Mittelmeertief

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Zugstraßen der barometrischen Minima (Tiefdrucktrajektorie) nach W.J. v. Bebber: Unten Va, mit den Fortsetzungen Vb nordost, Vc ost (nicht sichtbar: Vd südost)

Allgemein steht der Begriff Mittelmeertief, je nach Tiefkernlage auch Balearentief, Genuatief oder Adriatief genannt, für Tiefdruckgebiete im Mittelmeerraum.

Eine Vb-Wetterlage („V“ = römisch 5, gesprochen: Fünf-B-Wetterlage) ist gekennzeichnet durch die Zugbahn eines Tiefdruckgebietes von Italien über die Poebene oder Nordadria hinweg, nordostwärts über Friaul, Slowenien oder Kroatien und Bosnien (Balkantief) und um die Alpen herum nach Ungarn. Die als „Vb“ bekannte Zugbahn wurde von Wilhelm Jacob van Bebber 1891 deklariert und mit dieser Notation in das System der Großwetterlagen integriert. Daneben gibt es als Variante des Adriatiefs Richtung Nordost auch die Richtung Balkan nach Osten oder Südosten abziehende Systeme, Vc- und Vd-Wetterlagen nach Bebber. Mit Va wurde die Zugbahn Biskaya–Spanien/Frankreich–Ligurien bezeichnet. Der Begriff der Vb-Großwetterlage für mediterrane subtropische Zyklone, die nordostwärts Richtung Russland ziehen, ist in der europäischen Meteorologie insbesondere darum noch in Verwendung, weil die modernere, deutsche Großwettertypologie nach Hess/Brezowsky die Aktionszentren des Mittelmeerraumes unzulänglich berücksichtigt.

Grundlagen[Bearbeiten]

Genuatief, 7. Oktober 1996: Ein subtropischer Tiefdruckwirbel (Zyklon) steuert feuchtwarme Luftmassen des Mittelmeerraumes von Südwest gegen Mittelitalien und Südost gegen die Alpen

Das Vb/a-Tief entsteht durch einen Kaltluftvorstoß über Frankreich in das westliche Mittelmeer, häufig in Verbindung mit einer Nordwestwetterlage, mit Bildung eines Tiefs im westlichen Mittelmeerraum, oder durch einen von England oder der Biskaya (Biscayatief) über Frankreich südwärts geschobenen Tiefkern (Va), der südlich der Alpen weiterzieht.

Liegt der Aktionskern über dem Mittelmeerraum, gleiten die dortigen feuchtwarmen oder über der Sahara überhitzten Luftmassen auf der (östlichen) Vorderseite des Tiefdruckgebietes auf die in Zentraleuropa der nördlicheren Zonen am Boden liegende Kaltluft auf (Aufgleiten von Südost), weil eine südliche Strömung mit hohen Lufttemperaturen viel Feuchtigkeit transportieren kann.[1] Das führt zu teils langanhaltenden Niederschlagsphasen, die in Staubereichen an den Alpen und höheren Mittelgebirgen auch recht ergiebig sein können (Stauniederschläge), und Hochwässer oder abnorme Schneemengen mit Lawinengefahr verursachen. Im Raum des östlichen Mittelmeeres wird trockene, warme Saharaluft gegen Südosteuropa gesteuert und führt dort zu übersteigerter Wärme, das Windereignis wird Scirocco (Jugo) genannt: Vor der Frontlinie des heranziehenden Mittelmeertiefs können sich Saharastaub-Ereignisse bis auf Mitteleuropa ausweiten. Nördlich der Alpen begleiten abnormale Föhnereignisse die Mittelmeertiefs, wenn die Niederschläge an der Alpensüdseite abregnen.

Typologie der Mittelmeertiefs[Bearbeiten]

Zugbahn des Orkan Klaus 24. Januar 2009 – typische Va-Trajektorie mit untypischem Starkwindereignis

Das Mittelmeertief gehört zu den klassischen Aktionszentren des europäischen Wettergeschehens.[2]

Die V-Wetterlage wird in ihrer Frühphase meist Mittelmeertief genannt:

  • Ein Balearentief liegt im westlichen Mittelmeerraum im Raum der Balearen. Es kann auch eine zeitlang stationär bleiben, und sorgt dann besonders im Herbst für die Niederschläge im Nordosten Spaniens, besonders in Katalonien, und dem französischen Midi.[3]
  • Ein Genuatief im eigentlichen Sinne ist eine Sonderform, die sich, mit Tiefdruckkern im Golf von Genua, zuerst am Apennin und dann im Alpenbogen verhängt und über dem Piemont, dem Wallis und den West- und Südalpen abregnet oder -schneit, bei starkem Föhn in den Nordalpen. Hauptbetroffen ist dann die Poebene bis in die Alpentäler vom Aostatal, die oberitalienischen Seen, Südtirol bis in das Klagenfurter Becken, bei Überschlagen über den Alpenhauptkamm auch das Tessin oder das Oberrheingebiet.
  • Ein Adriatief. das also über den Apennin an die Adria gesprungen ist oder sich erst dort bildet, folgt im Allgemeinen der klassischen Zugbahn nordost- (Vb), ost- (Vc) oder südostwärts (Vd).

Mittelmeertiefs bilden nicht unbedingt eine ostwärts abziehende Bahn aus, sondern können auch im Raum um Italien herum zerfallen.

Besonders die Endphasen der Vb/c-Lagen pumpen über längeren Zeitraum große Feuchtigkeitsmengen nach Mitteleuropa:

  • Osteuropatief: Bei der Vb-Trajektorie handelt es sich um die einzige Zugbahn von Südwest nach Nordost über Mitteleuropa, sie führt typischerweise zu schweren Stauniederschlägen an Ostalpen, Karpaten und Erzgebirge und Überschwemmungen in den Einzugsgebieten von Donau, Elbe und auch Rhein.
  • Balkantief: Vc-Kerne ziehen langsam über die Gebirge der Balkanhalbinsel und führen zu Extremereignissen im mittleren und unteren Donauraum (Donau-Theiß-Gebiet in Ungarn, bis Rumänien).

Die Entstehungsfälle der Mittelmeertiefs sind:

Im Östlichen Mittelmeer, das auf allen Seiten von Gebirgen gegen Strömungen abgeriegelt ist (nur gegen Ostsahara und Rotes-Meer-Region ist es offen), bilden sich keine Tiefkerne mehr.

Das moderne Österreichische Wetterlagen-Schema der ZAMG unterscheidet

  • die Frühphasen (also Va nach Bebber) als Tief über dem westlichen Mittelmeer (TwM)
  • die Entscheidungsphase der weiteren Zugbahn Tief südlich der Alpen (TS)
  • im engeren Sinne Tief auf der Zugstraße Adria – Polen (Vb)
  • und für die Vc/d-Routen Tief im Südwesten Europas (TSW)

Dabei spielt – neben IVb entlang der Nord- und Ostseeküste – hauptsächlich die V-er-Serie Bebbers in der heutigen Meteorologie eine Rolle (die anderen Zugbahnen sind wenig wetterwirksam und relativ selten), womit sich der Begriff Fünf-B als solcher etabliert hat.[4]

Auftreten[Bearbeiten]

Schema eines zentralmediterranen Tiefs, Scirocco im Ostmittelmeerraum

V-Lagen treten gewöhnlich im Frühjahr und Herbst auf, können aber prinzipiell zu jeder Jahreszeit vorkommen und gehören mit nur einigen wenigen Ereignissen pro Jahr zu den selteneren Großwetterlagen Europas (Jährlichkeit < 0,3). Die klimatologische Ursache für diese Ereignisse liegt in der geographischen Breite, in der die Aktionszentren vom Atlantik her Europa erreichen: Wenn sie etwa auf Höhe des Alpenbogens oder südlich davon eintreffen, können sie bei tendenziell südweisender Frontalzone die Mittelmeer-Route davon einschlagen. Diese globale Wettersituation bleibt manchmal auch über etliche Wochen in etwa gleich, sodass dann auch ganze Serien von Mittelmeertiefs auftreten. Aufgrund der eintretenden Bodensättigung führt das zu einer ganzen Serie von Hochwässern oder bei Schneemassenereignissen durch starken Anstieg der Schneehöhen ohne Setzung und Verbindung zu großräumigen hochlawinösen Lagen.

Charakteristische Wetterwerte und -phänomene[Bearbeiten]

Stauniederschläge[Bearbeiten]

Die Mittelmeertiefs pumpen an der Ostseite warme Luftmassen der Sahara über das Mittelmeer. Dort reichern sie sich meist stark mit Feuchtigkeit an, und bilden an den Gebirgen des südlicheren Europa intensiven Stauniederschlag. Das betrifft das Kastilische Scheidegebirge und die Pyrenäen, den Apennin, die Alpen, die Dinariden, und auch die Rhodopen und anderen Gebirge Südosteuropas, bei der Vb-Zugbahn auch den Karpatenbogen.

Diese Niederschläge können extrem werden. Beim Elbhochwasser 2002 beispielsweise kam es zu extremem Regen am Erzgebirge, etwa in Zinnwald-Georgenfeld 312 mm in 24 Stunden. Solche Regenmengen führen lokal an den Oberläufen zu teils innerhalb von Stunden ansteigenden Flutwellen, und, bei großer Ausdehnung der Regenfront, an den großen Flüssen zu enormen Wassermassen. Da die Mittelmeertiefs oft wenig schnell ziehen oder gar stillstehen und permanent weiterpumpen, bis sie zerfallen, können diese Starkniederschlagsereignisse auch etliche Tage andauern.

Trockenereignisse[Bearbeiten]

Ein anderer Effekt sind die noch vor der Kaltfront im Osten nordwärts angetriebenen Luftmassen Afrikas, die sich nicht mit Feuchte anreichern, sondern heißtrockene Südost- bis Südwinde bilden, den Scirocco. Diese können so intensiv werden, dass sie enorme Staubmassen weiträumig nach Europa verfrachten (Saharastaubereignisse).

Augenbildung (Medicane)[Bearbeiten]

Genuatief, 30. September 1983 mit Niederschlagsfronten im ganzen Alpen-Adria-Raum

In extremer Ausformung[5][6][7] kann ein Mittelmeertief ein Hurrikan/Taifun-artiges Auge, einen wolkenfreien Bereich im Zentrum ausbilden. Sie bilden sich etwa dann im Mittelmeerraum, wenn ein polarer Kaltluftvorstoß ein austropfendes Cut Off-Tief bildet.[5] In Unterscheidung zu echten Wirbelstürmen sind diese Systeme aber keine selbsterhaltenden Großwetterlagen. Im Allgemeinen treten starke Mittelmeertiefs in der Wintersaison auf, die Freisetzung der in der Wassertemperatur gespeicherten Energie (etwa > 24 °C)[5] relativ zur Lufttemperatur, wie auch die Corioliskraft, kann zwar beitragen,[8] die Zyklone wird aber durch atlantisch-mediterrane oder afrikanisch-europäische Ausgleichswinde angetrieben. Die Augenbildung hält meist nur wenige Stunden an und zerfällt schnell, weil auch insgesamt im Mittelmeerraum nicht genügend Raum für eine konvektive Selbsterhaltung vorhanden ist. Für solche Phänomene findet sich seit den 1980ern der Ausdruck Medicane (zu mediterran mit Hurricane).[5] Ähnliche Phänomene finden sich im subtropischen Nordatlantik im Bereich Bermudas-Azoren-Kanaren[5] („Überraschungshurricanes“).

Stürme dieser Art werden im Mittelmeergebiet alle paar Jahre beobachtet, Ereignisse des Typs waren etwa:[9] September 1947, September 1969, Januar 1982, September 1983[7], 13.–17. Januar 1995, 2007, November 2011 Genuatief Rolf[10]

Liste von Mittelmeertief- einschließlich Vb-Ereignissen[Bearbeiten]

Im Alpenraum und auch in den nördlich angrenzenden Ländern ist die Vb/a-Wetterlage wegen der oftmals heftigen Niederschläge gefürchtet.

(Ha) Angegeben sind im Folgenden der Starttermin eines Ausnahmeereignisses in Mitteleuropa. Die Jahreszählung wechselt 30. September, mit Beginn des hydrologischen Jahres, da es sich durchweg um Hochwasser- bzw. Starkschneeereignisse handelt.

Ereignisse vor 1970[Bearbeiten]

Winterliche Südstaulage ist etwa verantwortlich für:

  • 1951: die Februar-Episode des Lawinenwinters 1951 mit bis zu 4 m Neuschnee innerhalb von 2 Tagen. Klagenfurt etwa meldete im März 1951 über 7 m Schneedecke.

1970–2007[Bearbeiten]

2007/2008[Bearbeiten]

  • 22. März: mit 20 cm Neuschnee von Osten durch Vb auf dem Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsrück durch Tief Paul II[12]
  • 22. August: mit sintflutartigen Regenfällen in Niedersachsen und im Sauerland durch Tief Quirinus
  • 06. September: mit 90 cm Neuschnee auf der Zugspitze und Überschwemmungen in Niederösterreich durch Tief Xaver
  • 27. September: Vb-Tief Faysal I von der Adria über Passau zur Eifel mit Überschwemmungen in Aachen und Umgebung
  • 29. September: Vb-Tief Faysal II von der Adria nach Norden zum Harz, die Innerste sprang über die Ufer

2008/2009[Bearbeiten]

Die hydrologische Saison 2009 zeichnete sich durch eine abnorm hohe Frequenz an schweren Va/Vb-Lagen aus, von Oktober bis März waren fast ein Dutzend verschiedener wetterwirksamer Mittelmeertiefs zu verzeichnen.

  • (Ha)29. Oktober 2008: Vb-Tief Yulietta[13] vom Golfe du Lion über Norditalien nordostwärts ziehend, mit Dauerregen, Bergland Schnee, Ostalpen extreme Föhnströmung[14]
  • (Ha)27. November 2008: Ein Genuatief-Tief[13] verbindet sich mit Biskaya-Tief Nina und Mitteleuropatief Phostine: Heftiger Schneefall in Norditalien (Trentino, Südtirol, Ligurien, Piemont) bis Kärnten und Tirol (Osttirol 120 cm Schnee), Überschwemmung in Venedig (20-jähriges Ereignis, Pegel 185 cm),[15] schwer betroffen auch Lodi in der Lombardei und Pordenone in Friaul;[16] Föhnsturm in Oberösterreich und Salzburg bis 100 km/h, 14° in Linz[15]
  • (Ha)11.–13. Dezember 2008: Das Biskayatief Tine mit klassischer V-Zugbahn vom 5.[17] zieht am 7. über Zentralspanien[18], und am 10. über Italien[19]. Am 12. Dezember ausgeprägter Hochdruckkeil über Frankreich, Südföhnströmung über den Alpen bis Südschweden (Föhntemperaturen über 15° am Nordalpenrand). Wieder schwere Schneefälle in Norditalien, der Schweiz, Süd- und Osttirol[20] (mit einem Todesfall am 17. Dezember), in Kärnten über 1 m Schnee (nach Angaben der ZAMG ein 80-jähriges Ereignis)[21], im Tessin ½ m,[20] schwere Verkehrsbehinderungen mit zahlreichen Sperren, abgeschnittene Täler (Lesachtal), Lawinenwarnstufen bis 4 in den südlichen Kalkalpen,[21] Überschwemmungen von Venedig über Rom (Evakuierungen in Ostia) bis Süditalien,[20] aber auch Schneechaos in Nordspanien und den Französischen Alpen[22] (100.000 Haushalte ohne Strom). Tine zerfällt über der Adria.
  • (Ha)12–17. Dezember 2008: Das nachrückende, ähnliche Tief Verena[23] bringt weiterhin Schneechaos und verstärkt die Überschwemmungen in Spanien bis Mallorca, Frankreich, Italien – im Alpenraum bleibt es von geringerer Auswirkung als seine beiden Vorgänger.
  • Januar–März 2009 folgen noch einige weitere Va-TB-Tiefs, deren extremstes Orkan Klaus 23.–25. Januar ist, der im Norden Spaniens, Südwesten Frankreichs und Teilen Italiens schwere Schäden verursacht.[24][25] Ein atlantischer Orkan in Va-Zugbahn ist äußerst selten. Auch die anderen Ereignisse führen mehrmals hintereinander zu teils Regen-, teils Schneechaos in Spanien, Südfrankreich, Mittelitalien und dem Pogebiet, bis in die Südalpen.
  • 23.–30. Juni: Tief Quinton, entstanden als Genuatief, war aber keine eigentliche Vb-Lage, sondern ein Höhentief mit ähnlicher Zugbahn. Hochwässer mit Spitzenwerten bis 100-jährig im CEE-Raum, mit über 20 Todesopfern und einigen 100 Mio. € Versicherungsschaden.

2009/2010[Bearbeiten]

  • ab 5.–11. Januar 2010: Daisy, ein Tief mit klassischer Va–Vc-Bahn von der Iberischen Halbinsel bis in die Ukraine. In Nordspanien schwere Schneeeinbrüche wie seit 25 Jahren nicht mehr (5. Januar 1985), von Nordfrankreich über Norddeutschland gravierende Beeinträchtigungen durch Schneeverwehung und Windbruch, mehrere Todesopfer in Folge.
  • ab 7. März führt ein langsamziehendes Adriatief namens Andrea[26] zusammen mit dem in zwei Kerne zerfallenen lagestabilen Nordmitteleuropa-Hoch Isidor zu einem abnormen nordöstlichen Kaltlufteinbruch.[27][28] Der Mittelmeerraum erlebt ein Schneechaos, im Raum Katalonien fällt mehr Schnee als beim Januarereignis[29][30], auch Südfrankreich ist schwer betroffen, auf Mallorca sind Schneeketten notwendig[31], am Apennin kommen 60 cm Schneehöhe zusammen[31], in Kroatien gar 70 Zentimeter.[31] Sturmböen bis 150 km/h beschädigen zahlreiche Schiffe in Häfen und küstennahe Häuser,[31] sogar ein Todesopfer war zu vermelden.[31] Im Nordalpenraum, wo es infolge der föhnigen Strömung, die durch den Orkan Xynthia Ende Februar verursacht wurde, zu Temperaturen bis +18° gekommen war, fielen die Temperaturen auf bis −18°.[32]
  • Mai/Juni 2010 Hochwasser der Oder und ihrer Nebenflüsse.[33]
  • August 2010 Hochwasser der Lausitzer Neiße, der Oder und der Spree in der Oberlausitz.
  • September/Oktober 2010 Hochwasser der Schwarzen Elster und ihrer Nebenflüsse.

2010/2011[Bearbeiten]

Keine besonderen Vorkommnisse.

2011/2012[Bearbeiten]

  • (Ha) 4.–9. November 2011: Genuatief Rolf, blockiert durch ein Russlandhoch Walli: schwere Überschwemmungen in Italien (über 600 mm/72 h in Ligurien, mehrere Todesopfer), abnorm hoher Seegang an der Côte d'Azur; Temperaturen über 20° an der Alpennordseite durch Föhn.
  • Anfang Februar: Italientief Julia über dem Tyrrhenischen Meer führt in Zusammenhang mit der Kältewelle in Europa (Russlandhochs Cooper, Dieter) zu Scheechaos in Italien (in Rom wie seit 1985 nicht mehr) und am Balkan, Schnee bis Mallorca und in Algier.

2012/2013[Bearbeiten]

  • Ende Mai/Anfang Juni Tiefs Frederik/Günther:[34] Eine abnorm ziehende und einige Tage ortsstabile Vb-Wetterlage sorgte vor allem zwischen Alpen und Erzgebirge sowie in Tschechien für tagelange heftige Regenfälle und Hochwasser, das örtlich die Ereignisse 2002 und 2005 übertraf.

