Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs

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Der Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs (VSStÖ) ist eine sozialistische Studentenorganisation an den österreichischen Hochschulen und Fraktion in der Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH). Der VSStÖ ist statutarisch in den Parteistrukturen der SPÖ verankert und stellt drei ordentliche Delegierte beim SPÖ-Bundesparteitag.[1] Derzeitige Bundesvorsitzende ist Jessica Müller.

Geschichte[Bearbeiten]

Foto von der VSStÖ Gründung

Als erste Vorläuferorganisation des VSStÖ konstituierte sich 1893 in Wien die Freie Vereinigung Sozialistischer Studenten. Gründungsobmann wurde Max Adler. Im Zuge der Revolution 1918/19 gründeten sich auch in Innsbruck und Graz sozialistische Studierendenorganisationen. 1922 schlossen sich die Gruppen in Wien, Graz und Innsbruck dem damals noch großdeutsch orientierten Verband Sozialistischer Studenten (ab 1929: Sozialistische Studentenschaft Deutschlands und Österreichs) an. In der Ersten Republik machte der Widerstand gegen deutschnationale und antisemitische Umtriebe an Österreichs Universitäten die sozialistischen Studierenden zu Zielscheiben rechtsextremer Gewalt. Im Austrofaschismus wurde der Verband verboten.

Nach 1945 war der wiedergegründete VSStÖ an der Gründung der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) beteiligt. Bis in die zweite Hälfte der 1960er Jahre war der VSStÖ die einzige relevante nicht-konservative Studierendenorganisation in Österreich. Der VSStÖ kämpfte – relativ erfolglos – gegen die Rückkehr von (ehemaligen) Nazis an die Hochschulen und die Verbreitung von nazistischem Gedankengut in Lehrveranstaltungen an. Mitte der sechziger Jahre schrieb zum Beispiel das damalige VSStÖ-Mitglied und spätere Finanzminister Ferdinand Lacina die antisemitischen Äußerungen des Wiener Wirtschaftsprofessors Taras Borodajkewycz in einer Vorlesung mit. Nach politischen Turbulenzen und heftigen Protesten, die vor allem auf Wirken des späteren Bundespräsidenten Heinz Fischer ins Rollen kamen, wurde 1965 bei einer Demonstration der ehemalige KZ-Häftling und Widerstandskämpfer Ernst Kirchweger von einem Burschenschafter erschlagen. Kirchweger, der selbst an der Demonstration gar nicht teilnahm, ist das erste Todesopfer politischer Gewalt in der Zweiten Republik. Daraufhin musste der rechtsextreme Professor abtreten.[2]

Den Höhepunkt seiner Wahlergebnisse erreichte der Verband Anfang der 1980er Jahre dank der Universitätsreformen unter Bruno Kreisky und Wissenschaftsministerin Firnberg. Danach begann eine Serie von Wahlniederlagen bei den alle zwei Jahre stattfindenden ÖH-Wahlen, die bis Mitte der neunziger Jahre andauerte und parallel zum Niedergang der SPÖ verlief. Dennoch konnte der VSStÖ 1995 zusammen mit anderen linken und liberalen Gruppen erstmals die konservative Mehrheit an der ÖH-Spitze brechen und die Vorsitzende stellen. Nach den ÖH-Wahlen 2001 wurde abermals zusammen mit den Grünen & Alternativen StudentInnen (GRAS) eine rot-grüne Koalition in der ÖH-Bundesvertretung gebildet, die 2003 und 2005 von den Studierenden wiedergewählt wurde. 2005 wurde der VSStÖ sogar erstmals mandatsstärkste Studentenvertretung, obwohl sie nicht stimmenstärkste Fraktion war und von dem neuen Wahlmodus profitierte. Bei der Wahl 2007 büßte der VSStÖ 4 Mandate ein, verlor so zwar seine Mandatsführerschaft, stellte aber gemeinsam mit der GRAS und den Fachschaftslisten Österreichs erneut die Exekutive. Nach erneuten Verlusten 2009 (minus 3) konnte der Verband 2011 wieder 4 Mandate dazugewinnen. Bei den Wahlen 2013 hielt er die 12 Mandate in der Bundesvertretung.

Politische Position[Bearbeiten]

Das politische Engagement erfolgt hauptsächlich im sozialpolitischen Bereich: Hier sind die Hauptforderungen die Abschaffung der Studiengebühren und eine bessere Studienförderung. Weitere Schwerpunkte sind die Frauenpolitik und die Gleichberechtigung ausländischer Studierender. Aktuell setzt sich der VSStÖ stark für einen offenen Hochschulzugang ein, der gerade an den Medizinischen Universitäten aber auch etwa in den Studien Psychologie, Betriebswirtschaft, Publizistik und Kommunikationswissenschaft durch Zugangsbeschränkungen gefährdet wird. Innerhalb der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) tritt der VSStÖ für eine "linkere" Politik ein. Der VSStÖ ist Mitglied der International Union of Socialist Youth (IUSY) und der Young European Socialists (YES).

Wahlergebnisse[Bearbeiten]

Der VSStÖ kandidiert bei den ÖH-Wahlen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die erreichten Prozente bei den vergangenen Wahlen.

1989 20,0 %
1991 15,5 %
1993 13,8 %
1995 10,4 %
1997 12,4 %
1999 15,1 %
2001 21,5 %
2003 20,4 %
2005 23 % (16 Mandate in der Bundesvertretung)
2007 16,95 % (11 Mandate in der Bundesvertretung)
2009 14,28 % (8 Mandate in der Bundesvertretung)
2011 17,48 % (12 Mandate in der Bundesvertretung)
2013 17,04 % (12 Mandate in der Bundesvertretung)

Exekutiven der ÖH-Bundesvertretung mit VSStÖ-Beteiligung[Bearbeiten]

  • 1995-1997 Koalition von VSStÖ, GRAS, LSF, FLÖ und KSV
  • 2001-2003 Koalition von GRAS und VSStÖ (bis 2002 inkl. KSV)
  • 2003-2005 Koalition von GRAS und VSStÖ
  • 2005-2007 Koalition von VSStÖ und GRAS
  • 2007-2008 Koalition von GRAS, FLÖ und VSStÖ (im Juni 2008 vorzeitig beendet)
  • 2009-2011 Koalition von GRAS, FEST und VSStÖ
  • seit 2011 Koalition von GRAS, FLÖ, VSStÖ und FEST

Literatur zur Geschichte des VSStÖ[Bearbeiten]

Bekannte (ehemalige) Bundesvorsitzende[Bearbeiten]

Der VSStÖ an den Universitäten[Bearbeiten]

2012 ist der VSStÖ in insgesamt 7 österreichischen Universitätsstädten vertreten.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. SPÖ Organisationsstatut (PDF; 235 kB), Download von der SPÖ-Homepage, abgerufen am 28. März 2013.
  2. http://rotbewegt.at/#/epoche/einst-jetzt/artikel/die-geschichte-des-verband-sozialistischer-student_innen-vssto
  3. http://www.vsstoe-wien.at/
  4. http://www.vsstoegraz.at
  5. http://linz.vsstoe.at/
  6. http://salzburg.vsstoe.at//
  7. http://www.vsstoe-kaernten.at/
  8. http://ibk.vsstoe.at//
  9. http://www.vsstoe-leoben.at/

Weblinks[Bearbeiten]