurück zum Landkreis Friesland.

In der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre wurden in Dangast das Meerwasserquellbad gebaut und die Kuranlage Deichhörn gebaut. Innerstädtisch wurde gegen zunächst großen Widerstand der Geschäftsleute die Fußgängerzone angelegt. 1977 wurde die neue Kammerschleuse am Vareler Hafen (Wilhelm-Kammann-Schleuse) und das neue Vareler Siel in Betrieb genommen. Das Land Niedersachsen erkannte 1983 den Ortsteil Dangast als Nordseebad und Ort mit Heilquellen-Kurbetrieb an.

Seit 1986 ist Varel selbstständige Stadt nach dem Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetz. Die Stadtverwaltung übernimmt also auch Aufgaben der Kreisverwaltung für die Vareler Bürger. Dies kann zum einen mit der Einwohnerzahl Varels erklärt werden, zum anderen auch mit der Tatsache, dass Varel von allen kreisangehörigen Kommunen am weitesten vom Kreissitz Jever entfernt ist.

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Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 1. Juli 1972 wurde der Hauptteil der aufgelösten Gemeinde Varel-Land eingegliedert. Ein kleinerer Teil dieser Gemeinde kam zu Wiefelstede.[4]

Ausgliederungen[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1980 wurde ein Gebietsteil mit damals etwa 80 Einwohnern an die Nachbargemeinde Wiefelstede abgetreten.[4]

Religionen[Bearbeiten]

Friedenskirche der Vareler Baptisten
Neuapostolische Kirche Varel

Vereinigung evangelischer Freikirchen[Bearbeiten]

Die Anfänge der Baptistengemeinde Varel (auch Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde genannt) gehen auf das Jahr 1843 zurück. Erste größere gottesdienstliche Versammlungen in einem Privathaus sind ab 1849 bezeugt.[5] 1858 wurde die erste Kirche der Baptistengemeinde errichtet. Die heutige Friedenskirche an der Mühlenstraße ist das zweite Gotteshaus der Gemeinde. Sie wurde 1922 errichtet. Varel ist auch der Geburtsort des baptistischen Gründervaters Johann Gerhard Oncken (1800 - 1884).

An der Lerchenstraße 6 befindet sich das Gotteshaus der Siebenten-Tags-Adventisten.

Weitere christliche Religionsgemeinschaften[Bearbeiten]

Seit 1928 existiert in Varel eine Gemeinde der Neuapostolischen Kirche (NAK). 1978 konnte die Gemeinde ein eigenes Kirchengebäude in der Bahnhofstraße beziehen.[6]

Politik[Bearbeiten]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Varel bestand von 2006 bis 2011 aus 36 Ratsfrauen und -herren. 2011 wurde diese Zahl auf 32 reduziert. Der Stadtrat wird durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2011 und endet am 30. Oktober 2016.

Stimmberechtigt im Rat der Stadt ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister Gerd-Christian Wagner von der SPD.

Die letzte Kommunalwahl am 11. September 2011 ergab das folgende Ergebnis:[7]

Partei  Anteilige Stimmen  Anzahl Sitze  Veränderung Stimmen  Veränderung Sitze
SPD 29,83 % 10 −19,45 % −8
CDU 21,75 % 7 01,34 % −1
Zukunft Varel 15,26 % 5 +15,26 % +5
Bündnis 90/Die Grünen 10,83 % 3 +04,05 % 00
M.M.W. 09,57 % 3 00,84 % −1
BBV 05,58 % 2 +05,58 % +2
FDP 03,52 % 1 05,78 % −2
Die Linke 01,84 % 1 +01,84 % +1
BfB 01,07 % 0 00,04 % 00
WPV 00,70 % 0 +00,70 % 00

