Vera Stein

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Vera Stein (* 1958 in La Paz, Bolivien)[1] ist eine deutsche Buchautorin mit dem bürgerlichen Namen Waltraud Storck.

Biografisches[Bearbeiten]

Vera Stein wurde ab 1974 ohne hinreichende Diagnose und gegen ihren Willen jahrelang in psychiatrischen Anstalten festgehalten und mit Psychopharmaka behandelt. Dabei wurden offenbar normales pubertäres Verhalten und die Spätfolgen einer Polio-Infektion fahrlässig als hebephrene Schizophrenie fehldiagnostiziert.[2] Die Familie und hier insbesondere der Vater waren treibende Kraft bei den vielen stationären Zwangseinweisungen zwischen 1974 und 1979, auch nach erreichter Volljährigkeit der Patientin. Waltraud Storck unternahm mehrere Fluchtversuche. Sie ist heute auf den Rollstuhl angewiesen und zu 100 % erwerbsunfähig.

1993 schrieb sie unter dem Pseudonym Vera Stein ihr erstes Buch über ihre Psychiatrie-Erfahrungen[3], vier weitere folgten.

„Mein Fall zeigt, wie es Menschen ergehen kann, denen das Wertvollste, nämlich ihre Gesundheit, genommen worden ist, gegen welche zusätzlichen Belastungen sie sich zur Wehr setzen müssen, um trotz ihrer Schädigung ein einigermaßen menschenwürdiges Leben führen zu können.“

Vera Stein[4]

Im Jahr 2005 hatte sie Erfolg mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg. Der Gerichtshof stellte hinsichtlich ihres Aufenthalts in der privaten Klinik Dr. Heines vom 29. Juli 1977 bis zum 5. April 1979 eine Verletzung von Artikel 5 Abs. 1 (Recht auf Freiheit und Sicherheit) sowie Artikel 8 (Recht auf Achtung des Privat- und Familienlebens) der Europäischen Menschenrechtskonvention fest, für den die Bundesrepublik Deutschland verantwortlich sei. Auf Veranlassung ihres Vaters gegen ihren Willen und ohne richterliche Anordnung in einer geschlossenen Abteilung der Klinik untergebracht, sei sie nach Entweichung am 4. März 1979 von der Polizei dorthin zurückgebracht worden; die Zurückweisung ihrer diesbezüglichen Schadenersatzforderungen gegen die Klinik durch die Justiz habe Artikel 5 nicht genügend berücksichtigt und dadurch ebenfalls verletzt. Die Bundesrepublik Deutschland wurde zu 75.000 Euro Schadenersatz verurteilt.[5]

Literatur zum Thema[Bearbeiten]

  • Mit dem Rücken zur Wand. Ein Ratgeber – So setze ich mein Recht im Arzthaftungsprozess durch!, Frankfurt am Main: VAS Verlag für Akademische Schriften 2012, ISBN 978-3-88864-479-5
  • Diagnose „unzurechnungsfähig“, Frankfurt am Main: VAS Verlag für Akademische Schriften 2006, ISBN 978-3-88864-408-5
  • Trotzdem. Behindert ist man nicht – behindert wird man, Oldenburg: Schardt Verlag 2006, ISBN 978-3-89841-237-7
  • Abwesenheitswelten: meine Wege durch die Psychiatrie, Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag, 3. Auflage 2005, original (1996), ISBN 978-3-89308-380-0
  • Menschenfalle Psychiatrie: mit 14 Jahren weggesperrt – der mutige Neustart einer von Ärzten als ‚irrsinnig‘ abgestempelten Frau, Heidelberg: Karl F. Haug Verlag 2000, ISBN 3-8304-2030-7

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Spiegel-Online
  2. Informationsseite des Antipsychiatrieverlages (PDF; 181 kB)
  3. sueddeutsche.de: Eingesperrt in einen Albtraum, Süddeutsche Zeitung, 4. März 2008
  4. Informationsseite des Antipsychiatrieverlages
  5. Urteil vom 16. Juni 2005 (Application no. 61603/00) bailii.org - englisch

Weblinks[Bearbeiten]