Verkehrstrennungsgebiet

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Darstellung von Verkehrstrennungsgebieten in der Seekarte

Ein Verkehrstrennungsgebiet (Abkürzung VTG oder englisch TSS für traffic separation scheme) ist in der Schifffahrt ein Gebiet mit getrennten Fahrspuren für unterschiedliche Fahrtrichtungen. Meist werden VTG dazu verwendet, an Engstellen oder Kaps den Verkehr zu kanalisieren und einen möglichst homogenen Verkehrsfluss zu erzeugen, um die Gefahr von Kollisionen zu verringern. Die Fahrregeln in einem VTG sind in Regel 10 der Kollisionsverhütungsregeln festgelegt.

Verkehrstrennungsgebiete befinden sich beispielsweise in der Mitte des Englischen Kanals oder in der deutschen Bucht in mehreren Seemeilen Abstand zur Küstenlinie. Zwischen der Küstenlinie und dem Verkehrstrennungsgebiet befindet sich die Küstenverkehrszone. Verkehrstrennungsgebiete sind ähnlich wie Autobahnen aufgebaut und bestehen aus für jede Fahrtrichtung zugewiesenen Zonen sowie einer Trennlinie oder Trennzone in der Mitte, deren Befahrung verboten ist. Die Außengrenzen sowie die Mittellinie sind meist durch Seezeichen im Abstand von mehreren Seemeilen markiert. Die exakten geographischen Lagen der Verkehrstrennungsgebiete sind in den amtlichen Seekarten mit den zugewiesenen Fahrtrichtungen verzeichnet. Motorschiffe über 20 Meter Länge haben die Verkehrstrennungsgebiete zu benutzen. Kleinere Fahrzeuge und Segelschiffe dürfen dagegen die Küstenverkehrszone benutzen.

Regeln zum Queren eines Verkehrstrennungsgebiets[Bearbeiten]

Querung eines VTG:
oben ohne Strömung
unten mit starker Strömung von links
  • Das Queren eines Verkehrstrennungsgebietes ist möglichst zu vermeiden.[1][2][3]
  • Wenn ein Verkehrstrennungsgebiet trotzdem gequert wird, dann in rechtem Winkel zur allgemeinen Verkehrsrichtung.[1][2][3]
  • Bei Strom oder starkem Wind, der das Boot versetzt, gilt es, die Kielrichtung im rechten Winkel zur allgemeinen Verkehrsrichtung zu halten, um das Verkehrstrennungsgebiet möglichst schnell zu durchqueren.[1][2][3] Dabei darf der Kurs über Grund vom rechten Winkel abweichen.

Sehr lange Verkehrstrennungsgebiete sind meist im Abstand von circa 30 Seemeilen für ein kurzes Stück unterbrochen, um Schiffen das Queren zu erleichtern. Diese Stellen werden in der Seekarte als gestrichelte Pfeile gekennzeichnet (siehe Abbildung oben). Ein falsches Queren kann zu einer Geldbuße in Höhe von 150 Euro führen.

Ausweichregeln in VTG[Bearbeiten]

Schiffe müssen in den VTG nach den Regeln der Kollisionsverhütungsregeln (KVR) untereinander ausweichen. Das gilt auch für den Fall, dass ein Fahrzeug das VTG quert. Ist ein Fahrzeug, das dem VTG folgt, gegenüber einem das Fahrwasser querenden Fahrzeug nach den KVR ausweichpflichtig (z. B. wenn ein Maschinenfahrzeug bei kreuzenden Kursen mit einem anderen Maschinenfahrzeug dieses an seiner Steuerbordseite hat), muss es auch im VTG ausweichen, so dass Fahrzeuge in den VTG (anders als Fahrzeugen auf Seeschifffahrtsstraßen) keine Vorfahrt gegenüber Fahrzeugen haben, die das VTG queren oder in dies einlaufen.

Da Fahrzeuge unter 20 Meter Länge und Segelfahrzeuge jedoch einem Behinderungsverbot gegenüber den Fahrzeugen im VTG unterliegen, dürfen diese Fahrzeuge keine dem VTG folgende Fahrzeuge zum Ausweichen zwingen. Kommt es dennoch zu einer solchen Situation (Fahrlässigkeit, unvorhergesehenes Ereignis etc.), muss sich das dem VTG folgende Fahrzeug gegenüber dem querenden Fahrzeug unter 20 Metern Länge oder dem Segelfahrzeug nach Maßgabe der KVR verhalten und evtl. ausweichen.

Literatur[Bearbeiten]

  1. a b c Axel Bark, Sportküstenschifferschein + Sportbootführerschein See, Delius-Klasing-Verlag, 9. Auflage, ISBN 978-3-7688-2477-4, Seite 224 (Zeichnung) und Seite 312, Frage 97
  2. a b c http://www.elwis.de/Schifffahrtsrecht/Seeschifffahrtsrecht/KVR/Teil-B/Abschnitt-I/Regel10/ Regel 10c
  3. a b c http://www.elwis.de/Freizeitschifffahrt/fuehrerscheininformationen/Fragenkatalog-See.pdf Frage 97
  • Sicherheit auf dem Wasser, Broschüre des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Stand: Januar 2011, Seite 35
  • W. Paul: Kollisionsverhütungsregeln, DSV-Verlag 1998, ISBN 3-88412-298-3, S. 58–76
  • Müller/Krauß: Handbuch für die Schiffsführung, Band 2, Teil A, 9. Auflage, Springer Verlag 1988, ISBN 3-540-17939-9, S. 16–18
  • A. N. Cockcroft, J. N. F. Lameijer: A Guide to the Collision Avoidance Rules, 6. Auflage, Elsevier 2001, ISBN 0-7506-6179-8, S. 68–84

Weblinks[Bearbeiten]

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!