Veritas (Automobil)

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Veritas-Logo
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Veritas RS mit dem 6-Zylinder-Motor des BMW 328, 1971 cm³, ca. 125 PS
Veritas RS mit dem 6-Zylinder-Motor des BMW 328, 1971 cm³, ca. 125 PS
Formel-2-Rennwagen Veritas Meteor
Formel-2-Rennwagen Veritas Meteor
Comet S Prototyp (1950)
Comet S Prototyp (1950)
… Serienproduktion unterblieb
… Serienproduktion unterblieb
Veritas-Nürburgring von 1953 mit Spohn-Karosserie
Veritas-Nürburgring von 1953 mit Spohn-Karosserie

Veritas (in Anlehnung an das italienische Wort „verità“ für Wahrheit) war nach dem Zweiten Weltkrieg ein deutscher Renn- und Sportwagenhersteller in Hausen am Andelsbach und Meßkirch im Landkreis Sigmaringen, in Muggensturm bei Rastatt, jeweils in Baden-Württemberg, und zuletzt am Nürburgring in Rheinland-Pfalz.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Die früheren BMW-Mitarbeiter Schorsch Meier, Lorenz Dietrich, sowie der einstige Leiter der BMW-Sportwagenabteilung Ernst Loof[1] entschlossen sich nach dem Zweiten Weltkrieg, aus alten BMW-328-Sportwagen neue Rennwagen zu bauen.[2] Als Vierter kam der ehemalige Sechstagerennfahrer Werner Miethe hinzu. Johann Amann aus Schnerkingen war bei Veritas Fertigungs- und Auslieferungsmeister. Bei Rennen auf dem Nürburgring war er als Mechaniker dabei.[2] Kurt Frick aus Meßkirch (heute in Tuttlingen) war als Karosseriebauer[3] und unter anderem als Dünnblechschweißer tätig. Franz Schüle aus Mottschieß zerlegte als Lehrling bei Veritas die BMWs. Der erste Käufer eines Veritas-Rennsportautos war der Donaueschinger Maximilian Egon Prinz zu Fürstenberg.[2]

Die Fahrzeuge wurden von 1946 bis 1949[4] in Meßkirch im Gebäude des ehemaligen Reichsarbeitsdienstlagers[5] auf dem heutigen Bizerba-Gelände gebaut. Zuvor war der Sitz in Hausen am Andelsbach, wo die Veritas-Werke nach 1946[6] den Betrieb der Rüstungsfirma Weinper übernahmen, als diese ihren Betrieb nach Venezuela verlegte. Dietrich, Meier, Loof und Miethe hatten in Meßkirch das damals leer stehende Betriebsgebäude der Firma Weinper angemietet.[2]

In den frühen Nachkriegsjahren war es schwierig, Rennfahrzeuge herzustellen, da das Material knapp war. Deshalb stattete Veritas die Wagen anfangs mit Teilen unterschiedlichster Hersteller aus.[1] Durch gute Kontakte zu den französischen Besatzungsmächten[5] gelang bereits 1947 der Bau des Rennsportwagens „Veritas RS“ (das RS stand für RennSport). Gekauft wurden damals die Aluminium- und Eisenbleche für den eigenen Karosseriebau im Tausch gegen Naturalien. Die Arbeiter trieben die Alubleche von Hand auf Holzmodellen. 25.000 Reichsmark kostete ein Veritas. Das entsprach dem Gegenwert eines Einfamilienhauses. Aufträge von Automobilsalons in Genf und Paris gab es viele, nur keine Teile.[2] 1948 folgte dem Rennsportwagen „Veritas RS“ der Monoposto „Veritas Meteor“.

Neben den Rennwagen entstanden drei Modelle von Straßensportwagen mit den „astronomische Namen“ Comet, Scorpion und Saturn.

