Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V.
(VVN-BdA)
VVN-BdA logo.jpg
Zweck:
Vorsitz: Cornelia Kerth, Axel Holz
Gründungsdatum: 1947
Mitgliederzahl: 5800[1]
Sitz: Berlin
Website: www.vvn-bda.de

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e. V.) ist ein 1947 gegründeter Verband mit Sitz in Berlin. Die VVN-BdA, ursprünglich VVN, ging aus Opferverbänden hervor, die nach dem Ende der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland von Opfern des NS-Systems gegründet wurden.

Im Westen galt die KPD-dominierte Vereinigung als kommunistische Tarnorganisation; im Osten unterstellte man Mitgliedern Spionagetätigkeit. Viele ehemalige Verfolgte verließen die Vereinigung oder wurden ausgeschlossen. In der DDR wurde die VVN 1953 aufgelöst und das Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer gegründet.

Seit 2002 gibt es eine gesamtdeutsche Vereinigung, zu deren Mitgliedsverbänden auch die Lagergemeinschaften ehemaliger Häftlinge aus den Konzentrationslagern gehören. Die VVN-BdA ist nach eigenen Angaben die größte antifaschistische Organisation in der Bundesrepublik.[2]

Vereinszweck[Bearbeiten]

Die VVN bezeichnet sich als überparteiliche und unabhängige Organisation, die den Widerstand gegen Faschismus und Krieg zu ihrem wesentlichen moralischen Grundsatz gemacht hat. In Westdeutschland galt sie in den 1950er Jahren als in der Führungsebene von der KPD und seit 1968 als von der DKP geprägte Organisation, wobei ihre Mitgliederschaft sich von orthodoxen Kommunisten, Die Linke-Mitgliedern und Parteilosen über Bündnisgrüne bis hin zu Sozialdemokraten (trotz eines bis 25. Oktober 2010 bestehenden Unvereinbarkeitsbeschlusses der SPD) erstreckt.

Die VVN-BdA will Widerstand leisten gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus, die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexueller Orientierung oder Weltanschauung und gegen die Bedrohung für deren Leib und Leben. Sie gibt die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift antifa heraus. Ehrenpräsidenten der Vereinigung waren bzw. sind u. a. Alfred Hausser, Kurt Goldstein, Hans Lauter und Esther Bejarano.[3]

Die VVN-BdA ist Mitglied der Fédération Internationale des Résistants (Internationale Föderation der Widerstandskämpfer, FIR). Sie gehört auch der Kooperation für den Frieden an.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Altes Abzeichen der VVN

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bildeten sich Selbsthilfegruppen ehemaliger Widerstandskämpfer in „antifaschistischen Ausschüssen“, die umgehend von den Militäradministrationen aller vier Zonen verboten wurden. Stattdessen unterstützten sie die Betreuung der etwa 200.000 bis 250.000 ehemaligen politisch Verfolgten durch die Sozialverwaltungen.

Am 26. Juni 1945 wurde in Stuttgart eine „Vereinigung der politischen Gefangenen und Verfolgten des Nazi-Systems“ gegründet. In den folgenden Wochen und Monaten entstanden in allen vier Besatzungszonen mit Genehmigung der alliierten Siegermächte regionale Gruppen politischer Häftlinge und ehemaliger Verfolgter. Ihr Anliegen war, neben der sozialen Hilfe für ehemalige Verfolgte, ein politisches: Die Gruppen sollten eine Stimme des Widerstandes, das politische und moralische Gewicht der politischen Gegner des Nationalsozialismus in den antifaschistisch-demokratischen Neubeginn des Nachkriegsdeutschlands einbringen.

Die Initiative zur Gründung ging von Vertretern der Arbeiterparteien aus, die in Betreuungsstellen für politisch, religiös und rassisch Verfolgte bzw. den OdF-Ausschüssen direkten Kontakt zu den Betroffenen hatten. „Über alle Schichten, Konfessionen und Rassen und Parteien hinweg schließen sich die Kämpfer gegen den Nazismus und die vom Nazi-Regime Verfolgten zu einer überparteilichen Organisation zur Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) zusammen“, hieß es in dem ersten Programm vom August 1946.

