Verbalperiphrase

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Verbalperiphrase ist ein Begriff aus der Sprachwissenschaft und bezeichnet die Verbindung von zwei oder, in Ausnahmefällen, mehr Verbstämmen, die eine einzige und semantisch (in der Bedeutung) einheitliche (nicht zusammengesetzte) Prädikationseinheit (Aussage) bilden. Hierbei wird mindestens ein Verb zum Hilfsverb (Auxiliar) und hat in der Periphrase (Umschreibung eines Begriffs) nur noch die Funktion, bestimmte grammatische Kategorien wie Zeitform oder Aspekt des Vollverbs anzuzeigen. Viele Sprachen – wie auch das Deutsche – machen bei der Konjugation eines Verbums sowohl von einfachen als auch periphrastischen Formenbildungen Gebrauch. In einigen Sprachen werden bestimmte Verben nur einfach, andere nur periphrastisch konjugiert (vgl. z. B. das Baskische).

Einige Wissenschaftler bezeichnen auch ein Funktionsverbgefüge als Verbalperiphrase.[1]

Beispiel[Bearbeiten]

Im Satz Er bekam geholfen. ist bekommen, das in anderen Sätzen eine eigene Bedeutung (=erhalten) hat, ein Hilfsverb, das der Bildung des Passivs dient. Die grammatikalisierte Struktur erkennt man dadurch, dass das ansonsten gleichbedeutende Verb erhalten in diesem Satz keinen Sinn hat. Auch das deutsche Perfekt, Futur und Plusquamperfekt wird periphrastisch gebildet, indem ein ansonsten anderen Funktionen dienender Wortstamm (werden, haben, sein) als Hilfsverb eingesetzt wird. In einem Perfektsatz wie Er hat sie gesehen. wird die an sich vorhandene Bedeutung des Verbs haben, nämlich die Anzeige eines Besitzes, überhaupt nicht mehr sichtbar.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hadumod Bußmann: Lexikon der Sprachwissenschaft. 4. Auflage. Verlag Kröner, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-520-45204-7.
  • Willem J. Aerts: Periphrastica. An investigation into the use of εἶναι and ἔχειν as auxiliaries and pseudo-auxiliaries from Homer up to the present day. Amsterdam 1965 (Proefschrift).
  • Mario Wandruszka: Deutsche und romanische Verbalstrukturen. In: Probleme der kontrastiven Grammatik. Jahrbuch 1969 von Hugo Moser (Hrsg.): Sprache der Gegenwart. (= Schriften des Instituts für deutsche Sprache in Mannheim. Band VIII). Pädagogischer Verlag Schwann, Düsseldorf 1970, S. 53–69.
  • Wolf Dietrich: Der periphrastische Verbalaspekt in den romanischen Sprachen: Untersuchungen zum heutigen romanischen Verbalsystem und zum Problem der Herkunft des periphrastischen Verbalaspekts. Band 140 Beihefte zur Zeitschrift für Romanische Philologie, Max Niemeyer Verlag, Imprint von de Gruyter, Berlin 1973, ISBN 3-484-52045-0.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verbalperiphrasen zwischen Grammatik, Lexikon und Pragmatik. - PDF-Datei