Veles (Mazedonien)

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Veles
Велес
Wappen von Veles (Mazedonien)
Veles (Mazedonien) (Mazedonien)
Paris plan pointer b jms.svg
Basisdaten
Region: Vardar
Koordinaten: 41° 43′ N, 21° 47′ O41.71666666666721.783333333333225Koordinaten: 41° 43′ 0″ N, 21° 47′ 0″ O
Höhe: 225 m. i. J.
Fläche (Opština): 427,45 km²
Einwohner: 43.716 (2002)
Einwohner (Opština): 55.108 (2002)
Bevölkerungsdichte: 129 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+389) 043
Postleitzahl: 1300
Kfz-Kennzeichen: VE
Struktur und Verwaltung
Gliederung: 29 Ortschaften
Bürgermeister: Slavčo Čadiev (VMRO-DPMNE)[1]
Webpräsenz:

Veles (kyrillisch Велес; türkisch Köprülü; griechisch Βελεσά Velesa; früher auch Keuprulu, in der Antike Bylazora) ist eine Stadt im Zentrum der Republik Mazedonien am Fluss Vardar. Sie ist Hauptort einer gleichnamigen Gemeinde.

Bevölkerung[Bearbeiten]

In der Opština Veles, die außer Veles noch weitere Ortschaften miteinschließt, leben 55.108 Einwohner. Die ethnische Gliederung setzt sich wie folgt zusammen[2]:

Ethnie Absoluter Anteil Anteil in %
Mazedonier 46.767 84.86 %
Bosniaken 2.406 4.36 %
Albaner 2.299 4.17 %
Türken 1.724 3.12 %
Roma 800 1.45 %
Serben 540 0.97 %
Walachen 343 0.62 %
Andere 229 0.41 %
Total 55.108 100 %

Bemerkung: die Prozentwerte sind auf zwei Kommastellen gerundet

Geschichte[Bearbeiten]

Antike und Mittelalter[Bearbeiten]

Die Stadt ist bereits seit der Antike besiedelt. Das Volk der Paionier nannte den Ort Bylazora. In römischer Zeit stand die Stadt im Schatten des etwas weiter flussabwärts gelegenen Stobi, das heute allerdings eine Ruinenstadt ist. Im 6. Jahrhundert begann die slawische Besiedelung der Gegend, im 9. und 10. Jahrhundert gehörte der Ort zum Bulgarischen Reich, seit 1018 wieder zum Byzantinischen Reich und wurde administrativ in der byzantinischen Provinz Bulgarien zusammengefasst. Nach der Restauration des Bulgarischen Reiches im Jahre 1185 und mit dem Erstarken von Raszien war die Region zwischen dem bulgarischen, byzantinischen und serbischen Reich, sowie dem Königreich Thessaloniki umstritten, jedoch konnten sich zeitweise auch lokale Herrscher wie Vukašin Mrnjavčević und Chreljo behaupten.

Osmanische Epoche[Bearbeiten]

Siegel der bulgarischen Schule mit dem Gründungsjahr 1845
Veles (1863)

Im 14. Jahrhundert eroberten die Serben das Gebiet. Bald darauf begann für Veles die Zeit der osmanisch-türkischen Herrschaft. In der Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnte der osmanische Reisende Hadschi Kalfa die Stadt. Eine weitere Beschreibung von Köprülü aus der hochosmanischen Zeit (16./17. Jahrhundert) findet sich im „Reisebuch“ (Seyahatnâme) des osmanischen Reisenden Evliya Çelebi. 1704 beschrieb der serbische Mönch Jerotej Račanin in seinem Werk Putašastvije k gradu Ierusalimu Veles als eine bulgarische Stadt, welche von den Osmanen „Küprülija“ genannt wird.

1831 und 1840 wurde die Stadt von der Pest heimgesucht. Zum Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Veles durch die Bahnlinie SkopjeThessaloniki mit dem osmanischen Eisenbahnnetz verbunden.

Im Zuge der Tanzimat-Reformen von 1839 konnte sich in den 1840er Jahren eine bulgarische Gemeinde bilden, welche die erste neubulgarische Schule und die Kirche St. Pantaleon in der Stadt und 1867 eine Bücherei und Druckerei (Druckerei Christo Danow) stiftete.[3] Aus dem Jahre 1862 ist eine detaillierte Beschreibung Veles' vom russischen Konsul in Bitola bekannt.[4] 1870 wurde die Stadt durch einen Erlass des Sultans (Berât) Sitz einer Eparchie und eines Metropoliten des Bulgarischen Exarchats. Erster bulgarischer Metropolit wurde Genadij von Veles.[5] Nach dem Ethnographie des Vilayets d'Andrinople, de Monastir et de Salonique von 1878 hatte Veles 1873 1.470 Haushalte mit etwa 6.000 männlichen Einwohnern, davon 4.884 Bulgaren (darunter sind auch die Vorfahren der heutigen Mazedonier zu verstehen). In den 1890er Jahren soll die Stadt eine Bevölkerung von etwa 19.700 Einwohnern gehabt haben.[6] Um 1905 zählte die Stadt 13.820 Einwohner. Zu dieser Zeit gab es in der Stadt je zwei bulgarische Progymnasien und Grundschulen, beziehungsweise je ein serbisches, ein griechisches und ein aromunisches Progymnasium und Grundschule.[7]

Teil Serbiens und Jugoslawiens[Bearbeiten]

Im Ersten und im Zweiten Balkankrieg kämpften bis zu 306 Freiwillige aus Veles als Teil des 9. Veles Bataillon des Makedonien-Adrianopel-Freiwilligen-Korps der bulgarischen Armee gegen Osmanen und Serben.[8] Nach dem Zweiten Balkankrieg wurde Veles, wie das gesamte Gebiet des heutigen Mazedonien, dem Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen zugesprochen. Die muslimische und bulgarische Bevölkerung wurde in der Folge größtenteils vertrieben. Im Ersten und im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt und die ganze Region von Bulgarien eingenommen. In diesen Perioden wurde Veles von der IMRO verwaltet.

Mit der Übernahme der Stadt durch Titos Partisanen und der ASNOM wurden zum Weihnachten 1944 die Kollaborateure und Mitglieder der IMRO sowie zum Bulgarentum bekennende Leute ohne Prozess oder Gerichtsurteil misshandelt und teils ermordet. Die Opfer wurden hinter der Kirche „St. Spas“ begraben.[9] Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Stadt zum kommunistischen Jugoslawien und trug nach dem Staatsführer Josip Broz Tito den Namen Titov Veles. In dieser Zeit wurde die Stadt industrialisiert, was zum gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel führte.

Seit 1990[Bearbeiten]

Veles heute

Nach der Unabhängigkeit der Republik Mazedonien 1991 folgte ein Bruch im wirtschaftlichen Leben der Stadt (wie auch in anderen mazedonischen Städten: Ohrid, Bitola, Tetovo u. a.). Die großen Betriebe wurden geschlossen und der Lebensstandard sank stark. Mit dem Gesetz zur territorialen Aufteilung Mazedoniens (mazedonisch Законот за територијлната поделба на Република Македонија и одредување на единиците на локалната самоуправа на Македонија) bekam die Stadt ihren alten Namen – Veles - zurück.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Veles gehört neben der mazedonischen Hauptstadt Skopje und Bitola zu den Wirtschaftszentren des Landes. Die geografische Lage begünstigte die wirtschaftliche Entwicklung seit der Antike. Hier befinden sich heute die größte Butterfabrik des Landes und eine Zinkfabrik.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Kirchen
  • Kirche St. Pantaleon
  • Mariä-Himmelfahrts-Kirche
  • Kirche Sveti Spas
  • Kloster Hl. Dimitrius
weitere
  • Uhrturm von Veles
  • Kale von Veles (Festung)
  • Theater
  • Volksmuseum

Mit der Stadt verbundene Personen[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Veles (Mazedonien) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://veles.gov.mk/veles3/index.php/2014-03-31-12-59-49
  2. Volkszählung 2002: Offizielles Resultat, S. 34 (PDF; 394 kB)
  3. Jordan Vančev: Новобългарската просвета в Македония през Възраждането. 1982, S. 94-95.
  4. detaillierte Beschreibung Veles' aus dem Jahre 1862
  5. Almanach Mazedonien, 1931
  6. V. Kanchoff: Macedonia. Etnography and Statistics
  7. D.M.Brancoff: La Macédoine et sa Population Chrétienne. Paris 1905, S. 118–119.
  8. Bulgarischer Staatsarchiv (aus dem bul. Главно управление на архивите):„Македоно-одринското опълчение 1912-1913 г. Личен състав“, Sofia, 2006, S. 833-834.
  9. Zeitung „Nova Makedonija“ vom 23.II.1991, S. 13.