Verdacht (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Verdacht
Originaltitel Suspicion
Verdacht Logo 001.svg
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1941
Länge 99 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Alfred Hitchcock
Drehbuch Samson Raphaelson,
Joan Harrison,
Alma Reville
Produktion Harry E. Edington
für RKO Pictures
Musik Franz Waxman
Kamera Harry Stradling
Schnitt William Hamilton
Besetzung

Verdacht ist ein Psychothriller von Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1941 mit Cary Grant und Joan Fontaine in den Hauptrollen. Die Romanvorlage Vor der Tat (Before the Fact) schrieb Anthony Berkeley unter dem Pseudonym Francis Iles. Der Film wurde von RKO produziert.

Handlung[Bearbeiten]

Johnny Aysgarth – ein gutaussehender, redseliger, junger Mann – trifft während einer Zugfahrt auf die schüchterne Lina McLaidlaw. In einem Buch entdeckt sie ihn auf einem Foto an der Seite seiner Mutter, beide scheinen von adliger Abstammung, zumindest aber strotzen sie vor Reichtum. Etwas später kommt es auf einer Jagd zu einem Wiedersehen. Johnny ist offensichtlich ein Mädchenschwarm, jede scheint ihn zu kennen und an jeder scheint er interessiert. Er macht Lina den Hof, und beide heiraten kurz darauf.

Doch das Glück ist von kurzer Dauer. Lina muss entdecken, dass ihr Mann nicht das ist, was er zu sein vorgibt. Johnny ist ein Spieler und völlig bankrott. Er verspricht ihr jedoch, mit den Pferdewetten aufzuhören und eine Arbeit anzufangen. Als eines Tages Johnnys bester Freund Beaky auftaucht, schenkt sie dessen zweideutigen Anspielungen auf die Lügenkünste ihres Mannes kaum Beachtung. Die Ungereimtheiten nehmen jedoch zu, und sie beginnt, an ihm zu zweifeln. Durch Zufall erfährt sie bei einem Ausflug in die Stadt, dass ihr Mann wegen Unterschlagung bereits seit sechs Wochen von seiner Arbeit entlassen wurde.

Lina möchte ihn zur Rede stellen, als überraschenderweise ihr Vater stirbt. Als sich Johnny etwas enttäuscht über die mickrige Erbschaft äußert, stellt sie ihn zur Rede. Doch wieder ist sie bereit, ihm seine Lügen zu verzeihen und seine fadenscheinigen Entschuldigungen anzunehmen.

Dann kommt unter mysteriösen Umständen Beaky um, kurz nachdem er zusammen mit Johnny eine Firma gegründet hat. Lina verdächtigt ihren Mann, sie fängt an, heimlich seine Post zu lesen und versteigt sich schließlich in die Überzeugung, ihr Mann wolle sie vergiften, um an ihre Lebensversicherung zu kommen.

Sie packt ihre Sachen und möchte zu ihrer Mutter flüchten, Johnny besteht jedoch darauf, sie zu fahren. Bei der Fahrt entlang der steilen Felsenklippe steigert sich ihr Verdacht in panische Todesangst. Es kommt zu einer endgültigen Aussprache, bei der Johnny sagt, dass er sich die ganze Zeit selber umbringen wollte. Somit werden die ganzen Anzeichen für einen bevorstehenden Mord in einer anderen Perspektive gezeigt. Am Ende versöhnt sich das Ehepaar.

Hintergrund[Bearbeiten]

Der Roman von Francis Iles sah ein völlig anderes Ende vor: Lina trinkt Milch in vollem Bewusstsein ihrer tödlichen Zutat und schickt ihren weinenden Mann hinaus. Lina nimmt so ihrem mörderischen, nun aber zaudernden Gatten die Entscheidung über ihr Ende aus der Hand. Das Buch schließt mit den Worten: „It did seem a pity that she had to die, when she would have liked so much to live.“ (deutsch: „Es war wirklich schade, dass sie sterben musste, wo sie doch so gerne gelebt hätte.“), mit denen der Mörder nichtsahnend einen ihn entlarvenden Brief Linas in den Kasten wirft.

