Vattenfall Europe

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Vattenfall GmbH
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Rechtsform GmbH
ISIN DE0006012008
Gründung 2002
Sitz Berlin, Deutschland
Leitung Tuomo Hatakka
Mitarbeiter 20.532 (2011)[1]
Umsatz 10.956 Mio. Euro (2011)[1]
Bilanzsumme 22.084 Mio. Euro (2011)[1]
Branche Energieversorger
Website www.vattenfall.de

Vattenfall GmbH ist ein deutscher Stromkonzern mit Sitz in Berlin. Eigentümer ist mit einem 100-prozentigen Anteil der schwedische Mutterkonzern Vattenfall AB. Ende 2011 beschäftigte der viertgrößte Stromversorger Deutschlands ca. 20.500 Arbeitnehmer.

Inhaltsverzeichnis

Unternehmensdaten [Bearbeiten]

Die Kennzahlen für das Jahr 2011[1] sind:

  • Stromverkauf an Vertriebskunden TWh 48,8
  • Stromverkauf am Großhandelsmarkt TWh 67,2
  • Sonstige Stromlieferungen TWh 3,6
  • Stromverkauf gesamt TWh 119,6
  • Stromerzeugung TWh 69,0
  • Strombezug TWh 50,6
  • Wärmeverkauf TWh 15,2
  • Rohbraunkohleförderung Mio. t 59,8
  • Stromerlöse Mrd. € 9,4
  • Umsatzerlöse Mio. € 10.956
  • Betriebsergebnis Mio. € 181
  • Jahresüberschuss Mio. € 153
  • Bilanzsumme Mio. € 22.084
  • Beschäftigte 20.532

Management [Bearbeiten]

Seit dem 17. September 2012 arbeitet die Geschäftsführung in folgender Zusammensetzung:

  • Tuomo Hatakka (Vorsitzender)
  • Torsten Meyer (Arbeitsdirektor)
  • Axel Pinkert (Finanzen)

Geschichte [Bearbeiten]

Vattenfall Europe ging 2002 aus der Fusion der Energieversorgungsunternehmen Hamburgische Elektrizitäts-Werke und der Vereinigte Energiewerke AG sowie dem Bergbauunternehmen Lausitzer Braunkohle AG hervor, zu der Anfang 2003 die Berliner Bewag hinzu kam. Mit der Fusion ist mit Vattenfall (nach E.ON, RWE und EnBW) der derzeit viertgrößte deutsche Stromkonzern (Stand 2010) entstanden. Die Marken HEW und Bewag wurden nach der Fusion zunächst beibehalten. Seit Januar 2006 tritt Vattenfall in ganz Deutschland unter der einheitlichen Marke Vattenfall auf. 2006 wurde auf der Hauptversammlung der Vattenfall Europe der Ausschluss von Minderheitsaktionären mittels eines Squeeze-out beschlossen. Die Übertragung der Aktien von Minderheitsaktionären der Vattenfall Europe an den schwedischen Mutterkonzern wurde mit dem Eintrag in das Handelsregister Berlin am 21. April 2008 beendet und die Börsennotierung des Konzerns damit eingestellt.

Aus wettbewerbspolitischen Gründen verkaufte Vattenfall Europe im März 2010 die Netztochter 50Hertz Transmission und somit auch das bis dahin selbst betriebene Höchstspannungsnetz an den belgischen Netzbetreiber Elia und den australischen Infrastrukturfonds Industry Funds Management (IFM).[2][3][4][5]

Am 17. September 2012 wurde die deutsche Holding-Gesellschaft Vattenfall Europe AG auf die Vattenfall GmbH verschmolzen.

Standorte und Anlagen in Deutschland [Bearbeiten]

Standorte [Bearbeiten]