Anfang der 1950er-Jahre – die am 1. März 1948[5] ins Handelsregister eingetragene Firma Veritas in Meßkirch steckte in finanziellen Schwierigkeiten und musste Konkurs anmelden[7] – verlegte Veritas unter dem Techniker Ernst Loof die Produktion nach Muggensturm in der Nähe von Rastatt am Rande des Schwarzwaldes.

Bald darauf wurde das Unternehmen gänzlich zahlungsunfähig. Ernst Loof versuchte einen Neubeginn in den alten Werkstatträumen des Auto-Union-Grand-Prix-Teams am Nürburgring[8], wo ab 1951 der „Veritas-Nürburgring“ produziert wurde. Veritas baute mit Spohn-Karosserie ab 1952 noch etwa 20 Coupés und Cabriolets für den damals stolzen Preis von 21.500 respektive 22.000 Deutsche Mark. Jedoch sollten nur acht Wagen gebaut werden. 1953 kam das endgültige Aus für die Marke, woraufhin die BMW AG die Reste des Unternehmens samt Inhaber übernahm.[5] Auch in der Zeit am Nürburgring wurden neben besagten Sportwagen auch Prototypen von Rennsportwagen, der „Veritas Nürburgring RS“, gefertigt. Diese fanden aber keine Käufer mehr.

Veritas meldete in seiner Firmengeschichte drei Konkurse an.[2]

[Bearbeiten] Rennen

Die Rennwagen von Veritas waren nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und dem angrenzenden Ausland erfolgreich; sie errangen in verschiedenen Klassen 29 Gesamtsiege und 13 deutsche Meistertitel. Ganze neun Siege bei Meisterschaftsrennen, vornehmlich in Hockenheim, kann der Veritas für sich verbuchen. Originalurkunden aus dem Oldtimermuseum Meßkirch belegen dies.[4]

Der Veritas Meteor gewann zweimal das Solitude-Rennen: 1949 mit Toni Ulmen und 1950 mit Karl Kling vor Hermann Lang. Beim Großen Preis von Deutschland 1950 auf dem Nürburgring wurde Toni Ulmen im Veritas Vierter. Weitere bekannte Fahrer auf Veritas waren Ralph Roese, Paul Pietsch sowie die späteren Le-Mans-Sieger Fritz Riess und Hans Herrmann. Johann Amann, Leiter der Endfertigung, war bei Rennfahrern wie Karl Kling und Toni Ulmen als Rennmechaniker der vertrauteste und wichtigste Mann.[3]

Beim Schweizer Formel-1-Grand-Prix 1951 startete Peter Hirt mit einem Veritas Meteor. Veritas ist damit die erste deutsche Automobilmarke, die an einem Formel-1-Rennen teilnahm.

[Bearbeiten] Dyna-Veritas

Lorenz Dietrich lernte während der Besetzung Frankreichs den Automobilkonstrukteur Paul Panhard kennen. Auf der Automobilausstellung 1949 in Paris trafen sie sich wieder, und Panhard machte das Angebot, seine Fahrzeuge in Lizenz in Deutschland herzustellen.

Da Dietrich aber die Karosserie nicht gefiel, entschied er sich, nur die Technik des Panhard zu übernehmen und mit einem neu entworfenen Aufbau zu versehen. Das erste Panhard-Chassis wurde am 20. Januar 1950 geliefert. Da eine komplett neu entwickelte Karosserie zu teuer gewesen wäre, baute Baur in Stuttgart eine Karosserie unter Verwendung von verschiedenen DKW-Teilen wie Türen, Armaturenbrett und Heck. Am 11. Mai 1950 wurde das Fahrzeug der Öffentlichkeit vorgestellt. Das 2+2-Sitzer-Cabriolet mit dem 750-cm³-Panhard-Motor kostete 7700 DM. Von diesem Modell wurden nur vierzehn Stück gebaut.

