Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V.
(VVN-BdA)
VVN-BdA logo.jpg
Zweck:
Vorsitz: Cornelia Kerth, Axel Holz
Gründungsdatum: 1947
Mitgliederzahl: 5800[1]
Sitz: Berlin
Website: www.vvn-bda.de

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA e. V.) ist ein 1947 gegründeter Verband mit Sitz in Berlin. Die VVN-BdA, ursprünglich VVN, ging aus Opferverbänden hervor, die nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Ende der Diktatur des Nationalsozialismus in Deutschland von politisch-ideologischen Gegnern des Nationalsozialismus gegründet wurden.

Während des Kalten Krieges kam es zu erheblichen politischen Auseinandersetzungen um die VVN in Ost und West. Im Westen galt die Vereinigung als KPD-dominiert; im Osten unterstellte man Mitgliedern Spionagetätigkeit. Viele ehemalige Verfolgte verließen die Vereinigung oder wurden ausgeschlossen. In der DDR wurde die VVN 1953 aufgelöst und das Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer gegründet.

Seit 2002 gibt es eine gesamtdeutsche Vereinigung, zu deren Mitgliedsverbänden auch die Lagergemeinschaften ehemaliger Häftlinge aus den Konzentrationslagern gehören. Die VVN-BdA ist nach eigenen Angaben die größte antifaschistische Organisation in der Bundesrepublik.[2]

Vereinszweck[Bearbeiten]

Die VVN bezeichnet sich als überparteiliche und unabhängige Organisation, die den Widerstand gegen Faschismus und Krieg zu ihrem wesentlichen moralischen Grundsatz gemacht hat. In Westdeutschland galt sie in den 1950er Jahren als in der Führungsebene von der KPD und seit 1968 als von der DKP geprägte Organisation, wobei ihre Mitgliederschaft sich von orthodoxen Kommunisten, Die Linke-Mitgliedern und Parteilosen über Bündnisgrüne bis hin zu Sozialdemokraten (trotz eines bis 25. Oktober 2010 bestehenden Unvereinbarkeitsbeschlusses der SPD) erstreckt.

Die VVN-BdA will Widerstand leisten gegen Rassismus, Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus, die Diskriminierung von Menschen wegen ihrer Herkunft, Hautfarbe, sexueller Orientierung oder Weltanschauung und gegen die Bedrohung für deren Leib und Leben. Sie gibt die zweimonatlich erscheinende Zeitschrift antifa heraus. Ehrenpräsidenten der Vereinigung waren bzw. sind u. a. Alfred Hausser, Kurt Goldstein, Hans Lauter und Esther Bejarano.[3]

Die VVN-BdA ist Mitglied der Fédération Internationale des Résistants (Internationale Föderation der Widerstandskämpfer, FIR). Sie gehört auch der Kooperation für den Frieden an.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten]

Altes Abzeichen der VVN

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bildeten sich Selbsthilfegruppen ehemaliger Widerstandskämpfer in „antifaschistischen Ausschüssen“, die umgehend von den Militäradministrationen aller vier Zonen verboten wurden. Stattdessen unterstützten sie die Betreuung der etwa 200.000 bis 250.000 ehemaligen politisch Verfolgten durch die Sozialverwaltungen.

Am 26. Juni 1945 wurde in Stuttgart eine „Vereinigung der politischen Gefangenen und Verfolgten des Nazi-Systems“ gegründet. In den folgenden Wochen und Monaten entstanden in allen vier Besatzungszonen mit Genehmigung der alliierten Siegermächte regionale Gruppen politischer Häftlinge und ehemaliger Verfolgter. Ihr Anliegen war, neben der sozialen Hilfe für ehemalige Verfolgte, ein politisches: Die Gruppen sollten eine Stimme des Widerstandes, das politische und moralische Gewicht der politischen Gegner des Nationalsozialismus in den antifaschistisch-demokratischen Neubeginn des Nachkriegsdeutschlands einbringen.

Die Initiative zur Gründung ging von Vertretern der Arbeiterparteien aus, die in Betreuungsstellen für politisch, religiös und rassisch Verfolgte bzw. den OdF-Ausschüssen direkten Kontakt zu den Betroffenen hatten. „Über alle Schichten, Konfessionen und Rassen und Parteien hinweg schließen sich die Kämpfer gegen den Nazismus und die vom Nazi-Regime Verfolgten zu einer überparteilichen Organisation zur Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) zusammen“, hieß es in dem ersten Programm vom August 1946.

Vom 20. bis 22. Juli 1946 trafen sich Vertreter von Verfolgtenverbänden aus allen vier Zonen in Frankfurt/M. und verabschiedeten eine Satzung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). In Düsseldorf wurde am 26. Oktober 1946 der erste Landesverband (Nordrhein-Westfalen) der VVN gegründet. In den Wintermonaten entstanden weitere Landes- und Zonenverbände, so am 22. und 23. Februar 1947 im Haus der deutschen Zentralverwaltung in Berlin die VVN für die Sowjetische Besatzungszone (SBZ)[5] und am 25. Februar 1947 in Gießen die VVN Hessen.

Auf der „1. Interzonalen Länderkonferenz der VVN“ vom 15. bis 17. März 1947 in Frankfurt konstituierten schließlich 68 Delegierte aus allen vier Besatzungszonen und der Stadt Berlin eine gesamtdeutsche Organisation, an deren Spitze ein „Gesamtdeutscher Rat“ stand. Als gleichberechtigte Geschäftsführer des Rates wurden Hans Schwarz (Hamburg) und Karl Raddatz (Berlin), der bereits Generalsekretär der VVN in der SBZ war, gewählt.

Auf dem Gebiet der Sowjetischen Besatzungszone wurden die SMAD-Befehle Nr. 28 vom 28. Januar 1947 und Nr. 92 vom 22. April 1947 zur Wiedergutmachung erlassen. Der SMAD-Befehl Nr. 228 vom 30. Juli 1946 annullierte die Urteile in politischen Verfahren der Nationalsozialisten und erleichterte damit die juristische Rehabilitierung; spätere Verordnungen über den Wiedererwerb der deutschen Staatsbürgerschaft erleichterten die Rückkehr ausgebürgerter Emigranten nach Deutschland. Eine ähnliche, wenn auch zögerlichere Entwicklung betrieben auch die Administrationen der westlichen Besatzungszonen.[6]

Der Rote Winkel – das Kennzeichen der politischen Häftlinge in den Konzentrationslagern – wurde zum Abzeichen der VVN. Ziel der Organisation war die Betreuung der ehemaligen Häftlinge, worauf sich die zusammengeschlossenen Häftlinge aber nicht beschränken wollten. Den Terror, den sie am eigenen Leib erfahren hatten, wollten sie getreu dem Schwur von Buchenwald nie wieder Wirklichkeit werden lassen: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

Die SPD-Führung um Kurt Schumacher verkündete 1948 einen „Unvereinbarkeitsbeschluss“ für Sozialdemokraten, der am 25. Oktober 2010 durch Beschluss des Parteivorstandes aufgehoben wurde.[7] Dennoch blieben vielfach SPD-Mitglieder in der Organisation. Prominente Gegner des Nationalsozialismus wie Eugen Kogon, Heinz Galinski und Philipp Auerbach traten aus politischen Gründen aus der VVN aus. Insgesamt führte dies zu einer politischen Verengung der Organisation, obwohl sich die VVN weiterhin um alle ehemaligen Verfolgten und Gegner des Nationalsozialismus bemühte.

Entwicklung in der DDR[Bearbeiten]

VVN-Denkmal in Teltow

1953 wurde die VVN auf dem Gebiet der DDR aufgelöst. An ihre Stelle trat als systematische Ausgrenzung nichtkommunistischer Widerstandskämpfer[8] das Komitee der Antifaschistischen Widerstandskämpfer. Das Komitee war nicht als Verein (mit Vereinsautonomie) organisiert, sondern als zentrale Organisation, die sich Beschlüssen des Zentralkomitees der SED unterordnete und staatlich finanziert wurde.

In der SBZ und der späteren DDR warf man im Zuge der Säuberungswellen des Stalinismus in der SED 1949/1950/1951 führenden Mitgliedern der VVN Agententätigkeit vor. Auch die VVN wurde auf allen Ebenen bis zur Spitze überprüft.[9]

Im Zusammenhang mit dem Slansky-Prozess Ende 1952 in der CSR gab es eine steigende antisemitische Tendenz in der Politik der DDR-Führung, die sich auch gegen jüdische Kommunisten richtete, die nach 1933 in westliche Staaten geflohen waren. Vor drohender Verfolgung flohen die SED-Mitglieder und Volkskammerabgeordneten Julius Meyer und Hans Freund sowie weitere jüdische Mitglieder der VVN im Dezember und Januar 1953 in die Bundesrepublik Deutschland. Auch der ehemalige Staatssekretär und Mitautor der DDR-Verfassung Leo Zuckermann floh.