Die Wahlbeteiligung bei der Kommunalwahl 2011 lag mit 57,56 %[7] deutlich über dem niedersächsischen Durchschnitt von 52,5 %.[8] Zum Vergleich: Bei der vorherigen Kommunalwahl vom 10. September 2006 lag die Wahlbeteiligung bei 56,84 %.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Rathaus

Bei den letzten Bürgermeisterwahlen am 16. Juni 2014 wurde der bisherige Amtsinhaber Gerd-Christian Wagner (SPD) zum hauptamtlichen Bürgermeister wiedergewählt. Bei der Stichwahl erhielt Wagner 56,52 % der Stimmen, sein Gegenkandidat Rainer Rädicker 43,47 %. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,87 %.[9] Gerd-Christian Wagner trat seine weitere Amtszeit zum 1. November 2014 an.

Liste der Vareler Bürgermeister
  • 1945–1946: Adolf Heidenreich, SPD
  • 1946–1948: Bernhard Albrechts, FDP
  • 1948–1949: Adolf Heidenreich, SPD
  • 1949–1950: Bernhard Albrechts, FDP
  • 1950–1952: Adolf Heidenreich, SPD
  • 1952–1961: Karl Nieraad, CDU
  • 1961–1976: Wilhelm Kammann, SPD
  • 1976–1981: Karlheinz Bäker, CDU
  • 1981–1996: Karl-Heinz Funke, SPD
  • 1997–2001: Hans Fabian, SPD
  • 2001–2006: Wolfgang Busch, SPD
  • seit 2006: Gerd-Christian Wagner, SPD

Vertreter in Land- und Bundestag[Bearbeiten]

Landtagsabgeordneter Olaf Lies

Bei den Wahlen zum Niedersächsischen Landtag gehört Varel zum Landtagswahlkreis 070 Friesland, der den gesamten Landkreis Friesland umfasst. Das Direktmandat wurde im Januar 2013 durch Olaf Lies von der SPD gewonnen. Am 19. Februar 2013 wurde Lies zum niedersächsischen Minister für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr gewählt.[10] Die Wahlperiode endet 2018.

Bei den Wahlen zum Deutschen Bundestag gehört Varel zum Bundestagswahlkreis 026 Friesland – Wilhelmshaven – Wittmund. Er umfasst die Landkreise Friesland und Wittmund sowie die Stadt Wilhelmshaven.[11] Bei der Bundestagswahl 2013 wurde Karin Evers-Meyer von der SPD direkt gewählt. Ihr Gegenkandidat Hans-Werner Kammer von den Christdemokraten zog über die niedersächsische Landesliste der CDU in den Bundestag ein.[12]

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „In Blau eine bis zur Schildmitte wachsende, schwarzgefugte, silberne, gezinnte Stadtmauer mit mittigem, von je einem runden blauen Fenster beseitetem, offenem blauem Portal, darin ein gelehnter goldener Anker, mittig ein wachsender, zweistufiger Zinnenturm mit eingezogener oberer Stufe, beide Stufen mit mittigem schwarzen Bogenfenster, oben begleitet vorne von einem gleicharmigem goldenen Ankerkreuz und hinten von einer goldenen Rose.“

Nach der städtischen Hauptsatzung: Das Wappen der Stadt Varel zeigt eine silberne Stadtmauer mit Turm und Torbogen in ultramarin-blauem Felde. Die Mauerstriche sind schwarz. Rechts vom Turm befindet sich eine goldene Rose und links vom Turm ein goldenes Ankerkreuz. Im Torbogen liegt ein nach links neigender goldener Anker.[13]

Die Stadtmauer mit Turm und Torbogen erinnert an die Erlangung der Stadtrechte im Jahr 1856. Der goldene Anker im Torbogen weist auf die Bedeutung des Hafens für die Stadt hin und an die ersten Herren von Varel erinnern die Symbole „Goldenes Ankerkreuz“ (Herrschaft der Grafen von Bentinck) sowie die „Goldene Rose“ (Herrschaft der Grafen von Aldenburg).

