Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs
Der Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs (VSStÖ) ist eine sozialistische Studentenorganisation an den österreichischen Hochschulen und Fraktion in der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH). Derzeitige Bundesvorsitzende ist Mirijam Müller.
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[Bearbeiten] Geschichte
Als erste Vorläuferorganisation des VSStÖ konstituierte sich 1893 in Wien die Freie Vereinigung Sozialistischer Studenten. Gründungsobmann wurde Max Adler. Im Zuge der Revolution 1918/19 gründeten sich auch in Innsbruck und Graz sozialistische Studierendenorganisationen. 1922 schlossen sich die Gruppen in Wien, Graz und Innsbruck dem damals noch großdeutsch orientierten Verband Sozialistischer Studenten (ab 1929: Sozialistische Studentenschaft Deutschlands und Österreichs) an. In der Ersten Republik machte der Widerstand gegen deutschnationale und antisemitische Umtriebe an Österreichs Universitäten die sozialistischen Studierenden zu Zielscheiben rechtsextremer Gewalt. Im Austrofaschismus wurde der Verband verboten.
Nach 1945 war der wiedergegründete VSStÖ an der Gründung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) beteiligt. Bis in die zweite Hälfte der 1960er Jahre war der VSStÖ die einzige relevante nicht-konservative Studierendenorganisation in Österreich. Den Höhepunkt seiner Wahlergebnisse erreichte der Verband Anfang der 1980er Jahre dank der Universitätsreformen unter Kreisky und Wissenschaftsministerin Firnberg. Danach begann eine Serie von Wahlniederlagen bei den alle zwei Jahre stattfindenden ÖH-Wahlen, die bis Mitte der neunziger Jahre andauerte und parallel zum Niedergang der SPÖ verlief. Dennoch konnte der VSStÖ 1995 zusammen mit anderen linken und liberalen Gruppen erstmals die konservative Mehrheit an der ÖH-Spitze brechen und die Vorsitzende stellen. Nach den ÖH-Wahlen 2001 wurde abermals zusammen mit den Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) eine rot-grüne Koalition in der ÖH-Bundesvertretung gebildet, die 2003 und 2005 von den Studierenden wiedergewählt wurde. 2005 wurde der VSStÖ sogar erstmals mandatsstärkste Studentenvertretung, obwohl sie nicht stimmenstärkste Fraktion war und von dem neuen Wahlmodus profitierte. Bei der Wahl 2007 büßte der VSStÖ 4 Mandate ein, verlor so zwar seine Mandatsführerschaft, stellte aber gemeinsam mit der GRAS und den Fachschaftslisten Österreichs erneut die Exekutive. Nach erneuten Verlusten 2009 (minus 3) konnte der Verband 2011 wieder 4 Mandate dazugewinnen.
[Bearbeiten] Politische Position
Das politische Engagement erfolgt hauptsächlich im sozialpolitischen Bereich: Hier sind die Hauptforderungen die Abschaffung der Studiengebühren und eine bessere Studienförderung. Weitere Schwerpunkte sind die Frauenpolitik und die Gleichberechtigung ausländischer Studierender. Aktuell setzt sich der VSStÖ stark für einen offenen Hochschulzugang ein, der gerade an den Medizinischen Universitäten aber auch etwa in den Studien Psychologie, Betriebswirtschaft, Publizistik und Kommunikationswissenschaft durch Zugangsbeschränkungen gefährdet wird. Innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) tritt der VSStÖ für eine "linkere" Politik ein. Der VSStÖ ist Mitglied der International Union of Socialist Youth (IUSY) und der European Community Organisation of Socialist Youth (ECOSY).
[Bearbeiten] Wahlergebnisse
Der VSStÖ kandidiert bei den ÖH-Wahlen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die erreichten Prozente bei den vergangenen Wahlen.
| 1989 | 20,0 % |
| 1991 | 15,5 % |
| 1993 | 13,8 % |
| 1995 | 10,4 % |
| 1997 | 12,4 % |
| 1999 | 15,1 % |
| 2001 | 21,5 % |
| 2003 | 20,4 % |
| 2005 | 23 % (16 Mandate in der Bundesvertretung) |
| 2007 | 16,95 % (11 Mandate in der Bundesvertretung) |
| 2009 | 14,28 % (8 Mandate in der Bundesvertretung) |
[Bearbeiten] Exekutiven der ÖH-Bundesvertretung mit VSStÖ-Beteiligung
- 1995-1997 Koalition von VSStÖ, GRAS, LSF, FLÖ und KSV
- 2001-2003 Koalition von GRAS und VSStÖ (bis 2002 inkl. KSV)
- 2003-2005 Koalition von GRAS und VSStÖ
- 2005-2007 Koalition von VSStÖ und GRAS
- 2007-2008 Koalition von GRAS, FLÖ und VSStÖ (im Juni 2008 vorzeitig beendet)
- 2009-2011 Koalition von GRAS, FEST und VSStÖ
- seit 2011 Koalition von GRAS, FLÖ, VSStÖ und FEST
[Bearbeiten] Literatur zur Geschichte des VSStÖ
- Paulus Ebner und Karl Vocelka, Die zahme Revolution. '68 und was davon blieb, 1998
- Ariane Heilingsetzer, Maria Mesner, Heinz Rögl und Fritz Weber (Hrsg.), Zur Geschichte des Verbandes sozialistischer Studenten Österreichs (VSSTÖ) 1945–1970, 1989
- Wolfgang Speiser, Die sozialistischen Studenten Wiens 1927–1938, 1986
- Marie Tidl, Die Roten Studenten. Dokumente und Erinnerungen 1938–1945, 1976
- Helge Zoitl, "Student kommt von Studieren!" Zur Geschichte der sozialdemokratischen Studentenbewegung in Wien, 1992
- Hans-Peter Weingand/Werner Winkler, Diese Welt muss unser sein – Die sozialistischen Studierenden in Graz 1919-1991, Graz 1992
- Sigrid Nitsch, Die Entwicklung des allgemeinpolitischen Vertretungsanspruches innerhalb des Verbandes Sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ) in Wien im Zeitraum von 1965 bis 1973, 2004 (PDF-Datei; 2,46 MB)
[Bearbeiten] Bekannte (ehemalige) Bundesvorsitzende
- Karl Blecha
- Peter Jankowitsch
- Hannes Androsch
- Michael Häupl
- Karl Öllinger
- Kurt Stürzenbecher
- Günter Rehak
- Alexander Wrabetz
[Bearbeiten] Der VSStÖ an den Universitäten
2010 ist der VSStÖ in insgesamt 7 österreichischen Universitätsstädten vertreten.
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ http://www.vsstoe-wien.at/
- ↑ http://www.vsstoegraz.at
- ↑ http://linz.vsstoe.at/
- ↑ http://salzburg.vsstoe.at//
- ↑ http://www.vsstoe-kaernten.at/
- ↑ http://www.vaust.net/
- ↑ http://www.vsstoe-leoben.at/
[Bearbeiten] Weblinks
Klubs: AktionsGemeinschaft (AG) | Unabhängige Fachschaftslisten Österreichs (FLÖ) | Grüne & Alternative StudentInnen (GRAS) | Fraktion engagierter Studierender (FEST) | Verband sozialistischer StudentInnen Österreichs (VSStÖ) | Junge Liberale Österreich (JuLis)
Fraktionen ohne Klubstatus: Kommunistischer StudentInnenverband (KSV) | Kommunistischer StudentInnenverband - Linke Liste (KSV-LiLi) | Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) | mach’s angewandt (MACH)