Vasektomie

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Lage des Samenleiters

Vasektomie, in Fachkreisen auch Vasoresektion genannt, bezeichnet im weiteren Sinne das Entfernen von jeglichen Gefäßen oder Gefäßteilen aus dem Körper. Meistens wird damit jedoch ein chirurgischer Eingriff zur Sterilisation des Mannes bezeichnet. Die Operation wird zur Empfängnisverhütung eingesetzt. Dabei werden die im Samenstrang befindlichen Samenleiter (Ductus deferens) im Bereich des Hodensacks oberhalb des Nebenhodens des Mannes durchtrennt.

Durchführung und Folgen[Bearbeiten]

Die Operation wird meist ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt. Der Arzt legt mit ein oder zwei kleinen Schnitten am Hodensack die Samenleiter frei, entfernt jeweils ein ca. 1 bis 3 cm langes Stück des Samenleiters, dieser wird anschließend im Bereich der Schnittstellen verödet oder aber umgeschlagen und mit einem nicht-resorbierbaren Faden ligiert (Ligaturtechnik).

In den USA wird die Vasektomie nach Kondomen, oralen Kontrazeptiva ("Pille") und Tubensterilisation bei der Frau als vierthäufigste Methode der Empfängnisverhütung angewendet. Verglichen mit der Tubensterilisation bei der Frau, die eine weitere weitverbreitete Methode der dauerhaften Empfängnisverhütung darstellt, ist die Vasektomie genauso sicher, wesentlich komplikationsärmer und deutlich günstiger. Die American Urological Association empfiehlt daher in ihren aktuellen Leitlinien, dass die Vasektomie viel häufiger zur dauerhaften Empfängnisverhütung angewendet werden sollte. Zudem wird die Anwendung der sogenannten no-scalpel Vasektomie empfohlen. Bei der no-scalpel Vasektomie erfolgt nur eine kleine Hautöffnung (<10 mm), die Freilegung des Samenleiters wird dann minimal-invasiv mit Spezialinstrumenten (spezielle Ringklemme und spezielle angeschärfte Dissektions-Klemme) durchgeführt. Das Risiko von Schmerzen während und nach der Operation sowie das Risiko einer Nachblutung oder Infektion wird mit der no-scalpel Vasektomie deutlich verringert.[1]

Die Hormonproduktion in den Hoden bleibt erhalten und auch die Erektionsfähigkeit des Penis wird nicht beeinflusst. Da die weiterhin in den Hoden produzierten Spermien nach der Durchtrennung der Samenleiter nicht mehr abgeführt werden können, werden sie vom Körper resorbiert. Das Ejakulat eines sterilisierten Mannes enthält keine Spermien mehr, ist ansonsten aber bezüglich Volumen, Aussehen, Geruch und Geschmack weitestgehend unverändert. Die Konsistenz des Ejakulats ist nach einer Vasektomie wässriger und nicht mehr geleeartig.

In seltenen Fällen (< 0,1 %) kann es, auch bei technisch einwandfreier Durchführung des Eingriffes, durch eine spontane Rekanalisation zur unerwünschten neuerlichen Durchgängigkeit der Samenleiter kommen. Aus diesem Grund werden etwa 8 bis 12 Wochen nach der Vasektomie mehrere Ejakulatproben untersucht, um den kompletten Verschluss nachzuweisen. Um eine Spät-Rekanalisation auszuschließen, wird nach einem Jahr noch einmal das Ejakulat untersucht.

Sexualität nach dem Eingriff[Bearbeiten]

Die meisten Paare beschreiben die Sexualität nach einer Vesektomie als besser und intensiver. Störende Angstgedanken einer ungewollten Schwangerschaft sind nicht mehr gegeben. Das Gefühl bei der Ejakulation beim Mann verändert sich aufgrund der veränderten Konsistenz des Ejakulats geringfügig.