Vom 20. bis 22. Juli 1946 trafen sich Vertreter von Verfolgtenverbänden aus allen vier Zonen in Frankfurt/M. und verabschiedeten eine Satzung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). In Düsseldorf wurde am 26. Oktober 1946 der erste Landesverband (Nordrhein-Westfalen) der VVN gegründet. In den Wintermonaten entstanden weitere Landes- und Zonenverbände, so am 22. und 23. Februar 1947 im Haus der deutschen Zentralverwaltung in Berlin die VVN für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ)[5] und am 25. Februar 1947 in Gießen die VVN Hessen.

Auf der „1. Interzonalen Länderkonferenz der VVN“ vom 15. bis 17. März 1947 in Frankfurt konstituierten schließlich 68 Delegierte aus allen vier Besatzungszonen und der Stadt Berlin eine gesamtdeutsche Organisation, an deren Spitze ein „Gesamtdeutscher Rat“ stand. Als gleichberechtigte Geschäftsführer des Rates wurden Hans Schwarz (Hamburg) und Karl Raddatz (Berlin), der bereits Generalsekretär der VVN in der SBZ war, gewählt.

Auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone wurden die SMAD-Befehle Nr. 28 vom 28. Januar 1947 und Nr. 92 vom 22. April 1947 zur Wiedergutmachung erlassen. Der SMAD-Befehl Nr. 228 vom 30. Juli 1946 annullierte die Urteile in politischen Verfahren der Nationalsozialisten und erleichterte damit die juristische Rehabilitierung; spätere Verordnungen über den Wiedererwerb der deutschen Staatsbürgerschaft erleichterten die Rückkehr ausgebürgerter Emigranten nach Deutschland. Eine ähnliche, wenn auch zögerlichere Entwicklung betrieben auch die Administrationen der westlichen Besatzungszonen.[6]

Der Rote Winkel – das Kennzeichen der politischen Häftlinge in den Konzentrationslagern – wurde zum Abzeichen der VVN. Ziel der Organisation war die Betreuung der ehemaligen Häftlinge, worauf sich die zusammengeschlossenen Häftlinge aber nicht beschränken wollten. Den Terror, den sie am eigenen Leib erfahren hatten, wollten sie getreu dem Schwur von Buchenwald nie wieder Wirklichkeit werden lassen: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Die SPD-Führung um Kurt Schumacher verkündete 1948 einen Unvereinbarkeitsbeschluss für Sozialdemokraten, der am 25. Oktober 2010 durch Beschluss des Parteivorstandes aufgehoben wurde.[7] Dennoch blieben vielfach SPD-Mitglieder in der Organisation. Die Austritte prominenter Gegner des Nationalsozialismus wie Eugen Kogon, Heinz Galinski und Philipp Auerbach aus politischen Gründen führten zu einer politischen Verengung der Organisation.

Entwicklung in der DDR[Bearbeiten]

VVN-Denkmal in Teltow

In der SBZ und der DDR warf man im Zuge der stalinistischen Säuberungswellen in der SED 1949/1950/1951 führenden Mitgliedern der VVN Agententätigkeit vor. Auch die VVN wurde auf allen Ebenen bis zur Spitze überprüft.[8]

Im Zusammenhang mit dem Slánský-Prozess Ende 1952 in der ČSR gab es eine steigende antisemitische Tendenz in der Politik der DDR-Führung, die sich auch gegen jüdische Kommunisten richtete, die nach 1933 in westliche Staaten geflohen waren. Vor drohender Verfolgung flohen die SED-Mitglieder und Volkskammerabgeordneten Julius Meyer und Hans Freund sowie weitere jüdische Mitglieder der VVN im Dezember und Januar 1953 in die Bundesrepublik Deutschland. Auch der ehemalige Staatssekretär und Mitautor der DDR-Verfassung Leo Zuckermann floh.

Am 15. Januar 1953 wurde in der DDR die Auflösung der VVN ohne deren Anhörung beschlossen; am 21. Februar hatte die VVN ihre Arbeit einzustellen. Der VVN-Verlag wurde samt Archiv zerschlagen und verstreut. Die Zeitschrift Der Weg. Zeitschrift für Fragen des Judentums, herausgegeben von Heinz Galinski, dem seinerzeitigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde für Gesamt-Berlin und Mitbegründer der VVN, wurde am gleichen Tage verboten.[8] An ihre Stelle trat als systematische Ausgrenzung nichtkommunistischer Widerstandskämpfer[9] das Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer. Das Komitee war nicht als Verein (mit Vereinsautonomie) organisiert, sondern als zentrale Organisation, die sich Beschlüssen des Zentralkomitees der SED unterordnete und staatlich finanziert wurde. Gegen die verfügte Auflösung erhob sich innerhalb der VVN kaum Widerspruch.[10]

Das Komitee unterhielt enge Beziehungen zur VVN in der Bundesrepublik. Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR übernahm 1990 der Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (IVVdN) die Nachfolge des Komitees.[11][12]

Entwicklung in West-Berlin[Bearbeiten]

In West-Berlin bestand die VVN als Verein auf der Basis alliierten Rechtes bis 1990, ab 1976 mit der Erweiterung als Verband der Antifaschisten VVN-VdA. 1990 erfolgte die Umwandlung in einen e. V. Seit 1983 betreibt der Verband die Galerie Olga Benario. Seit 1996 gehörte der Verein der westdeutschen VVN-BdA an. Er war bis 2002 ein eigenständiges Mitglied der FIR, seitdem ist er ein Teil des Berliner Landesverbandes der VVN-BdA.[13]

Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Innerhalb der Organisation hatten kommunistische Kräfte im Hinblick auf ihre Rolle im Widerstand erheblichen Einfluss. 1989 waren alle Landesvorsitzenden, nahezu alle hauptamtlichen Mitarbeiter sowie etwa zwei Drittel der Mitglieder des Bundesvorstandes und des Präsidiums Mitglied der DKP.[14] Bis zur Wende und friedlichen Revolution in der DDR 1989 wurden die zentralen Gremien des Vereins von SED und DKP gesteuert.[12] Finanziert wurde die VVN bis 1989 unter anderem von der SED, zuletzt mit 2,3 Millionen DM jährlich.[15]

Die politische Breite der Gründungsjahre wurde im Zuge des Kalten Krieges deutlich eingeschränkt. Zudem bewirkten der Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD vom Mai 1948 und der Austritt prominenter Gegner des Nationalsozialismus (Eugen Kogon, Heinz Galinski und Philipp Auerbach), dass in der öffentlichen Auseinandersetzung die VVN als kommunistische Tarnorganisation angesehen wurde. Angehörige des öffentlichen Dienstes konnten entlassen werden, wenn sie Mitglied in der VVN blieben.

Nicht zuletzt aus solchen Abspaltungen und Ausgrenzungen ergab sich eine zahlenmäßige und politische Dominanz linker Mitglieder.

In den 1950er Jahren wurde die VVN in mehreren Bundesländern verboten. In Niedersachsen musste das Verbot nach einer Gerichtsentscheidung wieder aufgehoben werden, in Hamburg wurde eine VAN als „Ersatzorganisation“ zugelassen, nur in Rheinland-Pfalz blieb die Verbotsverfügung in Kraft. Ende der 1950er Jahre stellte die Bundesregierung einen Verbotsantrag gegen die Bundes-VVN beim Bundesverwaltungsgericht. Als bei der Eröffnung des Prozesses durch den niedersächsischen Antifaschisten August Baumgarte öffentlich gemacht wurde, dass der Vorsitzende Richter des Gerichtes Werner ein ehemaliger NS-Richter war, wurde das Verfahren abgebrochen. Erst 1964 mit der Neufassung des Vereinsgesetzes (§ 31 Abs. 4 VereinsG) wurde das Verfahren endgültig eingestellt.[16] Mitglieder der VVN wurden vom Verfassungsschutz beobachtet und waren in den 1970er Jahren teilweise vom Radikalenerlass betroffen.

Neben der Mahnung und Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus nahm sich die VVN von Anfang an der Betreuung von Opfern des nationalsozialistischen Unrechts an. Dazu gehörte unter anderem beispielsweise die Sozialberatung nach dem Bundesentschädigungsgesetz (Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung – abgekürzt BEG), das 1956 rückwirkend auf den 1. Oktober 1953 in Kraft trat. Nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 BEG sind diejenigen von Entschädigung nach dem BEG ausgeschlossen, die nach 1949 die freiheitliche demokratische Grundordnung bekämpft haben.

