Vellore (Distrikt)

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Distrikt Vellore
வேலூர் மாவட்டம்
Lagekarte des Distrikts
Bundesstaat Tamil Nadu
Verwaltungssitz: Vellore
Fläche: 6.075 km²
Einwohner: 3.936.331 (2011)
Bevölkerungsdichte: 648 Ew./km²
Website: vellore.tn.nic.in

Der Distrikt Vellore (Tamil: வேலூர் மாவட்டம்) ist ein Distrikt des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Verwaltungszentrum des Distrikts ist die namengebende Stadt Vellore. Der Distrikt Vellore hat eine Fläche von 6.075 Quadratkilometern und rund 3,9 Millionen Einwohner.

Geografie[Bearbeiten]

Blick aus den Yelagiri-Bergen in die Ebene

Der Distrikt Vellore liegt im Binnenland im Norden Tamil Nadus an der Grenze zum Nachbarbundesstaat Andhra Pradesh. Nachbardistrikte sind Tiruvallur und Kanchipuram im Osten, Tiruvannamalai im Süden, Krishnagiri im Westen (alle in Tamil Nadu) sowie der zu Andhra Pradesh gehörige Distrikt Chittoor im Norden.

Mit einer Fläche von 6.075 Quadratkilometern gehört der Distrikt Vellore zu den größten Distrikten Tamil Nadus.[1] Das Distriktgebiet wird der Länge nach vom Fluss Palar durchflossen. Der östliche Teil ist Distrikts ist eben. Im Westen ragen dagegen Ausläufer der Ostghats in den Distrikt Vellore hinein. Im Norden bildet ein solcher Höhenzug die natürliche Grenze zu Andhra Pradesh. Südlich des Palar-Tales liegen an der Grenze zum Distrikt Tiruvannamalai die Javadi-Berge, die im Schnitt 1.110 bis 1.150 Meter Höhe erreichen, und das kleinere Massiv der Yelagiri-Berge. Während die Ebenen intensiv landwirtschaftlich genutzt werden, sind die Berge zu großen Teilen bewaldet.

Der Distrikt Vellore ist in die neun Taluks Tirupathur, Vaniyambadi, Ambur, Gudiyatham, Katpadi, Vellore, Arcot, Wallajah und Arakonam unterteilt.

Geschichte[Bearbeiten]

Delhi-Tor in Arcot

Im Mittelalter stand das Gebiet des heutigen Distriktes Vellore unter der Herrschaft der Pallava, Rashtrakuta, Chola sowie des Reiches Vijayanagar. 1690 begründete Zulfikar Khan, ein General des Mogul-Kaisers Aurangzeb, die Dynastie der Nawabs von Arcot, die anfangs in Arcot im heutigen Distrikt Vellore residierten. Im 18. Jahrhundert herrschten die Nawabs von Arcot über große Teile des heutigen Tamil Nadu. Während der Karnatischen Kriege, in denen Großbritannien und Frankreich im 18. Jahrhundert um die Vorherrschaft in Südindien rangen, fanden Kämpfe im Gebiet des Distriktes statt. In der Schlacht von Arcot besiegten die Briten unter Robert Clive, 1. Baron Clive 1751 die französischen Truppen und festigten in der Folge ihren Einfluss über das Gebiet.

Als der Nawab von Arcot 1801 seine Besitzungen an die Britische Ostindien-Kompanie abtrat, gliederten die Briten das Gebiet von Viluppuram als Teil des Distrikts North Arcot in die Präsidentschaft Madras ein. Nach der indischen Unabhängigkeit 1947 kam North Arcot zum Bundesstaat Madras, der 1956 nach den Sprachgrenzen des Tamil neu formiert und 1969 in Tamil Nadu umbenannt wurde. 1989 wurde der Distrikt North Arcot in die Distrikte North Arcot Ambedkar (heute Distrikt Vellore) und Tiruvannamalai-Sambuvarayar (heute Distrikt Tiruvannamalai) geteilt.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Marktszene in Vellore-Stadt

Nach der indischen Volkszählung 2011 hat der Distrikt Vellore 3.936.331 Einwohner. Gemessen an der Einwohnerzahl ist er der drittgrößte Distrikt Tamil Nadus. Die Bevölkerungsdichte liegt mit 648 Einwohnern pro Quadratkilometer über dem Durchschnitt des Bundesstaates (555 Einwohner pro Quadratkilometer). 43 Prozent der Einwohner des Distrikts leben in Städten. Der Urbanisierungsgrad ist damit etwas niedriger als der Mittelwert Tamil Nadus (48 Prozent).[2] Die Alphabetisierungsquote liegt mit 79 Prozent nur unwesentlich unter dem Durchschnitt des Bundesstaates (80 Prozent).[3]

Unter den Einwohnern des Distrikts stellen Hindus nach der Volkszählung 2001 mit 86,8 Prozent die große Mehrheit. Daneben gibt es im Distrikt Vellore eine relativ starke muslimische Minderheit. Mit 10,1 Prozent ist der muslimische Bevölkerungsanteil höher als im Durchschnitt Tamil Nadus. Zum Christentum bekennen sich 2,9 Prozent der Bevölkerung.[4]

