Velmerstot

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Preußische Velmerstot / Lippische Velmerstot
Lippische Velmerstot mit Gedenkstein

Lippische Velmerstot mit Gedenkstein

Höhe 464 m ü. NN [1] [2]
Lage Kreise Höxter und Lippe, Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Gebirge Eggegebirge
Dominanz 25,6 km → Köterberg
(Lipper Bergland)
Schartenhöhe 120 m ↓ westlich Neuenheerses[3]
Koordinaten 51° 50′ 0″ N, 8° 57′ 13″ O51.8333333333338.9536111111111464Koordinaten: 51° 50′ 0″ N, 8° 57′ 13″ O
Velmerstot (Nordrhein-Westfalen)
Velmerstot

Die (oder auch: der) Velmerstot ist der nördlichste und höchste Berg des Eggegebirges in Nordrhein-Westfalen. Sie besitzt die beiden Kuppen Preußische Velmerstot (ca. 464 m ü. NN[1]), deren Gipfel sich im Gebiet von Steinheim-Sandebeck im Kreis Höxter erhebt, sowie die Lippische Velmerstot (51.8405555555568.6211111111111; 441,4 m[1]), die im Gebiet von Horn-Bad Meinberg im Kreis Lippe liegt. Der gesamte Berg gehört zum Naturpark Teutoburger Wald / Eggegebirge.

Beschreibung[Bearbeiten]

Die Bergkuppen liegen südlich von Horn-Bad Meinberg gut einen Kilometer auseinander und sind durch einen schmalen Kamm verbunden. Über diesen Sattel verläuft von Süden kommend und westlich am Gipfel der Preußischen Velmerstot vorbeilaufend die Grenze zwischen dem Kreis Lippe und dem Kreis Höxter; etwa in der Mitte zwischen beiden Gipfeln biegt die Kreisgrenze dann nach Osten ab. Früher trennte diese Grenze das Fürstentum Lippe und das Fürstbistum Paderborn, das seit 1803 zu Preußen gehörte. Auf dem nördlichen Gipfel, der Lippischen Velmerstot, ragen zerklüftete Sandsteinfelsen, um die herum Heide wächst; auf dem südlichen, der Preußischen Velmerstot, steht der Eggeturm (ein Aussichtsturm).

Die Velmerstot gehört noch zum Eggegebirge. Erst das nahe Silberbachtal, das nordwestlich von Veldrom in Richtung Leopoldstal verläuft, bildet die Grenze zwischen Eggegebirge und Teutoburger Wald.

Name[Bearbeiten]

Der Name Velmerstot entstand aus der Bezeichnung des nahen Orts Veldrom; Feldrom heißt Felder zu Drohme, und der Begriff Stot steht für Steilhang. Einer anderen Interpretation zufolge wird die Silbe „stot“ von „Stute“ abgeleitet, was darauf hinweist, dass in früheren Zeiten der lippische Graf seine Pferde hier weidete. Umstritten ist, ob es „die“ oder „der“ Velmerstot heißt. Beides hat sich eingebürgert.

Panoramablick von der Preußischen Velmerstot nach Norden

Geologie[Bearbeiten]

Geologisch betrachtet ist der Berg ein Teil der östlichen Randstufe der Münsterländer Kreidemulde. Die Schichten der Unteren Kreide, die nicht nur in hiesigen Steinbrüchen offen sichtbar sind, bestehen vor allem aus Sandsteinen wie Neokom und Gault. Sie werden von Tonmineralien und Mergeln unterlagert.

Vom 19. Jahrhundert bis zum Zweiten Weltkrieg brachen Bergarbeiter die Sandsteine an den Klippen "Silberort" unterhalb der Velmerstot in Quader. Sie dienten zum Bau des Kölner Domes, des Berliner Reichstagsgebäudes, der Brückenpfeiler der Reichsautobahnen und für Ausbesserungsarbeiten an der Lambertikirche in Münster.

Preußische Velmerstot[Bearbeiten]

Die Preußische Velmerstot ist der höchste Gipfel des Eggegebirges. Sie liegt in Steinheim-Sandebeck und hat eine Höhe etwa 464 m[1].

NATO-Station[Bearbeiten]

Seit 1964 nutzten niederländische NATO-Truppen die Preußische Velmerstot als Militärbasis. Sie erklärten das 11 ha große Gelände zur Sicherheitszone und bauten Stellungen zur Luftabwehr. Während des Kalten Krieges standen auf dem Berg eine von der NATO betriebene Radarstation und eine HAWK-Raketenstellung. Ab dem 1. April 1990 stationierten die Niederländer auf dem Berg auch Patriot-Raketen. Beim Abzug der NATO-Truppen am 1. Juli 1994 blieben breite Asphaltstraßen, Munitionsbunker, Soldatenunterkünfte und ein Funkturm zurück.

Der Bund und das Land Nordrhein-Westfalen einigten sich, das Gelände zu renaturieren. Das Forstamt Paderborn ließ 2002 und 2003 die Militäranlagen abreißen. Seit August 2003 ist der Zugang zum Gipfel für Wanderer nicht mehr auf den Eggeweg beschränkt.

Aussichtsturm[Bearbeiten]

Eggeturm

Das Forstamt Paderborn errichtete 2003 den Eggeturm. Die Holz-Konstruktion des Aussichtsturms ist 17 m hoch, die Aussichtsplattform befindet sich auf 9,15 m Höhe.

Vom Turm schweift der Blick nach Westen über den Bauernkamp und den Eggeberg in die Senne. In Richtung Nordwesten schaut man zum Teutoburger Wald mit dem Hermannsdenkmal und nach Norden in das Lipper Bergland mit der Lemgoer Mark. Nach Nordosten blickt man über die Hohe Asch, einige Berge bei Bad Pyrmont, den Winterberg und die Heinberge bei Blomberg, die Talsenke bei Schieder und über den Schwalenberger Wald, in dem auf einem Bergsporn die Burg Schwalenberg zu erkennen ist, bis ins Weserbergland. In Richtung Osten fällt der Blick vorbei am Köterberg (kahle Berghöhe mit Fernsehturm) zum Solling. Nach Südosten schaut man über den Kegel des Desenbergs und weitere Vulkanhügel zum Habichtswald, und im Süden ist das Sauerland zu erkennen.

Der Turm wurde 2010 renoviert.

Lippische Velmerstot[Bearbeiten]

Die Lippische Velmerstot ist mit 441,4 m[1] die nach dem Feldromer Berg (446,3 m) und zusammen mit der gleich hohen Hausheide (441,4 m) der dritthöchste Gipfel des Eggegebirges und nach dem Köterberg (495,8 m), dem Barnacken (446,1 m) und dem Feldromer Berg die vierthöchste Erhebung im Kreis Lippe.

Auf ihrem Gipfel liegen zahlreiche Sandsteinquader frei. Ein 1,6 m hoher Obelisk aus Sandstein trägt die Inschrift „Komm’ gern zu mir, doch schone mich, denn alles hier geschah’ für Dich.” Von den Sandsteinfelsen sind nicht nur das Hermannsdenkmal im Nordwesten, der Köterberg im Osten und das Warburger Land mit dem 343,6 m hohen Desenberg im Südosten zu sehen. Bei guter Fernsicht ist darüber hinaus auch der Fernmeldeturm Habichtswald auf dem 597,5 m hohen Essigberg bei Kassel mit bloßem Auge erkennbar. Dieser ist mit etwa 65 Kilometer einer der weitest entfernten, von der Velmerstot aus sichtbaren Berge. Im Tal liegen Silberbach und Silbermühle.

Während des Zweiten Weltkriegs unterhielt das Militär hier eine Station zur Flugüberwachung.

Gruppe von Wanderern auf dem Gipfel der Lippischen Velmerstot

Naturschutzgebiet[Bearbeiten]

Die Lippische Velmerstot und der angrenzende Egge-Osthang bilden ein Naturschutzgebiet, das etwa 144 Hektar groß ist. Als schutzwürdig gelten die trockenen Heidegebiete auf dem Bergrücken und die Silikatfelsen, die von Vegetation durchbrochen sind. Besondere Tiere sind Haselhuhn, Uhu, Schwarzspecht, Grauspecht und Schwarzstorch. Ferner sollen Erlen, Eschen, Buchen geschützt werden.

Auf dem Gipfel der Lippischen Velmerstot wächst Hochheide, die von Gehölzen durchsetzt wird. Das Naturschutzgebiet umfasst einen Teil der Waldlandschaft des Eggegebirges und des Silberbachtals. Der Hang ist mit Blocksteinfeldern durchsetzt und mit Hainsimsen-Buchenwäldern bestanden. Es gibt Sickerquellen, die in Rinnen und Kerbtälern talwärts ziehen und von Erlen und Eschen gesäumt werden. Der Buchenwald ist für den Gebirgszug so landschaftstypisch wie Quellbäche, Felsen und Blockhalden. Die Bergheidefläche ist ein Relikt früherer großflächiger, baumfreier Hochheiden auf der Egge.

Blick auf die Lippische Velmerstot

Das Naturschutzgebiet hat die Bezirksregierung Detmold als ein Fauna-Flora-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) der Europäischen Kommission gemeldet, die das europäische ökologische Netz Natura 2000 aufbauen will.

Wetterstation[Bearbeiten]

Von 1988 bis 1998 bestand nahe der Velmerstot eine Depositionsmessstation, an der der Schadstoffgehalt der Luft gemessen wurde. Die gut fünfzehn Meter hohe Stahlkonstruktion lag auf gut 420 m an einem westexponierten Hang der Egge im Luv zur Westfälischen Bucht.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Unweit der Velmerstot befinden sich diese Sehenswürdigkeiten und geographischen Ziele:

Film[Bearbeiten]

In dem Spielfilm „Die Hermannsschlacht“ kommt eine fiktive Begegnung der Dichter Heinrich von Kleist und Christian Dietrich Grabbe auf der Velmerstot vor.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. a b c d e Topographisches Informationsmanagement, Bezirksregierung Köln, Abteilung GEObasis NRW (Hinweise)
  2. Preußische Velmerstot (464 m ü. NN) und Lippische Velmerstot (441,4 m ü. NN)
  3. Dominanz und Prominenz nach TK 25; Scharte liegt auf etwa 348 m ü. NN

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Martin Wienke: Silbermühle, Velmerstot und die Höhlen des Teutoburger Waldes. Schnelle, Detmold, o.J. (1982?)

Weblinks[Bearbeiten]