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge der Stadt Varel zeigt ein weißes Kreuz auf blauem Hintergrund. Die Farben der Stadt Varel sind: Weiß-Blau.[13]

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Spijöök Museum

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen und Archive[Bearbeiten]

  • Heimatmuseum Varel mit Windmühle
  • Spijöök Museum für Kuriositäten und Seemannslegenden (Vareler Hafen)
  • Franz-Radziwill-Haus (Dangast)
  • Zollamt-Galerie im Vareler Hafen

Bauwerke[Bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Nordseebad Dangast – Hafen

Das Nordseebad Dangast bietet den einzigen kostenfreien Strand an der Deutschen Nordseeküste und war Mitte des 20. Jahrhunderts Aufenthaltsort der Brücke-Maler im Sommer. Eine reiche Künstlertradition hat sich dort erhalten.

Der Vareler Hafen mit der Wilhelm-Kammann-Schleuse ist die Verbindung über den Jadebusen zur Nordsee. Im Hafenbereich lassen sich noch Spuren der einst dänischen Christiansburg mit den Festungswällen und -gräben (Lageplantafel am Hafen) finden.

In der Innenstadt

Sport[Bearbeiten]

Verschiedene Sportvereine in Varel ermöglichen die Ausübung der meisten Sportarten. So ist neben Fußball und Leichtathletik auch Schwimmen, Handball, Segeln, Triathlon, Boßeln, Volleyball, Badminton, Reiten und Rugby zu nennen.

Über Varel hinaus bekannt ist die HSG Varel-Friesland (früher SG/VTB Altjührden), die einst in der Handball-Bundesliga spielte und auch einige deutsche Nationalmannschaftsspieler hervorgebracht hat (zum Beispiel Jan Fegter und Johannes Bitter).

Der SC Varel bietet bereits seit langem eine Rugby-Sparte. Der Club hat seit den 30er Jahren mehrere regionale Meisterschaften gewonnen und verschiedene Auswahl- und Nationalspieler hervorgebracht. Der SC Varel ist der einzige Rugby-Club im Raum Weser-Ems und zählt heute zu den ältesten in Deutschland spielenden Rugby-Vereinen.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

  • Vareler Musikwettstreit im April[16]
  • Frühlingsfest im April/Mai
  • Beach-Handball-Cup Dangast Ende Juni
  • Töpfermarkt im August
  • Vareler Mittwoch Live, jeden Mittwoch in den Sommerferien auf dem Schloßplatz
  • Schleusenfest (direkt der Vareler Schleuse) im Juli
  • Kramermarkt im September
  • Pferde- und Fohlenmarkt im Oktober
  • Weihnachtsmarkt im November
  • Vareler Bahnhof: Kultur am Haltepunkt 6 mal im Jahr

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Wie an vielen Orten an der Nordseeküste sind Fisch und Granat (Krabben) in besonders guter Qualität, oftmals fangfrisch vom Fischkutter zu genießen.

Im Winter, nach dem ersten Frost, ist Grünkohl mit Kassler und Pinkel nach einem langen Spaziergang zu empfehlen. Auch Aktivitäten, wie Boßeln, Besenwerfen und Klootschießen gehören zu den winterlichen Vergnügen vor dem gemeinschaftlichen Grünkohlessen.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Varel ist vor allem durch mittelständische Betriebe sowie zwei Werke der Konzerne Bahlsen und Airbus geprägt. Zahlreiche Betriebe haben sich in der Vergangenheit durch Erweiterungen und Modernisierungen auf die Anforderungen der Zukunft eingestellt, und der Handel konnte die Stellung Varels als Einkaufsstadt festigen.

Einen hohen Stellenwert hat der Fremdenverkehr im Nordseebad Dangast mit seinem Heilquellen-Kurbetrieb.

