Veganismus
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
| Gesichtet (zur aktuellen Version) | ||
Dies ist die letzte gesichtete Version, freigegeben am 14. Mai 2008.
Der Entwurf enthält Änderungen an Vorlagen/Dateien, die auf eine Sichtung warten.
|
Veganismus ist eine vorwiegend ethisch begründete Einstellung und Lebensweise, welche die Nutztierhaltung und den Konsum tierischer Produkte völlig ablehnt. Der Veganismus beinhaltet eine besonders weit reichende vegetarische Ernährungsweise: Der Konsum von Fleisch, Milch, Eiern, Gelatine und anderen tierischen Lebensmitteln wird vermieden. Einige wenige Veganer konsumieren Honig, was andere Veganer vermeiden. Weiter gefasst achten Veganer bei Kleidung (Leder, Wolle) und anderen Gegenständen des Alltags auf Tierproduktefreiheit, sowie Tierversuchsfreiheit (Waschmittel, Putzmittel, Kleinbildfilme, Kleber, Farben etc.).
Nach einer Umfrage lebten 1995 etwa 170.000 Menschen im Vereinigten Königreich vegan[1], nach jüngsten Aussagen der Vegan Society mehr als 200.000 (2005). Laut der Internetseite veganwelt.de[2] gibt es in Deutschland zwischen 250.000 und 460.500 Veganer (etwa 0,3 %–0,5 % der Gesamtbevölkerung), in den USA etwa 0,9 %. Nach der Nationalen Verzehrsstudie II von 2008 leben in Deutschland 0,1 % der Frauen und 0,05% der Männer vegan.[3]
Inhaltsverzeichnis |
Begriff
Das Wort vegan geht auf den Engländer Donald Watson zurück, der 1944 die Vegan Society als Abspaltung der englischen Vegetarian Society (Vegetarier-Gesellschaft) gründete. Ihn und eine Gruppe von Mitstreitern störte, dass der Begriff vegetarisch zunehmend als Abkürzung für ovo-lacto-vegetarische Ernährung gebräuchlich war (das viertletzte Wort wird mit den lat. Präfixen ovo für Ei(er) und lacto für Milch gebildet). So erfand er aus dem Anfang und Ende von „vegetarian“ (englisch Vegetarier) ein neues Wort, welches symbolisch dafür steht, dass Veganismus mit Vegetarismus beginne und ihn zu seinem logischen Schluss führe. Vor der Einführung des Begriffes Veganismus wurde dieser auch als Konsequenter oder Radikaler Vegetarismus bezeichnet. Es gab während und nach dem Zweiten Weltkrieg durch den Einsatz der Vegetarian Society schon ovo-lacto-vegetarische Essensrationen, die Vegan Society erreichte unter anderem die Versorgung mit extra Rationen von Nüssen für Veganer.
Das Adjektiv zu Veganismus lautet vegan. In den deutschsprachigen Ländern wird oft auch das Adjektiv veganisch (als Ableitung aus Veganismus) gebildet. Der Duden kennt nur den Begriff vegan.
Beweggründe
Laut Definition der Vegan Society versucht der Veganismus, „soweit wie möglich und praktisch durchführbar, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an Tieren für Essen, Kleidung oder andere Zwecke zu vermeiden und darüber hinaus die Entwicklung tierfreier Alternativen zu fördern, was dem Nutzen der Tiere, Menschen und der Umwelt dienen soll“.
Die meisten Anhänger des Veganismus sehen in der Nutztierhaltung ein Verhältnis, das Ausbeutung und Leid bedingt. Das Leid habe seinen Ursprung in der Tötung von Tieren, die produktionstechnisch bedingt in der Milch- und Eiererzeugung ebenso vorkommt. Über die Betrachtung des Leidens der Tiere hinaus spricht der Veganismus den meisten Tieren das Recht auf Leben, Unversehrtheit und Freiheit zu. Der Veganismus geht daher meist mit der Befürwortung von Tierrechten einher. Da menschliches Leben ohne Beeinträchtigung anderer Lebewesen nicht möglich ist, wird es als persönliche Entscheidung betrachtet, wo eine nicht vertretbare Schädigung beginnt.
