Vera Broido

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Vera Broido (* 7. September 1907 in Sankt Petersburg; † 11. Februar 2004 bei Stevenage[1]) war eine Muse.

Inhaltsverzeichnis

Familie[Bearbeiten]

Ihre Mutter, Eva Lwowna (* 1876 in Švenčionys; † 14. September[2] oder 11. November 1941) war die Tochter eines Talmud-Lehrers und einer Holzhändlerin. Sie besuchte die Jungenschule und machte eine Ausbildung zur Apothekenhelferin. 1895/96 reiste sie nach Berlin, wobei sie mit Sozialdemokraten in Kontakt kam. 1896–1898 war sie mit einem Gordon verheiratet, mit dem sie zwei Töchter hatte, darunter Aleksandra Abramowna (1897–1976).[3]

1899 ließ sie sich in Sankt Petersburg nieder, wo sie sich der Sozialdemokratischen Bewegung anschloss und August Bebels Die Frau und der Sozialismus übersetzte. Sie war Mitglied einer illegalen Arbeiter-Bibliothek, für die sie Schriften erstellte und verteilte. Im Januar 1901 wurde sie inhaftiert, und nach 15 Monaten im Gefängnis zu einem drei- oder fünfjährigem Exil in Sibirien verurteilt.

1902 heiratete sie, um nicht getrennt zu werden, im Gefängnis ihren Jugendfreund Mark Broido (russisch Бройдо Марк Исаевич; 1877–1937), mit zehn Gefangenen als Trauzeugen. Das Paar hatte einen Sohn, Daniel[4] und zwei Töchter.

Bei einem Aufstand der Exilanten im Jahr 1904 gelang ihnen die Flucht nach England und im folgenden Jahr kehrten sie nach Russland zurück, wo sie sich der Menschewiki-Fraktion der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (RSDAP) anschlossen. Sie arbeiten in Baku als Menschewiki-Organisatoren und veröffentlichten eine illegale Wochenzeitung. 1906 kehrten sie nach Sankt Petersburg zurück, wo sie Treffen von Fabrikarbeitern organisierten, Broschüren schrieben, Arbeiten deutscher Sozialdemokraten übersetzten und die Wahl zur vierten Duma (1912) organisierten. Nachdem die Familie von 1914 bis Frühjahr 1917 zum zweiten Mal nach Sibirien verbannt wurde, arbeitete sie in Moskau für die Menschewiki-Presse und war Mitglied des Zentralkomites der Menschewiki .[5] Sie hatten sich euphorisch auf die Revolution gefreut. Zehn Monate später standen sie mit Lebensmittelkarten vor geschlossenen Geschäften.

1920 emigrierten sie nach Berlin, wo Eva für den Sozialistitscheski Westnik arbeitete und um 1925 ein Modeatelier eröffnete.

Nachdem Eva 1927 illegal als Kurier in die Sowjetunion zurückgekehrt waren, wurde sie im folgenden Jahr inhaftiert und bis 1936 nach Taschkent verbannt. 1929 hatte sie ihre Lebenserinnerungen unter dem Titel Wetterleuchten über Russland veröffentlicht.[6] Später wurde sie an die mongolische Grenze verbannt, wo sie möglicherweise im Juni 1941 erschossen wurde.[7]

Leben[Bearbeiten]

Vera hatte während der Zarenzeit zusammen mit ihrer Mutter drei Jahre im sibirischen Exil verbracht, in Moskau und Sankt Petersburg Krieg und Revolution erlebt, und lebte ab 1920 in der russisch-jüdischen Gemeinde in Berlin. 1925 ging sie für einige Zeit nach Paris an die Sorbonne. Wichtiger war ihr jedoch das Studium der Malerei bei Alexandra Exter und das Charlestontanzen bei Stanislawskis Sohn.

Um 1930 kehrte sie nach Berlin zurück. Hier verkehrte sie in der Berliner Bohème und begann eine langjährige Menage-à-trois mit dem Dadaisten Raoul Hausmann und seiner neuen Frau. Sie wurde seine Muse und das Modell seiner berühmten Serie von Aktfotos.[8] Im März 1933 begleitete sie die beiden nach Ibiza.[9] Im August 1934 musste sie wegen ihrer jüdischen Herkunft erneut fliehen und wollte nach England.

1941 heiratete sie Norman Cohn und fünf Jahre später wurde ihr Sohn Nik Cohn geboren.[10]

Werke[Bearbeiten]

  • Russische Kindheit; 1933
  • Apostles into terrorists: women and the revolutionary movement in the Russia of Alexander II; 1977
  • Lenin and the Mensheviks; 1987
  • Daughter of revolution: a Russian girlhood remembered; 1988
  • Tochter der Revolution; 2004

Belege[Bearbeiten]

  1. http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=73017720
  2. http://www.webwecker-bielefeld.de/entry_25191.0.html
  3. http://www.orlandofiges.com/families/Adasinskaia.php
  4. http://www.kzwp.com/lyons.pensioners/obituary2B.htm
  5. A. T. Lane: Biographical dictionary of European labor leaders, Band 1, S. 148
  6. http://www.buchfreund.de/WETTERLEUCHTEN-DER-REVOLUTION-M-e-Vorw-v-Alexander-Stein-Broido-Eva,50835636-buch
  7. http://www.antiquariat.de/mediasearch.jsp;jsessionid=03F320F44ECCBF674B9390BDB90500C0?job=SEARCH&dbsftautor=Broido%2C+Eva
  8. http://dadasurr.blogspot.com/2011/08/raoul-hausmann-photographies.html
  9. http://www.zeit.de/1994/34/fmsbwtoezaeu-oder-fort-mit-stuehlen-und-gefuehlen
  10. http://www.nytimes.com/2011/12/04/magazine/nik-cohn-fever-dream.html?_r=1&pagewanted=3&ref=rockmusic