Vertrag von Alexandropol

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der nicht ratifizierte[1] Vertrag von Alexandropol (türkisch Gümrü Antlaşması) war ein Friedensvertrag zwischen der am 30. Dezember 1922 aufgelösten Demokratischen Republik Armenien und der türkischen Nationalversammlung, welcher am 2. Dezember 1920 in der Stadt Alexandropol, heute Gjumri, unterzeichnet wurde. Der Vertrag beendete den türkisch-armenischen Krieg. Die Republik Türkei wurde drei Jahre danach durch Mustafa Kemal als Nachfolgerin des Osmanischen Reiches ausgerufen und gegründet.

Es war der erste Vertrag der türkischen Bewegung unter Mustafa Kemal mit einem anerkannten Staat. Als Vertreter der türkischen Seite verhandelte General Kâzım Karabekir mit dem armenischen Außenminister Alexander Chatissjan. Der Vertrag bestand aus 18 Artikeln. In Artikel 10 verzichtete Armenien auf den Vertrag von Sèvres, der einen armenischen Staat im östlichen Anatolien vorsah.

Der zweite Artikel legte die neue Grenze zwischen den beiden Ländern fest. Die Grenzlinie sollte über den unteren Teil des Flusses Karasu, den Aras, den Fluss Arpaçay, die Karahan Schlucht, und den Berg Büyük Akbaba laufen.[2]

Vorgeschichte und Hintergrund[Bearbeiten]

Kâzım Karabekir bei einem Stopp in Pasinler auf dem Weg nach Alexandropol

Im Grunde entsprach die Grenze derjenigen, die im Friedensvertrag von Brest-Litowsk zwischen Sowjetrussland und dem Osmanischen Reich vereinbart worden war. Die Demokratische Republik Armenien hatte vorher den Vertrag von Brest-Litowsk abgelehnt. Nach mehreren Konflikten und Schlachten akzeptierten die Armenier im Vertrag von Batumi 1918 jene Grenze doch. Aber als das Osmanische Reich seitens der Entente gezwungen wurde, den Vertrag von Brest-Litowsk rückgängig zu machen, entstand ein Machtvakuum. Darin wurde in Kars die Südwest-Kaukasische Republik gegründet.[3] Diese Republik wurde anfangs von der britischen Verwaltung in Batumi geduldet aber dann 1919 aufgelöst. So konnten die Armenier dieses Gebiet unter Kontrolle bringen.[4]

Der Vertrag von Alexandropol verlegte die Grenze der Demokratischen Republik Armenien hinter die Linie Ardahan-Kars und sprach mehr als die Hälfte der Demokratischen Republik Armenien der Türkischen Seite zu. Die Gründe für die militärische Niederlage wurden im Buch Für die Dascnakzutyun gibt es nichts mehr zu tun von Hovhannes Katchaznouni erläutert.[5]

Der Vertrag sollte vom armenischen Parlament innerhalb eines Monates ratifiziert werden, doch dazu kam es nicht, weil Armenien von Sowjetrussland annektiert worden war. 1921 wurde dann dieser Vertrag durch den Vertrag von Kars ersetzt.

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Anahide Ter Minassian: La république d'Arménie. 1918-1920 La mémoire du siècle., éditions complexe, Bruxelles 1989 ISBN 2-87027-280-4, S. 229.
  2. Der exakte Verlauf der Grenze auf türkisch: Türkiye ile Ermenistan arasındaki sınır, aşağı Karasu'nun döküldüğü yerden başlayarak Aras Irmağı Kekaç kuzeyine dek Arpaçayı, müteakiben Karahan Deresi, Tignis batısı, Büyük Kimli doğusu, Kızıltaş, Büyük Akbaba Dağı çizgisinden oluşur.
  3. Southwest Caucasus Democratic Republic abgerufen von der russischen Seite Kaukasian Knot
  4. Garegin Pasdermadschian erhob den Anspruch wegen der Überlegenheit der armenischen Rasse ein Grossarmenien zu gründen: „Im Interesse der internationalen Gerechtigkeit und des ewigen Friedens in der Zukunft, sollten die Grenzen des neuen Armenien soweit wie die armenische Rasse einen wichtigen Teil der Bevölkerung ausmacht ausgedehnt werden, weil die Armenier ihre Fähigkeit zur Selbstverwaltung bewiesen haben auch unter den meistens unmöglichen Bedingungen der türkischen Missherrschaft, während die Türken und Kurden immer wieder und wieder ihre Unfähigkeit zeigten über sich selber und noch viel weniger über andere zu herrschen.“ Aus dem Buch:Why Armenia Should Be Free, Hairenik Publishing Company, Boston 1918, S. 40.
  5. The Manifesto of Hovhannes Katchaznouni, the First President of the Independent Armenian Republic. Armenischer Informationsservice 1955.