In Varel befindet sich eine große Kaserne der Bundeswehr. Am 9.September 2007 verabschiedete sich das Fallschirmjägerbataillon 313 mit 1060 Soldaten und Soldatinnen mit einem Tag der offenen Tür von der Vareler Bevölkerung. Der Vareler Standort wurde aufgelöst und das Bataillon wurde nach Seedorf verlegt.

Varel ist Sitz eines Amtsgerichtes.

Die Landwirtschaft ist weiterhin ein wichtiger Kultur- und Wirtschaftsfaktor. Neben der Rinderzucht (Milch- und Fleischproduktion) werden insbesondere am Deich auch Schafe gehalten.

Verkehr[Bearbeiten]

Die Stadt liegt an der Bundesautobahn A 29 zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven und ist über zwei Abfahrten (Varel-Obenstrohe und Varel/Bockhorn) zu erreichen.

Varel liegt weiterhin an der B 437, die unter anderem die A 29 mit der A 27 verbindet. Die Eröffnung des Wesertunnels am 20. Januar 2004 hat das Verkehrsaufkommen auf dieser ehemals ruhigen Bundesstraße schlagartig erhöht. Vor Eröffnung des Wesertunnels wurde die Bundesstraße innerörtlich rückgebaut. Die ehemalige Bundesstraße B 69 führte auch durch Varel. Die Streckenabschnitte sind heute zum Großteil als Landesstraße klassifiziert.

Varelerhafen

Vom Bahnhof im Nordosten der Stadt verkehren stündlich Züge der NordWestBahn auf der Bahnstrecke Wilhelmshaven–Oldenburg nach Wilhelmshaven und Osnabrück über Oldenburg. Zudem gibt es täglich zwei bis drei Direktverbindungen von und nach Bremen. Nächste Bahnhöfe Rastede (südlich) und Sande (nördlich). Vom Bahnhofsvorplatz sind Busse in die Friesische Wehde zu erreichen. Oldenburg ist mit der Buslinie 340 über Jaderberg, Rastede, Wahnbek zu erreichen.

Ab 1893 wurde das Netz der Vareler Nebenbahnen aufgebaut, sowie 1913 die Bahnstrecke Varel–Rodenkirchen eröffnet.[17] All diese Strecken sind inzwischen stillgelegt.

Wie in vielen Teilen Norddeutschland üblich, ist das Fahrrad eines der beliebtesten Transportmittel in und um Varel. Entlang der Bundes- und der meisten Landesstraßen sind Fahrradwege ausgebaut. Varel ist an das europäische Rad-Weitwanderweg-Netz (EuroVelo) angeschlossen. Der EV 12 (Nordseeküsten-Radweg) führt von Wilhelmshaven kommend über Dangast und Varel am Jadebusen entlang Richtung Norden bis weiter an die Weser. Es besteht entlang der alten B 69 ein gut ausgebauter Radweg nach Süden in Richtung Oldenburg. Die Ost-West-Verbindung verläuft entlang der B 437.

Blick von der Vareler Sielschleuse auf den Jadebusen bei Niedrigwasser

Auch über den direkten Seewasserweg mit Schleuse und Hafen ist Varel erreichbar. Der Vareler Hafen, einst der größte deutsche Amerika-Hafen (Oldenburg, hatte als erstes deutsches Land ein Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten geschlossen), ist heute hauptsächlich ein Sportboothafen.

Die 1977 neu gebaute Vareler Seeschleuse53.4097222222228.1883333333333 ist eine Sielschleuse und kann nur bei Gleichstand von Außen- und Binnenwasser geöffnet werden.[18] Die Schleuse wurde 1984 nach dem langjährigen Bürgermeister von Varel Wilhelm Kammann in „Wilhelm-Kammann-Schleuse“ umbenannt. Vom Hafen aus führt der Seeweg über einen Priggenweg im Wattenmeer des Jadebusens zum Tonnenweg nach Wilhelmshaven und von dort in die Nordsee. Im nördlichen Teil wird die Fahrrinne durch den Leuchtturm Arngast angezeigt. Gezeiten können beim Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie[19] abgefragt werden.