Die Hauptsprache im Distrikt Vellore ist wie in ganz Tamil Nadu das Tamil. Nach der Volkszählung 2001 wird es von 82,4 Prozent der Einwohner des Distrikts als Muttersprache gesprochen. Anders als im größten Teil Tamil Nadus sprechen die meisten Muslime im Distrikt Vellore nicht Tamil, sondern Urdu als Muttersprache. Urdu-Sprecher machen 8,4 Prozent der Distriktbevölkerung aus. Auch das Telugu, die Sprache des angrenzenden Bundesstaates Andhra Pradesh, ist im Distrikt Vellore verbreitet. Es wird von 7,9 Prozent der Einwohner des Distrikts gesprochen. Die restlichen 1,3 Prozent verteilen sich auf sonstige Sprachen.[5]

Nach der Volkszählung 2011 sind 21,9 Prozent der Einwohner des Distrikts Angehörige niederer Kasten (scheduled castes) und 1,9 Prozent Angehörige der Stammesbevölkerung (scheduled tribes).[6] Zu letzteren gehören die in den Javadi-Bergen siedelnden Malayali.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Das Fort Vellore

Hauptsehenswürdigkeit von Vellore-Stadt ist das Fort Vellore. Die Festung wurde im 16. Jahrhundert von den Vijayanagar-Herrschern gebaut und später von Bijapur, den Marathen, den Nawabs von Arcot und der Britischen Ostindien-Kompanie gehalten. Im Zweiten Mysore-Krieg widerstand sie einer zweijährigen Belagerung durch Hyder Ali. 1806 war sie Schauplatz der Meuterei von Vellore. Der letzte srilankische König, Vikrama Rajasinha, wurde nach der Eroberung Kandys durch die Briten von 1815 bis zu seinem Tod 1832 im Fort Vellore inhaftiert und wurde dort begraben. Das Fort Vellore ist komplett erhalten und gilt als eines der besten Beispiele für die Festungsarchitektur Südindiens. Im Inneren der Festung befinden sich ein Hindu-Tempel, eine Moschee und eine Kirche, die die wechselnde Geschichte des Forts illustrieren.

Die Stadt Sholingur, 50 Kilometer nordöstlich von Vellore, beherbergt einen auf einem Hügel gelegenen Tempel des Gottes Vishnu, der zu den 108 Divya Desams (heilige Orte des tamilischen Vishnuismus) gehört. In Tiruvalam, 15 Kilometer östlich der Distrikthauptstadt, befindet sich ein wichtiger shivaitischer Tempel. 2007 wurde am Stadtrand Vellores ein oppulenter goldener Tempel errichtet, der sich seitdem zu einer Touristenattraktion entwickelt hat.

Die Yelagiri-Berge sind während der Sommermonate wegen ihres angenehmen Klimas ein beliebtes Reiseziel. Mit 5,9 Millionen Besuchern im Jahr 2011 kommt Yelagiri aber nicht an die Besucherzahlen populärer Bergorte wie Kodaikanal oder Udagamandalam heran.[7]

Städte[Bearbeiten]

Im Distrikt Vellore gibt es 895 Dörfer und folgende 36 Städte:[8]

Stadt Einwohner
(2011)[9]
Alangayam 18.327
Allapuram 31.211
Ambur 114.608
Ammoor 12.513
Arakkonam 78.395
Arcot 55.955
Dharapadavedu 38.833
Gandhinagar 9.114
Gudiyatham 91.558
Jolarpet 29.662
Kalavai 9.773
Kalinjur 19.828
Katpadi 28.797
Kaveripakkam 14.583
Melvisharam 44.786
Natrampalli 10.390
Nemili 10.806
Odugathur 8.998
Pallikonda 23.067
Panapakkam 11.536
Pennathur 9.425
Pernampattu 51.271
Ranipet 50.764
Sathuvachari 56.951
Shenbakkam 17.109
Sholinghur 30.856
Thakkolam 13.983
Thorapadi 16.700
Timiri 16.246
Tirupathur 64.125
Tiruvalam 9.153
Uthayendram 13.837
Vellore 185.803
Vaniyambadi 95.061
Vilapakkam 8.174
Walajapet 32.397

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Census of India 2011: Primary Census Abstract – Tamil Nadu. (PDF; 873 kB)
  2. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - I Population, Size and Decadal Change.
  3. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - III Literates and Literacy Rate.
  4. Census of India 2001: Basic Data Sheet. District Vellore (04), Tamil Nadu (33) (PDF; 55 kB)
  5. Census of India 2001: C-15 : Population by Mother Tongue (Tamil Nadu), abgerufen unter Tabulations Plan of Census Year - 2001.
  6. Census of India 2011: Primary Census Data Highlights - Tamil Nadu. Chapter - II Scheduled Castes and Scheduled Tribes Population.
  7. The Hindu, 1. März 2012: "State attracted over 14 crore tourists during 2011".
  8. Abfrage unter Census of India 2011: Villages/Towns Directory - 2011.
  9. Abfrage unter Census of India 2011: Search PCA Data by District/SubDistrict/Town/Village Name.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Distrikt Vellore – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien