Verflixte Gastfreundschaft

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Filmdaten
Deutscher Titel Verflixte Gastfreundschaft
Originaltitel Our Hospitality
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1923
Länge 64 Minuten
Altersfreigabe FSK 0
Stab
Regie Buster Keaton
Jack G. Blystone
Drehbuch Clyde Bruckman
Jean C. Havez
Joseph A. Mitchell
Produktion Joseph Schenck
Buster Keaton
Kamera Elgin Lessley
Gordon Jennings
Besetzung

Verflixte Gastfreundschaft ist der deutsche Titel der Stummfilmkomödie Our Hospitality von und mit Buster Keaton aus dem Jahr 1923.

Handlung[Bearbeiten]

Zwischen den Familien McKay und Canfield herrscht seit Generationen eine Blutfehde. Weil der gerade einjährige William McKay der einzige Überlebende seiner Sippe ist, lässt ihn seine Mutter bei einer Tante aufwachsen. Mittlerweile volljährig geworden, bekommt er den Landbesitz der McKays übertragen und fährt in die Heimat seiner Familie, wobei er nur einen groben Überblick von der Blutfehde hat. Auf der Fahrt dahin verliebt er sich in Virginia, die zufällig mitreisende Tochter der feindlichen Familie Canfield. Sie lädt den netten Mann in das Haus ihrer Familie ein. Doch Joseph Canfield, der Familienpatriach, sinnt noch immer auf Rache, weil einst sein Bruder James Canfield zusammen mit Williams Vater in einem Schusswechsel starb. Virginias Brüder erkennen Williams Identität und bei seinem Besuch im Haus der Canfields werden ihre Versuche ihm nach dem Leben zu trachten nur vom traditionellen Gesetz der Gastfreundschaft gebremst, solange William das Haus nicht verlässt.

William, der erst nach längerer Zeit erfährt, dass es sich bei seinen Gastgebern um die Canfields handelt, bleibt tagelang bei ihnen. So können ihn Joseph und seine Söhne nicht erschießen. Außerdem stellt sich Williams Landsitz als kleine Hütte heraus, die nach 20 Jahren ohne Bewohner völlig verfallen ist. Nach haarsträubenden Gefahren und abenteuerlichen Verfolgungsjagden muss er Virginia an einem Wasserfall das Leben retten. Es gelingt William schließlich, die Fehde zu beenden, indem er das Mädchen ohne Wissen ihrer Familie mit Hilfe des alten Pfarrers heiratet. Zunächst ist Joseph Canfield wütend, doch dann sieht er ein Schild mit dem Titel love thy neighbor und willigt zum Frieden ein. Sie legen schließlich die Waffen beiseite, wobei sich herausstellt, dass William fast mit dem gesamten Waffenkabinett der Canfields ausgestattet war.

Produktionsgeschichte[Bearbeiten]

Die Geschichte um die Feindschaft zwischen den Familien „McKay“ und „Canfield“ basiert auf der echten Familienfehde der McCoys und Hatfields.

Im Film selbst spielt nicht nur Joe Keaton mit, der Vater Buster Keatons, der auch in vielen weiteren Filmen seines Sohnes mitwirkt. Keaton steht auch mit seiner damaligen Ehefrau Natalie Talmadge (in der weiblichen Hauptrolle) zum einzigen Mal gemeinsam vor der Kamera. Weiterhin im Prolog zu sehen: Busters Sohn James, damals noch ein Baby, als der sehr junge Willie McKay.

Während der Produktion erlitt Keatons Langzeitfilmpartner und Lieblingsbösewicht Joe Roberts einen Herzinfarkt. Er konnte zwar seine Rolle als Patriarch der Canfields noch zu Ende spielen, verstarb jedoch etwa einen Monat später nach einem weiteren Herzinfarkt.

Für Buster Keaton, der seinen Ruhm auch darauf aufbaute, die gefährlichsten Stunts selbst auszuführen, wurde es in dieser Produktion zwei Mal höchst gefährlich. So riss beim Dreh im Truckee River ein Draht, an dem Keaton zur Sicherheit festgebunden war. Er wurde von der Stromschnelle erfasst. Da der Kameramann die Anweisung hatte, weiterzudrehen, egal, was passiert, findet sich dieser Moment auch im fertigen Film. Risikoreich verlief auch der legendäre Stunt am Wasserfall: Der an einem Stück Seil festgebundene Willie McKay schwingt sich in dem Moment, als sie den Wasserfall hinabzustürzen droht, seiner Geliebten entgegen. Es gelingt ihm, sie an den Händen zu fassen und am sicheren Felsvorsprung abzusetzen. Die Geliebte wurde von einer Puppe gedoubelt, und auch der Wasserfall auf dem Studiogelände nachgebaut. Dennoch schluckte Keaton, als er unter dem Wasserfall hing, soviel Wasser, dass sein Magen ausgepumpt werden musste.

Für das Szenenbild war im übrigen Fred Gabourie zuständig.

Analyse[Bearbeiten]

In seinem zweiten abendfüllenden Film (nach Three Ages) konzentrierte sich Buster Keaton erstmals auf das Drama seiner Geschichte und verzichtete auf absurde Gags. Er war der Überzeugung, das Publikum würde einer Geschichte nicht mehr folgen, sollte ihm ein Gag unglaubwürdig erscheinen. Auch in späteren Filmen versuchte er, diesem Grundsatz treu zu bleiben: Im folgenden Sherlock, Jr. kommen zwar unmögliche Gags vor, doch nur innerhalb der geträumten Handlungsebene. Laut Jim Kline fällt Our Hospitality für eine Komödie streckenweise fast zu ernsthaft aus. Bezeichnend für den neuen Stil - in seinen Kurzfilmen bemühte er sich regelrecht um Absurdität und Übertreibung - ist der Prolog des Films. Die Feindschaft der beiden Häuser McKay und Canfield wird in einer betont tragischen Szene dramatisiert, die sich jedem Anflug von Komik verschließt.

Das Bemühen um Glaubwürdigkeit spiegelt sich auch in der authentischen Ausstattung des in den 1830er Jahren spielenden Films. Besonders auffällig dabei: Der originalgetreue Nachbau einer der ersten Dampflokomotiven im Linienverkehr, The Rocket. Wegen seiner ambitionierten Bildgestaltung zählt Our Hospitality zu Keatons am schönsten fotografierten Filmen.[1]

Kritiken[Bearbeiten]

„Zweiter Langspielfilm von Buster Keaton, eine der köstlichsten Komödien der Filmgeschichte, voller genialer Gags, atemraubender Artistik und märchenhaft versponnener Poesie.“

Lexikon des internationalen Films[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Jim Kline: The Complete Films of Buster Keaton. Citadel Press, New York 1993, ISBN 0-8065-1303-9, S. 93–97.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vgl. Jim Kline: The Complete Films of Buster Keaton. 1993, S. 94.
  2. Kritik bei Zweitausendeins