Obwohl es der Firma finanziell schlecht ging, ließ Loof bei der Wuppertaler Karosseriebaufirma Drews ein Coupé und einen Roadster bauen. Es blieben allerdings Einzelstücke. Nach dem Konkurs von Veritas im November 1950 gründete Dietrich in Baden-Baden die Dyna Import und Export GmbH, die den Vertrieb von Panhard-Fahrzeugen in Deutschland übernahm. Im Januar 1951 wurden 15 Panhard Dyna X Typ 120 ausgeliefert. Im März 1951 wurden wieder Dyna-Veritas produziert. Von dem neuen Roadster baute Baur 1951 90 Stück, wovon 33 in Deutschland blieben, der Rest ging in den Export nach Frankreich, in die Schweiz und nach Skandinavien. 1952 wurden 65 und 1953 zwölf Fahrzeuge gebaut. Im Jahr 1954 wurde die Firma Dyna Automobil GmbH geschlossen. Insgesamt sollen 176 Dyna-Veritas gebaut worden sein. Als echte „Veritas“ gelten jedoch nur die etwa 30 gebauten Fahrzeuge mit BMW-Technik sowie weitere 30 mit eigener Veritas-Technik[5].

[Bearbeiten] Sonstiges

Seit dem Jahr 2008 arbeitet die Vermot AG aus Geldorf, Ortsteil von Grafschaft im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz, in der Nähe des Nürburgrings, an der Fertigstellung eines Sportwagens, der unter der Bezeichnung Veritas RS III die einst berühmte Marke neu erstehen lassen soll. Der Wagen wird wahlweise von einem BMW-V10- oder BMW-V8-Motor angetrieben, der 441 kW (600 PS) bzw. 353 kW (480 PS) leisten soll.[9] Der Sportwagen soll eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 347 Kilometer pro Stunde erreichen, dies ist durch eine Karosserie bestehend aus Karbon und Kevlar möglich. Bei Beschleunigungstests benötigte der Veritas RS III je nach Aggregat 3,2 oder 3,6 Sekunden um von 0 auf 100 Kilometer pro Stunde zu kommen. Die Kosten für den puristischen Einsitzer, der Ende 2008 in einer auf 30 Exemplare pro Jahr limitierten Kleinserie hergestellt werden soll, werden sich laut Firmenangaben auf rund 220.000 Euro belaufen.[10] Ab 2009 will der Schweizer Rennstall „Veritas-Brabham“ den Wagen bei Langstreckenrennen einsetzen, u. a. bei den 24 Stunden auf dem Nürburgring.

In Meßkirch befindet sich in der Remise des Schlosses Meßkirch, sowie in einem Kellerraum im Südostflügel, das Oldtimermuseum der Oldtimer-Freunde Meßkirch und Umgebung e.V. Das Herzstück der Ausstellung bildet eines der raren Exemplare der legendären Meßkircher Nachkriegs-Automarke.[11][12]

Des Weiteren hat das EFA-Museum für Deutsche Automobilgeschichte in Amerang im Landkreis Rosenheim in Bayern eine sehr gute Broschüre über Veritas anlässlich einer dort gezeigten Sonderschau herausgegeben.

Die Gemeinde Muggensturm benannte 2006 eine Straße nach dem Rennsportwagen. Die „Veritasstraße“, die das Industriegebiet des Ortes mit der Gemeinde Muggensturm verbindet, war seit Jahren in der Diskussion und teilweise heftig umstritten; denn das Bauvorhaben kostete mehrere Millionen Euro.[3]

Von Kaiser-Models aus Ungarn gibt es Veritas-Modellautos im Maßstab 1 : 43.

[Bearbeiten] Technische Daten des Veritas Meteor

Veritas Meteor
Veritas Meteor
6-Zylinder-Motor von Heinkel in einem Veritas Meteor
6-Zylinder-Motor von Heinkel in einem Veritas Meteor
Cockpit des Veritas Meteor
Cockpit des Veritas Meteor
Kenngrößen[13] Daten (1949)
Motor:  6-Zylinder-Reihenmotor
Motorsteuerung:  eine obenliegende Nockenwelle
Hubraum 1988 cm³
Bohrung × Hub:  75 × 75 mm
Verdichtungsverhältnis:  12: 1
Vergaser 3 Solex API 40
Leistung:  103 kW (140 PS) bei 7000/min
Getriebe:  5-Gang (4 Gänge synchronisiert)
Radaufhängung vorn:  Doppelquerlenker
Radaufhängung hinten:  Dreieckslenker und De-Dion-Tragrohr
Federung:  längsliegende Torsionsstäbe
Stoßdämpfer hydraulisch
Bremsen:  Trommelbremse, Ø 300 mm
Belagbreite :  50 mm
Reifengröße:  vorn 5.50 × 16“, hinten 6.00 × 16"
Rahmen:  Rohrgitter
Länge x Breite x Höhe:  3370 × 1550 × 1050 mm
Radstand 2250 mm
Spurweite vorn 1280 mm, hinten 1300 mm
Wendekreis:  12,5 m
Trockengewicht 560 kg
Höchstgeschwindigkeit:  bis 240 km/h

Der Motor des Veritas Meteor, den die ehemaligen BMW-Mitarbeiter Karl Schäfer, Karl Rech und Max Knoch konstruierten, hatte mit dem BMW-328-Motor fast nur noch die Anzahl der Zylinder gemein. Gebaut wurde das Triebwerk bei Heinkel.

[Bearbeiten] Bilder

[Bearbeiten] Literatur

  • Hanns-Peter Rosellen: Die Veritas-Story. Chronik einer legendären deutschen Marke 1947–1953. Motorbuch-Verlag. Stuttgart 1983. ISBN 3-87943-923-0
  • Veritas-Register (Herausgeber); Stadt Meßkirch (Herausgeber): 50 Jahre Nachkriegsrennsport 1947–1997. Dokumentation zum 6. Internationalen Veritas-Treffen, 3.–6. Juni 1997 in Meßkirch. Meßkirch: Veritas-Register, 1997.
  • Bernhard Vermeylen: Panhard, ses voitures d'après-guerre.

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. a b Falko Hahn: Historische Raritäten zu sehen. In: Südkurier vom 24. Mai 2005
  2. a b c d e f Sandra Häusler: Ein Flitzer im Wert eines Einfamilienhauses. In: Südkurier vom 16. Juli 2008
  3. a b c Dieses Auto verbindet. In: Südkurier vom 9. November 2006
  4. a b Marian Meidel: Oldtimermuseum neu gestaltet. In: Südkurier vom 14. Mai 2005
  5. a b c d e Gudrun Beicht: Zwei Damen und ein Auto. In: Südkurier vom 2. September 2005
  6. Zwei rührige Schaffer. In: Südkurier vom 22. November 2005
  7. Schaulaufen für Schnauferl am 8. Juli. In: Südkurier vom 12. April 2007
  8. Matthias Röcke: Am Nürburgring gebaute Oldtimer: Veritas und Martini-BMW auf der Seite der Kreisverwaltung Ahrweiler (abgerufen am 17. Juli 2008)
  9. Selbstdarstellung Veritas RS III der Vermot AG und motormobiles2 (abgerufen am 15. Juli 2008)
  10. Vermot entwickelt neuen Sportwagen Veritas RS III. In: Südkurier vom 20. Mai 2008
  11. Markus Vonberg: Veritas am Stand. In: Südkurier vom 11. März 2005
  12. Fachwelt staunte über Meßkircher Oldtimer. In: Südkurier vom 18. März 2005
  13. Edler/Roediger: Die deutschen Rennfahrzeuge, Fachbuchverlag Leipzig, 1956, ISBN 3-343-00435-9

[Bearbeiten] Weblinks

Commons
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