Verlustaversion

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Verlustaversion (englisch: loss aversion) bezeichnet in der Psychologie und Ökonomie die Tendenz, Verluste höher zu gewichten als Gewinne. Beispielsweise ärgert man sich über den Verlust von 100€ mehr als man sich über den Gewinn von 100€ freut. Die Entdeckung des Phänomens geht auf Kahneman und Tversky (1979[1]) zurück.[2]

Die Verlustaversion kann mithilfe von Experimenten gemessen werden, etwa mit der Frage: Was ist der niedrigste Gewinn, den ich brauche, um die 50-prozentige Wahrscheinlichkeit eines Verlusts von 100 Dollar auszugleichen? Für viele Menschen liegt die Antwort bei etwa 200 Dollar. Das Maß der Verlustaversion, die Verlustaversionsrate, liegt in diesem Fall bei 2,0. In mehreren durchgeführten Experimenten lag die durchschnittliche Verlustaversionsrate zwischen 1,5 und 2,5.[3] Im Aktienhandel gehört die Verlustaversion zu den wichtigsten Verhaltensmustern der Anleger.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Daniel Kahneman, Amos Tversky (1979): Prospect Theory: An Analysis of Decision under Risk. Econometrica 47: 263-292.
  2. Rüdiger von Nitzsch: Entscheidungslehre. Verlag Mainz, 2007. S. 105.
  3. Daniel Kahneman: Schnelles Denken, langsames Denken. Siedler, 2012. S. 349
  4. Lee Davidson: Wenn Verluste stärkere Schmerzen machen als Gewinne Freude. Morningstar, 27. Januar 2012.