Komplikationen[Bearbeiten]

Die Angaben über die Häufigkeit von Komplikationen variieren in der Fachliteratur und sind abhängig von der angewandten Operationstechnik und wahrscheinlich auch von der Erfahrung und der Operationsfrequenz des durchführenden Arztes.[2] Insgesamt werden Komplikationen selten beschrieben. Am häufigsten kommt es zu Hämatomen (0,9 %) und Infektionen (bis zu 1,5 %).[3] Eine Übersichtsarbeit über den Zeitraum von 1964 bis 1998 kommt auf eine Quote von frühen Komplikationen wie Hämatom, Infektion, Spermagranulom, Epididymitis und Post-Vasektomie-Syndrom in 1-6 % der Fälle.[4]

Schmerzen werden in der Untersuchung von David Sokal erfasst.[5] Mäßige bis starke Schmerzen während des Eingriffs gaben knapp 5 % der Männer an, leichte Schmerzen wurden bei bis zu 35 % beschrieben und werden bei der seit mehreren Jahren bekannten Non-Skalpell Methode [6] etwas seltener beobachtet. Keine Schmerzen geben je nach Methode 60–67 % der Männer an. Als Post-Vasektomie-Schmerz-Syndrom werden dauerhafte Schmerzen im Bereich des Nebenhodens bezeichnet, die nach der Vasektomie auftreten könnten. Wie häufig es zu solchen Beschwerden kommt, ist sehr umstritten. In der europäischen Fachliteratur, in den Informationen großer internationaler Familienplanungsorganisationen und auch von der Deutschen Gesellschaft für Urologie wird diese Komplikation nur sehr selten oder gar nicht erwähnt. In der angloamerikanischen Literatur wird das Schmerz-Syndrom in 2-8 % beschrieben. Die Ursache dieser Schmerzen ist unklar. Diskutiert werden erhöhter Druck im Nebenhoden oder Nervenreizung.[2]

Die Versagerrate der Vasektomie wird mit 0 bis 2 % angegeben. In den meisten Studien wurde eine Versagerrate von unter 1 % festgestellt. Sehr selten kann es nach Monaten bis Jahren zu einer Öffnung der Samenleiter mit nachfolgender Schwangerschaft kommen, die Häufigkeit wird mit 1 zu 2.000 angegeben.[7]

Refertilisierungsoperationen nach Vasektomie[Bearbeiten]

Für eine Rückoperation (Refertilisierungsoperation, auch als Vasovasostomie bezeichnet), die 5 bis 7 % der Patienten anstreben, bestehen sehr hohe Erfolgsraten, wenn die Operation von einem erfahrenen Mikrochirurgen durchgeführt wird. Gründe für eine Vasovasostomie sind vielfältig, der häufigste Grund ist jedoch eine neue Partnerschaft. Die Durchgängigkeitsraten liegen über 95 %, wenn die Vasektomie weniger als 5 Jahre zurückliegt. Die Schwangerschaftsrate liegt dann bei über 65 %. Wichtiger Einflussfaktor auf die Schwangerschaftsrate ist die Fruchtbarkeit der Partnerin, hier spielt das Alter die bedeutendste Rolle. Wenn die Vasektomie länger zurückliegt, sinken die Erfolgswahrscheinlichkeiten der Refertilisierungsoperation leicht ab. Aber auch nach mehr als 15 Jahren bestehen noch Durchgängigkeitsraten von mehr als 80 % und Schwangerschaftsraten von ca. 50 %.[8] Alternativ besteht die Möglichkeit zur assistierten Fertilisation ("künstliche Befruchtung") mittels ICSI (=Intrazytoplasmatische Spermieninjektion) nach chirurgischer Gewinnung von Spermien z.B. durch testikuläre Spermienextraktion (TESE). Die kumulativen Schwangerschaftsraten nach Refertilisierungsoperation sind aber durchschnittlich höher als bei der künstlichen Befruchtung. Die Refertilisierung ist kostengünstiger und physiologischer, da die natürliche Fruchtbarkeit des Mannes wiederhergestellt wird. Belastungen der Partnerin, die mit der künstlichen Befruchtung einhergehen, entfallen.[9] Zur Refertilisation werden Vasovasostomie (mikrochirurgische Readaptation des durchtrennten Samenleiters) oder, sofern notwendig, auch die Tubulovasostomie (mikrochirurgische Annaht des Samenleiters an den Nebenhodenkanal) angewandt. Welche OP-Technik notwendig ist, entscheidet der Operateur intraoperativ. Treten aus dem hodennahen Samenleiter nach Freilegung keine Spermien aus, ist eine Vasovasostomie nicht sinnvoll. Es wird nun diejenige Stelle im Bereich des Nebenhodenkanals aufgesucht, wo Spermien vorhanden sind. Dann erfolgt die Verbindung von Nebenhodenkanal und prostataseitigem Samenleiter ("Tubulovasostomie").

Kosten[Bearbeiten]

Die gesetzlichen Krankenkasse betrachten eine Vasektomie als "Bestandteil der persönlichen Lebensplanung" und übernehmen die Kosten seit dem 01.01.2004 in der Regel nicht mehr. Ausnahmen sehen die gesetzlichen Krankenkassen nur noch in medizinisch begründeten Fällen vor. Die privat zu tragenden Kosten belaufen sich auf ca. 400 - 500 EUR inkl. zwei Spermiogramme und pathologischer Samenleiteruntersuchung. Die Kosten einer Vasovasostomie, also die Wiederherstellung der Zeugungsfähigkeit, sind ebenfalls privat zu tragen und liegen bei etwa 3.000 EUR[10].

Abgrenzung[Bearbeiten]

Die Vasektomie ist streng abzugrenzen von der Kastration.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. I. D. Sharlip, A. M. Belker, S. Honig, et al.: Vasectomy: AUA guideline. In: The Journal of Urology. Dez. 2012, Bd. 188, Supplement 6, S. 2482–2491, doi:10.1016/j.juro.2012.09.080.
  2. a b W.-H. Weiske: Vasektomie, aktueller Stand. In: Journal of Reproductive Medicine and Endocrinology. 2004, Bd. 1, Nr. 3, S. 222–227 (Volltext als PDF-Datei).
  3. T. Philp, J. Guillebaud, D. Budd: Complications of vasectomy review of 16000 patients. In: British Journal of Urology. Dez. 1984, Bd. 56, Nr. 6, S. 745-748, PMID 6534499.
  4. P. J. Schwingl, H. A. Guess: Safety and effektiveness of vasectomy. In: Fertility and sterility. Mai 2000, Bd. 73, Nr. 5, S. 923-936, PMID 10785217.
  5. D. Sokal, S. McMullen, et al.: A comparative study of the no scalpel and standard incision approaches to vasectomy in 5 countries. The Male Sterilization Investigator Team. In: Journal of Urology. Nov. 1999, Bd. 162, Nr. 5, S. 1621-1625, PMID 10524882.
  6. Pro familia: Familienplanungs-Rundbrief. August 2011 Nr. 2, S. 6-7 (PDF-Datei).
  7. International Planned Parenthood Federation (IPPF): IMAP Statement on voluntary surgical sterilization. In: IPPF Medical Bulletin. 2009, Bd. 43, Nr. 4, S. 1–3.
  8. J. U. Schwarzer: Vasectomy reversal using a microsurgical three-layer technique: one surgeon's experience over 18 years with 1300 patients. In: International journal of andrology. (Int J Androl) Okt. 2012, Bd. 35, Nr. 5, S. 706-13, doi:10.1111/j.1365-2605.2012.01270.x.
  9. J. U. Schwarzer, H. Steinfatt: Current status of vasectomy reversal. In: Nature reviews. Urology. (Nat Rev Urol) April 2013, Bd. 10, Nr. 4, S. 195-205, doi:10.1038/nrurol.2013.14.
  10. Interview zur Vasovasostomie (Refertilisation oder Refertilisierung). Interview mit Stephan Neubauer Auf: http://urologie.klinik-am-ring.de ; abgerufen am 26. Mai 2014.
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