Versteinerter Wald (Chemnitz)

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Im Innenhof des Chemnitzer Kulturkaufhauses ausgestellte Exemplare aus dem versteinerten Wald
Scheibe eines Stammes mit polierter Schnittfläche
Aufnahme der damals noch im Freien aufgestellten Stämme aus dem Jahr 1964
Briefmarke mit Darstellung des Versteinerten Waldes (2003)

Der Versteinerte Wald von Chemnitz ist eine bedeutende paläobotanische Fossilfundstätte. Die in Chemnitz ausgestellten Fundstücke zählen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Geschichte und Geologie[Bearbeiten]

Seit dem Erstfund 1737 stieß man in Hilbersdorf, heute ein Stadtteil von Chemnitz, bei Schachtungsarbeiten immer wieder auf verkieselte Stämme großer, baumähnlicher, urzeitlicher Pflanzen. Mitte des 18. Jahrhunderts ließ der bei Chemnitz wohnende Edelsteininspektor David Frenzel (1691–1772) zahlreiche dieser Kieselhölzer bergen, um daraus Schmucksteine herzustellen, darunter 1751 auch eines der wenigen Exemplare mit noch ansitzenden Wurzeln. Später vermachte ein Finder, der Hilbersdorfer Bauunternehmer Güldner, dem Chemnitzer König-Albert-Museum einige versteinerte Stämme. Der damalige erste Direktor des Museums, Johann Traugott Sterzel, übernahm die Untersuchung der Fundstücke. Ihm ist auch das Sterzeleanum im Museum gewidmet.

Die Entstehung der Chemnitzer Fossilfundstätte, die überwiegend Stämme von Baumfarnen und riesenwüchsigen Schachtelhalmen enthält, steht im Zusammenhang mit dem Ausbruch des Zeisigwald-Vulkans im unteren Perm vor ca. 291 Millionen Jahren.[1] Beim Ausbruch wurden die baumähnlichen Pflanzen, wie es mit den Bäumen 1980 beim Vulkan Mount St. Helens geschah, durch die Druckwelle der Eruption entwurzelt oder abgeknickt und entästet. Die Stämme wurden danach mit 80 bis 100 °C heißen Auswurfmaterialien des Vulkans (Pyroklastika) bedeckt. Die Kieselsäure, die in diesen Auswurfmaterialien enthalten ist, sorgte in den folgenden Jahrmillionen für die Fossilisation der permischen Pflanzen, sodass sie bis heute erhalten geblieben sind.

Die meisten der Stämme sind heute im Museum für Naturkunde und im Chemnitzer Kulturkaufhaus DAStietz ausgestellt, darunter auch Scheiben von Stämmen mit polierter Schnittfläche. Eine kleine Sammlung ist auch an der Zeißstraße zu sehen. 1996 wurde auf der Hilbersdorfer Flur ein weiterer versteinerter Stamm aufgefunden. Vom 4. April 2008 bis Oktober 2010 wurde auf einem Grundstück an der Frankenberger Straße erneut nach Stämmen gesucht. Ein dort gefundenes Exemplar des Riesenschachtelhalms Arthropitys bistriata zeigt eine Mehrfachverzweigung, wie sie bislang von Schachtelhalmen nicht bekannt war.[2] Daher erhielt dieser außergewöhnliche Fund von der Paläontologischen Gesellschaft die Auszeichnung Fossil des Jahres 2010.[3] Er wurde in die Dauerausstellung integriert. Im Mai 2013 wurden neue Ausgrabungen an der Glockenstraße begonnen.

Ebenfalls gut erhalten ist der Chemnitzer „Ursaurier“ – der erste Tierfund im Versteinerten Wald.[4]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung Chemnitzer Wald ist 291 Millionen Jahre alt
  2.  Ronny Rößler, Zhuo Feng, Robert Noll: The largest calamite and its growth architecture - Arthropitys bistriata from the Early Permian Petrified Forest of Chemnitz. In: Review of Palaeobotany and Palynology. 185, 2012, S. 64–78, doi:10.1016/j.revpalbo.2012.07.018.
  3. Webseite der Paläontologischen Gesellschaft mit den bisherigen Fossil-des-Jahres-Preisträgern
  4. Versteinertes Fossil: Seltener Ursaurier in Chemnitz entdeckt, in: Spiegel Online, 28. September 2009

Literatur[Bearbeiten]

  • Ronny Rößler: Der versteinerte Wald von Chemnitz: Katalog zur Ausstellung Sterzeleanum. Museum für Naturkunde, Chemnitz 2001. ISBN 3-00-007446-5.
  • Johann Traugott Sterzel: Der versteinerte Wald im Garten des König-Albert-Museums und das Orth-Denkmal in Chemnitz-Hilbersdorf. Pickenhahn, Chemnitz 1927 (Digitalisat)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Petrified Forest Chemnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

50.83084112.922881Koordinaten: 50° 49′ 51″ N, 12° 55′ 22″ O