2013/2014[Bearbeiten]

  • Weihnachtsunwetter: Im Gefolge des Orkans Dirk über Westeuropa bringt ein kurzlebiges aber starkes Italientief in Norditalien heftige Unwettern und in den Alpen enorme Schneemengen (Nordtessin, Misox bis 120 cm/24 h, in San Bernardino der intensivste Schneefall seit Messbeginn 1952;[35] Osttirol bis 80 cm[36])
  • 11.–18. Mai Tief Yvette: verharrt untypisch lange über dem Balkan; schwere Überflutungen auf der Balkanhalbinsel, und im Donau und Karpatenraum; auch schwere Stürme durch ein kräftiges Westeuropahoch und starkes Druckgefälle
  • Juni/Juli: Im Laufe des verregneten Frühsommers folgte eine Serie von Mittelmeertiefs, so 29./30. Juni,[37] 22. Juli mit Schlechtwetter um die Adria bis 28.[38] – am 26. etwa wurde in Klagenfurt nach einem Gewitter mit Starkregen das Kärtner Landesmuseum durch Wassereintritt verwüstet.[39]
    Das vorerst heftigste Ereignis war das folgende Tief Quintia. Nachdem es von der Nordsee kommend am 28. Juli im westfälischen Münster Rekordregenmengen (eine Station des Landesumweltamtes registrierte eine Niederschlagsmenge von 292 l/m² innerhalb von 7 Stunden), zwei Tote und Schäden von mehr als 300 Millionen Euro hinterlassen hatte,[40][41] zog es über die Alpen und entwickelte sich in der Folge zu einem Norditalien–Adria-Tief mit Höhentief-Charakteristik:[42] Am 29. Juli kam es zu kurzdauerndem intensiven Starkregen mit Überflutungen, insbesondere in Ostösterreich[43] [44] (in Podersdorf 158 mm/6 h, eine knapp dreifache Monatsmenge)[45] und am 30. im Tiroler Brixental (um Kössen) und Salzburger Oberpinzgau[43] (in Mittersill hatte die Salzach einen weit höheren Stand als 2005);[46] in Rumänien forderten meterhohe Flutwellen ein Todesopfer. (Vedea bei Pitesti).[47]

Literatur[Bearbeiten]

  • P. Alpert, B. U. Neeman, Y. Shai-El: Intermonthly variability of cyclone tracks in the Mediterranean. In: Journal of Climate. Vol. 3, 1990, S. 1474–1478 (pdf, tau.ac.il)
  • E. Kostopoulou, P. D. Jones. Comprehensive analysis of the climate variability in the eastern Mediterranean. In: International Journal of Climatology. 27:9, 2007, S. 1189–1214, insb. Part I: Map-pattern classification.
  •  P. Lionello, J. Bhend, A. Buzzi, P.M. Della-Marta, S.O. Krichak, A. Jansà, P. Maheras, A. Sanna, I.F. Trigo, R. Trigo: Cyclones in the Mediterranean region: Climatology and effects on the environment. In: P. Lionello, P. Malanotte-Rizzoli, R. Boscolo (Hrsg.): Mediterranean. (= Developments in Earth and Environmental Sciences, Volume 4). 2006, ISBN 0-444-52170-4, Chapter 6, S. 325–372, doi:10.1016/S1571-9197(06)80009-1.
  • Isabel F. Trigo, Trevor D. Davies, Grant R. Bigg: Objective Climatology of Cyclones in the Mediterranean Region. In: Journal of Climate 12, June 1999, S. 1685–1696, doi:10.1175/1520-0442(1999)012<1685:OCOCIT>2.0.CO;2

Vb-Lagen:

  •  Mitja Brilly (Hrsg.): Hydrological Processes of the Danube River Basin: Perspectives from 10 Danubian Countries. Springer, 2010, ISBN 978-90-481-3422-9, insb. Péter Kovács: Characterization of the Runoff Regime and Its Stability in the Danube Catchment. S. 143 ff; Stevan Prohaska, Aleksandra Ilic: Coincidence of Flood Flow of the Danube River and Its Tributaries. S. 175 ff; Pavel Petrovič, Katariná Mravcová, Ladislav Holko, Zdeněk Kostka, Pavol Miklánek: Basin-Wide Water Balance in the Danube River Basin. S. 227 ff.
  • M. Hofstätter, Bundesministerium für Land und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft: Vb-artige Wetterlagen als Ursache exzessiver Niederschläge im Alpenraum. Machbarkeitsstudie, Abschlussbericht, Wien 2011 (pdf, 4,3 MB, zamg.ac.at; Weblink Verursachen spezielle Wetterlagen intensive Niederschläge?, lebensministerium.at)
  •  M. Mudelsee, M. Börngen, G. Tetzlaff, U. Grünewald: Extreme floods in central Europe over the past 500 years: Role of cyclone pathway ‘‘Zugstrasse Vb’’. In: American Geophysical Union. (Hrsg.): Journal of Geophysical Research. Vol. 109, Nr. D23101, 2004, doi:10.1029/2004JD005034 (Fokus Elberaum).

Spezielles:

  • J. Kouroutzoglou, H. A. Flocas, K. Keay, I. Simmonds, M. Hatzaki: Climatological aspects of explosive cyclones in the Mediterranean. In: International Journal of Climatology. 31, 12, 2011, S. 1785–1802.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Tropische Zyklone des Mittelmeerraums – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Vb-Wetterlage Agenda 21 Treffpunkt – weitere Erläuterungen mit Infografiken

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. vergl. Fünf-B-Tief. MeteoSwiss → Lexikon
  2. DWD Prognose 20120203 (Kältewelle in Europa 2012, klassische Großwettersituation): Mächtiges Russlandhoch Dieter, mittelstarkes Islandtief, kräftiges Italientief Julia, aus dem Azorenhoch ausisolierter Hochkern über der Biskaya; über der Ostsee ein Zwischentief und eine sich ausbildende Hochdruckbrücke Osteuropa–Biskaya; vor Neufundland ein weiteres mächtiges Aktionstief
  3. Universitat Bonn. Geographisches Institut: Colloquium geographicum. Bände 1-4. Verlag in Kommission bei F. Dümmler, 1951, S. 36, 61 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Zugstrassen. MeteoSwiss → Lexikon
  5. a b c d e Medicane. In: DWD: Wetterlexikon
  6. R. Mayengon: Warm core cyclones in the Mediterranean. In: Mar. Weather Log, Vol. 28, No. 1, 1984, S. 6–9.
  7. a b Ernest, Matson: A Mediterranean tropical storm? Weather, November 1983, S. 332–337.
  8. Gibt es Hurrikane im Mittelmeerraum, auf dem Schwarzen Meer oder dem Polarmeer?, Hurrikan-FAQ M7) in Thomas Sävert: Naturgewalten
  9. nach Saevert: Naturgewalten und Tropensturm ähnliches Tiefdruckgebiet über dem westlichen Mittelmeer (vom 9. November 2011), Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik
  10. wurde von der NOAA nach Satellitenauswertung als Hurricane gemeldet und NOAA 01M gelistet; das nachgestellte M soll eine Klasse mediterraner Hurricanes darstellen. Das Mittelmeer ist keines der sieben von der WMO anerkannten Wirbelsturmentstehungsgebiete, der Sturm ist der erste Eintrag in diese Kategorie
  11. Vom technischen zum integralen Hochwasserschutz. Nach dem Unwetter von 1987 …, waldwissen.net
  12. Ausgangslage: gif, wetterzentrale.de
  13. a b Prognose 20081127. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  14. Luftmassen-Kampf, Newsarchiv wetter24.de, 30. November 2008 07:55
  15. a b  Chronik: Venedig von der Flut überrascht; Österreich: Heftige Schneefälle sorgten für Chaos. In: Salzburger Nachrichten. 2. Dezember 2008, S. 20; 8.
  16. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format"Land unter" in Norditalien. Handelsblatt, 27. November 2008, abgerufen am 12. Dezember 2008.
  17. Prognose 20081205. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  18. Prognose 20081207. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  19. Prognose 20081210. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  20. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSchweiz und Norditalien im Tiefschnee. In: Panorama » Welt. Die Presse, 11. Dezember 2008, 13:55, abgerufen am 12. Dezember 2008.
  21. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatSchnee: Kärnten fürchtet neues Mittelmeertief. In: Panorama » Welt. Die Presse, 14. Dezember 2008, 18:41, abgerufen am 12. Dezember 2008.
  22. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMittelmeertief lässt halb Europa im Schnee versinken. In: Panorama » Welt. Die Presse, 10. Dezember 2008, 12:32, abgerufen am 14. Dezember 2008.
  23. Prognose 20081215. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  24. Prognose 20090124. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  25. Wetterlagen für Jänner 2009, ZAMG, 27.-29.
  26. vergl. auch en:Winter of 2009–2010 in Europe #March
  27. Prognose 20100307. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  28. Prognose 20100310. Institut für Meteorologie, FU Berlin
  29. Schneefall 2011 auf Commons
  30. Barcelona erlebt schlimmste Schneefälle seit 25 Jahren. In: Spanien-Bilder. Abgerufen am 10. März 2010 (deutsch).
  31. a b c d e dpa, nach Schneechaos in Italien, Kroatien und Spanien. In: Die Zeit online. 10. März 2010, abgerufen am 10. März 2010.
  32.  Temperaturschwankungen im März 2010. Es ist um 13 Grad zu kalt für die Jahreszeit. In: Salzburger Nachrichten. 9. März 2010, Lokalteil Stadt Salzburg, S. 4.
  33. Eberhard Schmidt, Barbara Stein, Matthias Hummel: Entstehung und hydrologischer Verlauf des Hochwassers der Oder im Mai/Juni 2010. In: Hydrologie und Wasserbewirtschaftung. Heft 5, 2010, ISSN 1439-1783, S. 315–320.
  34. Prognose 20130601, met.fu-berlin.de;
    Wetterkarte 20130601, ZAMG
  35. Ergiebige Schneefälle im Süden und Zwischenhoch nach dem grossen Schnee, MeteoSchweiz, Tagesaktualitäten, 26. und 27. Dezember 2013
  36.  Ein heftiger Gruß von Frau Holle. Chaos. Winterwetter in Kärnten und Osttirol. In: Salzburger Nachrichten. 27. Dezember 2013, Österreich.
  37. Ein kurzfristiges verschlepptes Tief mit Vb-Charakteristik, das sich durch den Frontübergang eines Ostseetiefs (Kristina) über die Alpen bildete.
    Prognose 29. 06. 14, met.fu-berlin.de;
    Wetterkarte 29. Juni 2014, 18 UTC, 30. Juni 2014, 06 UTC, 30. Juni 2014, 18 UTC, alle ZAMG
  38. Eine Tief-Höhentief-Instabilität Paula am 20. von der Nordsee über die Alpen in den Adriaraum, wandert dann Vb-artig mehrere Tage über dem Balkan und im ostmitteleuropäischen Raum, teils verstärkt durch Algerientiefs.
    Prognose 20. 07., 21. 07., 22. 07., 23. 07., 24. 07., 25. 07., 26. 07., 27. 07., 28. 07. 14, alle met.fu-berlin.de;
    Wetterkarte 22. Juli 2014, 12 UTC, 25. Juli 2014, 18 UTC, 26. Juli 2014, 18 UTC, alle ZAMG
  39. Unwetter: Historische Bücher zerstört, kaernten.orf.at, 27.07.2014; Starkregen sorgte für Überschwemmungen, steiermark.orf.at, 27.07.2014.
  40. Unwetterzentrale.de: Starkregen in Münster
  41. Westfälische Nachrichten vom 13. August 2014:Flut verschlingt astronomische Summen
  42. Quintia: Prognose 28. 07., 29. 07., 30. 07. 14, alle met.fu-berlin.de;
    Wetterkarte 29. Juli 2014, 00 UTC, 30. Juli 2014, 06 UTC, 31. Juli 2014, 00 UTC, 31. Juli 2014, 12 UTC, alle ZAMG
  43. a b Überflutungen in Niederösterreich und Salzburg, orf.at, 30. Juli 2014.
  44. 650 Feuerwehrleute im Unwettereinsatz, noe.orf.at, 30. Juli 2014; Unwetter: 342 Feuerwehreinsätze, burgenland.orf.at, 31. Juli 2014.
  45. Unwetter brachte neuen Regenrekord, burgenland.orf.at, 31. Juli 2014.
  46. Hochwasser: Pegel sanken langsam, salzburg.orf.at, 31. Juli 2014; Aufräumen nach dem Hochwasser, salzburg.orf.at, 1. August 2014.
  47. Ein Toter bei Überschwemmungen in Rumänien, orf.at, 30. Juli 2014.