Verbindung Normannia Tübingen

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Verbindung Normannia zu Tübingen ist eine 1841 gegründete Studentenverbindung an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Die Wurzeln der Verbindung Normannia liegen in der Tübinger Burschenschaftsbewegung von 1816. Der Name „Normannia“ ist eine Latinisierung des zuvorigen Verbindungsnamens „Nordland“, der auf die frühere Kneiplokalität der Verbindung, „Nördlingerei“, zurückgeht. Seit 1905 verfügt die Verbindung über ein eigenes Haus.

Prinzipien, Couleur[Bearbeiten]

Die Normannia ist eine farbentragende, nicht-schlagende (seit 1945) und dachverbandsfreie Verbindung männlicher Studenten nach dem Lebensbundprinzip. Die Farben der Verbindung sind Rot-Gold-Weiß. Bestandteil des Paniers (im Herzschild) sind außerdem die Farben Schwarz-Rot-Gold (Ursprünglich Schwarz-Gold-Rot). Das Band ist golden perkussioniert. Ihr Wahlspruch lautet „vigor – virtus – libertas“ (Lebenskraft – TugendFreiheit). Die Verbindung ist konfessionell und politisch neutral. Die Verbindung verzichtet auf das Verhältnis „Fux-Bursch“. Die endgültige Aufnahme der Neumitglieder erfolgt nach einer Probezeit von 2 Semestern. Die Mitglieder pflegen das Dichten und Reiten.

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Ihre Wurzeln hat Normannia in den frühen Jahren der Burschenschaft Germania Tübingen. 1833 wurde die Germania zu großen Teilen von Studenten des Tübinger Stifts getragen. Aufgrund der Auflösung des Verrufs der Corps gegenüber der Burschenschaft und dem damit einhergehenden, für die Theologiestudenten des Stifts untragbaren Paukverhältnisses, traten 1832 15 bis 20 Stiftler bei Germania aus und gründeten 1833 mit anderen Stiftlern eine Gesellschaft der Patrioten, den eigentlichen Vorläufer des Nordland.[1]

Die Patrioten konstituierten sich auf burschenschaftlichen Grundsätzen und trugen die Farben schwarz-gold-rot. Sie änderte im Laufe der Zeit ihren Namen zur Schmidtei, der sich auch eine Fuchsia (schwarz-rot-gold, gegründet am 14. Februar 1835) im jahr 1837 anschloss. Da der Stiftsleitung das freiere Leben in dieser Gruppierung nicht behagte, wurde sie durch diese 1840 gewaltsam aufgelöst.

Nordland[Bearbeiten]

Aus den ehemaligen Mitgliedern der Patrioten heraus gründete sich am 27. August 1841 die Verbindung Nordland. Im Mai 1847 beteiligte sich der Nordland an der Schutzwache der Korporationen im „Gogenkrieg“, in dem die Gogen mit Aufständen gegen die Teuerung protestieren. Die Schutzwache wurde danach in Bereitschaft gehalten und zum Kern der Studentenkorps in der 48er-Revolution. 1851 werden auch Nicht-Stiftler (sog. Stadtstudenten), die bis dato lediglich den Status von Kneipgästen innehatten, als Vollmitglieder aufgenommen. Stadtstudenten war im Gegensatz zu den Stiftlern das Schlagen von Mensuren erlaubt.

Die Revolution von 1848[Bearbeiten]

Als die Nachricht vom Sturz des französischen Bürgerkönigs Louis Philippe in Tübingen bekannt wird, löst dies eine Welle der Begeisterung aus. Die von Adolf Bacmeister redigierte Kneipzeitung des Nordland wird mit der französischen Trikolore geschmückt, Bacmeister ruft darin zum Kampf um die Freiheit auf. Schließlich entweicht Bacmeister aus dem Stift, um seinem Drang, in der Welt für die Sache der Freiheit zu wirken, nachzugeben. Er geht nach Straßburg und schließt sich der Herwegh’schen Freischar an. Bei einem Gefecht im südlichen Schwarzwald wird Bacmeister daraufhin gefangengenommen und ins Bruchsaler Gefängnis, dann auf den Hohenasperg gebracht und von dort wieder entlassen.

Während dieser Zeit herrscht im Nordland nachweisbar eine demokratische Gesinnung, Redner des Nordlands beteiligen sich bei den von Professoren und Studenten organisierten Bürgerversammlungen. Es gibt zwei politische Lager: die vaterländischen Vereine und die Volksvereine, vom in Frankfurt gebildeten Parteiwesen inspiriert. Der Nordländer Heinrich Lang wirft in einer Rede das Wort Republik ins Publikum, was einen Sturm der Entrüstung und die Spaltung der beiden Lager hervorruft. Die Vaterländischen verlassen den Saal, mit dem Rest gründet Lang einen demokratischen Verein, der verboten, aber als Volksverein wiedergegründet wird. Lang widmet sich fortan nur noch der Politik, hält Reden und verfasst Flugblätter. Verfolgt von der Polizei, setzt er sich in die Schweiz ab und wird dort Pfarrer.

Im Frühjahr 1849 scheitert die Frankfurter Nationalversammlung, woraufhin die Demokratische Partei im Süden eine gewaltsame Durchführung der beschlossenen Reichsverfassung versucht. Der Tübinger Volksverein erklärt Preußen zum Reichsfeind und fordert den Anschluss Württembergs an die aufständischen Länder Baden und Pfalz. Die schwäbischen Demokraten ziehen nach Stuttgart, doch Regierung und Kammer lassen sich nicht einschüchtern.

Am 9. Juni beschließt das akademische Freikorps, sich der von der Nationalversammlung eingesetzten Reichsregentschaft als der gesetzlichen Oberbehörde zur Verfügung zu stellen. Schließlich lösen aber nicht alle Studenten ihr Versprechen ein.

Am 19. Juni verlässt eine Schar von 50 Studenten und Arbeitern Tübingen, um ins Badische zu ziehen. Der Nordland stellt ein beträchtliches Kontingent, sogar sieben Stiftler ziehen mit. Der Nordländer Wilhelm Rapp (1828–1907), nach Lang neuer Vorsitzender des Tübinger Volksvereins, blickt in Gernsbach auf die kleine Schar und fordert von dort aus einem Aufruf „an die ledige Mannschaft Tübingens“, ihnen zu folgen. In Forbach schließen sich am 26. Juni Freischärler aus Horb a.N. an.

Die Schar treibt sich im Badischen herum, ohne jedoch auf die Preußen zu stoßen, und wird allmählich gegen die Schweizer Grenze gedrängt. Ein Teil geht dort am 11. Juli über die Grenze und findet sich bei Heinrich Lang ein, der Rest geht nach Hause und stellt sich seiner Karzerstrafe. Nach einiger Zeit zieht es die Exilanten nach Hause, Rapp bleibt aber in der Schweiz und tritt eine Lehrstelle an. Nach etwas mehr als einem Jahr zieht es auch ihn in die Heimat, unter anderem um sich zu stellen, woraufhin er aber in Geislingen verhaftet und auf dem Hohenasperg eingekerkert wird. Rapp wandert später nach Amerika aus und wird u. a. Herausgeber deutschsprachiger Zeitungen in Cincinnati und Baltimore sowie der „Illinois Staats-Zeitung“ (Chicago). Die Revolution hat sich schließlich verlaufen.

Normannia[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

1861 treten Mitglieder nach einem Streit aus dem Nordland aus und gründen mit den Mitgliedern der Gesellschaft Döblia am 18. November 1861 die Verbindung Normannia. 1862 löst sich daraufhin der Nordland auf. Im Jahre 1877 erkennen sich schließlich Nordland und Normannia gegenseitig als Mutter- und Tochterverbindung an, die Fahne des Nordlands geht über in die Obhut der Normannia. Das Gründungsdatum wird auf das Jahr 1841 zurückdatiert. Im Jahre 1905 wird das heute unter Denkmalschutz stehende Haus der Verbindung fertiggestellt. In den 1920er Jahren wird der Trinkcomment abgeschafft.