Auch Wissenschaftler nähern sich dem Thema. Zum Beispiel untersucht die Pädagogin Angela Grube das Thema erstmals aus sozialwissenschaftlicher Perspektive im Rahmen einer qualitativen und quantitativen Befragung. Die wichtigsten Ergebnisse sind im dem Buch „Vegane Lebensstile“ nachzulesen. Auch Breyvogel nähert sich der Thematik, wenn auch nur unter dem Aspekt „Jugendkultur“.
Ethik und Tierrechte
Die Entscheidung, vegan leben zu wollen, entsteht meist aus Gründen der persönlichen Ethik. Das aus dem Konsum tierischer Produkte resultierende Halten von Nutztieren sowie das Jagen oder Schlachten von Tieren werden als Gewalt und Ausbeutung empfunden. Veganer gehen davon aus, dass die meisten Tiere ein Recht auf die Wahrung ihrer artspezifischen Bedürfnisse haben, und lehnen die Verletzung dieser Interessen ab.
Veganer führen an, dass das permanente Legen von Eiern bei Haushühnern angezüchtet sei und dass der wildlebende Vorfahre des Haushuhns, das Bankivahuhn, nur zwei- bis dreimal im Jahr ein bis zwölf Eier lege. Wenn die Legeleistung nach einem Jahr nachließe, würden die Hennen meist schnell getötet. Von den Küken, die später die Legehennen ersetzen sollen, ist die Hälfte männlich. Diese werden deshalb meistens sofort getötet, entweder vergast oder vermust, und in einigen Fällen der Nahrung der Legehennen beigefügt.
Die Vermeidung von Milch begründen Veganer damit, dass Kühe nur Milch geben, wenn sie jährlich neu besamt werden und regelmäßig Kälber gebären. Die Kälber gelangen danach auf den Fleischmarkt (siehe auch: Herodes-Prämie). Von den Tieren wird eine hohe Milchleistung erwartet, weswegen sie nach wenigen Jahren nicht mehr produktiv genug sind und getötet werden. Die meisten Veganer vertreten darüber hinaus die Ansicht, dass es nicht notwendig sei, die Muttermilch anderer Spezies/außerhalb des Säuglingsalters zu trinken. Als Begründung führen sie unter anderem an, dass Erwachsenen nicht-europäischer Abstammung im Allgemeinen das Enzym Lactase fehlt, das benötigt wird, um Milch zu verdauen (siehe auch: Laktoseintoleranz). Andere lehnen die Haltung von Tieren generell ab. Artgerechte Tierhaltung existiert ihrer Ansicht nach nicht, da Tiere von Natur aus in Freiheit lebten.
Kontrovers diskutiert werden vor allem zwei Fragen: Ist der Veganismus moralisch geboten? Ist die (allgemeine) Propagierung des Veganismus strategisch sinnvoll? Hintergrund dieser Fragen bilden primär eine Tatsache und eine These: Die Tatsache: Wer (siehe oben) Milchprodukte und Eier konsumiert, verursacht Leiden und Tod von Tieren. Die These: Eine (allgemeine) Propagierung des Veganismus ist im Vergleich zur (allgemeinen) Propagierung des Vegetarismus insofern kontraproduktiv, als sich die Menschen dann überfordert fühlen und (anstatt vielleicht Vegetarier zu werden) gleich beim Fleischessen bleiben.
Der österreichische Tierrechtler Helmut F. Kaplan hat ein “Vegetarisch-veganes Manifest" verfasst, in dem er sich einerseits zur ethischen Maximalforderung einer veganen Ernährung bekennt, andererseits aber auch versucht, pragmatischen Aspekten und Erfordernissen Rechnung zu tragen.[4] Ähnlich versucht Peter Singers Buch The Way We Eat: Why Our Food Choices Matter Notwendigkeit und pragmatische Aspekte abzuwägen. Singer ist mit seinem Buch Animal Liberation von 1975 Mitbegründer der heutigen Tierrechtsbewegung und hat schon damals einen veganen Lebensstil als ethisch notwendig propagiert[5].
