Verulamium

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum gleichnamigen Asteroiden siehe (4206) Verulamium.
Reste der Stadtmauer
Detail einer Wandmalerei aus einer der Wohnbauten
Reste der nordöstlichen Stadtmauern, dahinter die Abtei von St Albans

Verulamium war die drittgrößte Stadt im römischen Britannien und liegt südwestlich der heutigen Stadt St Albans in Hertfordshire. Weite Teile der Stadt wurden bislang nicht von Archäologen untersucht und liegen auf landwirtschaftlich genutzter Fläche, unter einem Park oder wurden überbaut.[1] Zentrum des Fundplatzes, welcher heute ein Scheduled Monument (geschützte archäologische Stätte) ist,[2] ist das Verulamium Museum und das Verulamium Hypocaust.

Siedlungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Siedlung wurde in vorrömischer Zeit von Tasciovanus, dem Anführer der Catuvellaunen der hier auch Münzen herstellen ließ, als Hauptstadt des Stammes in vorrömischer Zeit als Verlamion gegründet und ist damit eine der ersten Siedlungen im vorrömischen Britannien welche namentlich genannt wird.

Die Römische Siedlung[Bearbeiten]

Die römische Siedlung lag an der Watling Street und erhielt 50 n.Chr den Rang eines municipiums, wodurch die Bewohner ein eingeschränktes Bürgerrecht hatten. Danach wuchs die Siedlung zu einer bedeutenden Stadt heran und wurde schließlich, so berichten es römische Quellen, 61 n.Chr. während des Boudicca-Aufstandes der keltischen Icener und Trinovanten geplündert und anschließend zerstört. Diese Zerstörung konnte anhand einer Ascheschicht auch archäologisch nachgewiesen werden. Im Jahr 155 und um das Jahr 250 wurde sie durch eine Feuersbrunst zerstört und anschließend meist in Stein wiederaufgebaut.

Im frühen 3. Jahrhundert bedeckte die nach einem Schachbrettmuster angelegt Stadt, welche damals über eine Mauer, einen tiefen Graben, ein Forum, eine Basilika, ein Theater, Thermen und mehrere Tempel verfügte, bereits rund 50 Hektar. Im 3. und 4. Jahrhundert wurden zudem auch größe Stadtvillen errichtet, welche teilweise mit Peristyl, Mosaiken und Hypocausten ausgestattet waren und im Gegensatz zu den übrigen zuvor errichteten meist sehr kleinen Wohngebäuden aus Stein und nicht aus Holz bestanden.

Zwischen 450 und 500 endete schließlich die römische Besatzung und die Stadt verfiel.

Im Mittelalter entstand schließlich nordöstlich der Ruinen wohl auf dem römischen Friedhof zunächst die dem dort enthaupteten heiligen Alban geweihte Abtei von St Albans, für deren Errichtung man die römischen Ruinen als Steinbruch nutzte, sodass heute nur noch Teile der Stadtmauer, ein Hypokaustum und das Theater sichtbar sind.

Innerhalb der Mauern von Verulam, wie Sir Francis Bacon seine Baronie nannte, baute der Essayist und Staatsmann ein kultiviertes kleines Haus, das von John Aubrey im 17. Jahrhundert in seinem Tagebuch deteilliert beschrieben wurde. Von Verulamium gab es damals kaum Überreste, aber Aubrey hielt fest: „At Verulam is to be seen, in some few places, some remains of the wall of this Citie.“

Die Bauten[Bearbeiten]

Das Forum[Bearbeiten]

Das Forum bildete das Zentrum der nach einem Schachbrettmuster angelegten Stadt und war mit 161 x 117 m das zweitgrößte im römischen Britannien. Laut einer unter dem Statthalter Gnaeus Iulius Agricola angebracht Inschrift wurde es 79 n. Chr., also in flavischer Zeit fertiggestellt. Sein genaues Aussehen ist aber trotz mehrerer Grabungen unklar. Sicher ist, dass das Forum mehrfach umgebaut wurde, wobei es allerdings schwierig ist die einzelnen Phasen zu trennen. Die Nord-Ost Seite des Gebäudes bestand aus einer Reihe von vermutlich nach außen offenen Räumen, welche vermutlich als Läden genutzt wurden. Dahinter lag eine zweite Reihe von Räumen, welche sich wahrscheinlich zur Innenseite des Forums öffnete. Daran schloss sich die große Basilika an, neben der sich das eigentliche Forum, ein 62 x 94 m großer Platz, befand, dessen Zugänge sich auf der Südost-und der Nordwestseite befanden. Im Südwesten befanden sich drei weitere Gebäude, wobei das mittlere vielleicht die Curia war.[3]

Das Macellum[Bearbeiten]

Nordwestlich des Forums stand das Macellum (Markthalle), das um 85 n. Chr. errichtet wurde und aus zwei Reihen von Geschäften bestand. In der Mitte befand sich ein Hof mit einer Wasserleitung, die Wasser vom nahen Fluss heranbrachte. Aus in der Nähe gefundenen Tierknochen schlossen die Forscher, dass, wie es auch von anderen Macella bekannt ist, vermutlich auch mit Fleisch gehandelt wurde.[4]

Das Theater[Bearbeiten]

Die Reste des Theaters

Neben dem Macellum stand das Theater, welches eines der wenigen Gebäude ist, die heute noch besichtigt werden können. Es wurde um 140 n. Chr. errichtet, wobei aber nicht auszuschließen ist, dass es bereits zuvor ein Theater an dieser Stelle stand. Das Gebäude, welches aus einem einen halbrunden Sitzraum und eine halbrunde Orchestra mit einem Durchmesser von 24,3 m bestand (römisch-gallischer Typ), war zum Teil in den Boden eingelassen. Es wurde mehrmals umgebaut und erhielt ein Proszenium mit einer korinthischen Ordnung. Mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit stand das Theater mit dem benachbarten Tempelbezirk in Verbindung, sodass im Theater wahrscheinlich auch religiöse Veranstaltungen gefeiert wurden.

Thermen[Bearbeiten]

Bislang wurden auf dem Areal von Verulamium Reste von drei Thermen ausgegraben.

In Insula XIX fanden sich bei Rettungsgrabungen ein eingetiefter Gebäudeteil sowie Reste von Säulen und hochwertige Wandmalereien. Gemäß den Funden war es ein öffentliches Gebäude und wurde bis an das Ende des ersten Jahrhunderts genutzt.[5]

Auch bei Ausgrabungen auf Insula III fand man Gebäudereste, die vermutlich zu einer Therme gehörten, welche am Ende des ersten Jahrhunderts erbaut und im großen Feuer um 150 zerstört wurde. Allerdings wurden bisher nur drei Räume des Gebäudes ausgegraben, wovon einer über ein Hypokaustum verfügte. Aufgrund der Gebäudestruktur und der zahlreichen gefundenen Toilettenobjekte, ist es auch ziemlich sicher, dass es sich um ein öffentliches Bad handelte.[6]

Ein drittes großes Bad fand man bei Grabungen nordöstlich der römischen Stadt neben einem großen Tempelbezirk, weshalb es möglicherweise vornehmlich für rituelle Zwecke genutzt wurde. Es wurde fast vollständig untersucht.[7]

Tempel[Bearbeiten]

Die Stadt verfügte über zahlreiche Tempel. Im Forum standen wahrscheinlich zwei Tempel vom klassischen Typ. Weitere Tempel im Stadtgebiet gehören zum Typ des Gallo-römischer Umgangstempels, von denen aber bisher nur zwei ausgegraben wurden. Von den anderen Tempeln weiß man aufgrund von Luftaufnahmen.

