Venstre (Norwegen)

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Venstre
Liberale
Logo der Liberalen
Parteivorsitzende Trine Skei Grande
Partei­vorsitzende Trine Skei Grande
General­sekretär Terje Breivik
Stell­vertretende Vorsitzende 1. Helge Solum Larsen
2. Ola Elvestuen
Gründung 1884
Haupt­sitz Oslo
Jugend­organisation Unge Venstre
Aus­richtung Liberalismus, Linksliberalismus, Umweltschutz, Multikulturalismus
Farbe(n) Grün
Parlamentsmandate
9/169
Mitglieder­zahl 9.500 (2011)[1]
Internationale Verbindungen Liberale Internationale (LI)
Europapartei Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALLDE)
Website www.venstre.no
Stimmenanteile von Venstre nach Provinzen (Stortingswahl 2009). Die Liberalen nahmen nur in Oslo, Akershus, Rogaland und Hordaland die 4-Prozent-Hürde.

Venstre (V) (wörtlich Linke, übliche Bezeichnung Liberale) ist eine sozialliberale Partei in Norwegen. Sie wurde am 28. Januar 1884 gegründet und ist damit die älteste Partei des Landes.

Das aktuelle Grundsatzprogramm «Freiheit und Gerechtigkeit»[2] wurde am 14. April 2007 verabschiedet. Es beschreibt die Vision einer sozialen und liberalen Wissensgesellschaft, in der alle die Freiheit und die Möglichkeit besitzen, den eigenen Weg zu einem besseren Leben zu beschreiten, eine Gesellschaft, in der die Menschen Verantwortung füreinander und für die Umwelt übernehmen.

Programm[Bearbeiten]

Venstres Wahlprogramm 2009 setzte vier Schwerpunkte: Bildung, Umweltschutz, Existenzgründerförderung und soziale Wohlfahrt.[3]

  • Bildung — Systematische Nach- und Weiterbildung für Lehrer. Einführung einer 5-jährigen Lehramtsausbildung. Mehr Zeit für Unterricht statt Dokumentationspflichten. Erhöhung der Forschungszuschüsse für Hochschulen und andere Forschungszentren auf drei Prozent des BIP.
  • Umweltschutz — Norwegen soll von der Erdölnation zum umweltpolitischen Vorreiter entwickelt werden. Förderung erneuerbarer Energien. Emissionsfreier ÖPNV. Umsetzung der Ziele des Kyoto-Protokolls. Grüne Steuerreform: Entlastung des Faktors Arbeit, Belastung umweltschädlichen Verbrauchs.
  • Existenzgründerförderung — Absicherung der rechtlichen Stellung von Kleinunternehmern und Existenzgründern/Start-ups. Vereinfachung des Regelwerkes. Private soziale Unternehmer in Schulen, Erziehung, Gesundheitswesen und Bewährungshilfe einsetzen. Staatliche Risikokapitalfonds zur Förderung von Existenzgründungen. Abschaffung der Vermögens- und Erbschaftssteuer.
  • Soziale Wohlfahrt — Kommunen größere Verantwortung für das Gesundheits- und Fürsorgesystem überlassen. Prävention und Rehabilitation stärken. Mehr Zeit für Patienten statt Dokumentation.

Daneben vertritt die Partei u.a. folgenden Positionen:

  • Einwanderung und Integration — Nationen und Gesellschaften brauchen sowohl die kulturelle als auch die wirtschaftliche Stimulierung, die von Einwanderung ausgeht: „Eine vielfältige Gesellschaft ist eine gute Gesellschaft.” Voraussetzung dafür ist der Wille zur vollgültigen Integration auf beiden Seiten.
  • Regionalförderung — Der Staat muss die Infrastruktur in den ländlichen Regionen und abgelegenen Landesteilen Norwegens weiter ausbauen. In der Peripherie sollen neue Arbeitsplätze geschaffen werden.
  • Außenpolitik — Gerechtere globale Verteilung. Stärkung von Demokratie und Menschenrechten weltweit. Engagement für Freiheits- und Bürgerrechte auch dort, wo norwegische Geschäfts- und Handelsinteressen dadurch beeinträchtigt werden könnten.
  • Kultur — Kunst und Kultur bilden die Grundlage für die Entfaltung von Individuum und Gesellschaft insgesamt. Weder staatliche oder kommunale Träger noch die Kräfte des freien Marktes sollen allein über die kulturelle Entwicklung bestimmen dürfen.

Wahlergebnisse zum Storting seit 1945[Bearbeiten]

Wahljahr Prozent Sitze
1945 13,8 20
1949 13,1 21
1953 10,0 15
1957 9,7 15
1961 8,8 14
1965 10,4 18
1969 9,4 13
1973 3,5 2
1977 3,2 2
1981 3,9 2
1985 3,1 -
1989 3,2 -
1993 3,6 1
1997 4,4 6
2001 3,9 2
2005 5,9 10
2009 3,9 2
2013 5,2 9

Geschichte[Bearbeiten]

Venstres Parteigründung 1884 fällt mit der Einführung der parlamentarischen Demokratie in Norwegen zusammen. In der Frühphase der Partei spielte die Verbindung zwischen dem radikalen Bauernpolitiker Søren Jaabæk und dem gemäßigten Johan Sverdrup eine entscheidende Rolle. Die Liberalen gehörten zu den führenden Kräften im Kampf für ein allgemeines und gleiches Wahlrecht. Außenpolitisch strebte Venstre eine schnelle Auflösung der Union mit Schweden an.

Bereits 1888 spaltete sich die «Moderate Venstre» ab und bildete eine dritte Fraktion im Storting. Ihre Wurzeln hatte die Partei zum einen in der Abstinenzbewegung; zum anderen in der lutherischen Inneren Mission von Lars Oftedal. Als Oftedal sich 1891 mit der konservativen Høyre verbündete, kehrten viele Abgeordnete zur Venstre zurück. Die Moderaten traten für eine allmähliche Herauslösung Norwegens aus der Union mit Schweden ein. Als Høyre ihr Festhalten an der Union aufgab, verschmolz die «Moderate Venstre» mit ihr zur «Sammlungspartei», die 1905 zur «Freisinnigen Venstre» wurde. 1933 wurde der Name zu «Freisinnige Volkspartei» geändert und 1945 für die alte Bezeichnung Høyre aufgegeben.

1933 spaltete sich die Christliche Volkspartei von Venstre ab. 1972 spaltete sich die für einen EWG-Beitritt eintretende Liberale Volkspartei (Det liberale Folkeparti, DLF) ab. 1988 kam es zur Wiedervereinigung von DLF und Venstre.

In der Nachkriegszeit war Venstre an fünf Regierungen beteiligt, zuletzt von 2001 bis 2005 als kleinste Partei einer Mitte-rechts-Koalition mit Konservativen und Christlicher Volkspartei.

Parteivorsitzende[Bearbeiten]

Ministerpräsidenten[Bearbeiten]

Venstre stellte sechs norwegische Ministerpräsidenten, alle vor 1935.

Regierungsbeteiligungen[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ved årets slutt hadde Venstre 9.508 betalende medlemmer Website der Partei, 2. Januar 2012, abgerufen am 6. Februar 2012
  2. Frihet og rettferdighet - Venstres prinsipprogram Website der Partei, abgerufen am 7. Februar 2012.
  3. Programme Website der Partei, abgerufen am 7. Februar 2012