Ökologische Aspekte
Als problematisch werden die mit der Massentierhaltung verbundenen Umweltprobleme gesehen. Leute, die eine sogenannte vegane Diät betreiben, um den Verbrauch finanzieller Mittel oder ihren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, weiten die Idee des ökologischen Vegetarismus auf alle Tierprodukte aus. Die fundamentalen Beweggründe zielen darauf ab, dass jedes zusätzliche Trophieniveau in einer Nahrungskette nur einen Bruchteil der verbrauchten Energie weitergibt. Daher würde eine Diät, die aus pflanzlichen anstatt aus tierischen Produkten bestünde, im Allgemeinen weniger Ressourcen verbrauchen und darüber hinaus indirekt weniger Schäden für die Umwelt verursachen.
Gidon Eshel und Pamela Martin, Wissenschaftler der University of Chicago, errechneten in einer Studie, für die Ernährung ohne tierische Produkte 1.485 Kg weniger CO2-Äquivalente pro Kopf und Jahr als die typische amerikanische Ernährung. Die Autoren meinen, dass sie einige umweltschädliche Faktoren der Viehwirtschaft nicht eingerechnet hätten, die mindestens ebenso hoch wären, wie die Umweltprobleme durch den höheren Bedarf nach Pflanzen, bei einer veganen Ernährung. [6] Das entspricht etwa dem pro Kopf Ausstoß durch Autoverkehr in Deutschland (etwa 1.3T/Jahr CO2 2004). Eine im Auftrag der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) durchgeführte Studie schreibt der Viehwirtschaft mehr Treibhausgas-Ausstoß zu, als dem gesamten Transport- und Verkehrbereich. Die Studie bezieht den Regenwaldverlust und die freigesetzten Treibhausgase bei der Verdauung und aus der Gülle mit ein, und beziffert den weltweiten Anteil am vom Menschen verursachten Ausstoss mit 18%. Die Autoren zitieren darüber hinaus aus einer US-Studie, nach der eine stärker vegetarisch orientierte Ernährung bei gleichhohem Proteinanteil im Mississippi-Becken zu einer Halbierung des Land- und Düngemittelbedarfs führen könne. [7]
Die Herstellung sowie der Verbrauch von Fleisch und anderer Tierprodukte sind ebenso mit der Abholzung von Regenwäldern, Abbau von Ressourcen, der Luft- und Wasserverschmutzung, vermehrter Flächen- und Wasserverbrauch, Artensterben und anderen ernsthaften Umweltproblemen verbunden.[8]
Der Sachverhalt gewinnt insbesondere global zusehends an Relevanz und Brisanz, da sich zur Zeit die Konsumgewohnheiten vieler Menschen speziell in Entwicklungs- und Schwellenländern berechenbar ändern hin zu einer Diät mit mehr Tierproduktanteilen. [9][10] Die Folgen dieser Entwicklung sind vorerst noch unklar.
Menschliche Biologie und „natürliche Ernährung“
Biologisch gesehen ist der Mensch ein Omnivore (Allesfresser). Viele Veganer sind jedoch der Überzeugung, dass der Mensch biologisch eher einem sehr anpassungsfähigen Frugivoren (Fruchtfresser) als einem Allesfresser gleiche. Sie führen an, dass Körperbau, Zähne sowie Verdauungstrakt mehr denen von Frugivoren glichen. Die Fähigkeiten, rohes Fleisch zu reißen, körperfremdes Cholesterin auszuscheiden und größere Mengen Harnsäure zu spalten, ist beim Menschen verglichen mit anderen Omnivoren eingeschränkt.
Die meisten Veganer vertreten zudem die Ansicht, dass es im Erwachsenenalter nicht natürlich sei, die Muttermilch anderer Spezies zu trinken. Dies begründet sich unter anderem darauf, dass (je nach Quelle) 66 % bis 80 % der erwachsenen Weltbevölkerung (geschätzte 10 % bis 15 % in Deutschland) wegen Laktoseintoleranz Tiermilch nicht ohne Beschwerden verdauen können.
Herrschaftskritische Aspekte
Herrschaftskritik fordert die Ablehnung von Herrschaftsverhältnissen, also der Ausübung von Macht. Dies umfasst unter anderem das Herrschaftsverhältnis des Menschen über andere Spezies (Speziesismus), woraus die Forderung nach Veganismus resultiert. [11]
Einige Menschen praktizieren Veganismus auch aus einer herrschaftskritischen Haltung. Veganismus und insbesondere Antispeziesismus wird hier als Teil einer anarchistischen Herrschaftskritik betrachtet. Diese Ansichten sind sehr stark mit ökologischen Aspekten verbunden.[11] Allerdings ist ausschließlicher Veganismus hier nicht dogmatisch gefordert, freegane Arten der Selbstversorgung (zum Beispiel Containern) sind hier ebenfalls vertreten.