Am 15. Januar 1953 wurde in der DDR die Auflösung der VVN ohne deren Anhörung beschlossen; am 21. Februar hatte die VVN ihre Arbeit einzustellen. Der VVN-Verlag wurde samt Archiv zerschlagen und verstreut. Die Zeitschrift Der Weg. Zeitschrift für Fragen des Judentums, herausgegeben von Heinz Galinski, dem seinerzeitigen Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde für Gesamt-Berlin und Mitbegründer der VVN, wurde am gleichen Tage verboten.[9] An ihre Stelle trat das Komitee der antifaschistischen Widerstandskämpfer. Gegen die quasi über Nacht verfügte Auflösung erhob sich innerhalb der VVN kaum Widerspruch.[10]

Das Komitee unterhielt enge Beziehungen zur VVN in der Bundesrepublik. Nach der Wende und friedlichen Revolution in der DDR übernahm 1990 der Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (IVVdN) die Nachfolge des Komitees.[11][12]

Entwicklung in West-Berlin[Bearbeiten]

In den Westsektoren Berlins bestand die VVN als Verein auf der Basis alliierten Rechtes bis 1990, ab 1976 mit der Erweiterung als Verband der Antifaschisten VVN-VdA. 1990 erfolgte die Umwandlung in einen e. V. Seit 1983 betreibt der Verband die Galerie Olga Benario. Seit 1996 gehörte der Verein der westdeutschen VVN-BdA an. Er war bis 2002 ein eigenständiges Mitglied der FIR, seitdem ist er ein Teil des Berliner Landesverbandes der VVN-BdA.

Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland[Bearbeiten]

Innerhalb der Organisation hatten kommunistische Kräfte im Hinblick auf ihre Rolle im Widerstand erheblichen Einfluss. Nach Einschätzung von Tim Peters wurde die Vereinigung zur Zeit der Wende und friedlichen Revolution in der DDR 1989 von der DKP gesteuert.[12] 1989 waren alle Landesvorsitzenden, nahezu alle hauptamtlichen Mitarbeiter sowie etwa zwei Drittel der Mitglieder des Bundesvorstandes und des Präsidiums Mitglied der DKP.[12] Finanziert wurde die VVN bis 1989 unter anderem von der SED, zuletzt mit 2,3 Millionen DM jährlich.[13]

Die politische Breite der Gründungsjahre wurde im Zuge des Kalten Krieges deutlich eingeschränkt. Zudem bewirkten der Unvereinbarkeitsbeschluss der SPD vom Mai 1948 und der Austritt prominenter Gegner des Nationalsozialismus (Eugen Kogon, Heinz Galinski und Philipp Auerbach), dass in der öffentlichen Auseinandersetzung die VVN als „kommunistische Tarnorganisation“ angesehen wurde. Angehörige des öffentlichen Dienstes konnten entlassen werden, wenn sie Mitglied in der VVN blieben.

Nicht zuletzt aus solchen Abspaltungen und Ausgrenzungen ergab sich eine zahlenmäßige und politische Dominanz linker Mitglieder. In Zeiten des KPD-Verbotes fanden ehemalige kommunistische Widerstandskämpfer in der VVN einen politischen Raum, in dem sie weiterhin legal zusammenkommen konnten.

In den 1950er Jahren wurde die VVN in mehreren Bundesländern verboten. In Niedersachsen musste das Verbot nach einer Gerichtsentscheidung wieder aufgehoben werden, in Hamburg wurde eine VAN als „Ersatzorganisation“ zugelassen, nur in Rheinland-Pfalz blieb die Verbotsverfügung in Kraft. Ende der 1950er Jahre stellte die Bundesregierung einen Verbotsantrag gegen die Bundes-VVN beim Bundesverwaltungsgericht. Als bei der Eröffnung des Prozesses durch den niedersächsischen Antifaschisten August Baumgarte öffentlich gemacht wurde, dass der Vorsitzende Richter des Gerichtes Werner ein ehemaliger NS-Richter war, wurde das Verfahren abgebrochen. Erst 1964 mit der Neufassung des Vereinsgesetzes (§ 31 Abs. 4 VereinsG) wurde das Verfahren endgültig eingestellt.[14] Mitglieder der VVN blieben im antikommunistischen Klima im Westdeutschland der Nachkriegszeit jedoch im Visier des Verfassungsschutzes und waren in den 1970er Jahren teilweise vom Radikalenerlass betroffen.

Neben der Mahnung und Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus nahm sich die VVN von Anfang an der Betreuung von Opfern des nationalsozialistischen Unrechts an. Dazu gehörte unter anderem beispielsweise die Sozialberatung nach dem Bundesentschädigungsgesetz (Bundesgesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Verfolgung – abgekürzt BEG), das 1956 rückwirkend auf den 1. Oktober 1953 in Kraft trat. Als problematisch erwies sich dabei § 6 Abs. 1 Nr. 2 BEG, der diejenigen von Entschädigung nach dem BEG ausschloss, die nach 1949 die freiheitliche demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes bekämpft haben.

Zu den zentralen politischen Handlungsfeldern der VVN seit den 1960er Jahren gehört das aktive Eintreten gegen Alt- und Neonazis, gegen SS-Traditionstreffen und die NPD, gegen Holocaustleugnung und andere Formen von Geschichtsrevisionismus.

Verbotsversuche[Bearbeiten]

Seit September 1950 war Staatsbediensteten eine VVN-Mitgliedschaft untersagt. Die Bundesregierung versuchte 1951, die VVN zu verbieten. Am 2. August 1951 kam es zur polizeilichen Schließung des West-Büros der VVN in Frankfurt am Main. Daraufhin kam es zum Verbot der VVN in den Bundesländern Hamburg (1961 aufgehoben mit der Neugründung als Vereinigte Arbeitsgemeinschaft der Naziverfolgten) und Rheinland-Pfalz (1972 aufgehoben). Andere Länder folgten dem nicht, in Bayern endete der Versuch eines Verbots mit der Feststellung des Verwaltungsgerichts Regensburg, die VVN sei nicht verfassungsfeindlich. Die unionsgeführte Bundesregierung forcierte 1959 einen erneuten Versuch, die VVN zu verbieten. Das zuständige Bundesverwaltungsgericht brach den Prozess allerdings 1962 nach zwei Verhandlungsterminen ab. Zu den Motiven des Abbruchs bestehen unterschiedliche Einschätzungen. Diese oszillieren zwischen der Annahme, dass die aktive Intervention der VVN gegen die verhandelnden Bundesrichter, mit der Argumentation, dass der Vorsitzende Richter Fritz Werner seit 1933 der SA zuletzt als höherer SA-Führer[15] angehört habe und weitere kompromittierende Zitate aus Werners Dissertationsschrift von 1934 sowie die Ankündigung weitere beisitzende Richter mit ihrer Nazivergangenheit zu konfrontieren, zum Scheitern des Verfahrens führten.[16] Später sei das Vereinsgesetz geändert wurden, um das Verfahren still einzustellen, resümiert Heinz Düx.[17] Die andere Perspektive formuliert die ohnehin bestehende Ablehnung der Bundesrichter ein Verbot herzustellen. Politisch entwickelte sich der Prozess ungewollt, das Ausland blickte auf das Verfahren gegen ehemalige Verfolgte NS-Gegner mit Ablehnung, die Bundesregierung betrieb den 1959 intensiv vorbereiteten Prozess nicht mehr aktiv und schließlich lehnte das Gericht, das Verbot mit dem Hinweis auf moralische und humanitäre Gesichtspunkte ab, die eine weitere strafrechtliche Verfolgung der VVN-Mitglieder verböten.[18]

Erweiterung zum „Bund der Antifaschisten“[Bearbeiten]

Mitglieder der VVN engagierten sich in der Bundesrepublik Deutschland gegen die Wiedereinsetzung alter Nationalsozialisten als Funktionsträger, gegen das Wiederentstehen nationalsozialistischer Organisationen, gegen Wiederbewaffnung und atomare Aufrüstung und gegen die Verdrängung der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945. Initiativen der VVN führten zur Errichtung von Gedenkstätten; so waren beispielsweise VVN-Mitglieder Mitte 1960er Jahre maßgeblich daran beteiligt, das ehemalige Konzentrationslager Dachau in eine würdige Gedenkstätte umzuwandeln.

