Vergissmeinnicht

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Dieser Artikel handelt von der Pflanzengattung Vergissmeinnicht. Für andere Bedeutungen, siehe Vergiss mein nicht.
Vergissmeinnicht
Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica)

Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Myosotideae
Gattung: Vergissmeinnicht
Wissenschaftlicher Name
Myosotis
L.

Das Vergissmeinnicht (Myosotis) ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Sorten einiger Arten werden als Zierpflanzen verwendet. Der Name entstammt vermutlich einer deutschen Sage aus dem Mittelalter, als die kleine Pflanze Gott bat, sie nicht zu vergessen. Zur sprachlichen Besonderheit des Vergissmeinnichts gehört der ungebrochene Namenstransfer aus dem Deutschen in zahlreiche andere Sprachen, etwa 勿忘我不 (Wù wàngwǒ bù) im Chinesischen[1] oder Forget-me-not im Englischen, wo der Sprachtransfer durch den englischen König Heinrich IV. 1398 belegt ist.[2]

Beschreibung[Bearbeiten]

Illustration des Sumpf-Vergissmeinnichts (Myosotis scorpioides)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Vergissmeinnicht-Arten sind einjährige oder ausdauernde krautige Pflanzen. Die Stängel sind meist verlängert. Die oberirdischen Pflanzenteile sind kurz flaumig behaart oder kahl.[3] Die wechselständigen[3] Laubblätter sind ganzrandig und meist behaart.

Generative Merkmale, Bestäubungs- und Ausbreitungsbiologie[Bearbeiten]

Die Blüten stehen meist in gepaarten Wickeln. Sie haben keine oder wenige Hochblätter. Der Blütenstiel ist nach der Blüte verlängert. Die Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelten Perianth. Die fünf Kelchblätter sind glocken- oder trichterförmig verwachsen. Der Kelch ist regelmäßig fünfzipfelig und vergrößert sich bei einigen Arten nach der Blütezeit. Die fünfzählige, meist stieltellerförmige, selten glocken- bis trichterförmige Krone ist am Grund verwachsen. Die Kronblätter sind blau bis violett, selten gelb, weiß oder rosa gefärbt. Die fünf Schlundschuppen sind kahl, gelb oder weiß. Die fünf Staubblätter ragen wie der Griffel meist nicht aus der Kronröhre hervor. Die Staubbeutel sind eiförmig bis elliptisch.[3] Die Narbe ist kopfig. Die Blüten sind in der Regel zwittrig und homogam. Einige Arten bilden auch rein weibliche, gynodiözisch verteilte Blüten, das heißt, es gibt Pflanzen mit zwittrigen und Pflanzen mit rein weiblichen Blüten. Blütenbestäuber sind Dipteren, Hymenopteren und Schmetterlinge. Selbstbestäubung ist möglich. Viele kleinblütige Arten bilden selbstbefruchtende (autogame) Blüten.

Die vier Teilfrüchte der Klausenfrucht sind im Umriss breit lanzettlich bis eiförmig, aufrecht, mehr oder weniger abgeflacht und in der Regel kantig. Die Oberfläche der Teilfrüchte ist glatt und glänzend, von bräunlicher, schwarzer oder selten grünlicher Farbe. Manchmal wird auch ein Elaiosom gebildet. Die Ausbreitung der Teilfrüchte erfolgt durch verschiedene Mechanismen: Der abstehende behaarte Fruchtkelch kann an Tieren anhaften (Epizoochorie), die Arten mit Elaiosomen werden durch Ameisen verbreitet (Myrmekochorie). Selten sind Endozoochorie oder Ausbreitung durch den Wind (Anemochorie).

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Myosotis ist in Europa, Asien, Afrika, Australien und Nordamerika verbreitet.[3] In Südamerika kommt nur Mysotis albiflora im äußersten Süden vor.[4]

Etymologie[Bearbeiten]

Myosotis stammt aus dem Griechischen und bedeutet „Mäuseohr“. Bereits Plinius hat damit eine nicht näher identifizierbare Pflanzenart mit mäuseohrähnlichen Blättern beschrieben. Es wird gemeinhin vermutet, dass Carl von Linné, welcher der Gattung ihren Namen gab, sich dabei an systematischen Gesichtspunkten orientierte und sich bei Betrachtung der Vergissmeinnicht-Blätter an Mäuseohren erinnert sah. Diese These wird von Botanikern wie Helmut Genaust angezweifelt, da die Blätter seiner Meinung nach deutlich spatelförmig bis linealisch geformt sind und keineswegs an Mäuseohren erinnern. Linné müsse daher den Namen aus dem Volksmund von einer anderen Pflanzensippe übernommen haben.[5]

Der deutsche Pflanzenname „Vergissmeinnicht“ ist seit dem 15. Jahrhundert bezeugt. Gemäß Friedrich Kluge geht der Name aus einer alten Tradition hervor: Weil die blauen Blüten gemäß dem Volksglauben an die Augen frisch verliebter Menschen erinnern, seien Vergissmeinnichte gern als Liebes- und Treuebeweis verschenkt worden, meist vom Mann an die Frau. Daher finde sich in althochdeutschen Schriften der Name Fridiles auga („Auge der/des Geliebten“) als Pflanzenname. Allerdings sei der Name „Vergissmeinnicht“ früher eher für die Pflanzenart Veronica chamaedrys („Gamander-Ehrenpreis“) verwendet worden. Grund hierfür war die rasche Vergänglichkeit der Blüten und ihr leichtes Abbrechen, was mit der den Männern nachgesagten Treulosigkeit verglichen wurde. Andersherum wird gleichsam überliefert, dass die Blüten die Frau an ihren Geliebten und ihre versprochene Treue erinnern sollte. Vergissmeinnichte und Ehrenpreise wurden in früherer Zeit auch „Männertreu“ genannt (heute heißt die Pflanzenart Lobelia erinus so). Andere Volksnamen sind „Froschäuglein“ und „Katzenauge“, wobei Letzteres wiederum eher den Ehrenpreis meint.[5]

Systematik[Bearbeiten]

Die gültige Erstveröffentlichung des Gattungsnamens Myosotis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum.[6] Lectotypus ist Myosotis scorpioides L.[7]

Die Gattung Myosotis gehört zur Tribus Myosotideae in der Unterfamilie Boraginoideae innerhalb der Familie der Boraginaceae. Es gibt weltweit etwa 50 Myosotis-Arten, von denen 41 auch in Europa vorkommen.

Alpen-Vergissmeinnicht (Myosotis alpestris)
Buntes Vergissmeinnicht (Myosotis discolor)
Hügel-Vergissmeinnicht (Myosotis ramosissima)
Bodensee-Vergissmeinnicht (Myosotis rehsteineri)
Sumpf-Vergissmeinnicht (Myosotis scorpioides)
Myosotis stolonifera
Sand-Vergissmeinnicht (Myosotis stricta)

Die in Mitteleuropa vorkommenden Arten sind:[8][9][10]

Die weiteren in Europa[12] und im Mittelmeerraum vorkommenden Arten sind:[13]

Weitere Arten:

Nahaufnahme von Vergissmeinnicht-Blüten

Nutzung[Bearbeiten]

Sorten einiger Arten werden als Zierpflanze in Parks und Gärten genutzt. Bis ins 19. Jahrhundert wurde zwischen den einzelnen Arten praktisch nicht unterschieden. Seit dem 16. Jahrhundert wird immer wieder das Sumpf-Vergissmeinnicht, seltener das Acker-Vergissmeinnicht abgebildet. In den älteren Schriften wird das Vergissmeinnicht immer als Wildpflanze bezeichnet. Als Gartenzierpflanze wurden Vergissmeinnichte ab circa 1830 in England und Deutschland gezüchtet. Das sogenannte Garten-Vergissmeinnicht hat seinen Ursprung im Wald-Vergissmeinnicht (Myosotis sylvatica). Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden etliche Sorten.[16]

Berliner Sonderbriefmarke von 1977

Symbolik[Bearbeiten]

  • Das Vergissmeinnicht ist ein Symbol für zärtliche Erinnerung sowie für Abschied in Liebe. Das Vergissmeinnicht trägt in vielen Sprachen einen Namen mit der gleichen Bedeutung.[17] Oftmals gehören entsprechende Legenden dazu.

Belege[Bearbeiten]

  •  Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  • Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Myosotis. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9, S. 360–361., online (Abschnitte Beschreibung und Systematik).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Liu Huijun, Taoliang Hua: 中华散文百年精华. 人民文学出版社, Peking 1999, ISBN 7-02-002883-7, S. 384.
  2. Jack Sanders: The Secrets of Wildflowers: A Delightful Feast of Little-Known Facts, Folklore, and History. Globe Pequot, 2003, ISBN 1-58574-668-1.
  3. a b c d e f Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Myosotis. In:  Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 16: Gentianaceae through Boraginaceae, Science Press/Missouri Botanical Garden Press, Beijing/St. Louis 1995, ISBN 0-915279-33-9, S. 360–361., online.
  4. Karl Reiche: Flora de Chile. Tomo quinto: Familias 59 [Stylidiaceae] (conclusión) - 83 [Nolanaceae]. Cervantes, Santiago de Chile, 1910, S. 239 PDF-Datei: Myosotis.
  5. a b Friedhelm Sauerhoff: Pflanzennamen im Vergleich: Studien zur Benennungstheorie und Etymologie (= Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik, Beihefte. Band 113). Franz Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07857-6, S. 205-207.
  6. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 131, Digitalisat.
  7. A. S. Hitchcock, M. L. Green: Standard-species of Linnaeus genera of Phanerogamae (1753-1754). In: International Botanical Congress. Cambridge (England), 1930 (Hrsg.): Nomenclature. Proposals by British Botanists. London, 1929, S. 127 (PDF-Datei).
  8.  Manfred A. Fischer, Wolfgang Adler, Karl Oswald: Exkursionsflora für Österreich, Liechtenstein und Südtirol. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Land Oberösterreich, Biologiezentrum der Oberösterreichischen Landesmuseen, Linz 2005, ISBN 3-85474-140-5.
  9.  Siegmund Seybold (Hrsg.): Schmeil-Fitschen interaktiv. CD-ROM, Version 1.1, Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2002, ISBN 3-494-01327-6.
  10.  Christian Heitz: Schul- und Exkursionsflora für die Schweiz. Mit Berücksichtigung der Grenzgebiete. Bestimmungsbuch für die wildwachsenden Gefässpflanzen. Begründet von August Binz. 18. vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Schwabe & Co., Basel 1986, ISBN 3-7965-0832-4.
  11. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al Benito Valdés: Boraginaceae. Myosotis. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. Berlin 2011.
  12. a b  T. G. Tutin, V. H. Heywood, N. A. Burges, D. M. Moore, D. H. Valentine, S. M. Walters, D. A. Webb (Hrsg.): Flora Europaea. Volume 3: Diapensiaceae to Myoporaceae, Cambridge University Press, Cambridge 1972, ISBN 0-521-08489-X, S. 111 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  13.  Werner Greuter, Hervé-Maurice Burdet, Guy Long (Hrsg.): Med-Checklist. A critical inventory of vascular plants of the circum-mediterranean countries. Vol. 1 (Pteridophyta (ed. 2), Gymnospermae, Dicotyledones (Acanthaceae–Cneoraceae)). Conservatoire et Jardin Botanique, Genève 1984, ISBN 2-8277-0151-0. (online).
  14. Boraginaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am 21. Februar 2014.
  15. Martin Cheek, Ralf Becker: A New Species of Myosotis L. (Boraginaceae) from Cameroon, with a Key to the Tropical African Species of the Genus. In: Kew Bulletin. Band 59, Nr. 2, 2004, S. 227–231, JSTOR 4115854.
  16. Heinz-Dieter Krausch: Kaiserkron und Päonien rot... Von der Entdeckung und Einführung unserer Gartenblumen. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2007, ISBN 978-3-423-34412-8, S. 301f.
  17. Marianne Beuchert: Symbolik der Pflanzen. Insel, Frankfurt/Leipzig 2004, ISBN 3-458-34694-5, S. 323.
  18. Ernst-Günther Geppert: Das Vergißmeinnicht-Abzeichen und die Freimaurerei. Stand: 14. Juli 2010, online (abgerufen am 14. Juli 2010).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vergissmeinnicht (Myosotis) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien