Verulamium

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Asteroiden siehe (4206) Verulamium.
Reste der Stadtmauern
Detail einer Wandmalerei aus einer der Wohnbauten
Reste der nordöstlichen Stadtmauern, dahinter die Abtei von St Albans

Verulamium war die drittgrößte Stadt im römischen Britannien. Sie liegt in der Nähe der heutigen Stadt St Albans in Hertfordshire, zum Teil auf landwirtschaftlicher genutzter Fläche. Zentrum des Fundplatzes ist das Verulamium Museum und das Verulamium Hypocaust.

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten]

Vor der Römerzeit war die Stadt bereits als Verlamion bekannt, der Hauptstadt des Stammes der Catuvellaunen. Die Ortschaft wurde durch ihren Anführer Tasciovanus gegründet.

Der römischen Siedlung wurde im Jahr 50 der Rang eines municipium zuerkannt. Sie wuchs zu einer bedeutenden Stadt heran, trotz der Plünderung und anschließenden Zerstörung während des Boudicca-Aufstandes der keltischen Stämme der Icener und Trinovanten im Jahr 61. Im frühen 3. Jahrhundert bedeckte die Stadt bereits rund 50 Hektar hinter einem tiefen Graben und einer Mauer. Sie hatte ein Forum, eine Basilika und ein Theater, Thermen und mehrere Tempel und überstand zwei Feuersbrünste, eine im Jahr 155 und eine um das Jahr 250. Der Wiederaufbau geschah zweimal in den nächsten 150 Jahren eher in Stein als in Holz. Die römische Besatzung endete zwischen 450 und 500.

Es gibt nur wenige Reste der Stadt die heute noch sichtbar sind, lediglich Teile der Stadtmauer, ein Hypokaustum und das Theater stehen heute noch aufrecht. Nur wenige Insulae sind bisher ausgegraben worden.

Die Stadt wurde als Steinbruch genutzt, als St Albans gegründet wurde. Weitere Reste liegen unter dem Ackerland und sind bisher nur teilweise von Archäologen untersucht worden. Der Stadtplan war nach einem Schachbrettmuster angelegt, wobei bei den Ausgrabung meist eine kleinteilige Bebauung aus Wohnbauten aus Holz zum Vorschein kam. Nur aus dem dritten und vierten Jahrhundert fanden sich einige größere Stadtvillen, die in Stein errichtet worden sind und teilweise mit Peristyl, Mosaiken und Hypocausten ausgestattet worden sind.

Innerhalb der Mauern von Verulam, wie Sir Francis Bacon seine Baronie nannte, baute der Essayist und Staatsmann ein kultiviertes kleines Haus, das gründlich von John Aubrey im 17. Jahrhundert in seinem Tagebuch beschrieben wurde. Keine Spur davon ist übrig, aber Aubrey hielt fest: "At Verulam is to be seen, in some few places, some remains of the wall of this Citie".

Die Bauten[Bearbeiten]

Das Forum bildete das Zentrum der Stadt und war das zweitgrößte im römischen Britannien. Es wurde in der flavischen Zeit erbaut. Eine Inschrift datiert die Fertigstellung in das Jahr 79 n. Chr. und wurde unter dem Statthalter Britanniens Gnaeus Iulius Agricola angebracht. Der Gebäudekomplex war 161 x 117 groß, doch ist es schwer sich eine Vorstellung von dem Gebäude zu machen, obwohl es mehrmals das Ziel von Grabungen war. Das Forum wurde mehrmals umgebaut, wodurch die Forschung Schwierigkeiten hat, einzelne Phase auseinanderzuhalten. An der Nord-Ost Seite befanden sich eine Reihe von Räumen, die die ganze Längsseite des Baues einnahmen. Es handelt sich wohl um Läden. Eine zweite Reihe von Räumen lag daneben und öffnete sich wahrscheinlich zur Innenseite des Forums. Daran schloss sich die große Basilika an und daneben befand sich das eigentliche Forum; ein Platz 62 x 94 m groß. Die Zugänge zum Platz fanden sich auf den Kurzseiten. Im Südwesten befanden sich schließlich drei weitere Gebäude, bei dem mittleren handelt es sich vielleicht um die Curia.[1]

Nordwestlich vom Forum stand das Macellum (Markthalle). Es datiert um 85 n. Chr. Es bestand aus zwei Reihen von Geschäften. In der Mitte befand sich ein zentraler Hof, in dem sich eine Wasserleitung befand, die Wasser vom nahen Fluss heranbrachte. Macella waren oftmals Fleischmärkte und in der Tat fanden sich in der Nähe zahlreiche Tierknochen.[2]

Theater

Neben dem Macellum stand das Theater. Es ist einer der wenigen noch heute zu besichtigenden Bauten der Stadt. Es hat einen halbrunden Sitzraum und eine halbrunde Orchestra mit einem Durchmesser von 24,3 m und entspricht damit einem römisch-gallischen Typ. Der Bau stammt aus den Jahren um 140 n. Chr., obwohl es vielleicht einen Vorgängerbau gab. Das Theater ist zum Teil in die Erde eingelassen, so dass die Zuschauerränge auf den anstehenden Boden aussaßen. Es wurde mehrmals umgebaut und erhielt ein Proszenium mit einer korinthischen Ordnung. Das Theater steht mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem nebenan liegenden Tempelbezirk in Verbindung, wahrscheinlich wurden hier auch religiöse Veranstaltungen gefeiert.