1971 erweiterte sich die VVN zum „Bund der Antifaschisten“, da sie im Gefolge der studentischen Protestbewegung und durch das starke Anwachsen der rechtsextremen Partei NPD verstärktes Interesse der jungen Generation an der Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit ausmachte. Damit konnten nicht nur Verfolgte und ihre Familienangehörigen, sondern auch junge Leute, die sich mit den Überlebenden der Konzentrationslager und ihrem Vermächtnis verbunden fühlen, Mitglied der VVN werden. Diese Öffnung der Organisation hat die VVN in den 1970er und 1980er Jahren deutlich verändert. Zudem konnte Mitgliederschwund aufgrund fortschreitender Überalterung der VVN kompensiert werden.

Arbeitsschwerpunkte der 1970er und 1980er Jahre bildeten die Themen Frieden und Antifaschismus.

Krise 1989 nach Ende der SED-Finanzierung[Bearbeiten]

1989 wurde bekannt, dass die VVN den größten Teil ihrer Arbeit auf Bundesebene durch Zuwendungen aus der DDR finanzierte. Mit dem Ende der Zahlungen von einer Million Mark jährlich ergab sich eine finanzielle Krise, die die Vereinigung an den Rand der Auflösung brachte. Die 25 hauptamtlichen Mitarbeiter beim Bundesverband der VVN-BdA wurden entlassen.[19] Laut niedersächsischem Verfassungsschutzbericht für das Jahr 1989 (S. 26) wurden bis zum Zusammenbruch des Realsozialismus alle Bewerbungsunterlagen von hauptamtlichen VVN-Mitarbeitern vom Parteivorstand der DKP gesichtet und genehmigt. Präsidium und Sekretariat des Bundesvorstands der VVN-BdA traten im Januar 1990 zurück. Es setzten sich aber dann die Stimmen für die Fortführung der Arbeit mit den eingeschränkten Mitteln und einer neuen Organisationsstruktur durch. Mit dem Ausbleiben der Finanzierung durch die DDR konnten auch Undogmatische an Einfluss gewinnen; neu ist die Öffnung des Verbandes für autonome Antifaschisten.[12]

Zusammenschlüsse[Bearbeiten]

Adolphe Low, Spanienkämpfer spricht zu den Delegierten des Vereinigungskongresses, Oktober 2002

Im Oktober 2002 vereinigte sich die westdeutsche VVN-BdA in Berlin mit dem ostdeutschen Interessenverband ehemaliger Teilnehmer am antifaschistischen Widerstand, Verfolgter des Naziregimes und Hinterbliebener (IVVdN) sowie dem Bund der Antifaschisten, zu dem seit 1996 auch der ehemals eigenständige West-Berliner Verband VVN-VdA gehörte.

2011 verschmolz der Verband Deutscher in der Résistance, in den Streitkräften der Antihitlerkoalition und der Bewegung „Freies Deutschland“ e. V. (DRAFD) mit der VVN-BdA.

Kampagne: NPD-Verbot jetzt![Bearbeiten]

Kampagne nonpd

Im Jahr 2007 lief eine von der VVN-BdA bundesweit initiierte Kampagne, die ein Verbot der NPD forderte. Kernstück war eine Unterschriftenaktion, dessen Aufruf den Bundestag auffordert, „ein neues Verbotsverfahren gegen die NPD nach Artikel 21, Absatz 2 Grundgesetz auf den Weg zu bringen.“ Begleitet wurde die Aktion von bundesweit durchgeführten Informationsständen und -veranstaltungen.

nonpd vor dem Reichstag

Unterstützer der Kampagne waren u. a. Hannelore Elsner, Frank Werneke und das Präsidium des 1. FC Nürnberg. Am 12. Dezember 2007 wurden 175.445 gesammelte Unterschriften an Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau, die Abgeordneten Gesine Lötzsch und Dorothée Menzner von der Linkspartei sowie Niels Annen von der SPD übergeben.

Am 27. Januar 2009 startete eine neue Kampagne nonpd – 5000 Gründe für NPD-Verbot.[20]

Mitgliederzahlen[Bearbeiten]

Die Mitgliederzahl sank von 9000 (2003)[21] über 6000-7000 (2011)[22][23] auf 6400 (Anfang 2013).[24] Der im März 2014 erschienene Bayerische Verfassungsschutzbericht 2013 nennt eine Mitgliederzahl von 5800.[25] Im Bericht an den Bundeskongress 2014 der VVN-BdA geht die Vorsitzende Cornelia Kerth von ca. 7000 Mitgliedern aus. Etwa 10% davon sind seit dem letzten Bundeskongress 2011 dazugekommen.[26]

Einschätzung deutscher Verfassungsschutzbehörden[Bearbeiten]

Während der Bundesverfassungsschutzbericht bis 2005 die VVN-BdA regelmäßig erwähnte, wurde diese Erwähnung 2006 fallen gelassen. Im Bericht 2005 wurde der Verband wegen der Besetzung von Leitungsfunktionen durch Mitglieder und Exmitglieder der DKP und der damaligen Linkspartei.PDS als „linksextremistisch beeinflusst“ bewertet.[27]

Die einzigen Landesverfassungsschutzämter, die die VVN-BdA weiterhin erwähnen, sind Bayern und Schleswig-Holstein. Laut dem Verfassungsschutz des Landes Bayern versteht die VVN-BdA unter Antifaschismus nicht nur den Kampf gegen Rechtsextremismus, sondern auch das Agieren gegen den demokratischen Staat und dessen Institutionen, denen unterstellt wird, rechtsextremistische Bestrebungen zu schützen und zu fördern. Außerdem versuche die VVN-BdA unter dem Vorwand des Kampfes gegen Rechtsextremismus, Einfluss auf bürgerliche Kräfte zu nehmen und letztendlich Demokraten für ihre antidemokratischen Ziele zu vereinnahmen.[28]

Durch die Formulierung im Bericht von 2009, dass „öffentliche Zeitzeugenauftritte von früheren KZ-Häftlingen […] der Organisation […] einen demokratischen Anstrich verleihen“ sollen, fühlte sich insbesondere der bayerische Landessprecher der VVN-BdA Ernst Grube angegriffen, der regelmäßig als Zeitzeuge unterwegs ist und auch als Ehrengast des Bayerischen Landtages eingeladen war. Der Verfassungsschutz des Freistaats Bayern schreibt im Bericht 2009 über die Ausrichtung der VVN-BdA: „Dabei dient diese Form des Antifaschismus nicht nur dem Kampf gegen Rechtsextremismus; vielmehr werden alle nicht-marxistischen Systeme – also auch die parlamentarische Demokratie – als potenziell faschistisch, zumindest aber als eine Vorstufe zum Faschismus betrachtet, die es zu bekämpfen gilt.“[29] Als Beleg für eine „staats- und verfassungsfeindliche Grundposition“ des Verbandes führt der Bericht ein Grußwort des VVN-BdA-Vorsitzenden Heinrich Fink für die Kampagne Klassenkampf statt Wahlkampf an:

„Ich unterstütze die Aktion ‚Klassenkampf statt Wahlkampf – Gegen den Notstand der Republik’, weil sie in dieser gesellschaftlichen Krisensituation hierzulande sehr notwendig ist. Weil sie nämlich aufklärt über eine Situation, die davon gekennzeichnet ist, daß die faschistische Gefahr zunimmt durch Demokratieabbau und Umbau des Staatsapparats. Dazu kommt noch, daß die Militarisierung mittlerweile alle Bereiche der Gesellschaft erfaßt hat von den Schulen über die Arbeitsämter bis hin zu den Rathäusern, bis hin zur Übung des Bundeswehreinsatzes gegen streikende Arbeiter. Dem Einhalt zu gebieten ist nur über Alters- und Organisationsgrenzen hinweg möglich. Diese Aktion leistet einen Beitrag dafür, und ich wünsche ihr einen guten Verlauf!“[29]

Ebenfalls äußert sich der Verfassungsschutz in Baden-Württemberg in seinem Bericht 2009: „Die VVN-BdA gilt heute als eine linksextremistisch beeinflusste Organisation. Das heißt, dass nicht alle Mitglieder Linksextremisten sind, jedoch wird der politische Kurs der VVN-BdA entscheidend von Funktionären geprägt, die ihrerseits Linksextremisten beziehungsweise Mitglieder linksextremistischer Organisationen sind.“[30]

Bekannte Mitglieder[Bearbeiten]

  • Mumia Abu-Jamal (* 1954), US-amerikanischer Journalist und Bürgerrechtler,[31] in einem umstrittenen Verfahren wegen Mordes verurteilt, Ehrenmitglied[32]
  • Josef „Jupp“ Angenfort (1924–2010), Landessprecher NRW und Mitglied des Bundesausschusses
  • Kurt Bachmann (1909–1997), Mitgründer der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN)
  • Esther Bejarano (* 1924), Ehrenvorsitzende
  • Fritz Beyling (1909–1963), ab 1947 Landesvorsitzender der VVN Sachsen-Anhalt; von 1951 bis 1953 Generalsekretär der VVN und Vizepräsident der Fédération Internationale des Résistants (FIR)
  • Siegfried Bibo, langjähriger Vorsitzender der VVN-VdA Westberlin[33]
  • Anneliese Buschmann (1906–1999), Mitbegründerin der Partei Freier Demokraten, später FDP
  • Emil Carlebach (1914–2001), VVN-Präsidium
  • Hans Coppi junior (* 1942), Vorsitzender des Berliner Landesverbandes
  • Ditmar Danelius (1906–1997), 1951–1953 Vorsitzender des Landesverbands Groß-Berlin
  • Alfred Dellheim (1924–2003), Vorsitzender des ostdeutschen IVVdN
  • Ludwig Elm (* 1934), Bundessprecher und Landessprecher Thüringen der VVN-BdA
  • Kurt Erlebach (1922–2008), Generalsekretär der VVN-BdA
  • Heinrich Fink (* 1935), Ehrenvorsitzender der VVN-BdA, bis 2014 Vorsitzender[34]
  • Heinz Galinski (1912–1992), bis 1948 2. Vorsitzender der VVN in Berlin
  • Ottomar Geschke (1882–1957), VVN-Vorsitzender 1947–1953
  • Peter Gingold (1916–2006), Bundessprecher der VVN-BdA
  • Kurt Goldstein (1914–2007), Ehrenvorsitzender der VVN-BdA
  • Alfred Haag (1904–1982), langjähriger Vorsitzender der bayerischen VVN-BdA und der Lagergemeinschaft Dachau
  • Carl Helfrich (1906–1960), erster Chefredakteur der VVN-Zeitung Die Tat
  • Willy Hundertmark (1906–2002), Mitbegründer der VVN und 1983–1991 Vorsitzender der Landesvereinigung Bremen (danach Ehrenvorsitzender)
  • Fred Löwenberg (1924–2004), Antifaschist und Publizist in der DDR
  • Martin Löwenberg (* 1925), deutscher Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und Verfolgter des Naziregimes, ehemaliger KZ-Häftling und Überlebender des Holocaust
  • Else Merkel (1905–1990), Mitbegründerin der VVN und deutsche Widerstandskämpferin
  • Harry Naujoks (1901–1983), Sachsenhausenkomitee
  • Werner Pfennig (1937–2008), Vorsitzender VVN-BdA 2002–2008
  • Harald Poelchau (1903–1972), Gefängnispfarrer im Widerstand gegen das NS-Regime
  • Karl Raddatz (1904–1970), Generalsekretär der VVN in der SBZ und Ko-Geschäftsführer des Interzonensekretariats der VVN
  • Maria Röder (1903–1985), Frauenrechtlerin und KPD-Mitglied
  • Joseph Cornelius Rossaint (1902–1991), Präsident der VVN 1962–1991
  • Heinz Schröder (1910–1997), langjähriger Vorsitzender der VVN-VdA in West-Berlin
  • Hans Schwarz (1904–1970), Ko-Geschäftsführer des Interzonensekretariats der VVN
  • Maria Wachter (1910–2010), Ehrenvorsitzende des VVN-BdA in NRW
  • Fritz Wandel (1898–1956), Gründer und erster Vorsitzender des Reutlinger Kreisverbands der VVN
  • Rolf Weinstock (1920–1952), Vorsitzender des Emmendinger Kreisverbands der VVN
  • Max Zimmering (1909–1973), Landesvorsitzender der VVN-Sachsen 1949 bis 1953

Literatur[Bearbeiten]

  • Bettina Blank: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). In: Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 12 (2000), Baden-Baden 2000, S. 224–239.
  • Bundesamt für Verfassungsschutz: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA). Köln, Juni 1997.
  • Der Bundesminister des Innern (Hrsg.): Bedeutung und Funktion des Antifaschismus, Bonn 1990.
  • Kurt Faller, Bernd Wittich: Abschied vom Antifaschismus. Frankfurt (Oder) 1997, ISBN 3-930842-03-3.
  • Jan Foizik: Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. In: Martin Broszat, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1993, ISBN 978-3-486-55262-1, S. 748 ff.
  • Elke Reuter, Detlef Hansel: Das kurze Leben der VVN von 1947 bis 1953: Die Geschichte der Verfolgten des Nazi-Regimes in der SBZ und DDR. Berlin 1997, ISBN 3-929161-97-4. (umfangreiche Rezension dazu von Thomas Hoffmann in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat. Nr. 5/1998)
  • Wolfgang Rudzio: Die Erosion der Abgrenzung. Zum Verhältnis zwischen der demokratischen Linken und Kommunisten in der Bundesrepublik Deutschland. Opladen 1988, ISBN 3-531-12045-X, S. 111 ff.
  • Ulrich Schneider: Zukunftsentwurf Antifaschismus. 50 Jahre Wirken der VVN für „eine neue Welt des Friedens und der Freiheit“. Bonn 1997, ISBN 3-89144-237-8.
  • Sven Wierskalla: Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) in der Sowjetischen Besatzungszone und in Berlin 1945 bis 1948. Grin, München 2007, ISBN 978-3-638-71696-3 (Textauszug).
  • Hans Coppi, Nicole Warmbold (Hrsg.): 60 Jahre Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Lesebuch zu Geschichte und Gegenwart der VVN. VVN - BdA Berlin 2007 ISBN 978-3-00-021280-2 / 3-00-021280-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: VVN – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. https://www.bayern-gegen-linksextremismus.bayern.de/wissen/parteien-und-szenen/parteien-und-organisationen/vereinigung-der-verfolgten-des-naziregimes-bund-der-antifaschistinnen-und-antifaschisten-vvn-bda-1
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatInterview mit Heinrich Fink. 2. April 2011, abgerufen am 12. Mai 2011.
  3. Eindrücke vom Bundeskongress 2008
  4. Kooperation für den Frieden, Mitwirkende
  5. Nach der Gründungskonferenz in Berlin fand ein Jahr später am 22. - 24. Februar 1948 die „2. Hauptkonferenz“ in Halle und am 26. - 28. Mai 1949 die „3. Hauptkonferenz“ in Dresden statt. Die VVN konstituierte sich auch in den Ländern der SBZ, nämlich am 14. Juni 1945 in Berlin (Leiter: Ottomar Geschke, KPD), am 25. März 1947 in Brandenburg (Walter Mickin, KPD/SED), im Februar 1947 in Mecklenburg (Ernst Puchmüller, KPD/SED), am 9. März 1947 in Sachsen (Fritz Große, KPD/SED), am 26. Januar 1947 in Sachsen-Anhalt (Fritz Beyling, KPD/SED) und am 26. April 1947 in Thüringen (Willi Kalinke, KPD/SED).
  6. Jan Foizik; Martin Bronzit, Hermann Weber (Hrsg.): SBZ-Handbuch: Staatliche Verwaltungen, Parteien, gesellschaftliche Organisationen und ihre Führungskräfte in der Sowjetischen Besatzungszone. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1993, ISBN 978-3-486-55262-1, S. 749
  7. Zeitschrift "antifa" Ausgabe November/Dezember: Nicht mehr »unvereinbar«
  8. Jutta Vergau: Aufarbeitung von Vergangenheit vor und nach 1989: eine Analyse des Umgangs mit den historischen Hypotheken totalitärer Diktaturen in Deutschland. Tectum Verlag, 2000, ISBN 3-8288-8135-1, S. 36.
  9. a b Karin Hartewig: Zurückgekehrt. Die Geschichte der jüdischen Kommunisten in der DDR. Böhlau Verlag, Köln / Weimar 2000, ISBN 978-3-412-02800-8, S. 376ff (books.google.de)
  10. Hans Coppi, 2007: 60 Jahre Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Antifaschistisches Infoblatt. Abgerufen am 1. November 2013.
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