Vera Tschechowa

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Vera Tschechowa (eigentlich Vera Rust; * 22. Juli 1940 in Berlin) ist eine deutsche Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin russisch-deutscher Herkunft.

Biografie[Bearbeiten]

Vera Tschechowa ist die Tochter der Schauspielerin Ada Tschechowa und des Arztes Dr. Wilhelm Rust. Ihre Großmutter war die Schauspielerin Olga Tschechowa, ihr Urgroßonkel der russische Schriftsteller Anton Tschechow. Sie wuchs in Berlin auf. Nach der Schule besuchte sie für kurze Zeit die Kunstakademie, um Bühnenbildnerin zu werden. Sie entschied sich dann jedoch für den Schauspielberuf und nahm Unterricht bei Anne-Marie Hanschke und Ernst Fritz Fürbringer in München sowie bei Marlise Ludwig in Berlin.

1957 debütierte sie in dem Heinz-Erhardt-Film Witwer mit fünf Töchtern. Bis in die Neunziger hinein folgten bei Film und Fernsehen rund 50 weitere Rollen. 1962 erhielt sie für ihre Darstellung der Ulla Wickweber in dem Film Das Brot der frühen Jahre den Bundesfilmpreis als beste Darstellerin und 1977 für ihre Rolle in der ZDF-Produktion Zeit der Empfindsamkeit die Goldene Kamera.

Ab 1959 spielte Tschechowa Theater an der Freien Volksbühne Berlin. Weitere Bühnenstationen waren unter anderem das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, das Düsseldorfer Schauspielhaus und das Theater Basel. Als Elvis Presley 1959 in Deutschland stationiert war, sah man die junge Schauspielerin einige Male zusammen mit dem Sänger.[1][2]

Ihre Mutter Ada kam 1966 bei einem Flugzeugabsturz in Bremen ums Leben. 1967 heiratete Vera Tschechowa ihren Kollegen Vadim Glowna, die Ehe wurde nach mehr als zwanzig Jahren geschieden. 1971 beteiligte sie sich an der von Alice Schwarzer initiierten Medien-Aktion „Wir haben abgetrieben!“.

1980 gründete sie zusammen mit Vadim Glowna die Atossa-Filmproduktion. Die Firma produzierte unter anderem Desperado City, bei dem Glowna auch Regie führte und der 1981 die Caméra d'Or als bester Debütfilm bei den Filmfestspielen von Cannes gewann, sowie 1984 Tschechow in meinem Leben, eine Dokumentation über die Künstlerdynastie der Tschechows.

Ab Anfang der 1990er Jahre arbeitete Tschechowa vor allem als Regisseurin von Dokumentationen. Für verschiedene TV-Sender erstellte sie Porträts von Eduard Schewardnadse, Václav Havel, Hans-Dietrich Genscher, Klaus-Maria Brandauer, Katja Riemann, Armin Mueller-Stahl, Anthony Quinn, Michael Ballhaus, vom taiwanesischen Regisseur Ang Lee und den Makhmalbafs, einer Familie iranischer Filmemacher.

Heute ist Vera Tschechowa mit dem Manager und Produzenten Peter Paschek verheiratet. Ihr Sohn, der Filmkomponist Nikolaus Glowna, der aus einer Beziehung mit Hartmut Reck stammt, wurde von Vadim Glowna adoptiert.[3]

Filmografie (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 1976: Erikas Leidenschaften
  • 1977: Der Schimmelreiter
  • 1979: Nachbarn und andere nette Menschen
  • 1980: Panische Zeiten
  • 1981: Desperado City
  • 1981: Frau über vierzig (Fernsehserie)
  • 1982: Das Beil von Wandsbek
  • 1982: Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull (Mini-Serie)
  • 1983: Die Romantic Sisters
  • 1983: Dies rigorose Leben
  • 1984: Blaubart
  • 1984: Treffpunkt im Unendlichen
  • 1984: Tausend Augen
  • 1984: Ein Heim für Tiere (Fernsehserie)
  • 1986: Losberg
  • 1986: Tarot
  • 1986: Das Geheimnis von Lismore Castle
  • 1988: Rausch der Verwandlung (Mini-Serie)
  • 1989: Der Fahnder - Ausermittelt
  • 1990: Insel der Träume (Fernsehserie)
  • 1991: Liebe auf den ersten Blick
  • 1992: Neptun und Isolde
  • 1993: Tatort - Bauernopfer
  • 1995: Sylter Geschichten (Fernsehserie)
  • 1996: Schuldig auf Verdacht

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Renata Helker/Deutsches Theatermuseum München: Die Tschechows. Wege in die Moderne. Henschel Verlag, Leipzig 2005, ISBN 3-89487-502-X.
  • Renata Helker/Claudia Lenssen: Der Tschechow-Clan. Geschichte einer deutsch-russischen Künstlerfamilie. Parthas Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-932529-81-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Chronik von Elvis Presleys Aufenthalt (Version vom 27. Juli 2010 im Internet Archive) in Deutschland auf www.elvisforever.de; abgerufen am 12. Juni 2011
  2. Elvis in Germany; abgerufen am 12. Juni 2011
  3. Vera Tschechowa im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)

Weblinks[Bearbeiten]