Zu den zentralen politischen Handlungsfeldern der VVN seit den 1960er Jahren gehört das aktive Eintreten gegen Alt- und Neonazis, gegen SS-Traditionstreffen und die NPD, gegen Holocaustleugnung und andere Formen von Geschichtsrevisionismus.

Verbotsversuche[Bearbeiten]

Seit September 1950 war Staatsbediensteten eine VVN-Mitgliedschaft untersagt. Die Bundesregierung versuchte 1951, die VVN zu verbieten. Am 2. August 1951 kam es zur polizeilichen Schließung des West-Büros der VVN in Frankfurt am Main. Daraufhin kam es zum Verbot der VVN in den Bundesländern Hamburg (1961 aufgehoben mit der Neugründung als Vereinigte Arbeitsgemeinschaft der Naziverfolgten) und Rheinland-Pfalz (1972 aufgehoben). Andere Länder folgten dem nicht, in Bayern endete der Versuch eines Verbots mit der Feststellung des Verwaltungsgerichts Regensburg, die VVN sei nicht verfassungsfeindlich. Die unionsgeführte Bundesregierung forcierte 1959 einen erneuten Versuch, die VVN zu verbieten. Das zuständige Bundesverwaltungsgericht brach den Prozess allerdings 1962 nach zwei Verhandlungsterminen ab. Zu den Motiven des Abbruchs bestehen unterschiedliche Einschätzungen. Diese oszillieren zwischen der Annahme, dass die aktive Intervention der VVN gegen die verhandelnden Bundesrichter, mit der Argumentation, dass der Vorsitzende Richter Fritz Werner seit 1933 der SA zuletzt als höherer SA-Führer[17] angehört habe und weitere kompromittierende Zitate aus Werners Dissertationsschrift von 1934 sowie die Ankündigung, weitere beisitzende Richter mit ihrer Nazivergangenheit zu konfrontieren, zum Scheitern des Verfahrens führten.[18] Später sei das Vereinsgesetz geändert wurden, um das Verfahren still einzustellen, resümiert Heinz Düx.[19] Die andere Perspektive formuliert die ohnehin bestehende Ablehnung der Bundesrichter ein Verbot herzustellen. Politisch entwickelte sich der Prozess ungewollt, das Ausland blickte auf das Verfahren gegen ehemalige Verfolgte NS-Gegner mit Ablehnung, die Bundesregierung betrieb den 1959 intensiv vorbereiteten Prozess nicht mehr aktiv, und schließlich lehnte das Gericht das Verbot mit dem Hinweis auf moralische und humanitäre Gesichtspunkte ab, die eine weitere strafrechtliche Verfolgung der VVN-Mitglieder verböten.[20]

Erweiterung zum „Bund der Antifaschisten“[Bearbeiten]

Mitglieder der VVN engagierten sich in der Bundesrepublik Deutschland gegen die Wiedereinsetzung alter Nationalsozialisten als Funktionsträger, gegen das Wiederentstehen nationalsozialistischer Organisationen, gegen Wiederbewaffnung und atomare Aufrüstung und gegen die Verdrängung der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945. Initiativen der VVN führten zur Errichtung von Gedenkstätten; so waren VVN-Mitglieder Mitte der 1960er Jahre daran beteiligt, das ehemalige Konzentrationslager Dachau in eine Gedenkstätte umzuwandeln.

1971 erweiterte sich die VVN zum „Bund der Antifaschisten“, da sie im Gefolge der studentischen Protestbewegung und durch das starke Anwachsen der rechtsextremen Partei NPD verstärktes Interesse der jungen Generation an der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ausmachte. Damit konnten nicht nur Verfolgte und ihre Familienangehörigen, sondern auch junge Leute, die sich mit den Überlebenden der Konzentrationslager und ihrem Vermächtnis verbunden fühlen, Mitglied der VVN werden. Diese Öffnung der Organisation hat die VVN in den 1970er und 1980er Jahren deutlich verändert. Zudem konnte Mitgliederschwund aufgrund fortschreitender Überalterung der VVN kompensiert werden.

Krise 1989 nach Ende der SED-Finanzierung[Bearbeiten]

1989 wurde bekannt, dass die VVN den größten Teil ihrer Arbeit auf Bundesebene durch Zuwendungen aus der DDR finanzierte. Mit dem Ende der Zahlungen von einer Million Mark jährlich ergab sich eine finanzielle Krise, die die Vereinigung an den Rand der Auflösung brachte. Die 25 hauptamtlichen Mitarbeiter beim Bundesverband der VVN-BdA wurden entlassen.[21] Bis zum Zusammenbruch der SED-Diktatur wurden alle Bewerbungsunterlagen von hauptamtlichen VVN-Mitarbeitern vom Parteivorstand der DKP gesichtet und genehmigt.[22] Präsidium und Sekretariat des Bundesvorstands der VVN-BdA traten im Januar 1990 zurück. Es setzten sich aber dann die Stimmen für die Fortführung der Arbeit mit den eingeschränkten Mitteln und einer neuen Organisationsstruktur durch. Mit dem Ausbleiben der Finanzierung durch die DDR konnten auch Undogmatische an Einfluss gewinnen; neu ist die Öffnung des Verbandes für autonome Antifaschisten.[12]

Zusammenschlüsse[Bearbeiten]

Adolphe Low, Spanienkämpfer spricht zu den Delegierten des Vereinigungskongresses, Oktober 2002

Im Oktober 2002 vereinigte sich die westdeutsche VVN-BdA in Berlin mit dem ostdeutschen Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (IVVdN) sowie dem Bund der Antifaschisten.

2011 verschmolz der Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“ e. V. (DRAFD) mit der VVN-BdA.

Kampagne: NPD-Verbot jetzt![Bearbeiten]

Kampagne nonpd
nonpd vor dem Reichstag

2007 lief eine VVN-Kampagne für ein Verbot der NPD. Für einen Aufruf an den Bundestag, „ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD nach Artikel 21, Absatz 2 Grundgesetz auf den Weg zu bringen“, wurden 175.445 Unterschriften gesammelt. Unterstützer der Kampagne waren Hannelore Elsner, Frank Werneke und das Präsidium des 1. FC Nürnberg. Am 12. Dezember 2007 wurden die Unterschriften an Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, die Abgeordneten Gesine Lötzsch und Dorothée Menzner von der Linkspartei sowie Niels Annen von der SPD übergeben.

Am 27. Januar 2009 startete eine neue Kampagne nonpd – 5000 Gründe für NPD-Verbot.[23]

Mitgliederzahlen[Bearbeiten]

Die Mitgliederzahl sank von 9000 (2003)[24] über 6000–7000 (2011)[25][26] auf 6400 (Anfang 2013).[27] Der im März 2014 erschienene Bayerische Verfassungsschutzbericht 2013 nennt eine Mitgliederzahl von 5800.[28] Vom Bundeskongress 2011 bis zum Bundeskongress 2014 verringerte sich die Mitgliederzahl um 500.[29]

Politische Einordnung[Bearbeiten]

Sozialwissenschaft[Bearbeiten]

Armin Pfahl-Traughber ordnet die VVN-BdA als linksextremistisch beeinflusste Organisation ein, deren Ziel die „strategisch beabsichtigte Aufweichung der Abgrenzung zwischen linken Demokraten und Extremisten ist“.[30]

Einschätzung deutscher Verfassungsschutzbehörden[Bearbeiten]

Der Jahresbericht des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV) erwähnte bis 2005 die VVN-BdA regelmäßig. In diesem Jahr wurde der Verband ein letztes Mal vom Bundesamt wegen der Besetzung von Leitungsfunktionen durch Mitglieder und Exmitglieder der DKP und der PDS als „linksextremistisch beeinflusst“ eingeordnet.[31]

In seinem Bericht äußerte das LfA Baden-Württemberg dagegen noch 2009, die VVN-BdA gelte als eine linksextremistisch beeinflusste Organisation. Sie sei politisch entscheidend von linksextremistischen Funktionsträgern geprägt.[32]