In Insula XVI, neben dem Theater und dem Forum befand sich ein großer am Ende des ersten vorchristlichen Jahrhunderts errichteter Tempelbezirk, der die ganze Insula einnahm, von Mauern umgeben war und sich nach Norden zum Theater mit dem er in Verbindung stand öffnete. In der Mitte des Bezirks stand der eigentliche Tempel mit einer zentralen Cella, einem Umgang und zwei länglichen Anbauten.[8]

Im Süden der Stadt, einem der Stadttore genau gegenüber, konnte ein kleiner, dreieckiger ebenfalls am Ende des ersten vorchristlichen Jahrhunderts Tempelbezirk ausgegraben werden, der auch eine ganze, allerdings sehr kleine Insula einnahm.[9]

Kirchen[Bearbeiten]

Seit dem vierten nachchristlichen Jahrhundert war das Christentum Staatsreligion im römischen Reich. Objekte mit christlichen Symbolen wurden aber bislang nicht gefunden. Einen schriftlichen Beleg die Existenz einer Kirche in der Stadt liefert der ein angelsächsischer Benediktinermönch, Theologe und Geschichtsschreiber Beda Venerabilis. Wo sich die Kirche befand ist unklar allerdings werden in der Literatur drei Gebäude als potentielle Kirchenbauten diskutiert, wobei aber für keines der Gebäude die Nutzung als Kirche bewiesen wurde.

Eines der Gebäude ist der Tempelbezirk auf Insula XVI, da dessen nordwestlicher Eingang wohl bei Umbaumaßnahmen, eventuell zu einer Kirche, verschlossen wurde. Auch ein 15,8 m langes und 12,5 m breites Gebäude auf Insula IX, möglicherweise eine Basilika, wurde aufgrund des Grundrisses als Kirche in Betracht gezogen, einen Beleg für die Interpretation gibt es auch hier nicht. Auch ein 1966 außerhalb der ehemaligen Stadt inmitten eines Gräberfeldes gefundenes mindestens 6 m langes und 3 m breites Gebäude mit einer Apsis wird aufgrund der Gebäudeform und der Lage in einem Gräberfeld als Kirche in betracht gezogen, wobei aber auch hier keine Belege für eine kirchliche Nutzung gefunden wurden.[10]

Verulamium Museum[Bearbeiten]

Mitten im Gelände steht das vom St Albans City Council betriebene und durch Mortimer und Tessa Wheeler in den 1930er Jahren gegründete Verulamium Museum. Es erklärt sowohl die Geschichte des Ortes in der Eisenzeit als auch in römischer Zeit. Darüber hinaus zeigt es die wichtigen Grabungsfunde, darunter eine der besten Sammlungen von Bodenmosaiken Englands, unter anderem das Shell-Mosaic, Stuckmarmor, die Verulamium Venus, eine bronzene Figurine, und zahlreiche andere Artefakte. Andere ebenfalls im Museum ausgestellte Funde, wie ein Sarkophag mit einem männlichen Skelett, wurden zufällig bei Bauarbeiten entdeckt.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153.
  •  John Wacher: The Towns of Roman Britain. Routledge, London/New York 1997, S. 214-241.
  •  David S. Neal, Stephen R. Cosh: Roman Mosaics of Britain, Volume III: South-East Britain, Part 2. London 2009, ISBN 978-085431-289-4, S. 307-351.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Verulamium – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Boundary of settlement walls , Pleiades
  2. 1003515 - The National Heritage List for England. Abgerufen am 30. Juni 2014. and related schedules.
  3.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 73-77.
  4.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 77.
  5.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 65.
  6.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 77.
  7.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 111.
  8.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 110.
  9.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 78.
  10.  Rosalind Niblett: Verulamium, The Roman City of St Albans. Stroud 2001, ISBN 0752419153, S. 136-37.

51.75-0.353889Koordinaten: 51° 45′ 0″ N, 0° 21′ 14″ W