Reste von drei Thermen sind ausgegraben worden. In Insula XIX fanden sich bei Rettungsgrabungen ein eingetiefter Gebäudeteil sowie Reste von Säulen und hochwertige Wandmalereien. Der Bau scheint bis an das Ende vom ersten Jahrhundert in Betrieb gewesen zu sein. Der Befund deutet auf ein öffentliches Gebäude.[3] In Insula III sind Reste eines Baues angegraben worden, der wahrscheinlich auch als Thermen zu interpretieren ist, bisher aber nur zum Teil ausgegraben wurde. Nur drei Räume sind ausgegraben worden; einer von ihnen mit Hypokausten. Die massiven Strukturen und zahlreiche Toilettenobjekte deuten an, dass es sich um ein öffentliches Bad handelte. Es wurde wahrscheinlich am Ende des ersten Jahrhunderts erbaut und ging im großen Feuer um 150 unter.[4] Ein drittes großes Bad ist außerhalb der Stadtmauern, nordöstlich der Stadtmauern ausgegraben worden. Das Bad stand neben einem großen Tempelbezirk und mag es mag vor allem für rituelle Zwecke gedient haben. Die Anlage ist zum großen Teil untersucht[5]

Tempel[Bearbeiten]

Zahlreiche Tempel sind aus der Stadt bekannt. Im Forum standen wahrscheinlich zwei Tempel vom klassischen Typ. Weitere Tempel im Stadtgebiet gehören alls zum Typ des Gallo-römischer Umgangstempels. Nur zwei von ihne sind bisher ausgegraben worden, während die anderen von Luftphotographien bekannt sind. In Insula XVI, neben dem Theater und dem Forum stand ein großer Tempelbezirk, der die ganze Insula einnahm. Der Komplex war von Mauern umgeben und öffnete sich im Norden zum Theater, mit dem der Komplex in Verbindung stand. In der Mitte des Bezirks stand der eigentliche Tempel mit einer zentralen Cella, einem Umgang und zwei länglichen Anbauten.[6] Im Süden der Stadt, genau gegenüber eines der Stadttore konnte ein kleiner, dreieckiger Tempelbezirk ausgegraben werden, der auch eine ganze, kleine Insula einnahm. Beide Tempel sind am Ende es ersten Jahrhunderts v. Chr. errichtet worden.[7]

Kirchen[Bearbeiten]

Seit dem vierten Jahrhundert war das Christentum Staatsreligion im römischen Reich. Objekte mit christliche Symbolen sind bisher jedoch nicht in der Stadt gefunden worden. Für das achte Jahrhundert ist bei Beda Venerabilis eine Kirche in der Stadt schriftlich belegt. Drei Bauten in der Stadt werden in der Literatur als potentielle Kirchenbauten diskutiert. Für keines von ihnen ist dies bewiesen. Der nordwestliche Eingang im großen Tempelbezirk in Insula XVI wurde irgendwann blockiert. Dies scheint auf Umbaumassnahmen zurück zugehen; die als Nutzung des Tempels als Kirche interpretiert wurden. Dies ist jedoch nicht sicher. In Insula IX stand ein 15,8 m langer und 12,5 m breiter Bau, der vielleicht eine Basilika darstellte. Auch hier beruht die Interpretation als Kirche nur auf den Plan und ist deshalb sehr unsicher. 1966 wurden etwas außerhalb der Stadt die Reste eines Baues gefunden, der mindestens 6 m lang und 3 m breit war und eine Apsis hatte. Da der Bau sich innerhalb eines Friedhofes befand, mag es sich um eine Friedhofskirche gehandelt haben.[8]

Verulamium Museum[Bearbeiten]

Mitten im Gelände steht das Verulamium Museum. Es zeigt die wichtigen Funde, darunter eine der besten Sammlungen von Bodenmosaiken Englands, unter anderem das Shell-Mosaic, Stuckmarmor, die Verulamium Venus, eine bronzene Figurine, und zahlreiche andere Artefakte.

Literatur[Bearbeiten]

  • Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans, Stroud 2001, ISBN 0752419153
  • John Wacher: The Towns of Roman Britain, Routledge, London/New York 1997, S. 214-241
  • David S. Neal, Stephen R. Cosh: Roman Mosaics of Britain, Volume III: South-East Britain, Part 2, London 2009, ISBN 978-085431-289-4, S. 307-351

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Verulamium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Niblett: Verluamium, 73-77
  2. Niblett: Verluamium, 77
  3. Niblett: Verluamium, 65
  4. Niblett: Verluamium, 77
  5. Niblett: Verluamium, 111
  6. Niblett: Verluamium, 110
  7. Niblett: Verluamium, 78
  8. Niblett: Verluamium, 136-37

51.75-0.353889Koordinaten: 51° 45′ 0″ N, 0° 21′ 14″ W