Veledahöhle
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Die Veledahöhle ist eine natur- und kulturgeschichtlich bedeutende Höhle bei Bestwig-Velmede im Sauerland.
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[Bearbeiten] Lage und äußere Erscheinung
Südlich von Bestwig-Velmede liegt die Veledahöhle im schmalen Band des devonischen Sparganophyllum-Kalk. Die Höhle besteht aus einer zweigeteilten großen Halle und einem Seitengang. Der Seitengang endet nach ca. 80 m im „Schusterstübchen“. Die Höhle ist insgesamt rund 50 m tief.
[Bearbeiten] Forschungsgeschichte
Die Veledahöhle mit ihren großen und auffälligen Eingängen ist seit langem bekannt. 1910 kam es zu größeren Ausgrabungen durch den Geologen Emil Carthaus, der um die Jahrhundertwende zahlreiche Höhlengrabungen im Sauerland durchführte. So zuerst 1887 in der Bilsteinhöhle bei Warstein, später auch in verschiedenen Höhlen des Hönnetals).
Die Funde dieser Grabung datieren hauptsächlich in die vorrömische Eisenzeit. Steinzeitliche Funde wurden nicht gemacht. In der Höhle wurden Reste - hauptsächlich Schädelknochen - von mindestens 32 Menschen gefunden. Daneben fanden sich verschiedene weitere eisenzeitliche Relikte wie Keramikscherben, Schmuckbestandteile und Spinnwirtel.
In den 1980er Jahren wurden die eisenzeitlichen Relikte (besonders in Veröffentlichungen von H. Polenz und Wilhelm Bleicher) als Opferreste gedeutet. Die damals vorgetragenen Deutungen als kultischer Ort, an dem den unterirdischen Mächten Opfergaben dargebracht, auch Menschen geopfert und verzehrt worden sein sollen (kultischer Kannibalismus), werden heute deutlich zurückhaltender beurteilt. Die Befunde lassen sich wesentlich unspektakulärer und einfacher als Sekundärbestattungen deuten.
[Bearbeiten] Volkskundliche Besonderheiten / Name
Aus volkskundlichen Quellen sind Brauchtumspraktiken aus der Veledahöhle bekannt, die spätere Forscher zu gewagten Kontinuitätshypothesen inspirierten. Verschiedene Bräuche um den Ostertag herum sind bezeugt.
In der Velmeder Pfarrchronik von 1817 berichtet Pfarrer Eiffler:
„... die Velmeder jung und alt, haben eine Gewohnheit, die sich von urdenklichen Zeiten herschreibt, alle Ostern nachmittags in Prozession zu dieser Höhle zu gehen. Sie gehen so vor sich, ohne ein christliches Zeichen der Verehrung mit sich zu nehmen, weder finden sie dort eins. Sie gehen in die Höhle und singen und beten da nach christlicher Weise. Nachdem sie dort eine Zeitlang verweilt haben, kommen sie zurück und singen Osterlieder, just, wenn man zu Velmede in die Vesper läutet.“
Der Heimatforscher Kohle berichtet in seiner Chronik von 1958, dass man um 1860 am Ostersonntag vor dem Anzünden des Osterfeuers zur Höhle ging. Jeder, der in die Höhle hinabstieg, warf einen Stein in die untere Halle. Ein anderer Brauch sei das Aufsuchen des Teiches am Grunde der Höhle gewesen, um aus dem Wasserstand Voraussagen auf ein fruchtbares oder unfruchtbares Jahr zu treffen. Diese Bräuche sind nach dem Ersten Weltkrieg nicht weitergeführt worden.
Der Name der Höhle wird mit der germanischen Seherin Veleda in Verbindung gebracht, die bei Tacitus (Hist., IV, 61, 65) erwähnt wird. Allerdings gibt Tacitus den Wohnort der Veleda mit „in einem Turm an der Lippe“ an, was sich kaum mit der Höhle in der Nähe der Ruhr in Einklang bringen läßt. Möglich erscheint der Höhlenname als eine Gelehrtenerfindung der Neuzeit, bei dem der Ortsname des benachbarten Velmede (der allerdings nichts mit dem Personennamen Veleda zu tun hat) mit dem Tacitus-Bericht verbunden wurde.
[Bearbeiten] Literatur
- E. Carthaus: Über die Ausgrabungen in der Veledahöhle unweit Velmede im oberen Ruhrtale. Prähistorische Zeitschrift. Berlin 1911, S. 132 - 144 (mit Abbildungen ausgewählter Funde). 1911
- H. Behaghel: Die Eisenzeit im Raume des Rechtsrheinischen Schiefergebirges. Wiesbaden 1949. (Fundabbildungen auf Tafel 22)
- Adalbert Kuhn: Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen anderen besonders der angrenzenden Gegenden Norddeutschlands. Zweiter Theil: Gebräuche und Märchen. Leipzig 1859.
- F. Kohle: Die Gemeinde Velmede. Aus ihrer Vor- und Heimatgeschichte. Bigge 1958, darin "Die Höhle bei Velmede" S. 19 - 28
Koordinaten: 50° 32' 42" N, 6° 39' 36" O