  • Hamburg (Vattenfall Stromnetz Hamburg (Verteilnetzbetreiber), Vattenfall Europe Business Services, Vattenfall Europe Kundenservice, Vattenfall Europe Information Services (IT-Dienstleister), Vattenfall Europe Sales, Vattenfall Europe Netzservice Hamburg, Vattenfall Europe Nuclear Energy)
  • Berlin (Vattenfall-Deutschlandzentrale, Vattenfall Europe Sales (Privatkunden Berlin und Hamburg), Vattenfall Europe Wärme (Fernwärme Berlin und Hamburg), Vattenfall Europe Netcom (Telekommunikation), Vattenfall Europe Information Services (IT-Dienstleister), Vattenfall Europe Distribution Berlin (Verteilnetzbetreiber), Vattenfall Europe Netzservice Berlin, TVF Altwert (Flächenrecycling))
  • Cottbus (Vattenfall Europe Mining und Vattenfall Europe Generation – Verwaltung Tagebau & Kraftwerke), Vattenfall Europe Information Services (IT-Dienstleister)
  • Vetschau (Vattenfall Powerconsult/Ingenieurgesellschaft zur Kraftwerksplanung)
  • Lübbenau (VSG GmbH Facility Management/Sparten: Catering, Gebäudemanagement, Fuhrpark, Fuhrparkmanagement, Objektschutz), Qualifizierungszentrum

Kraftwerke [Bearbeiten]

Aktive Anlagen [Bearbeiten]

Kraftwerk Jänschwalde
Kraftwerk Boxberg
Kraftwerk HafenCity Hamburg

Anlagen in Planung bzw. Bau [Bearbeiten]

Schaufelradbagger Tagebau Welzow-Süd

Stillgelegte Anlagen [Bearbeiten]

Tagebaue [Bearbeiten]

Tagebau Jänschwalde.

Stromzusammensetzung [Bearbeiten]

Stromkennzeichnung [Bearbeiten]

Nach § 42 EnWG zur Stromkennzeichnung sind alle Energieversorgungsunternehmen in Deutschland verpflichtet, die Herkunft des von ihnen gelieferten Stroms anzugeben. Für Vattenfall Europe ergeben sich folgende Werte für das Jahr 2010:[7]

Stromkennzeichnung 2010
 
Stromerzeugung
Deutschland
Stromlieferungen
Vattenfall Europe
Erneuerbare Energieträger 18,0 % 35,2 %
Kernenergie 24,5 % 5,1 %
Fossile Energieträger + sonstige 57,6 % 59,7 %
Radioaktiver Abfall (mg/kWh) 0,7 0,1
CO2-Emissionen (g/kWh) 494,0 502,2

Eigenerzeugung [Bearbeiten]

Von den vorigen Angaben zu unterscheiden ist die Zusammensetzung der Stromerzeugung in eigenen Kraftwerken. Für Deutschland (Vattenfall Europe AG) setzte sich diese in den Jahren 2010 und 2011 wie folgt zusammen:[8]

  2010 2011
Gesamterzeugung 71,2 TWh 69,0 TWh
Kernenergie 3,2 % 3,9 %
Braunkohlekraftwerke 71,5 % 76,7 %
Sonstige Kraftwerke 25,3 % 19,4 %

Im Jahr 2011 entsprach die Eigenerzeugung 55 Prozent des gesamten Stromaufkommens der Vattenfall Europe AG.

Kritik [Bearbeiten]

Tagebaue und Braunkohlekraftwerke [Bearbeiten]

Vor allem bei Umweltverbänden steht Vattenfall in der Kritik, da das Unternehmen stärker als andere große Energieversorger auf die Verstromung von Braunkohle setzt, die wegen ihrer starken Treibhauswirkungen kritisiert wird, und wegen der damit verbundenen großflächigen Zerstörung natürlicher Lebensräume im Tagebau.

Auch mit Bewohnern hierfür umgesiedelter Dörfer (z. B. Horno) gibt es Konflikte.

Ein langwieriger Konflikt betraf die ökologisch wertvolle Lacomaer Teichlandschaft[9] (FFH-Gebiet) und das Dorf Lacoma/Lakoma, die dem von Vattenfall betriebenen Tagebau Cottbus-Nord weichen sollen.

Gegen die drei von Vattenfall neu geplanten Tagebaue Jänschwalde-Nord, Spremberg-Ost und Bagenz Ost wurde bis Mitte 2008 erfolgreich eine Volksinitiative durchgeführt. von einem Bündnis mehrerer Umweltverbände wurden von Oktober 2007 bis Mai 2008 in Brandenburg Unterschriften gegen die Pläne Vattenfalls gesammelt. Nach Ablehnung der Initiative vom Brandenburgischen Landtag fand von 10. Oktober 2008 bis zum 9. Februar 2009 ein Volksbegehren statt. Dieses scheiterte jedoch. Von den 80.000 notwendigen Unterschriften wurden nur 25.168 gültige Stimmen bei den Meldeämtern abgegeben.[10]

Kernkraftwerke [Bearbeiten]

Die beiden deutschen Vattenfall-Kernkraftwerke gehörten im Jahr 2006 zu den deutschen KKW mit den meisten meldepflichtigen Ereignissen. In der Pannenstatistik belegte das Kernkraftwerk Krümmel mit 15 Ereignissen Platz 1, das Kernkraftwerk Brunsbüttel mit 11 Störungen Platz 3.[11] Das Unternehmen steht insbesondere nach dem Trafo-Brand auf dem Gelände des Kernkraftwerks Krümmel am 28. Juni 2007 in der Kritik, sicherheitsrelevante Informationen über den Betrieb ihrer beiden Kernkraftwerke gar nicht bzw. erst spät zu veröffentlichen. Politiker und Naturschutzverbände fordern den Lizenzentzug für das Betreiben von Atomkraftwerken.[12]

Auch beim Kernkraftwerk Brunsbüttel traten nach einer Störung am gleichen Tag beim Wiederanfahren meldepflichtige Ereignisse auf, die an das zuständige Ministerium erneut zu spät gemeldet wurden.[13] Das in Schleswig-Holstein für die Reaktorsicherheit zuständige Sozialministerium überprüfte nach diesen Vorfällen die Zuverlässigkeit Vattenfalls als Betreiber von Kernkraftwerken. Es war wegen seiner Informationspolitik selbst kritisiert worden.[14] Im Zuge dieser Vorkommnisse wurde der Chef der deutschen Atom-Sparte, Bruno Thomauske, seines Amtes enthoben, und der Konzernsprecher Johannes Altmeppen trat zurück.[15] Bis auf weiteres übernehme Kraftwerks-Vorstand Reinhardt Hassa die Geschäftsführung von Vattenfall Europe Nuclear Energy (Vene)[16] Später, am 18. Juli 2007, trat der Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Europe AG, Klaus Rauscher, zurück. Das Unternehmen verlor im Jahr 2007 – größtenteils durch diese Vorfälle – fast 200.000 Kunden.[17]

Im Zuge des nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima 2011 beschlossenen Atomausstiegs in Deutschland[18] erlosch die Betriebsgenehmigung für acht Kernkraftwerke in Deutschland, namentlich für die sieben ältesten (darunter das Vattenfall-Kernkraftwerk Brunsbüttel) sowie für das Kernkraftwerk Krümmel im August 2011.

Laut einem Bericht des Handelsblatt will Vattenfall wegen der Schließung seiner Atomkraftwerke juristisch gegen Deutschland vorgehen: Das Unternehmen will noch vor Weihnachten 2011 die Bundesrepublik vor dem Internationalen Schiedsgericht für Investitionsstreitigkeiten (Washington) auf Schadensersatz in Milliardenhöhe verklagen.[19]

Vattenfall und Bestrebungen zu der Rekommunalisierung der Energieversorgung [Bearbeiten]

In den Jahren 2011 bis 2015 laufen bundesweit etwa 1.000 Konzessionsverträge im Bereich der Energienetze aus. Vor diesem Hintergrund sind zahlreiche Kommunen aus energie- oder fiskalpolitischen Gründen bestrebt, die kommunalen Energieversorgungsunternehmen wieder in ihre eigenen Hände zu nehmen, das heißt, diese zu rekommunalisieren.[20] Diesen Trend gibt es auch in den Städten, in denen Vattenfall die Unternehmen ganz oder Anteile daran besitzt.

Die Vattenfall GmbH ist in Berlin und Hamburg mit den regionalen Tochterunternehmen Betreiber der kommunalen Strom- und Fernwärmenetze. In Berlin besitzt Vattenfall außerdem einen 30-Prozent-Anteil an der Gasag.

Die Hamburger Regierungskoalition strebte im Mai 2009 an, beim Auslaufen der derzeit bestehenden Konzessionsverträge im Jahr 2014 die Energienetze (Strom, Gas, Fernwärme) durch Rückkauf von Vattenfall zu rekommunalisieren, um einen Umbau der städtischen Energieversorgung hin zu Erneuerbaren Energien vorzunehmen.[21] Der seit 2010 amtierende SPD-Senat hat sich jedoch für eine Beteiligung von 25,1 Prozent am Stromnetz sowie am Fernwärmegeschäft ausgesprochen. Vattenfall hat sich der Stadt Hamburg gegenüber verpflichtet, bis 2018 1,5 Milliarden Euro in Maßnahmen zum Ausbau und zur Integration Erneuerbarer Energien zu investieren. Es gibt in diesem Zusammenhang weiterhin eine Volksinitiative, die das Ziel einer 100-prozentigen Rekommunalisierung der Energienetze und der Etablierung „echter“ Stadtwerke, d. h. eines Stadtwerks mit Energienetzen, hat. Die Volksabstimmung dazu erfolgt parallel zur Bundestagswahl im September 2013.[22]

Auch in Berlin hat die regierende SPD im November 2010 beschlossen, dass die Energienetze und die Berliner Wasserbetriebe wieder von der öffentlichen Hand übernommen werden sollen, ohne dass allerdings bisher die zeitlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen geklärt sind.[23]

Im Dezember 2010 gab Vattenfall den Verkauf seines 24,9-Prozent-Anteil an den Städtischen Werken Kassel an den regionalen Energieversorger Thüga bekannt.[24]

Siehe auch [Bearbeiten]

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Vattenfall – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Vattenfall – in den Nachrichten

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b c d Geschäftsbericht der Vattenfall Europe AG zum 31. Dezember 2011.
  2. Reuters: „Vattenfall-Stromnetz geht an belgische Elia“, Meldung vom 12. März 2010 – 9:09 Uhr
  3. Spiegel: „Vattenfall verkauft Stromnetz an belgische Elia“, vom 12. März 2010.
  4. faz.net: Vattenfall verkauft deutsches Hochspannungsnetz, vom 12. März 2010.
  5. vattenfall.de:Vattenfall schließt Verkauf des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz Transmission ab, 21. Juni 2010.
  6. http://www.stromvergleich.de/stromnachrichten/5027-vattenfall-errichtet-neuen-windpark-vor-sylt-27-11-2011
  7. Kennzeichnung der Stromlieferungen (PDF; 63 kB)
  8. Geschäftsbericht Vattenfall Europe AG 2011, S. 18.
  9. Siehe http://www.bi-lacoma.de/
  10. Volksbegehren gegen Tagebaue im Sande verlaufen. In: Lausitzer Rundschau. 9.  Februar 2009.
  11. NDR Online: Atommeiler Krümmel mit den meisten Zwischenfällen
  12. Neue Unfall-Details: AKW-Leitstelle in Krümmel war voller Rauchgas. auf: Spiegel Online. 6. Juli 2007.
  13. AKW Brunsbüttel: Pannen in Atomkraftwerk erneut zu spät gemeldet. auf: Spiegel Online. 8. Juli 2007.
  14. spiegel.de 2007: Atommeiler-Pannen: Ministerin droht Vattenfall mit Lizenzentzug. auf: Spiegel Online. 9. Juli 2007.
  15. Pannenserie: Vattenfall feuert deutschen Atom-Chef. auf: Spiegel Online. 16. Juli 2007.
  16. Vattenfall wechselt Atom-Chef aus. auf: netzeitung.de, 16. Juli 2007.
  17. http://www.tagesschau.de/wirtschaft/vattenfall2.html (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.) → Erläuterung Vattenfall verliert fast 200.000 deutsche Kunden (Abgerufen am 31. Oktober 2007)
  18. bundestag.de (PDF; 218 kB)
  19. handelsblatt.com 2. November 2011: Vattenfall verklagt Deutschland
  20. Christof Schorsch, Jessica Faber: Rekommunalisierung der Energieversorgung – Chancen und Risiken. In: DEMO Monatszeitschrift für Kommunalpolitik. 4. Februar 2010.
  21. Hamburg gründet Öko-Stadtwerke. Die Tageszeitung(18. Mai 2009)
  22. Bürgerschaft für Beteiligung an Energienetzen. NDR(19. April 2012)
  23. Berliner SPD will rekommunalisieren. Junge Welt, 15. November 2010
  24. Artikel in Handelsblatt online vom 20. Dezember 2010 Vattenfall verkauft Anteil an Stadtwerken Kassel