Vertrag von Saint-Germain

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Frieden von 1679 siehe Frieden von Saint-Germain (1679).
Die territoriale Aufteilung Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg
Staatsgesetzblatt für die Republik Österreich vom 21. Juli 1920: Verkündung des Vertrages von Saint-Germain-en-Laye

Der Vertrag von Saint-Germain (vollständig: Staatsvertrag von Saint-Germain-en-Laye) regelte nach dem Ersten Weltkrieg die Auflösung der österreichischen Reichshälfte (Die im Reichsrat vertretenen Königreiche und Länder) Österreich-Ungarns und die Bedingungen für die neue Republik Deutschösterreich. Der Vertrag von Trianon regelte die Situation Ungarns, des anderen Teilstaates der vormaligen Doppelmonarchie. Der am 2. September 1919 den österreichischen Delegierten übergebene Vertrag wurde am 10. September 1919 im Schloss Saint-Germain-en-Laye unterzeichnet. Der Vertrag ist einer der Pariser Vorortverträge, die den Ersten Weltkrieg formal beendeten, und wurde zwischen Österreich und 27 alliierten und assoziierten Mitgliedern abgeschlossen. Zu den Signaturmächten zählten neben Österreich die USA, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan sowie Belgien, China, Kuba, Griechenland, Nicaragua, Panama, Polen, Portugal, Rumänien, der serbisch-kroatisch-slowenische Staat, Siam und die Tschechoslowakei.

Im Mai 1919 reiste eine österreichische Delegation nach Saint-Germain-en-Laye, eine direkte Teilnahme an den Gesprächen wurde ihr allerdings verweigert. Lediglich schriftliche Vorschläge konnten unterbreitet werden. Dem Habsburger Herrscherhaus von Österreich-Ungarn und dem Deutschen Kaiserreich wurde die Alleinschuld am Krieg zugewiesen.

Bestimmungen[Bearbeiten]

Die wichtigsten Bestimmungen der 381 Artikel des Vertrages von Saint-Germain sind:

Nach Abtrennung dieser Gebiete blieb von Österreich (Cisleithanien) ein Reststaat von etwa 6,5 Millionen Einwohnern. Ungarn wurden ähnlich wie Österreich harte Bedingungen und Reparationen auferlegt. Sinngemäß entsprach der Vertrag von Saint-Germain dem Versailler Vertrag.

Der Vertrag von Saint-Germain trat am 16. Juli 1920 förmlich in Kraft und bestätigte die Auflösung Österreich-Ungarns auch völkerrechtlich.

Originaldokument[Bearbeiten]

Anlässlich des 90-jährigen Jubiläums der Republik Österreich hätte das Original des Vertrags von Saint-Germain in Wien ausgestellt werden sollen. Die nach der Unterzeichnung in Frankreich aufbewahrten Originale konnten in den französischen Archiven aber nicht mehr aufgefunden werden. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Vertrag nach Berlin gebracht und dort ausgestellt. Wahrscheinlich wurde er dort auch bei einem Bombenangriff zerstört.[1]

Siehe auch[Bearbeiten]

Volksabstimmungen im Gefolge des Vertrags von Saint-Germain

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Meldung des ORF vom 11. November 2008: Vertrag von St. Germain verschwunden

Literatur[Bearbeiten]

  •  Isabella Ackerl/Rudolf Neck (Hrsg.): Saint-Germain 1919. Protokoll des Symposiums am 29. und 30. Mai 1979 in Wien. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1989, ISBN 3-702-80276-2.
  •  Lajos Kerekes: Von St. Germain bis Genf. Österreich und seine Nachbarn 1918–1922. Akadémiai Kiadó, Budapest 1979, ISBN 9-630-51373-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vertrag von Saint-Germain – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien