Versandete Kirche

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Die versandete St.-Laurentii-Kirche, dänisch: den tilsandede kirke, ist eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten im nördlichen Jütland in Dänemark. Sie liegt in der Ortschaft Gammel Skagen südlich der Stadt Skagen innerhalb einer Dünenlandschaft östlich der Hauptverkehrsstraße.

Der Turm der versandeten St.-Laurentii-Kirche

Der Turm war lange für Besucher geöffnet und konnte über eine recht abenteuerliche, aber kurze Treppe bestiegen werden. Seit einer Untersuchung im Jahre 1994 ist der Grundriss der Kirche im Sand markiert. Eine ähnliche Wirkung hat die Wanderdüne Rubjerg Knude auf den gleichnamigen Leuchtturm bei Hjørring etwa 60 Kilometer südwestlich.

Die ursprüngliche Kirche[Bearbeiten]

Die Kirche ist der Rest der alten Skagener Kirche, die dem Schutzheiligen der Seefahrer St. Laurentius geweiht war. Sie wurde wahrscheinlich Ende des 13. Jahrhunderts aus Mönchssteinen erbaut, die aus den Niederlanden und Lübeck, vielleicht sogar aus Schottland importiert wurden. Zur Zeit der Erbauung lag sie inmitten eines landwirtschaftlich genutzten Gebietes. Die Gemeinde Skagen zählte zu jener Zeit etwa 2.500 Einwohner. Mit ihren 38 Kirchenstühlen war sie damals die größte und längste Kirche im nördlichen Jütland (Vendsyssel). Sie wurde als gotischer Langschiffbau mit Staffelgiebeln, Strebepfeilern, Sakristei und Kirchenvorhalle sowie einer gewölbten Decke erbaut. Auch ein spätgotisches Altarbild mit schmiedeeisernem Gitter gehörte zur Ausstattung. Der die Kirche umgebende Friedhof war mit einer Ziegelsteinmauer eingefriedet.

Die Versandung[Bearbeiten]

Um das Jahr 1770 erreichte das Sandtreiben der umgebenden Wanderdünen die Kirche und sammelte sich zunächst an der Friedhofsmauer. Nach einem heftigen Sturm im Mai 1775 konnte der Eingang der Kirche nur noch durch ständiges Sandschaufeln freigehalten werden. Daher gab die Gemeinde 1795 die Kirche auf, das Kirchenschiff wurde abgerissen. Auf einen königlichen Beschluss hin sollte der Turm jedoch als Seezeichen stehenbleiben. Auf einer Auktion im Jahre 1810 wurde der größte Teil des Inventars verkauft. 1816 übergab man den Turm der Leuchtfeuerbehörde, seit 1903 steht er unter Denkmalschutz des Nationalmuseums.

Nur einige wenige Teile konnten in späteren Jahren wiedergefunden werden, so wahrscheinlich das Kirchenschiffchen, das heute in der Domkirche in Aarhus hängt. Zwei Leuchter, das Taufbecken und eine Glocke sind in der Skagener Kirche zu finden. Die Steine wurden in vielen Skagener Häusern verbaut, so z.B. in Tuxens Villa. Unter dem Sand befinden sich wahrscheinlich noch der Fußboden der Kirche, der Taufstein und die Grabsteine der bedeutenden kirchlichen und weltlichen Würdenträger jener Zeit.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Die versandete Kirche – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

57.71361111111110.550555555556Koordinaten: 57° 42′ 49″ N, 10° 33′ 2″ O