Verstehen Sie Spaß?

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Seriendaten
Originaltitel Verstehen Sie Spaß?
Produktionsland Deutschland
Originalsprache Deutsch
Jahr(e) seit 1980
Produktions-
unternehmen
Werner Kimmig GmbH
SWR
Länge ca. 150 Minuten
Episoden 150+
Ausstrahlungs-
turnus
viermal jährlich
Genre Unterhaltungsshow
Idee Kurt Felix
Moderation Derzeitiger Moderator

Ehemalige Moderatoren

Erstausstrahlung 31. Januar 1980 auf Erstes Deutsches Fernsehen

Verstehen Sie Spaß? ist eine Unterhaltungssendung, bei der Personen absichtlich in eine missliche Lage gebracht und dann mit versteckter Kamera gefilmt werden.

Konzept[Bearbeiten]

Kurzfilme mit der versteckten Kamera sind das wesentliche Element von Verstehen Sie Spaß?. Dabei werden Mitmenschen und Prominente durch Lockvögel in unerwartete Lagen gebracht. Publikum und Fernsehzuschauer sollen sich an der daraus entstehenden Situationskomik und Schadenfreude erfreuen. Die Situation wird schließlich aufgelöst, indem sich der Moderator der Show in das Geschehen einmischt und das „Opfer“ über den Streich aufklärt. Zum Konzept der Samstagabendshow gehören seit 1983 neben den Filmen mit der versteckten Kamera sowohl Gespräche mit einigen „Opfern“, insbesondere mit Prominenten, als auch Showeinlagen. Zu Zeiten von Kurt Felix waren nur Musiker zu Gast, die er kurz zuvor mit der versteckten Kamera erwischt hatte.

Seit den 90er Jahren werden gelegentlich im SWR Fernsehen die besten Streiche in halbstündigen Sendungen wiederholt.

Adaptionen und Nachahmer des Konzeptes finden sich unter anderen in der Comedy-Falle oder in diversen Clipsendungen, in denen versteckte oder weniger versteckte Filme gezeigt werden.

Guido Cantz, Moderator der Sendung
Spaßvogel der damaligen Lübeck-Sendung

Geschichte der Sendung[Bearbeiten]

Die Sendung ist eine Weiterentwicklung der Fernsehsendung Teleboy des Schweizer Fernsehens, die von 1974 bis 1981 ausgestrahlt wurde und bei der bereits Filme mit der Versteckten Kamera regelmäßig eingestreut waren. Erfinder und Moderator dieser Show war auch Kurt Felix. Die Versteckte Kamera beruht auf der NDR-Sendung Vorsicht Kamera mit Chris Howland, die 1960 ins Deutsche Fernsehen kam und ihrerseits auf der US-amerikanischen Sendung Candid Camera von Allen Funt basierte.[1] Verstehen Sie Spaß? wurde erstmals am 31. Januar 1980 als 30-minütige Sendung im Abendprogramm des Ersten als Koproduktion des SDR und des NDR ausgestrahlt und von Kurt Felix moderiert [2] .

1983 entwickelte Kurt Felix die Sendung zu einer großen Samstagabendshow, seine Ehefrau Paola kam als Co-Moderatorin hinzu. In dieser Zeit hatte die SDR-Sendung ein Zeichentrick-Maskottchen, den so genannten Spaßvogel. Das gelbe geierähnliche Tier mit der Tauchmaske und buntem Schnabel wurde ähnlich wie Wum und Wendelin aus Der große Preis zum Geschehen der Sendung befragt und antwortete mit erheiternden Kommentaren. Ebenfalls für Belustigung sorgte in dieser Zeit Karl Dall, indem er als chaotischer Assistent die Filme abspielte. Außerdem war er in Telefonstreichen zu sehen. Während einer jeden Sendung bekam ein „Opfer“ den Spaßvogel in Form eines Wetterhahns verliehen. Die musikalische Gestaltung lag damals in Händen von Dieter Reith, der die geladenen Künstler live mit seiner Big-Band vor meist recht aufwändig gestalteten Bühnenbildern begleitete. Seit 1981 wurden die meisten Filme der versteckten Kamera von dem Ortenauer Medienunternehmer Werner Kimmig produziert. Die bekanntesten Lockvögel unter Kurt Felix waren Wolfgang Herbort, Pit Krüger sowie die Schweizer Heino Orbini, René Besson und der Skiakrobat Art Furrer.

In den folgenden Jahren versuchten sich mehrere bekannte Moderatoren an der Sendung, konnten jedoch nicht mehr an die Erfolge von Kurt Felix und seinem Team anknüpfen. Zunächst wurde das Konzept auf Harald Schmidt zugeschnitten. Bezeichnenderweise erhielt die Sendung nun den Untertitel „Die Harald-Schmidt-Show“. Der Spaßvogel, dem schon Mitte der 80er Jahre sein frecher Schnabel gestutzt wurde, sowie alle anderen Dauermitwirkenden (Paola, Karl Dall, die Big-Band) tauchten nun nicht mehr auf.

