Verantwortungsdiffusion

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Verantwortungsdiffusion bezeichnet das Phänomen, dass eine Aufgabe, die offensichtlich zu tun ist, trotz genügender Anzahl und Aufmerksamkeit dafür geeigneter Stellen oder Personen nicht angenommen oder ausgeführt wird.

Der Begriff korrespondiert mit dem der Verantwortung und wird wissenschaftlich in der Psychologie, Pädagogik sowie Organisationssoziologie verwendet.

In der Verhaltensforschung wurde etwa das Verhalten von Zuschauern bei einer Straftat untersucht und festgestellt, dass alleine die Anwesenheit mehrerer Zuschauer die Wahrscheinlichkeit von Hilfeleistungen erheblich senken kann (Bystander-Effekt).

Bei der Untersuchung der Aufgabenverteilung in Organisationen stößt die Soziologie immer wieder auf das Phänomen, dass Tätigkeiten, die von Mitarbeitern durchaus als notwendig eingestuft werden, dennoch nicht ausgeführt werden. Als Erklärung wird etwa genannt, dass die Verbindung zwischen der eigenen organisatorischen Rolle und dem Charakter der Aufgabe für die in Frage kommenden Akteure ungeklärt ist.

Bei der Entstehung von Verantwortungsdiffusion kann auch eine übergeordnete Instanz ursächlich sein: Sie kann etwa durch fehlende oder unklare Zuordnung von Verantwortung oder auch durch gezielte Zuordnung gleicher Aufgaben an mehrere miteinander konkurrierende Stellen bedingt sein (vgl. Königsmechanismus).

Das Freiwilligendilemma stellt eine spieltheoretische Formalisierung der Verantwortungsdiffusion dar.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • The trust-control nexus in organizational relations. Sonderheft der Zeitschrift: International Sociology, Jg. 20, H. 3, 2005.
  • Martin Abraham, Günter Büschges: Organisationssoziologie. 3. Aufl. Wiesbaden: VS Verlag 2004.
  • Niklas Luhmann: Organisation und Entscheidung. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag 2000.
  • Dirk Baecker: Organisation als System. Frankfurt 1999.