Von 1877 bis 1913 wurde die Ansteuerung durch den Leuchtturm Vareler Siel erleichtert.

Medien[Bearbeiten]

In Varel wird als Abo-Zeitung hauptsächlich die Nordwest-Zeitung (Oldenburg) mit dem Lokalteil und eigenständiger Redaktion Der Gemeinnützige gelesen.[20]

Das Anzeigenblatt Friesländer Bote erscheint wöchentlich und wird kostenlos an die Haushalte in Varel sowie in den angrenzenden Gemeinden Bockhorn, Zetel und Jade abgegeben (Gesamtauflage rd. 28.000 Ex.) und hat große Akzeptanz. Der Friebo bestand im November 2006 25 Jahre. Zudem erscheint monatlich das Anzeigenblatt Jade-Weser-Zeitung mit einer Gesamtauflage von 13.000 Exemplaren.

Bezüglich regionalen Rundfunks sind im Stadtgebiet unter anderem der Norddeutsche Rundfunk (NDR) und Radio Bremen terrestrisch zu empfangen. Radio Jade aus Wilhelmshaven ist das lokale und nichtkommerzielle Bürgerradio in der Stadt Varel. Der Sender ist einer von 15 niedersächsischen Veranstaltern von Bürgerrundfunk. Er hatte seinen Sendestart am 30. September 1997 und wird über die Niedersächsische Landesmedienanstalt aus Mitteln der Rundfunkgebühr gefördert.

Bildung[Bearbeiten]

Varel hat insgesamt sieben Grundschulen. Mit der Grundschule Osterstraße (das Gebäude wurde ehemals als Technikum, Lehrerbildungsanstalt und zuletzt als Knabenschule genutzt), der ehemaligen Mädchenschule Am Schloßplatz und der Hafenschule befinden sich drei Grundschulen im Stadtbereich. Im Landbereich bestehen weitere vier Grundschulen in Borgstede, Büppel, Langendamm und in Obenstrohe (Georg-Ruseler-Grundschule).

Der Sekundarbereich 1 wird gebildet von

  • zwei Hauptschulen
    • Hauptschule mit Orientierungsstufe Arngaster Straße (1974–2002), jetzt Haupt- und Realschule Arngaster Straße
    • Hauptschule mit Orientierungsstufe Obenstrohe (bis 2002), bis 2007 Schulversuch Sekundarschule, jetzt Haupt- und Realschule Obenstrohe
  • zwei Realschulen
    • Haupt- und Realschule Arngaster Straße.
    • Haupt- und Realschule Obenstrohe

Im Zuge der Einführung der Oberschule in Niedersachsen haben die Schulstandorte Varel Arngaster Straße und Obenstrohe diese Schulform gewählt und ihren Namen in Oberschule Varel bzw. Oberschule Obenstrohe geändert.[21]

Weiterhin befinden sich in Varel mehrere Berufsbildenden Schulen an einem gemeinsamen Standort. Hier ist auch das Fachgymnasium Wirtschaft beheimatet. Die Pestalozzischule ist Förderschule (Sonderschule) und befindet sich im ehemaligen Gebäude der Realschule an der Oldenburger Straße. Eine weitere Förderschule ist die Von-Aldenburg-Schule des Waisenstiftes Varel. Sie ist eine Förderschule mit dem Schwerpunkt „Emotionale und Soziale Entwicklung“. Das Gebäude der ehemaligen Katholischen Grundschule ist heute Volkshochschule und Kreismusikschule.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Varel produzieren eine Reihe von Industrieunternehmen. Größtes Unternehmen ist das Premium Aerotec-Werk Varel, in dem Flugzeugteile hergestellt werden. Das zur Airbus Group gehörende Werk ist 2009 in die neu gegründete Firma ausgelagert worden. Der Flugzeugbau hat im Vareler Werk eine lange Tradition. Bereits früher produzierten hier Flugzeugunternehmen wie VFW-Fokker, Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) und die DASA.

Weitere Industriebetriebe sind die Papier- und Kartonfabrik Varel, die Maschinenbau-Gruppe Heinen mit den Sparten Heinen Tobacco, Heinen Systems, Heinen Freezing und Heinen Drying sowie der Backwarenhersteller Bahlsen, der in Varel sein zweitgrößtes Werk nach dem Stammhaus in Hannover betreibt. Eines der ältesten Unternehmen ist die Metallgiesserei Alexander Speith. Seit 1926 werden in Varel Aluminiumgussteile in allen gängigen Legierungen hergestellt und endbearbeitet.

Auf dem Dienstleistungssektor ist unter anderem das Unternehmen Maschal-Möbel im Stadtteil Altjührden zu nennen, eines der größten Möbelhäuser Norddeutschlands.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Lothar von Meyer
Johann Gerhard Oncken, Gründer der kontinental-europäischen Baptistengemeinden

Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben oder immer noch wirken[Bearbeiten]

Trivia[Bearbeiten]

Ausschnitt Rückseite 10 Deutsche-Mark-Note

Die 10 Deutsche-Mark-Note in der Vierten Serie („BBk III“) zeigte auf der Rückseite einen Sextanten sowie eine Skizze über die Vermessung von Wangerooge und Neuwerk durch Triangulation, mit Varel als zentralem Punkt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Literatur des Heimatvereins Varel im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
  • Georg Sello: Östringen und Rüstringen. Ad. Littmann, Oldenburg, 1928
  • Albrecht Eckhardt, Heinrich Schmidt (Hrsg.): Geschichte des Landes Oldenburg. 3. Aufl. Holzberg, Oldenburg 1998, ISBN 3-87358-285-6
  • Hans Patze, Ernst Schubert (Hrsg.): Geschichte Niedersachsens. 3 Bände, Lax, Hildesheim, (letzter Band 3, Teil 1: 1998, ISBN 3-7752-5901-5)
  • Hermann Oltmanns: Ortsfamilienbuch (=Ortssippenbuch) Varel (auf CD-ROM), 2002.[23]
  •  Autorengruppe (Buchtmann, Frerichs, Funke, Klün, Schiffhauer, Janssen, Soltau, Metelmann, Wildvang): 150 Jahre Stadtrechte Varel – Beiträge zur Vareler Geschichte, herausgegeben von der Stadt Varel und vom Heimatverein Varel e. V.. Stadt Varel und Heimatverein Varel, Varel 2006, ISBN 3-9807784-4-4.
  •  Rudolf Brahms: Geschichte einer ungeliebten Minderheit. Die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Varel von ihren Anfängen im 17. Jahrhundert bis zu ihrem Untergang in Nationalsozialistischer Zeit. Isensee Verlag, Oldenburg 2008, ISBN 978-3-89995-382-4.
  • Holger Frerichs: Von der Monarchie zur Republik – Der politische Umbruch in Varel, der Friesischen Wehde und in Jade/Schweiburg 1918/19. Verlag CCV, Varel, 1. Aufl. 2001, ISBN 3-934606-08-3
  • Holger Frerichs: Der Marsch ins Dritte Reich. Dokumenatation zur Geschichte der NSDAP im Gebiet Varel, Friesische Wehde und Jade/Schweiburg von den Anfängen bis zur Machtergreifung 1933. Verlag Hermann Lüers, Jever 2002, ISBN 3-9806885-7-7
  • Holger Frerichs: Varel unter dem Hakenkreuz – Texte und Dokumente zur Geschichte Varels 1933 bis 1945 Verlag Hermann Lüers, Jever, 1. Aufl. 2007, ISBN 3-9809226-9-3
  • Holger Frerichs: Der Bombenkrieg in Friesland 1939 bis 1945. Verlag Hermann Lüers, Jever, 3. Aufl. 2002, ISBN 3-00-002189-2.
  • Holger Frerichs: Das Kriegsende 1945 in Varel – Das Ende des Zweiten Weltkrieges und der Beginn der alliierten Besatzungszeit im südlichen Landkreis Friesland 1945/46. Verlag Hermann Lüers, Jever, 1. Aufl. 2004, ISBN 3-9809226-1-8
  • Holger Frerichs: Spurensuche. Das jüdische Altenheim in Varel 1937 – 1942. Die Familie Weinberg, die 40 Bewohner der Schüttingstraße 13 und die Deportation 1941/42. Verlag Hermann Lüers, Jever, 1. Aufl. 2012, ISBN 978-3-9815257-0-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Varel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, 102 Bevölkerung - Basis Zensus 2011, Stand 31. Dezember 2013 (Tabelle K1020014) (Hilfe dazu)
  2. Stadt Varel – Zahlen, Daten, Fakten – Einwohner nach Ortsteilen, abgerufen am 6. Mai 2014
  3. Stadt Varel – Zahlen, Daten, Fakten – Fläche nach Nutzungsart, abgerufen am 6. Mai 2014
  4. a b  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 249, 175 und 276.
  5. Internetauftritt der Baptistengemeinde Varel: Johann Gerhard Oncken; eingesehen am 9. April 2012
  6. Internetauftritt der Neuapostolischen Kirchengemeinde Varel
  7. a b Gemeinde Varel – Gesamtergebnis Stadtratswahl 2011, abgerufen am 7. November 2011
  8. Abwärtstrend bei Wahlbeteiligung gestoppt. In: ndr.de. 12. September 2011, archiviert vom Original am 25. August 2013, abgerufen am 2. Dezember 2014.
  9. Stadt Varel - Gesamtergebnis der Stichwahl zum Bürgermeister am 16. Juni 2014, abgerufen am 25. Oktober 2014
  10. Olaf Lies: Über mich, abgerufen am 20. Juni 2013
  11. Wahlkreiseinteilung beim Bundeswahlleiter, abgerufen am 5. November 2011
  12. Jeversches Wochenblatt: Karin Evers-Meyer nicht zu schlagen, abgerufen am 23. September 2013
  13. a b Hauptsatzung der Stadt Varel (PDF; 43 kB), abgerufen am 13. November 2011
  14. Ev.-luth. Kirchengemeinde Varel – Die Schuke-Orgel, abgerufen am 12. Mai 2011
  15. Deutschland's kleinste Kneipe, abgerufen am 25. Oktober 2009
  16. 15. Vareler Musikwettstreit: Auch das Publikum stimmt mit ab, abgerufen am 1. Januar 2010
  17. Bahnstrecke Varel–Rodenkirchen auf laenderbahn.info.
  18. Informationen über die Wilhelm-Kammann-Schleuse in Varel, abgerufen am 25. Oktober 2009
  19. Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie – Gezeitenvorausberechnung für Vareler Schleuse, abgerufen am 25. Oktober 2009
  20. NWZ-Online Regionalausgabe Varel, abgerufen am 25. Oktober 2009
  21. Stadt Varel, Bildung, abgerufen am 14. Mai 2014
  22. Artikel über die Schleusenreste in der Gemeinnützigen, abgerufen am 25. Oktober 2009
  23. Enthalten sind 23.270 Familien und über 70.000 Personen. Erfasst und eingearbeitet wurden alle Daten der Kirchenbücher der evangelisch-lutherischen Kirche in Varel von 1676 bis 1900, Grabstellen und -platten aus der Zeit vor Beginn der Kirchenbuchführung, Haus- und Höferegister ab etwa 1570, sowie ergänzende Daten aus Kirchenbüchern anderer Kirchspiele.