Frank Elstner knüpfte wieder stärker an das ursprüngliche, sehr erfolgreiche Sendekonzept an. Als Pendant zum Blödelbarden Karl Dall holte er den SWR 3-Stimmimitator Andreas Müller für den Telefonstreich und den Komiker Bodo Bach in die Sendung. Die animierte Puppe Kurti im nun regelmäßig präsentierten Automatenstreich wurde zum neuen Maskottchen. Der Illusionist Simon Pierro brachte seine Zauberkünste ein und schuf damit eine neue Gattung von Streichen. Die Lockvögel Oliver Hiefinger und Klaus Sommerfeld sind mittlerweile ebenso bekannte Gesichter in der Sendung, wie es in den 1990er Jahren der „kleine Dicke vom Felix“, Wolfgang Herbort, war, der nun bei der Aufnahme etlicher Streiche hinter der Kamera steht. Die Sendezeit der Show wurde unter der Leitung von Frank Elstner auf knapp 135 Minuten erweitert, die wiederum durch eine große Nachspielzeit von rund 30 bis 40 Minuten pro Sendung überzogen werden.

Seit Herbst 2002 gibt es die neue Titel- und Showmusik, komponiert von Darius Rafat.

Am 21. November 2009 gab Frank Elstner die Moderation an Guido Cantz ab,[3] der die Show am 10. April 2010 erstmals moderierte.

Mitte August 2010 begingen Paola und Kurt Felix, Karl Dall, Wolfgang Herbort sowie der neue Moderator Guido Cantz das 30-jährige Jubiläum der Show in einem „Best of Verstehen Sie Spaß?“. Die Sondersendung wurde auf dem Anwesen des Schweizer Moderatorenpaars in St. Gallen aufgezeichnet.

Ein neues Konzept der Verladung wurde in der Sendung im Dezember 2011 aus der Maimarkthalle in Mannheim erfolgreich erprobt. Bülent Ceylan, der zeitgleich mit der Ausstrahlung in der nahegelegenen SAP-Arena sein Programm spielte, wurde vor Beginn seiner Zugabe von zwei Personen, die angeblich vom Ordnungsamt kamen, aufgefordert, sein Programm aus lärmschutzrechtlichen Gründen zu beenden. Der gesamte Vorgang wurde von „Verstehen Sie Spaß?“ live aus der SAP-Arena übertragen.

Ab 2015 wird die Show nicht mehr durch Deutschland touren, sondern an einem festen Standort aufgezeichnet werden. Eine Ausschreibung des federführenden SWR ergab, dass durch ein festes Studio in den Bavaria Studios in Grünwald rund 1,5 Millionen Euro eingespart werden. Daher wird Verstehen Sie Spaß? in den Jahren 2015 und 2016 in Grünwald produziert.

Moderatoren[Bearbeiten]

Moderator Zeitraum Folgen
Kurt Felix 31. Januar 1980 – 1. Dezember 1990 1–53 (53 Sendungen)
Paola Felix 19. November 1983 – 1. Dezember 1990 25–53 (29 Sendungen)
Karl Dall 19. November 1983 – 1. Dezember 1990 25–53 (29 Sendungen)
Harald Schmidt 17. Oktober 1992 – 6. Mai 1995 54–69 (16 Sendungen)
Dieter Hallervorden 16. März 1996 – 26. April 1997 70–76 (7 Sendungen)
Cherno Jobatey 19. September 1998 – 2. Februar 2002 77–93 (17 Sendungen)
Frank Elstner 28. September 2002 – 21. November 2009 94–136 (42 Sendungen)
Guido Cantz seit dem 10. April 2010 ab 137

Einschaltquoten[Bearbeiten]

Während Frank Elstners Moderation waren die Quoten wieder stabil.

Zu Zeiten von Kurt und Paola Felix schalteten noch rund 21 Millionen Fernsehzuschauer die Sendung ein. In den Jahren zwischen 1992 und 1997 hatte die Sendung nur mittelmäßigen Erfolg im Fernsehen. Doch mit dem Moderatorenwechsel von Dieter Hallervorden zu Cherno Jobatey und der Konzeptänderung ins Altbewährte kamen die Zuschauer zurück. So schalteten bei Cherno Jobateys erster Sendung am 19. September 1998 rund zehn Millionen Fernsehzuschauer ein und brachten der ARD einen Marktanteil von rund 40 Prozent. In den Jahren 1998 bis 2002 pendelte sich die Quote dann bei sechs Millionen Zuschauern ein. Einen Spitzenwert erreichte die Zuschauerzahl nochmals im November 2001, als Jennifer Lopez in der Sendung gastierte.

Mit Frank Elstner hatte die Sendung seit 2002 ansehnliche Quoten: Rund sieben Millionen Zuschauer schalteten pro Sendung bei Verstehen Sie Spaß? ein und bescheren der ARD damit Marktanteile von knapp 25 Prozent.

Unter dem neuen Moderator Guido Cantz sahen zuletzt 4,94 Millionen (Dezember 2011) Menschen die Sendung, was einem Marktanteil von 16,6 Prozent entspricht.[4]

Kritik[Bearbeiten]

Manche Menschen empfinden das Konzept der Sendung als belästigend und als Eingriff in die Privatsphäre oder das Persönlichkeitsrecht. In Deutschland sind die heimliche Tonaufnahme des nicht-öffentlich gesprochenen Wortes und die heimliche Bildaufnahme in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum unter Strafandrohung (§ 201 StGB und § 201a StGB) verboten. Die nachträglich eingeholte Zustimmung („Genehmigung“) beseitigt nicht die Rechtswidrigkeit der Aufnahme.

In der Medienkritik fällt die Sendung seit Ende der 1980er regelmäßig durch. Bereits 1988 schrieb Hörzu:

„Paola und Kurt Felix pausieren bis November. Gut so. Denn das Team, das für sie die Späße ausheckt, braucht auch eine Denkpause. So krampfige Gags wie der Nikolaus im sommerlichen Mallorca oder der Elefant im Porzellanladen sind Indiz dafür.“[5]

Die Kritik traf sämtliche Moderatoren seit Paola und Kurt Felix und war immer öfter auf das Grundkonzept der Sendung gemünzt. Zum Fortgang von Harald Schmidt 1995 schrieb wiederum Hörzu:

„Abschied leichtgemacht. Harmlose Gags (Gartenschlauch) zeigten: aus der Show ist die Luft raus. Höhepunkt: Italo-Schmuser Eros Ramazzotti.“[6]

Und Spiegel Online kommentierte 2007:

„Frank Elstners spießiger 'Verstehen Sie Spaß?'-Schabernack ist kaum noch mehr als schlecht gespieltes Landtheater.“[7]

Wie die Einschaltquoten zeigen, war in der Bevölkerung „Verstehen Sie Spaß?“ stets gern gesehen. Kurt Felix erreichte seiner Zeit Rekord-Einschaltquoten von über 20 Millionen Zuschauern allein in Deutschland und 30 Millionen europaweit.[8] 1990 erhielten Paola und Kurt Felix einen Bambi für die erfolgreichste TV-Unterhaltung Deutschlands in den 80er Jahren. Kurt Felix, dessen größter Fernseherfolg „Verstehen Sie Spaß?“ war, erhielt mehrere Auszeichnungen für sein Lebenswerk (Bambi 2003, Medienpreis SRG idée suisse 2005, Schweizer Fernsehpreis 2011).

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Ähnliche Formate in anderen Ländern[Bearbeiten]

  • In den USA, wo die erste Sendung mit Versteckter Kamera "Candid Camera" bereits in den 40er Jahren von Allen Funt erfunden wurde, gab es zahlreiche ähnliche Sendereihen wie Spy TV, Totally Hidden Video (1989 - 1992), Oblivious, (2002 - 2004), Punk'd (seit 2003), Girls Behaving Badly (seit 2002).
  • In Frankreich ging die erste Show mit versteckter Kamera "La Caméra invisible" 1964 auf Sendung. Später griffen verschiedene französische Komiker wie Jean-Yves Lafesse, Pascal Sellem, Laurent Baffie auf Streiche zurück.
  • In Kanada hatte die Sendung Surprise sur prise einen so großen Erfolg, dass sie nach einigen Folgen auch in Frankreich ausgestrahlt wurde. Man griff erfolgreich Kurt Felix' Idee auf, auch Prominente hereinzulegen. Seit dem 26. Dezember 2000 besteht die Sendung Just for Laughs.
  • In den Niederlanden gibt es seit 1980 die Sendung Bananasplit, deren Vorgänger die Show Poets war.
  • In Großbritannien gibt es seit 1984 die Sendung Surprise, Surprise. Von 1987 bis 1996 lief Beadle's About und von 2000 bis 2002 Trigger Happy auf Channel 4.
  • In Polen wird seit 2004 Mamy Cię! produziert und gesendet.
  • In der arabischen Welt erfreut sich die versteckte Kamera großer Popularität. Das ägyptische Fernsehen produziert seit etlichen Jahren für das Ramadan-Programm Sendungen mit verschiedenen Namen und Präsentatoren. In Algerien wird die Versteckte Kamera unter dem Namen Dzscoop ausgestrahlt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Christian Schertz: Der Schutz der Persönlichkeit vor heimlichen Bild- und Tonaufnahmen. Archiv für Presserecht, 2005, S. 421–428.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verstehen Sie Spaß? ABC der ARD
  2. [1] DIESE WOCHE IM FERNSEHEN im Spiegel 5/1980
  3. Guido Cantz löst Frank Elstner ab Bild.de, 26. September 2009
  4. Quotenbericht auf DWDL.de, 12. Dez2011
  5. Hörzu 23, 3. Juni 1988, S. 51
  6. Hörzu 21, 19. Mai 1995, S. 104
  7. Verlierer Raab schlägt sie alle Spiegel Online, 10. Juni 2007
  8. Kurt Felix konsultiertam 22. März 2012