Aus dem Umfeld der Tierrechts-Aktion-Nord gibt es den Versuch, die Kritische Theorie von Theodor W. Adorno und Max Horkheimer mit der Idee der Tierbefreiung zu verknüpfen und Speziesismus von einer marxistischen Position zu kritisieren.
Spirituelle/religiöse Motivation
Es gibt darüber hinaus ebenfalls Veganer, die aus spirituellen Gründen vegan leben. Motive können unter anderem Ansichten über die Seele von Tieren, die Sehnsucht nach einem stärkeren Einklang mit der Natur oder religiöser Art sein. Die spirituellen Gründe sind im wesentlichen deckungsgleich mit den spirituellen Gründen der Vegetarier.
Der Jainismus legt teilweise das Prinzip des Ahimsa soweit aus, dass die Mönche immer einen Besen mit sich führen, mit dem sie den Weg vor sich fegen, um nicht versehentlich ein Insekt zu zertreten. Die jainistischen Priester tragen ein Tuch vor Mund und Nase, um nicht versehentlich ein Insekt einzuatmen und dadurch zu töten. Selbst Pflanzen werden vom „Töten“ verschont: In bestimmten Lebensphasen werden nur Früchte verzehrt, die die Pflanzen „freiwillig“ hergeben (Fruganismus); von einem Familienvater wird dieses Verhalten nicht erwartet.
Die neue religiöse Bewegung Universelles Leben legt ebenfalls vegane Ernährung aus ethischen und aus gesundheitlichen Gründen nahe. Jedoch wird von den zugehörigen Betrieben ebenso Honig produziert und vertrieben, was bei den meisten Veganern auf Ablehnung stößt. [12].
Im Hinduismus ebenso wie im Buddhismus gilt vegetarische Ernährung als ethisch überlegen, und einige Richtungen sind strikt vegan. Die Siebenten-Tags-Adventisten ernähren sich teilweise vegetarisch mit einer Bevorzugung des Veganismus.
Formen des Veganismus
Leitgedanke ist die Verminderung von Leid durch das Vermeiden von tierischen Produkten und Tiernutzung, doch innerhalb dieses Rahmens sind eine Vielzahl individueller Lebens- und Ernährungsweisen möglich. Im Gegensatz zum Vegetarismus gibt es im Veganismus keine feststehenden, gebräuchlichen Begriffe (wie z. B. „Ovo-Lacto-Vegetarier“). Es existieren eingebürgerte Begriffe, z. B. „Pudding-Veganer“ für Veganer, die wenig auf ausgewogene Ernährung achten und großteils Fertiggerichte und Süßes bevorzugen.
Vorwiegend wird auf Honig verzichtet, jedoch sprechen einige den Bienen Leidempfindungsfähigkeit ab. Vorwiegend werden lederfreie Alternativen bevorzugt; auf der anderen Seiten kaufen manche Veganer weiterhin Lederschuhe, begründet mit der „hohen Überschussproduktion“ von Leder durch die Milch- und Fleischtierhaltung, die durch eine sinkende Nachfrage nicht reduziert werden könne. Daunenjacken und -kissen und ähnliches werden abgelehnt, Wollprodukte als Ursache für den frühen Tod und teilweise Pein der Tiere angesehen. Die Welt ohne Jagd und ohne Tierversuche stellt ein Ideal dar. Allgemein werden unter Veganern alle möglichen Verhaltensweisen auf Leidvermeidungsmöglichkeiten geprüft, so sind darüber hinaus Reiten, Zoos, Delphinarien, Zirkusse und anderes Gegenstand von Ablehnung und Diskussion.
Allgemein sind Veganer in allen Bevölkerungsgruppen und -schichten vertreten. Im subkulturellen Bereich gibt es sie in der Anarcho-Punk- und Straight-Edge-Bewegung. In der „alternativen Szene“ gibt es einige Strömungen, in denen Veganismus verbreitet ist.
Spezielle Formen veganer Ernährung
- Vegane Rohkost beschränkt sich auf die veganen Teile einer Rohkosternährung (während Rohkost allgemein ebenso rohes Fleisch, Eier, Rohmilch usw. enthalten kann).
- Fruganismus/Fruitarismus unterscheidet sich vom „klassischen“ Veganismus dadurch, dass nur die Früchte von Pflanzen gegessen werden, da deren Verzehr nicht die Zerstörung der Pflanze zur Folge hat. Bei dieser Ernährungsform muss ganz besonders auf das Essverhalten geachtet werden, da sonst Mangelerscheinungen auftreten können.
- Biovegane Ernährung beschränkt sich auf Lebensmittel, die unter Berücksichtigung ökologischer Gesichtspunkte produziert wurden. Insbesondere schließt das Konzept bioveganer Ernährung die Haltung von Tieren bei der landwirtschaftlichen Produktion der Lebensmittel aus. Dieses Konzept steht damit anderen Konzepten ökologischer Landwirtschaft, z.B. Demeter-Landbau, entgegen.
- Freeganismus (abgeleitet von engl. free für "frei" und vegan) ist die Absicht, den negativen Einfluss des Einzelnen auf die Umwelt, die Tierwelt und das menschliche Leben durch eine weitgehende Verweigerung der Teilnahme an einer kapitalistischen Volkswirtschaft zu verringern. Durch beispielsweise Containern wird die Überfluss- und Wegwerfgesellschaft boykottiert. Der Großteil der Freeganer ernährt sich vegan. Allerdings wird auch die These vertreten dass tierische Produkte verzehrt werden können wenn diese, wie eben beim Freeganismus, bereits aus dem Marktmechanismus herrausgenommen wurden und daher keine Steigerung der Nachfrage (respektive der Ausbeutung der Tiere) zur Folge hat.
Gesundheitliche Aspekte
Probleme der Datenerhebung
Da Vegetarier schon länger in die öffentliche Wahrnehmung getreten sind und darüber hinaus eine wesentlich größere Gruppe darstellen, sind hier erheblich mehr wissenschaftliche Daten verfügbar. Veganismus ist erst seit wenigen Jahren populär geworden und ist somit ein relativ junges Thema, mit dem sich die Wissenschaft ebenfalls erst seit kurzer Zeit intensiver beschäftigt. Einzelfälle über Fehlernährung und Mängel sind bekannt, gestritten wird jedoch darüber, ob sie auf die Masse der Veganer übertragen werden können.
Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich dadurch, dass der Begriff der veganen Ernährung in sehr vielen verschiedenen Nebenbedeutungen benutzt wird und damit ebenso manchmal Ernährungsweisen wie Makrobiotik, Schnitzer Intensivkost, anthroposophische Ernährungslehre und insbesondere Rohkost bezeichnet werden. All diese Ernährungsformen enthalten vegetarische oder vegane Elemente, unterscheiden sich dennoch so sehr, dass sie in gesundheitlicher Hinsicht nicht miteinander vergleichbar sind.
Aus den oben genannten Gründen sind negative und positive Berichte über die Bedarfsdeckung oder Mangelvermeidung von „veganer Ernährung“ getrennt aufgelistet.
Gesundheitliche Vorteile veganer Ernährung
Für eine vegane Diät könnten aus gesundheitlichen Gründen eine Allergie gegen tierisches Eiweiß sprechen, beispielsweise bei Neurodermitis.
Die „American Dietetic Association“ und die „Dietitians of Canada“ kommt in ihrem Journal [13][14] zu dem Schluss, dass „vegetarische Ernährung (ovo-lakto, lakto, vegan) gesund ist, dem Bedarf angemessen und für einen Gesundheitsvorteil sorgt, weil sie vor zahlreichen Krankheiten schützt.“ Ihren Publikationen nach ist „eine angemessen geplante Art der vegetarischen Ernährung für jede Lebensphase geeignet, inklusive der Schwangerschaft, Stillzeit, Kindheit und in der Pubertät“.
Da insbesondere tierisches Protein die Kalziumausscheidung aus dem Körper unterstützt, sollte sich eine Ernährung ohne tierisches Eiweiß positiv auf die Kalziumbilanz auswirken. So wird bei veganer Ernährung zwar aufgrund der fehlenden guten Quellen weniger Kalzium aufgenommen, eine Bedarfsdeckung durch geringe/keine Kalziumausscheidung ist dennoch möglich [15]. Gerade deswegen wird ein hoher Verzehr von tierischem Eiweiß mit Osteoporose in Verdacht gebracht. Weiterhin korreliert Milchverzehr positiv mit Prostatakrebs und Brustkrebs [16].
Weitere gesundheitliche Vorteile
| Dieser Artikel oder Abschnitt ist nicht hinreichend mit Belegen (Literatur, Webseiten usw.) ausgestattet. Die fraglichen Angaben werden daher möglicherweise demnächst gelöscht. Hilf Wikipedia, indem du die Angaben recherchierst und gute Belege einfügst. Bitte entferne zuletzt diese Warnmarkierung. |
Studien ergaben für die vegane Nahrung eine niedrigere Energiedichte, insbesondere einen geringeren Fettanteil und mehr Ballaststoffe als bei Mischkost, was als gesundheitlich vorteilhaft eingeschätzt wird. Der oft höhere pflanzliche Nahrungsanteil erleichtert es Veganern offenbar, die empfohlene Menge an Gemüse und Obst aufzunehmen. Veganer nehmen insgesamt weniger Schadstoffe auf; so wies zum Beispiel in vielen Studien die Muttermilch von Veganerinnen und Vegetarierinnen deutlich geringere Belastungen auf als die der übliche Mischkost essenden Vergleichsgruppe, da sich in Tieren einige Schadstoffe in größeren Mengen als in Pflanzen ansammeln. Dazu gehören z. B. Schwermetalle und Biozide wie DDT. Bei Tier-Krankheiten wie im Falle von BSE oder H5N1 können Erreger auf den Menschen überspringen. Ein häufiger Grund für den Wechsel zum Veganismus sind gesundheitliche Beschwerden, vor allem im Herz-Kreislauf-System, oder Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Psoriasis. In diesen Fällen kann ein Wechsel zum Veganismus symptomlindernde Auswirkungen haben.
Gesundheitliche Risiken
Einige Studien kommen zu dem Ergebnis, dass bereits fleischlose, also vegetarische Ernährung (bei der auf z. B. Eier und Milch nicht verzichtet wird), in der Schwangerschaft die Gefahr eines Mangels an Eisen, Zink, Kupfer [17] sowie an Vitamin B12 [18] mit sich bringt, weshalb schwangeren Vegetarierinnen neben einer sorgfältigen Ernährungsplanung insbesondere der regelmäßige Verzehr von Milchprodukten und Fisch angeraten wird. Der Veganismus kann einen solchen jedoch nicht vertreten. Die Gefahr der Mangelernährung rührt dabei weniger von einer zu geringen Aufnahme der genannten Stoffe her, als von deren bei fleischloser Ernährung geringeren Speicher- und Bioverfügbarkeit [19]. Zwei andere Studien kommen zu dem Ergebnis, dass Eisenmangel bei Veganern und Vegetariern nicht häufiger sei, als bei der allgemeinen Bevölkerung [20] [21]. Allerdings wurde bei Veganern niedrigere Werte beim Eisen-Speicher gefunden [22].
Unausgewogene vegane Ernährung kann zu einer geringen Aufnahme von Vitamin B12 führen, die in extremen Fällen mittelfristig zu Mangelerscheinungen führen kann. Der Körper speichert hauptsächlich in der Leber 2-5 mg dieses Vitamins, das deckt seinen Bedarf auch bei keinerlei Zuführung von Vitamin B12 für ungefähr vier bis sechs Jahre. Während bei Ernährung mit tierischen Lebensmitteln ein Mangel an Vitamin B12 regelmäßig mit einem Mangel an Folsäure einhergeht und zu Anämie führen kann, sind die Folsäurewerte bei veganer Ernährung meist unproblematisch. Ein bloßer Mangel an Vitamin B12 kann dagegen zu perniziöser Anämie und damit zu erheblichen Gesundheitsschäden führen. Diese wird im Gegensatz zur Anämie häufig nicht mithilfe des Blutbilds erkannt, bei veganer Ernährung über mehrere Jahre hinweg sollte die Blutkonzentration von Vitamin B12 daher regelmäßig kontrolliert werden. Einem Mangel kann durch bewusste Ernährung mit veganen Produkten, die mit Vitamin B12 angereichert wurden, entgegengewirkt werden. Entgegen verbreiteter Ansichten kommen in milchsauer vergorenen oder fermentierten Lebensmitteln sowie Algen allerdings nur inaktive Vitamin B12-Analoga vor, die die Aufnahme von Vitamin B12 sogar behindern können.
