Venus von Urbino

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Tizian 102.jpg
Venus von Urbino
Tizian, 1538
Öl auf Leinwand, 119 cm × 165 cm
Uffizien

Die Venus von Urbino ist ein um 1538 entstandenes, berühmtes Ölgemälde des italienischen Malers Tizian. Es stellt eine nackte junge Frau dar, die als die Göttin Venus identifiziert wird. Heute wird das Bildnis in den Uffizien in Florenz ausgestellt.

Entstehung[Bearbeiten]

Das Gemälde wurde von Guidobaldo II. della Rovere in Auftrag gegeben und 1538 fertiggestellt.

Bildinhalt[Bearbeiten]

Im Vordergrund liegt eine junge unbekleidete Frau auf einem Bett, die den Betrachter direkt anblickt. Außer einigen Schmuckstücken, einem Ring, einem Armreif und Ohrringen ist sie völlig unbekleidet. In ihrer rechten Hand hält die Frau Blumen, mit der linken Hand bedeckt sie ihre Scham, die den Mittelpunkt der Bildkomposition bildet. Am Fuß des Bettes liegt ein schlafender Hund.

Im rechten Bildhintergrund sind zwei weibliche Bedienstete mit Kleidern und Kleiderkästen beschäftigt, eine kniet vor einem Kleiderkasten.

Das Bildnis der jungen Frau ist von der Kunstgeschichte kontrovers interpretiert worden. Eine Sichtweise möchte das Bildnis als Gleichnis auf die Ehe verstanden wissen; dafür spricht bspw. die sog. Ehetruhe im Hintergrund, die Teile der Aussteuer enthalten haben mag. Nach der Hochzeitsbild-Theorie sollte das Bild zur erotischen Erziehung von Guidobaldo II. seiner minderjährigen Braut Giulia Varano (geb. 1523, Heirat 1534) dienen, die erst 1538/39 in das Alter kam, in dem die Ehe vollzogen werden konnte. Die Fürstin war auf die Rolle der Mutter vorzubereiten, welche die Dynastie zu sichern hatte. [1] Andere Autoren sehen in der "Venus von Urbino" das Portrait einer Kurtisane, die sich dem Betrachter beinahe völlig preisgibt. Ebenfalls geäußert wurde, dass dem Betrachter ein Gleichnis der ehelichen Sexualität präsentiert wird, bei dem sich aufreizende erotische Aspekte mit ehelichen Tugenden (z. B. Treue, Attribut: Hund) verbinden.

Typologisch geht das Bildnis auf die kurz zuvor entstandene Schlummernde Venus Giorgiones zurück, bei dem zumindest eine Beteiligung seines Schülers Tizians angenommen wird. Die für Tizian typischen malerischen Fähigkeiten finden sich hier vollendet versammelt: Insbesondere die malerische Behandlung der verschiedenen Stofflichkeiten (Haare, Haut, Fell, Blumen, Vorhang, Stoffbezug, Stofftapete, Edelsteine etc.) sind so eindrücklich ausgeführt, dass der Betrachter beinahe an eine Augentäuschung glaubt – ein ästhetisches Mittel, mit dem Tizian den Betrachter von seinen malerischen Qualitäten überzeugen möchte. Für die malerische Qualität spricht u. a. auch der Einsatz des Sfumato, das den Körper atmosphärisch (d. h. konturlos) in seiner Umgebung aufgehen lässt.

Das Modell für die Venus von Urbino wird auch für Tizians "La Bella" 1536 vermutet. Für "La Bella" wiederum sind u. a. des Herzogs Mutter (Eleonora Gonzaga della Rovere) und deren Mutter (Isabella d'Este) vermutete Personen.[2]

Tizian hat neben seinen wirkungsmächtigen religiösen Bildern vor allem auch viele Porträts gemalt, teils von historischen Persönlichkeiten, teils von idealen Figuren. So zeigt eine lose Reihe bspw. weibliche Halbporträts, die keinen historisch verbürgten Personen zugeordnet werden können. Diese müssen wohl als Sinnbild weiblicher Anziehungskraft im Sinne von Voluptas verstanden werden; wobei dieser Aspekt jedoch nur vor dem Hintergrund des Kurtisanenwesens in Venedig in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts verstanden werden kann. Zu dieser Zeit nahmen die Kurtisanen eine herausgehobene soziale Stellung ein, in denen sie hochrangigen Männern durchaus ebenbürtig entgegentreten konnten.

Giorgione: Schlafende Venus, 1508/10
Manets Olympia

Rezeption[Bearbeiten]

Von der Venus von Urbino wurde die Olympia von Édouard Manet inspiriert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rose-Marie Hagen, Rainer Hagen: Meisterwerke im Detail. Vom Teppich von Bayeux bis Diego Rivera, Band I. Taschen Verlag, Köln 2006. ISBN 3-8228-4787-9
  • Kaminski, Marion: Tiziano Vecellio, genannt Tizian. Könemann Verlag, Köln 1998. ISBN 3-8290-0699-3
  • Wieland Schmied (Hg.): Harenberg Museum der Malerei. 525 Meisterwerke aus sieben Jahrhunderten. Harenberg Lexikon Verlag, Dortmund 1999. ISBN 3-611-00814-1

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rona Goffen: Sex, Space and History in titian's Venus of Urbino, Cambridge 1997
  2. Corrado Cagli: Das Gesamtwerk von Tizian, Rizzoli Mailand 1969, S. 108f