Ein solches Ende galt in der amerikanischen Filmwelt von 1941 als unattraktiv – weder Hays Code, noch große Teile des Publikums, noch Cary Grant selber hätten ihn als kaltblütigen Frauenmörder akzeptiert; es musste also ein Happy End her. Als jedoch ein leitender RKO-Mitarbeiter nach rigoroser Entfernung jeglichen Verdachts gegen den Hauptdarsteller die Hitchcock-Fassung auf weniger als 60 Minuten zusammenschnitt, gestattete der Chef des Studios dem Regisseur, die meisten der eliminierten Szenen wieder einzufügen.[1] So kam der Film mit dem recht abrupten Happy End in die Kinos.

In seinem Gespräch mit François Truffaut gab Hitchcock zu, den Schluss des Films nicht zu mögen. „Ich hatte einen anderen, der ganz verschieden war von dem des Romans. Wenn am Ende des Films Cary Grant Joan Fontaine das Glas vergiftete Milch bringt, hätte sie gerade einen Brief schreiben sollen, und zwar an ihre Mutter: Liebe Mutter, ich liebe ihn wahnsinnig, aber ich will nicht mehr länger leben. Er will mich töten, und da will ich lieber sterben. Aber ich finde, die Gesellschaft muss vor ihm geschützt werden.“ Hitchcock hatte vor, dass sie Cary Grant bittet, den Brief abzuschicken, was dieser auch nichtsahnend tut.[2] Hitchcock hob auch die Leistungen Joan Fontaines hervor: „Gleich bei den ersten Aufnahmen (...) wusste ich, dass sie der Figur am nächsten kam. Anfangs fand ich, dass sie sich ihrer schauspielerischen Fähigkeiten wenig bewusst war, aber ich sah, dass sie das Talent zu einem kontrollierten Spiel besaß, und hielt sie für fähig, die Rolle auf eine stille, scheue Weise zu verkörpern“.[3]

Kritiken[Bearbeiten]

  • Lexikon des Internationalen Films: „Ein leiser, von meisterhafter Spannungssteigerung durch immer neue Verdachtsmomente beherrschter Hitchcock-Film.“
  • Süddeutsche Zeitung: „Der nachmalige Hochspannungskünstler Alfred Hitchcock setzte damals noch ganz auf die psychologische Nuance.“

Sonstiges[Bearbeiten]

Hitchcock selbst hat wie üblich einen Cameo-Auftritt, als er einen Brief im örtlichen Postamt einwirft.

In der Szene, in der Johnny die Treppe hinaufsteigt, um Lina das Glas Milch zu bringen, erzielte Hitchcock die Überhöhung der Requisite – das Leuchten des vermeintlich tödlichen Getränks –, indem er ein Lämpchen in der Flüssigkeit installierte.

Der Hund im Film ist ein Sealyham Terrier. Hitchcock hielt selber mehrere Jahre lang Sealyhams. Auch in seinem Film Die Vögel begleiten Sealyhams seinen Cameo-Auftritt beim Verlassen des Zoogeschäfts.

Am 14. November 1941 wurde der Film in den Vereinigten Staaten uraufgeführt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Francis Iles [Anthony Berkeley]: Vor der Tat. Ein klassischer Kriminalroman aus dem Jahre 1932 (OT: Before the fact). Heyne, München 1979, ISBN 3-453-10435-8
  • Robert A. Harris, Michael S. Lasky, Hrsg. Joe Hembus: Alfred Hitchcock und seine Filme (OT: The Films of Alfred Hitchcock). Citadel-Filmbuch bei Goldmann, München 1976, ISBN 3-442-10201-4
  • François Truffaut: Mr. Hitchcock, wie haben Sie das gemacht? Heyne, 1999 (erweiterte Neuausgabe)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Robert A. Harris, Michael S. Lasky, Joe Hembus (Hrsg.): Alfred Hitchcock und seine Filme. Wilhelm Goldmann Verlag, München 1976 (Originalausgabe).
  2. Zit. nach Hitchcock/Truffaut, S. 131 f.
  3. Zit. nach Hitchcock/Truffaut, S. 130.

Weblinks[Bearbeiten]