Ein sehr umstrittenes Thema ist, ob der Veganismus die Gefahr von Osteoporose steigere. Aufgrund des Verzichts auf Kuhmilch in der Ernährung und einiger anderer tierischer Calciumquellen wird angenommen, dass dem Körper nicht genügend Calcium zum Knochenaufbau und -erhalt zugeführt werde. Eine Studie, die zeigt, dass Osteoporose nicht häufiger vorkommt als bei Omnivoren, bestätigt diese theoretische Überlegung jedoch nicht [23]. Eine andere Ansicht geht davon aus, dass die geringere Aufnahme von Proteinen bei veganer Ernährung auch zu einem geringeren Verbrauch an Calcium führt und somit die Gefahr von Osteoporose durch vegane Ernährung nicht steigt [24].
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung rät 1998 für jede Lebensphase von einer veganen Ernährung grundsätzlich ab [25], 2003 kommt hingegen die American Dietetic Association zu der Ansicht, gut geplante vegane Ernährung sei einschließlich Schwangerschaft und Kindheit für alle Lebensphasen geeignet [26] [27].
Vegane Lebensmittel
Vegane Lebensmittel sind generell alle Lebensmittel, die frei von tierischen Produkten wie Fleisch, Milch oder Eiern sind.
- Fleischalternativen: Avocado (für Sandwiches usw.), Austernpilz (auch als Kalbfleischpilz bezeichnet), Seitan, Tempeh, Texturiertes Soja, Tofu, Yuba
- Milchalternativen: Getreidemilch, Hafermilch, Hanfmilch, Kokosmilch, Mandelmilch, Reismilch, Sesammilch, Sojamilch
- Käsealternativen: Nährhefe (werden als Nährhefeflocken oder Edelhefeflocken bezeichnet)
- Alternativen zu Honig: Zuckerrübensirup, Agavendicksaft, Löwenzahnhonig, Kunsthonig („Invertzuckercreme“), Ahornsirup, Reismalz
- Alternativen zu Gelatine: Agar, Fruchtpektin, Johannisbrotkernmehl
Im Gegensatz zu den Zeiten der Anfänge des Veganismus, ist es heutzutage nicht mehr trivial, nicht-vegane Produkte von veganen zu unterscheiden. Beispielsweise wird Wein oft mit Gelatine gefiltert und Bäckereien werden mit Schlachtfett beliefert. Daher bieten Vereinigungen wie „Peta - Deutschland e.V.“ und die Vegan Society ausführliche Listen von nicht-veganen Inhaltsstoffen und ihren Alternativen[28] .
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ The Realeat Survey, 1984–1995. Conducted by Social Surveys (Gallup Poll)
- ↑ http://www.veganwelt.de/inhalt/vegan/v-faq.html
- ↑ http://www.bmelv.de/cln_045/nn_885416/SharedDocs/downloads/03-Ernaehrung/NVS2/NVS__Ergebnisbericht,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/NVS_Ergebnisbericht.pdf
- ↑ Vegetarisch-veganes Manifest von Helmut F. Kaplan
- ↑ Interview mit Peter Singer von Oktober 2006 (englisch)
- ↑ http://geosci.uchicago.edu/~gidon/papers/nutri/nutri3.pdf Diet, Energie and Globalwarming (eng. Ernährung, Energie und Globaleerwärmung) Mai 2005
- ↑ http://www.virtualcentre.org/en/library/key_pub/longshad/A0701E00.pdf FAO-Studie „Livestock's long shadow“ zu den Umweltauswirkungen der Viehhaltung (2006)
- ↑ http://www.vegetarismus.ch/info/oeko.htm Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus: Ökologie und Fleischkonsum
- ↑ http://faostat.fao.org/Portals/_Faostat/documents/pdf/sources_of_dietary_energy_consumption.pdf
- ↑ http://www.fao.org/docrep/007/ad513e/ad513e18.htm#bm44.1
- ↑ a b Andre Gamerschlag, Tierrechte und Tierbefreiung - Einführende Untersuchung der Positionen und Methoden einer Geschwisterbewegung, Universität Hannover, Institut für politische Wissenschaft - http://projekte.free.de/atah/download/diplomvorarbeit/tierrechts-tierbefreiungsbewegung.pdf
- ↑ Video vom „Sender Neu Jerusalem“ Kapitel 4.3: „Ein emsiges Volk: Die Bienen“
- ↑ Journal of the American Dietetic Association, Volume 103, Number 6, 748 – 765 (2003)
- ↑ Position of the American Dietetic Association and Dietitians of Canada: Vegetarian diets
- ↑ „Ernährung neu entdecken“, Prof. Walter Veith, 2. Auflage, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart (1996), S.67
- ↑ Deutsche Übersetzung des ADA Positions-Papiers
- ↑ Eisen-, Zink- und Kupferstatus: Ovo-Lacto-Vegetarisch
- ↑ Corinna Koebnick: Einfluß der Kostform auf den Vitamin-B12- und Folatstatus in der Schwangerschaft
- ↑ Nutrient intake and nutritional status of vegetarians and low-meat eaters consuming a diet meeting preventative recommendations
- ↑ Haddad EH, Berk LS, Kettering JD, Hubbard RW, Peters WR. Dietary intake and biochemical, hematologic, and immune status of vegans compared with nonvegetarians. Am J Clin Nutr 1999;70(suppl):586S-93S
- ↑ Obeid R, Geisel J, Schorr H, et al. The impact of vegetarianism on some haematological parameters. Eur J Haematol. 2002;69:275-9
- ↑ Hallberg L. Bioavailability of dietary iron in man. Ann Rev Nutr 1981;1:123-147
- ↑ Vgl. Dyett, Patricia Adelle: Developing a valid screening tool for assessing nutritional adequacy and osteoporosis risk among vegans in the United States. (Diss.) Loma Linda University (CA)/USA, (UMI ProQuest) 2005
- ↑ The Vegetarian Resource Group, mit weiteren Nachweisen
- ↑ DGE: Ist vegetarische Ernährung für Kinder geeignet?
- ↑ ADA: Vegetarien Diets (Englisch)
- ↑ Deutsche Übersetzung des ADA Positions-Papiers
- ↑ Tierische Inhaltsstoffe und ihre Alternativen, Peta - Deutschland e.V.
Literatur
- Wilfried Breyvogel: Eine Einführung in Jugendkulturen. Veganismus und Tattoos. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2005
- Kath Clements: Vegan. Über Ethik in der Ernährung & die Notwendigkeit eines Wandels. Echo Verlag, Göttingen 1996, ISBN 3-926914-28-9
- Angela Grube: Vegane Lebensstile. Diskutiert im Rahmen einer qualitativen/quantitativen Studie. ibidem-Verlag, Stuttgart 2006, 150 Seiten, ISBN 3-89821-538-5
- Gill Langley: Vegane Ernährung. Echo Verlag, Göttingen 1999, ISBN 3-926914-33-5
- Bernd-Udo Rinas: (Art)gerecht ist nur die Freiheit. Focus-Verlag, Gießen 2005
- Beate Schmitt: Ohne Milch und ohne Ei – Allergien und Laktose-Intoleranz. Rezepte und Praxistipps für den Familienalltag. Pala-Verlag, Darmstadt 2003
- Arnold Wiegand: Vegan + Sport, Vegane Ernährung und Ausdauersport. Tipps für eine optimale Ernährung und Ausdauersport von einem Ausdauerprofi (Schwimmen bis 26 km, Laufen bis 162 km, Triathlon-Ironman). Verlag: BOD, Norderstedt 2006, ISBN 3-8334-4129-1
Weblinks
- www.vegan.at, Vegane Gesellschaft Österreich (VGÖ)
- www.univie.ac.at/ave ave – Arbeitskreis vegane Ernährungswissenschafter
- www.ugb.de Artikel zur Nährstoffversorgung bei veganer Ernährung
- Nährstoffversorgung bei (ovo)-lakto-vegetarischer und veganer Ernährung Das Online-Familienhandbuch: Nährstoffbedarf von Kindern
- Gesund mit reiner Pflanzenkost? - Beleuchtung der Vor- und Nachteile des Veganismus (PDF)
| Bitte beachten Sie den Hinweis zu Gesundheitsthemen! |

