Verner Panton

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Verner Panton (1996)
Verner Pantons Stuhl Panton, 1959/60
Spiegel-Kantine, Hamburg (2006)
Sitzgruppe Amoeba

Verner Panton (* 13. Februar 1926 in Gamtofte bei Assens; † 5. September 1998 in Kopenhagen) war ein dänischer Architekt und Designer. Er führte als einer der ersten die Pop-Art in die Welt der Möbel ein. Daher wird er als einer der einflussreichsten Möbeldesigner und Innenarchitekten des 20. Jahrhunderts betrachtet.

Karriere[Bearbeiten]

Panton studierte in den Jahren 1947 bis 1951 an der Technischen Hochschule in Odense und der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Nach seinem Studium (1950–1952) erhielt er die Möglichkeit, als Assistent im Designstudio des Architekturstars Arne Jacobsen zu arbeiten. In dieser Zeit war Panton am Entwurf der Ameise, dem bekanntesten Stuhl von Arne Jacobsen beteiligt.

Jedoch unterschied sich Panton vom damaligen Stil mit weichen Formen und Naturwerkstoffen; Panton bevorzugte künstliche Materialien. So verließ er bereits nach zwei Jahren das Studio Jacobsen und Dänemark. In den Jahren 1952 bis 1955 folgte eine Reise mit seinem VW-Bus quer durch Europa. 1955 eröffnete er schließlich sein eigenes Designstudio und startete mit der ersten Massenproduktion seiner Entwürfe. 1958 erweckte er erstmals weltweites Aufsehen durch den Wire Cone Chair.

Für Michael Thonet in Wien entwickelte er den Stuhl Freischwinger S, einen Freischwinger aus einem Stück unter Dampfdruck gebogenen Sperrholz und experimentierte mehrere Jahre damit, dieses Prinzip auf das Material Kunststoff anzuwenden. Für erste Versuche benutzte er Polyurethan-Hartschaum. 1959/60 gelang ihm mit dem Styrocopolymer Acrylester-Styrol-Acrylnitril (ASA) das Design des mit seinem Namen verbundenen Panton Chair, der als erster Monoblock-Freischwinger aus Kunststoff vermarktet wurde.[1]

Im Jahr 1963 siedelte Panton nach Basel über und begann die Zusammenarbeit mit dem Möbelhersteller Vitra. 1967 hatte Vitra das neue Material im Griff und startete die Serien-Produktion. Der Panton Chair verhalf Verner Panton zum endgültigen Durchbruch und führte zur weltweiten Bekanntheit.

Im Jahr 1969 entwarf er das Interieur für das Verlagshaus des Spiegels in Hamburg. Die Kantine blieb auch bei einer Erweiterung 1998 im originalen Stil erhalten. Beim Umzug des Verlages in die Hamburger Hafencity Ende 2011 wurden Teile der Kantine als Snackbar im Neubau installiert.[2] Der Rest der Einrichtung wurde in das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg überführt.[3] Im Jahr 1970 folgte die Ausstellung der Wohn-Landschaft Visiona II aus verschiedenen Schaumstoffen, die er im Auftrag der Bayer AG für die Kölner Möbelmesse auf einem als zusätzlichem Ausstellungsraum gecharterten Binnenschiff auf dem Rhein installierte. Im Jahr 1984 nahm Panton eine Gastprofessur an der HfG Offenbach an.

Obwohl Panton mehrere Design-Preise gewann, verlor er bereits in den 1970ern allmählich an Bedeutung. Als Grund gilt die Ölkrise, die „das Aus für den kritiklosen Umgang mit Kunststoff“ bedeutete.[4] Allerdings erlebte er Mitte der 1990er wieder ein Revival. So brachte unter anderem das Magazin Vogue 1995 Kate Moss sitzend auf einem Panton-Stuhl auf die Titelseite. 1998 starb Verner Panton kurz vor einer geplanten Retrospektive im Kunstmuseum Trapholt in Kolding, an der er selbst mitgearbeitet hatte.

Pantons Stil[Bearbeiten]

Pantons Entwürfe waren prototypisch für die psychedelischen Designs der 1970er Jahre und wirkten häufig eher als Raumskulptur denn als Gebrauchsgegenstand. Er verwendete klare Farben aus dem ganzen Spektrum des Regenbogens. In den 1980er Jahren experimentierte er mit geometrischen Formen. Er war fasziniert von den Möglichkeiten der neuartigen Kunststoffe, die durch ihre Strukturlosigkeit ihm völlige gestalterische Freiheit in Form und Farbgebung gaben. Panton liebte es, mit Farben und Materialien zu experimentieren. So kreierte er unter anderem die ersten aufblasbaren Möbel aus Plastik.

Seine Vision war vor allem die vollständige Verschmelzung von Funktionen und Raumeinheiten. Möbelensembles sollten in letzter Konsequenz auch auf den Kopf gestellt noch nutzbar sein. Er „fand die Vorstellung lähmend, ein Wohnzimmer zu betreten und genau zu wissen, wo und in welcher Position er dort den Abend zu verbringen hatte.“[4] Sein Ziel war es, auch die traditionelle Dreiteilung des Raumes von Boden, Wänden und Decke komplett aufzuheben. Pantons legendäre Inneneinrichtungskonzepte können als der Zenit seiner Arbeit gesehen werden.

„Im Gegensatz zu vielen anderen dänischen Designern hatte er einen revolutionären, nicht evolutionären Designansatz und schuf im Laufe seiner Karriere höchst innovative, gewagte und verspielte Designs, bei denen oft modernste Technologien zur Anwendung kamen, die seinen Zukunftsoptimismus reflektierten“. Fiell, S. 545.

Sein Gesamtwerk lässt sich am besten durch ein Zitat von Verner Panton selbst beschreiben:

„Der Hauptzweck meiner Arbeit ist, die Leute anzutreiben, ihre eigene Vorstellungskraft zu nutzen“.

Wichtige Werke[Bearbeiten]

Moon Lamp (1960)

Eine der ersten Leuchten die Panton entwarf. Kugelförmige Pendelleuchte mit 10 vertikalen, fächerförmig angeordneten Aluminiumlamellen, weisslackiert. Hersteller: Louis Poulsen, Dänemark. In den USA "Visor" genannt.

Panton Chair (1967)

Bereits während seines Studiums beschäftigte sich Panton mit der Idee von hinterbeinlosen Stühlen. 1955 zeigte Panton erste Entwürfe eines S-förmigen Stuhls, noch aus Teakholz. Die Weiterentwicklung der Kunststoffe ermöglichte es ihm das Konzept nochmals zu überdenken. Entscheidend war die neue kurvige Ausbildung der Fußpartie, die eine Standplatte komplett erübrigte und noch zusätzliche Beinfreiheit schuf. Was den Panton-Chair so außergewöhnlich machte war nicht nur sein extravagantes Design und Farbe, sondern vor allem, dass er lediglich aus einem einzigen Stück Kunststoff hergestellt wurde. Dies zeigte eindrucksvoll die Möglichkeiten, die diese neuen Werkstoffe boten. Der Panton-Chair ist nicht nur zweifellos das bekannteste Werk Pantons, sondern auch einer der wichtigsten Stühle des 20.Jahrhunderts.

Pantower (1969)

Panton strebte immer an, den „Lebensraum“ Wohnung neu aufzuteilen. Er verfolgte besonders die Idee den Wohnraum vertikal zu strukturieren, um ihn an Hochhäuser besser anzupassen. Sein „Pantower“ zeigt deutlich diese Elemente und die Experimentierfreudigkeit der 1968er. Die Aufteilung in vier unterschiedlich hohen Ebenen eröffnet eine Vielzahl neuer Sitz- und Liegemöglichkeiten.

Visiona II (Videovorstellung, externer Link)

Visiona II (1970)

Auf der Kölner Möbelmesse stellte Panton seinen Entwurf einer visionären farbenfrohen Wohnlandschaft vor. Hierbei verlieren die einzelnen Raumkomponenten ihre ursprüngliche Funktion und fließen zu einem einzigen übergeordneten Raum zusammen. Eindeutige Unterscheidungen zwischen Sitz und Entspannungsflächen sind in dem höhlenartigen Raum nicht mehr möglich.

PantoSeries (1995)

Die Pantoflex Serie, hergestellt von VS Vereinigte Spezialmöbelfabrik in Tauberbischofsheim, brachte den ersten Schulstuhl hervor, der auf die Ergonomie von Kindern zugeschnitten war.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

  • International Design Award, USA 1963, 1968, 1981
  • Rosenthal Studio Preis 1966
  • PH-Preis 1967
  • Eurodomus 2, Italien 1968
  • Medal of Austrian Building Centre, Österreich 1968
  • Bundespreis „Gute Form“, Deutschland, 1972, 1986
  • Møbelprisen, Dänemark 1978
  • Deutsche Auswahl 1981, 1982, 1984, 1985, 1986
  • Colour Prize Dänemark 1986
  • Danish Design Council Annual Award, Dänemark 1991
  • IF-Preis, Japan 1992
  • Norwegian Design Award 1992
  • Bedre Prize, Dänemark 1998

Wichtige Ausstellungen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Charlotte und Peter Fiell: Design des 20. Jahrhunderts. - Köln: Taschen 2000.
  • Verner Panton. Umfassendes Werksverzeichnis. Vitra Design Museum.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Verner Panton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Andrej Kupetz: Ein Material in Form gebracht. In: Kunststoffe. 5/2010, S. 90-94.
  2. Ulrike Simon: Spiegels neues Zuhause. In: Frankfurter Rundschau. 28. Oktober 2011
  3. Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg: Spiegel-Kantine (mit vielen Bildern)
  4. a b Laura Weissmüller: Löst euch auf! – Eine Berliner Schau zeigt, wie Verner Panton mit den Prinzipien des skandinavischen Designs brach und Sofabesitzern neue Freiheiten zumutete. In: Süddeutsche Zeitung vom 22. Januar 2011, Seite 16
  5. Nordische Botschaften: Panton – Modernes und zeitgenössisches dänisches Möbeldesign