So auch das bayerische LfV noch 2013.[33] Dazu wird seit 2010 ein Rechtsstreit zwischen LfV und VVN ausgetragen.[34] Im Oktober 2014 wies das Gericht die Klage der VVN ab, es sieht die Berichterstattung des Verfassungsschutzes über die Organisation in den Jahren 2010 bis 2013 als zulässig an. Nach Meinung des bayerischen Innenministers Herrmann - Dienstherr des LfV - habe das Gericht das Innenministerium darin bestätigt, dass die VVN-BdA in "Teilen" Ziele verfolgen würde, die im Widerspruch zur Verfassung stünden.[35][34] Die VVN kündigte an, in Berufung zu gehen, damit bleibt das Urteil ohne Rechtskraft, der Rechtsstreit wird fortgesetzt. Neben der bayerischen juristischen Initiative durch die betroffene VVN, die Kategorisierung unter "Linksextremismus" und die "Beobachtung" der VVN zu beenden, stand 2010 eine politisch-parlamentarische Initiative durch eine Reihe von SPD-Abgeordneten im Bayerischen Landtag, dies zu tun. Sie scheiterte an den Mehrheitsverhältnissen.[36]

Die Praxis des bayerischen LfV steht heute alleine. Alle anderen Landesämter verfahren heute (2014) nach der bereits seit 2006 vom BfV geübten Praxis und erwähnen die VVN-BdA in ihren Jahresberichten nicht weiter.

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Blank: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 12 (2000), Baden-Baden 2000, S. 224–239.
  • Bundesamt für Verfassungsschutz: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Köln, Juni 1997.
  • Der Bundesminister des Innern (Hrsg.): Bedeutung und Funktion des Antifaschismus, Bonn 1990.
  • Kurt Faller, Bernd Wittich: Abschied vom Antifaschismus. Frankfurt (Oder) 1997, ISBN 3-930842-03-3.
  • Jan Foizik: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. In: Martin Broszat, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1993, ISBN 978-3-486-55262-1, S. 748 ff.
  • Elke Reuter, Detlef Hansel: Das kurze Leben der VVN von 1947 bis 1953: Die Geschichte der Verfolgten des Nazi-Regimes in der SBZ und DDR. Berlin 1997, ISBN 3-929161-97-4. (umfangreiche Rezension dazu von Thomas Hoffmann in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat. Nr. 5/1998)
  • Wolfgang Rudzio: Die Erosion der Abgrenzung. Zum Verhältnis zwischen der demokratischen Linken und Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland. Opladen 1988, ISBN 3-531-12045-X, S. 111 ff.
  • Ulrich Schneider: Zukunftsentwurf Antifaschismus. 50 Jahre Wirken der VVN für „eine neue Welt des Friedens und der Freiheit“. Bonn 1997, ISBN 3-89144-237-8.
  • Sven Wierskalla: Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948. Grin, München 2007, ISBN 978-3-638-71696-3 (Textauszug).
  • Hans Coppi, Nicole Warmbold (Hrsg.): 60 Jahre Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Lesebuch zu Geschichte und Gegenwart der VVN. VVN - BdA Berlin 2007 ISBN 978-3-00-021280-2 / 3-00-021280-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: VVN – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.bayern-gegen-linksextremismus.bayern.de/wissen/parteien-und-szenen/parteien-und-organisationen/vereinigung-der-verfolgten-des-naziregimes-bund-der-antifaschistinnen-und-antifaschisten-vvn-bda-1
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatInterview mit Heinrich Fink. 2. April 2011, abgerufen am 12. Mai 2011.
  3. Eindrücke vom Bundeskongress 2008
  4. Kooperation für den Frieden, Mitwirkende
  5. Nach der Gründungskonferenz in Berlin fand ein Jahr später am 22. - 24. Februar 1948 die „2. Hauptkonferenz“ in Halle und am 26. - 28. Mai 1949 die „3. Hauptkonferenz“ in Dresden statt. Die VVN konstituierte sich auch in den Ländern der SBZ, nämlich am 14. Juni 1945 in Berlin (Leiter: Ottomar Geschke, KPD), am 25. März 1947 in Brandenburg (Walter Mickin, KPD/SED), im Februar 1947 in Mecklenburg (Ernst Puchmüller, KPD/SED), am 9. März 1947 in Sachsen (Fritz Große, KPD/SED), am 26. Januar 1947 in Sachsen-Anhalt (Fritz Beyling, KPD/SED) und am 26. April 1947 in Thüringen (Willi Kalinke, KPD/SED).
  6. Jan Foizik; Martin Bronzit, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1993, ISBN 978-3-486-55262-1, S. 749
  7. Zeitschrift „antifa“ Ausgabe November/Dezember: Nicht mehr »unvereinbar«
  8. a b Karin Hartewig: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2000, ISBN 978-3-412-02800-8, S. 376ff (books.google.de)
  9. Jutta Vergau: Aufarbeitung von Vergangenheit vor und nach 1989: eine Analyse des Umgangs mit den historischen Hypotheken totalitärer Diktaturen in Deutschland. Tectum Verlag, 2000, ISBN 3-8288-8135-1, S. 36.
  10. Hans Coppi, 2007: 60 Jahre Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Antifaschistisches Infoblatt. Abgerufen am 1. November 2013.
  11. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatGeschichte. Berliner VVN-BdA e. V., 2009, abgerufen am 4. Januar 2009..
  12. a b c Tim Peters: Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht, Wiesbaden, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, 2006, ISBN 9783531147758, S. 86.
  13. Geschichte der VVN-VdA
  14. Tim Peters: Der Antifaschismus der PDS aus antiextremistischer Sicht., Wiesbaden, VS-Verlag für Sozialwissenschaften, 2006, S. 86
  15. Hubertus Knabe: Der diskrete Charme der DDR. Propyläen Verlag, 2001, ISBN 3-549-07137-X, S. 300
  16.  Ordnung im Korsett. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1964 (online).
  17. Interview mit Dr. Heinz Düx, in: Forum Recht Heft 2 2013, S. 52 (online unter klick)
  18. Hans Coppi: 60 Jahre Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, in: Antifaschistisches Infoblatt Nr. 77, Heft 4/2007 vom 13. Dezember 2007 (online) und VVN-PROZESS, in: Der Spiegel Heft 51/1962, S. 30 (online)
  19. Interview mit Dr. Heinz Düx, in: Forum Recht Heft 2/2013, S. 52 (online)
  20. VVN-PROZESS, in: Der Spiegel Heft 51/1962, S. 30 (online)
  21. Roland Kirbach:DKP: Von den Genossen verlassen. Die SED stellt die finanzielle Hilfe für westdeutsche Ableger ein in Die Zeit 22. Dezember 1989
  22. Niedersächsischer Verfassungsschutzbericht für das Jahr 1989 (S. 26)
  23. Webseite NPD-Verbot jetzt.
  24. Verfassungsschutzbericht 2003 auf bmi.bund.de (PDF), abgerufen am 27. März 2013, S. 128.
  25. Dem Vermächtnis der Gründer verpflichtet. auf der Website der VVN-BdA, 12. April 2011, abgerufen am 27. März 2013.
  26. Bayrischer Verfassungsschutzbericht 2011 (PDF; 7,2 MB), abgerufen am 27. März 2013, S. 215.
  27. antifa, März/April 2013, Beilage Aus dem Verband, S. 1.
  28. Verfassungsschutzbericht 2013, S. 164
  29. Politischer Bericht an die Delegierten des Bundeskongresses 2014
  30. Pfahl-Traughber, Armin. Linksextremismus in Deutschland: eine kritische Bestandsaufnahme. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014, S. 133.
  31. Verfassungsschutzbericht 2005 auf bmi.bund.de (PDF), abgerufen am 27. März 2013, S. 171.
  32. Verfassungsschutzbericht des Landes Baden-Württemberg 2009 (PDF) S. 256.
  33. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVerfassungsschutzbericht Bayern 2008. Bayerisches Staatsministerium des Innern, 2009, S. 183 ff, abgerufen am 2. Juni 2011..
  34. a b Prozess gegen Staatsregierung. Antifaschistisch statt linksextremistisch, in: Süddeutsche Zeitung, 2. Oktober 2014.
  35. Herrmann begrüßt Entscheidung des Verwaltungsgerichts München Portal der Bayerischen Staatsregierung, 8. Oktober 2014
  36. Antrag vom 23. März 2010 der Abgeordneten Markus Rinderspacher, Franz Schindler, Harald Güller, Helga Schmitt-Bussinger, Inge Aures, Horst Arnold, Thomas Beyer, Peter Paul Gantzer, Natascha Kohnen, Franz Maget, Christa Naaß, Reinhold Perlak, Harald Schneider, Johanna Werner-Muggendorfer.