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Infolge der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 schließt sich die Verbindung Normannia 1934 der Deutschen Burschenschaft an, um der Gleichschaltung der Verbindungen im NSDStB zu entgehen, aus der sie aber bereits 1935 wieder austritt, nachdem die DB gerade doch im NSDStB aufzugehen droht. In dieser Zeit firmiert Normannia als Burschenschaft. 1936 muss sich die Normannia schließlich auflösen und das Haus verkaufen, in das eine Reichsbräuteschule einzieht. Danach wird die Normannia bis 1945 mit der Landsmannschaft Ghibellinia in der Kameradschaft Langemark zusammengefasst, in der das Aktivenleben unter der Hand fortgesetzt wird.

Wiedergründung[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Verbindung Normannia 1946 wiedergegründet. Das „bedingte Satisfaktionsprinzip“ (Mensurfechten/Schlagen) sowie der Chargenwichs werden abgeschafft. Die Rückgabe des Hauses wird im Sommersemester 1953 erreicht. Ab dem Sommersemester 1957 wird auch die Mütze nicht mehr getragen, zu offiziellen Anlässen tragen die Mitglieder lediglich das Band.

Im Jahre 1969 wird der Fuxenstatus abgeschafft. Die Aktivitas solidarisiert sich mit der damaligen Studentenbewegung und setzt bei Erlass der Notstandsgesetze 1968 ihre Flagge auf Halbmast.

Seit 1992 darf die Mütze (weiß mit goldrotem Präpuz) wieder zu ausgewählten Veranstaltungen getragen werden. In den 1990er Jahren engagiert sich die Aktivitas gegen rechtsextreme Tendenzen bei Mitgliedsbünden der Deutschen Burschenschaft. 1997 wird das Normannenhaus unter Denkmalschutz gestellt.

Bekannte Normannen[Bearbeiten]

Nach Geburtsjahr geordnet

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Hilden 2005, S. 383–384.
  • Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Sigmaringen 1996 (Contubernium - Tübinger Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte Bd. 44) ISBN 3-51508-022-8.
  • Wilhelm von Camerer: Die Gründung der Normannia und die Zeit bis Herbst 1863. Stuttgart 1899.
  • Wilhelm Lang: Die Geschichte der Verbindung Nordland zu Tübingen 1841–1861. Cannstatt 1914.
  • Wilhelm Lang: Die Tübinger Feuerreiter 1828–1833. In: Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung. 1912, Band 3, S. 84–87.
  • Georg Schmidgall: Das historische Zimmer der Tübinger Normannia. 1924.
  • Georg Schmidgall: Die alte Tübinger Burschenschaft 1816–1828. In: Quellen und Darstellungen zur Geschichte der Burschenschaft und der deutschen Einheitsbewegung. 1940, Band 17, S.1–187.
  • Georg Schmidgall: Die Tübinger Normannia als burschenschaftliche Verbindung. Tuttlingen 1905.
  • Georg Schmidgall: Die Tübinger Stiftler und ihre Verbindungen zur Zeit der Befreiungskriege. In: Beiträge zur Tübinger Studentengeschichte. 2. Folge, Heft 3, Februar 1939.
  • Georg Schmidgall: Zur Vorgeschichte der Tübinger Normannia, ihrer Farben und ihres Wappens. Stuttgart 1919.
  • Verein Alter Tübinger Normannen: Gedenkbuch der Tübinger Normannia für ihre Gefallenen. Stuttgart 1921.
  • Paul Wanner für den Verein Alter Tübinger Normannen Weiße Mütze, buntes Band. Gedächtnis und Vermächtnis. Stuttgart 1941.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken, S. 383
  2. Kurzbiographie auf der Bach Cantatas Website (engl.)
  3. Matthias Wolfes: Mezger, Paul Heinrich Wilhelm Albert. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 17, Bautz, Herzberg 2000, ISBN 3-88309-080-8, Sp. 969–976.
  4. Klaus-Gunther Wesseling: Kirn, Otto. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 3, Bautz, Herzberg 1992, ISBN 3-88309-035-2, Sp. 1529–1530.
  5. Kurzbiographie bei Munzinger Online
  6. Kurzbiographie bei Munzinger Online

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]