Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter

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Dieses Schild zeichnet einen VDP-Betrieb aus
Ein Glas mit kostbarer Trockenbeerenauslese auf der traditionellen jährlichen Weinversteigerung des VDP in Trier.

Der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter e. V. (VDP) ist eine Vereinigung von ca. 200 Spitzenweingütern in Deutschland, der sich für verbindliche Qualitätsstandards und – seit 1990 – auch für die ökologische Bewirtschaftung der Weingüter seiner Mitglieder einsetzt.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Verband wurde 1910 als Verband Deutscher Naturweinversteigerer e. V. [1] gegründet. Erster Vorsitzender war Albert von Bruchhausen, Oberbürgermeister der Stadt Trier. Gründungsvereine waren:

Der Ausdruck Naturwein sollte den besonderen Standard hervorheben, den unter dem damaligen Weingesetz die Weine hatten, die die damals gängige Praxis der Zuckerung zur Erhöhung des natürlichen Alkoholgehaltes bewusst nicht teilten. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte allerdings erst 1926. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren deutsche Weine weltweit sehr gefragt und waren oftmals teurer als die immer noch berühmten Weine der z.B. großen Chateaux aus Bordeaux.

1934 wurde der Verein im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik in den „Reichsnährstand“ eingegliedert. 1935 wurde eine zweite Satzung beschlossen, die die Ziele des Verbandes erweiterte und konkretisierte:

  • Regelung der Versteigerungsbedingungen und Termine
  • gemeinsame Werbung
  • Ausstellungen im In- und Ausland
  • Austausch von Erfahrungen im Weinbau und in der Weinbehandlung

Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Arbeit des Verbandes; der Weinvertrieb kam zum großen Teil zum erliegen, da jüdische Weinhändler sehr wichtig für den Verkauf waren. Erst 1949 nahm er durch Albert Bürklin seine Arbeit formell wieder auf. 1955 fand die erste Spitzenweinversteigerung in Wiesbaden statt. Die Regeln wurden in den folgenden Jahren verschärft, allerdings brachte das Weingesetz von 1971 einen schweren Rückschlag für den Verein, der sich in Verband Deutscher Prädikatswein-Versteigerer e. V. (VDPV) umbenennen musste, um dem Weingesetz Rechnung zu tragen. Insbesondere die ausschließliche Definition von Weinqualität durch Oechslegrade und die Bereichs- bzw. Großlagen-Regelung sollten in der Folge Großproduzenten die Arbeit erleichtern und für den Kunden äußerlich erkennbare Qualitätsmerkmale verschwinden lassen.

Unter Peter von Weymarn änderte der Verband seinen Namen in die aktuelle Bezeichnung. Ferner wandelte er sich in einen Zusammenschluss von Weingütern. Die Organisation von Weinversteigerungen rückte in den Hintergrund. Eine veränderte Satzung richtete 1972 den in Verband Deutscher Prädikatsweingüter umbenannten Verein auf Imagepflege und Förderung des Qualitätsstrebens aus. 1978 übernahm Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau den Vorsitz, 1982 erfolgte die Umbenennung in Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter.

Ab 1990, unter Michael Prinz zu Salm-Salm, wurde der Verband und damit seine Mitglieder auf naturnahen Weinbau eingeschworen und zu einer Umstellung der Betriebspraxis aufgefordert. Ab 1994 werden keine Großlagen-Bezeichnungen mehr verwendet, und ab dem Prädikat Auslese ist Handlese obligatorisch. 2002 verabschiedete die Mitgliederversammlung das Statut zur Klassifikation von Ersten Gewächsen und Großen Gewächsen.

Der Präsident des Verbandes ist seit 2007 Steffen Christmann. Im Mai 2012 zog die Bundesgeschäftsstelle des Verbandes in das denkmalgeschützte Weinlagergebäude des ehemaligen Zoll- und Binnenhafens der Stadt Mainz um.

Ebenfalls 2012 verabschiedeten die Mitglieder einstimmig eine neue Klassifikation, die die Qualität nach der Herkunft definieren soll und nicht, wie das Weingesetz von 1971 es änderte, nach dem Mostgewicht (Grad Oechsle). Die Klassifikation umfasst eine 4-stufige Pyramide – in manchen Regionen nur 3-stufig – beginnend mit den VDP.GUTSWEINEN, VDP.ORTSWEINEN, VDP.ERSTE LAGE sowie VDP.GROSSE LAGE. In den 3-stufigen Regionen findet sich keine VDP.ERSTE LAGE. Das VDP.GROSSE GEWÄCHS ist der beste trockene Wein aus einer VDP.GROSSEN LAGE. Ziel ist es, dass wirklich nur die herausragenden Lagen auf dem Etikett benannt werden. Das Weingesetz von 1971 kürzte die Liste der Lagen von einst ca. 30.000 Lagen in 4000 Groß- und Einzellagen. Ein „Piesporter Michelsberg“ ist eine solche Großlage, welche impliziert, dass der Wein von einer kleinen Lage kommt, obwohl diese ca. 1500 ha umfasst und somit keinerlei Aussagekraft hat. Die Klassifikation hat zusätzlich den Gebrauch von Prädikatsnamen - Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein - nur für die frucht- und edelsüßen Weine zugelassen. Somit bekommen diese Namen ihre ursprüngliche Bedeutung wieder, die sie vor dem Weingesetz von 1971 hatten. Über die Möglichkeit, die alten Katasternamen und zusätzlich geschützte Ursprungsbezeichnungen einzutragen, werden die Winzer ihre Lagen weiter aufsplitten können und nur die wahren Filetstücke als VDP.GROSSE LAGE bezeichnen.[2] Mit drei Neuaufnahmen wuchs die Anzahl der VDP-Mitgliedsberiebe 2014 auf über 200.[3]

Präsidenten des Verbandes[Bearbeiten]

Weingüter[Bearbeiten]

Folgende Weingüter sind Mitglieder (Stand 2014):

Ahr:

Baden:

Franken:

Hessische Bergstraße:

Mittelrhein:

Mosel, vormals Mosel-Saar-Ruwer

Nahe:

Rheingau:

Rheinhessen:

Pfalz:

Saale-Unstrut:

Sachsen:

Württemberg:

Traubenadler[Bearbeiten]

Siegel des VDP auf dem Hals einer Weinflasche

Der Traubenadler ist das Verbandssymbol. Es zeigt einen naturalistisch dargestellten Adler mit einer Weintraube im Schnabel. Seit 2003 wird er auch als Gütesiegel auf der Flaschenkapsel dargestellt. Er kennzeichnet Weine von Verbandsmitgliedern und soll als Gütesiegel eine terroirgeprägte, handwerkliche Weinbereitung signalisieren, die Eichenholzchips ausschließt und die Verwendung von Zusatzstoffen beschränkt. Weine aus dem Versuchsanbau des Verbandes erhalten das Siegel nicht.[4][5] Die Darstellung auf der Kapsel ist ein Piktogramm, das die Silhouette eines Adlers mir Weinbeeren im Brustbereich zeigt.

VDP-Trophy „Herkunft Deutschland“[Bearbeiten]

Die Prädikatsweingüter verleihen die VDP-Trophy „Herkunft Deutschland“ seit 2001 jährlich an herausragende Publizisten, die sich durch ihre Arbeit um den deutschen Wein verdient gemacht und dazu beigetragen haben, den deutschen Wein weltweit wieder salonfähig zu machen. Bisher wurde der Preis verliehen an:

Anmerkungen und Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Naturweine sind die Prädikatsweine von heute.
  2. Warum eine Klassifikation. veröffentlicht vom Verband deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter.
  3. Pressemeldung: [backPid=9&cHash=bf88104808 Der Traubenadler bekommt Zuwachs.] Die VDP.Prädikatsweingüter melden drei Neuaufnahmen zum 1.Januar 2014. VDP, abgerufen am 25. Januar 2014.
  4. Mitgliederversammlung der Prädikatsweingüter beschließt klare Positionierung. Der VDP-Traubenadler auf jeder Flaschenkapsel signalisiert eine terroirgeprägte, handwerkliche Weinbereitung. In: germanwine.de. 2006, abgerufen am 22. Oktober 2013.
  5. Was bedeuten 1 und "Traubenadler" des VDP? In: Die Welt. 11. Oktober 2009, abgerufen am 22. Oktober 2013.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Daniel Deckers: Im Zeichen des Traubenadlers: Eine Geschichte des deutschen Weins. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2010, ISBN 978-3-8053-4248-3
  • Theodor Böttiger: Die Weine Deutschlands. München 1974. ISBN 3-453-40152-2. (Weinregionen, Weinorte, Großlagen, Einzellagen: Weingüter unabhängig davon, ob Verbandsweine)

Weblinks[Bearbeiten]