Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter
Der Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter e. V. (VDP) ist eine Assoziation von ca. 200 Spitzenweingüter in Deutschland, der sich für verbindliche Qualitätsstandards und – seit 1990 – auch für die ökologische Bewirtschaftung der Weingüter seiner Mitglieder einsetzt.
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Geschichte [Bearbeiten]
Der Verband wurde 1910 als Verband Deutscher Naturweinversteigerer e. V. [1] gegründet. Erster Vorsitzender war Albert von Bruchhausen, Oberbürgermeister der Stadt Trier. Gründungsvereine waren:
- Verein der Naturwein-Versteigerer der Rheinpfalz, gegründet 1908
- Vereinigung Rheingauer Weingutsbesitzer, gegründet 1897 in Rüdesheim am Rhein
- Trierer Verein von Weingutsbesitzern der Mosel, Saar und Ruwer, gegründet 1908
- Verein Badischer Naturweinversteigerer, gegründet 1910
- Verein der Naturwein-Versteigerer in Hessen, gegründet 1900
- Verein der Naturwein-Versteigerer an der Nahe
Der Ausdruck Naturwein sollte den besonderen Standard hervorheben, den unter dem damaligen Weingesetz die Weine hatten, die die damals gängige Praxis der Zuckerung zur Erhöhung des natürlichen Alkoholgehaltes bewusst nicht teilten. Die Eintragung ins Vereinsregister erfolgte allerdings erst 1926. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren Deutscher Weine weltweit sehr gefragt und waren oftmals teurer als die immer noch berühmten Weine der z.B. großen Chateaux aus Bordeaux.
1934 wurde der Verein im Zuge der nationalsozialistischen Gleichschaltungspolitik in den „Reichsnährstand“ eingegliedert. 1935 wurde eine zweite Satzung beschlossen, die die Ziele des Verbandes erweiterte und konkretisierte:
- Regelung der Versteigerungsbedingungen und Termine
- gemeinsame Werbung
- Ausstellungen im In- und Ausland
- Austausch von Erfahrungen im Weinbau und in der Weinbehandlung
Der Zweite Weltkrieg unterbrach die Arbeit des Verbandes; der Weinvertrieb kam zum großen Teil zum erliegen, da jüdische Weinhändler sehr wichtig für den Verkauf waren. Erst 1949 nahm er durch Albert Bürklin seine Arbeit formell wieder auf. 1955 fand die erste Spitzenweinversteigerung in Wiesbaden statt. Die Regeln wurden in den folgenden Jahren verschärft, allerdings brachte das Weingesetz von 1971 einen schweren Rückschlag für den Verein, der sich in Verband Deutscher Prädikatswein-Versteigerer e. V. (VDPV) umbenennen musste, um dem Weingesetz Rechnung zu tragen. Insbesondere die ausschließliche Definition von Weinqualität durch Oechslegrade und die Bereichs- bzw. Großlagen-Regelung sollten in der Folge Großproduzenten die Arbeit erleichtern und für den Kunden äußerlich erkennbare Qualitätsmerkmale verschwinden lassen.
Unter Peter von Weymarn änderte der Verband seinen Namen in die aktuelle Bezeichnung. Ferner wandelte er sich in einen Zusammenschluss von Weingütern. Die Organisation von Weinversteigerungen rückte in den Hintergrund. Eine veränderte Satzung richtete 1972 den in Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) umbenannten Verein auf Imagepflege und Förderung des Qualitätsstrebens aus. 1978 übernahm Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau den Vorsitz, 1982 erfolgte die Umbenennung in Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter.
Ab 1990, unter Michael Prinz zu Salm-Salm, wurde der VDP und damit seine Mitglieder auf naturnahen Weinbau eingeschworen und zu einer Umstellung der Betriebspraxis aufgefordert. Ab 1994 werden keine Großlagen-Bezeichnungen mehr verwendet, und ab dem Prädikat Auslese ist Handlese obligatorisch. 2002 verabschiedete die Mitgliederversammlung das Statut zur Klassifikation von Ersten Gewächsen und Großen Gewächsen.
Der Präsident des Verbandes der Deutschen Prädikatsweingüter (VDP) ist seit 2007 Steffen Christmann. Im Mai 2012 zog die Bundesgeschäftsstelle des Verbandes in das denkmalgeschützte Weinlagergebäude des ehemaligen Zoll- und Binnenhafens der Stadt Mainz um.
Ebenfalls 2012 verabschiedeten die Mitglieder einstimmig eine neue Klassifikation, die die Qualität nach der Herkunft definieren soll und nicht, wie das Weingesetz von 1971 es änderte, nach den Oechsle-Werten. Die Klassifikation umfasst eine 4-stufige Pyramide - in manchen Regionen nur 3-stufig - beginnend mit den VDP.GUTSWEINEN, VDP.ORTSWEINEN, VDP.ERSTE LAGE sowie VDP.GROSSE LAGE. In den 3-stufigen Regionen findet sich keine VDP.ERSTE LAGE. Das VDP.GROSSE GEWÄCHS ist der beste trockene Wein aus einer VDP.GROSSEN LAGE. Ziel ist es, dass wirklich nur die herausragenden Lagen auf dem Etikett benannt werden. Das Weingesetz von 1971 kürzte die Liste der Lagen von einst ca. 30.000 Lagen in 4000 Groß - und Einzellagen. Ein "Piesporter Michelsberg" ist eine solche Großlage, welche impleziert, dass der Wein von einer kleinen Lage kommt, obwohl diese ca. 1500ha umfasst und somit keinerlei Aussagekraft hat. Die Klassifikation hat zusätzlich den Gebrauch von Prädikatsnamen - Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Trockenbeerenauslese, Eiswein - nur für die frucht- und edelsüßen Weine zugelassen. Somit bekommen diese Namen ihre ursprüngliche Bedeutung wieder, die Sie vor dem Weingesetz von 1971 hatten. Über die Möglichkeit die alten Katasternamen und zusätzlich geschützte Ursprungsbezeichnungen einzutragen, werden die Winzer ihre Lagen weiter aufsplitten können und nur die wahren Filetstücke als VDP.GROSSE LAGE bezeichnen. [2]
Präsidenten des Verbandes [Bearbeiten]
- 1910–1934: Albert von Bruchhausen
- 1934–1949: Jakob Werner
- 1949–1969: Albert Bürklin
- 1969–1972: Wolfgang Michel
- 1972–1978: Peter W. von Weymarn
- 1978–1990: Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau
- 1990–2007: Michael Prinz zu Salm-Salm
- seit 2007: Steffen Christmann
Weingüter [Bearbeiten]
Folgende Weingüter sind Mitglied im Verband (Stand 2013):
VDP-Trophy „Herkunft Deutschland“ [Bearbeiten]
Die Prädikatsweingüter verleihen die VDP-Trophy „Herkunft Deutschland“ seit 2001 jährlich an herausragende Publizisten, die sich durch ihre Arbeit um den deutschen Wein verdient gemacht und dazu beigetragen haben, den deutschen Wein weltweit wieder salonfähig zu machen. Bisher wurde der Preis verliehen an:
- 2001 sechs Journalisten der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für ihrer Serie „Bericht zur Lage“: Georg Küffner, Oliver Bock, Dr. Daniel Deckers, Dr. Horst Dohm, Alfred Behr, Dr. Roswin Finkenzeller
- 2002 die Zeitschriften Der Feinschmecker und Weingourmet
- 2003 den Weinführer Gault Millau Wein-Guide Deutschland und das Magazin Alles über Wein mit den Autoren Armin Diel und Joel Payne
- 2004 das Weinmagazin Vinum und dessen damaliger Redakteur Rudolf Knoll
- 2005 den britischen Weinkritiker Stuart Pigott
- 2006 den Hamburger Weinautor Mario Scheuermann
- 2009 den britischen Autor Freddy Price
Anmerkungen und Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Naturweine sind die Prädikatsweine von heute.
- ↑ Warum eine Klassifikation. veröffentlicht vom Verband deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- Daniel Deckers: Im Zeichen des Traubenadlers: Eine Geschichte des deutschen Weins. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2010, ISBN 978-3-8053-4248-3
- Theodor Böttiger: Die Weine Deutschlands. München 1974. ISBN 3-453-40152-2. (Weinregionen, Weinorte, Großlagen, Einzellagen: Weingüter unabhängig davon, ob Verbandsweine)