Verwertungsrecht

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Verwertungsrecht ist im Urheberrecht das ausschließliche Recht des Urhebers eines Werkes, es zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich auszustellen.

Allgemeines[Bearbeiten]

Dazu gehört auch seine Befugnis, das Werk in unkörperlicher Form öffentlich wiederzugeben. Hierzu zählt das Vortrags-, Aufführungs- oder das Senderecht (§ 15 Abs. 2 UrhG). Der Urheber kann sein Erstverwertungsrecht durch öffentliche Aufführung selbst wahrnehmen (§ 78 Abs. 1 Nr. 3 UrhG). Die Verwertungsrechte sind in § 15Vorlage:§/Wartung/buzer UrhG aufgelistet und in den §§ 16 - 22Vorlage:§/Wartung/buzer UrhG geregelt.

Es ist ein ausschließliches Recht, so dass der Urheber anderen die Benutzung gegen Gebühr erlauben oder verbieten kann. Der Gesetzgeber unterscheidet zwischen Verwertungsrechten in körperlicher und in unkörperlicher Form sowie zwischen Erst-, Zweit- und Drittverwertungsrechten.

Verwertungsrechte in körperlicher Form[Bearbeiten]

Zu den Verwertungsrechten in körperlicher Form gehören das Vervielfältigungsrecht, das Verbreitungsrecht und das Ausstellungsrecht des Urhebers. Diese Liste der körperlichen Verwertungsrechte ist nicht abschließend.[1] Eine Verwertung in körperlicher Form liegt vor, wenn das Werk körperlich festgelegt ist und in dieser Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.[2]

Verwertungsrechte in unkörperlicher Form[Bearbeiten]

Die Verwertung in unkörperlicher Form umfasst insbesondere, d.h. auch diese Liste nach § 15 Abs. 2 UrhG ist nicht abschließend,[3] das Vortrags-, Aufführungs- und Vorführungsrecht, das Recht der öffentlichen Zugänglichmachung, das Senderecht, das Recht der Wiedergabe durch Bild- oder Tonträger und das Recht der Wiedergabe von Funksendungen und von öffentlicher Zugänglichmachung. Bei der unkörperlichen Verwertung handelt es sich um verschiedene Arten der öffentlichen Wiedergabe.[2] Eine Wiedergabe ist dann öffentlich, wenn sie gem. § 15 Abs. 3 UrhG für eine Mehrzahl von Mitgliedern der Öffentlichkeit bestimmt ist. Verwertungen in rein privatem Kreise fallen also nicht darunter.[3]

Wenn der Urheber die Aufnahme seines Werkes auf Bild- oder Tonträger zugelassen hat, so kann weder er noch der Tonträgerhersteller die Sendung verbieten;[4] er hat in diesem Falle der Zweitverwertung allerdings einen Anspruch auf angemessene Vergütung (§§ 76 Abs. 2, § 77 und § 82 UrhG).

Erst-, Zweit- und Drittverwertungsrechte[Bearbeiten]

Dem Erstverwertungsrecht sind die Zweit- und Drittverwertungsrechte nachgeordnet. Sie werden durch Verwertungsgesellschaften wahrgenommen. Diese haben hierfür einen Anspruch auf Vergütung kraft Gesetzes (§ 78 Abs. 2 UrhG). Bei Tonträgern (früher Schallplatten, heute CDs oder DVDs) oder Bildträgern ist die erstmalige Herstellung eines Tonträgers eine Erstverwertung (§ 15 Abs. 1 Nr. 1 UrhG), eine Zweitverwertung liegt etwa bei Kompilations-CDs (Sommerhits, Bravo Hits) vor. Zweitverwertung ist auch die Sendung eines Tonträgers im Radio, Drittverwertung die Wiedergabe der Radiosendung in einer Gastwirtschaft. In beiden Fällen werden – bei öffentlicher Aufführung - Gebühren fällig, die an die Verwertungsgesellschaft abzuführen sind.

Rundfunk und Fernsehen[Bearbeiten]

Insbesondere bei Sportveranstaltungen treten Rundfunk und Fernsehen wegen des öffentlichen Interesses bei den Sportveranstaltern zwecks Wahrnehmung von Übertragungsrechten auf. Die Sportveranstalter sind Rechteinhaber und damit Lizenzgeber. Hier werden keine Verwertungsgesellschaften eingeschaltet, sondern die Verhandlungen über die Lizenzzahlungen finden zwischen dem Rechteinhaber und den Rundfunk- und Fernsehanstalten direkt statt.

Dabei kann der Rechteinhaber wählen, ob er Exklusivrechte, Erst-, Zweit- und Drittverwertungsrechte oder nachrichtliche Berichterstattungsrechte vergibt.[5] Bei Exklusivrechten gibt es nur einen einzigen Lizenznehmer, der das Ereignis ausschließlich übertragen darf, andere werden vollkommen ausgeschlossen. Von Erstverwertung wird im Rundfunk und Fernsehen gesprochen, wenn ein Rundfunk- oder Fernsehsender das Recht von einem Veranstalter eingeräumt bekommt, urheberrechtlich geschützte Sportaufführungen gegen Entgelt exklusiv auszustrahlen. Das Erstverwertungsrecht garantiert dem lizenznehmenden Sender, exklusiv live oder zeitversetzt von einem bestimmten Sportereignis zu berichten.[6] Damit dürfen alle anderen Fernsehsender über diese Aufführungen nur noch im Rahmen von Nachrichtensendungen berichten.

Beispielsweise besitzt die ARD-Sportschau die Erstverwertungsrechte an der Ersten Fußball-Bundesliga, das ZDF hat sich die – zeitversetzten - Zweitverwertungsrechte gesichert, während das DSF die Erstverwertungsrechte für Sonntagsspiele besitzt. Eine Sublizensierung ist möglich, wobei der Inhaber der Erstverwertungsrechte einem anderen Fernsehsender entgeltlich das Übertragungsrecht einräumen kann. So soll Sky Deutschland für die Erstverwertungsrechte der Damen-Tennis-Ausscheidungsspiele in Wimbledon 2013 insgesamt 700.000 € an den Veranstalter gezahlt haben, forderte aber für die Sublizenz lediglich des Finales von der ARD 1,5 Millionen €.[7] Die ARD hat die Verhandlungen mit Sky preisbedingt beendet.

Andere Fernsehsender dürfen dann kostenlos nur im Rahmen der Kurzberichterstattung von 90 Sekunden hierüber berichten.[8] Es ging im Fall vor dem EuGH um Sky Österreich, die die Erstverwertungsrechte für die Europa League besaßen und durch die österreichische Regulierungsbehörde KommAustria verpflichtet wurden, dem ORF eins das kostenlose Recht auf Kurzberichterstattung entsprechend der österreichischen Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste[9] einzuräumen. Der EuGH war der Auffassung, dass der Eingriff in das Eigentumsrecht von Sky Österreich gerechtfertigt sei, weil er dem Grundrecht auf Informationsfreiheit diene. Das BVerfG hatte die Kurzberichterstattung bereits 1998 zwar zugelassen, sie aber noch für kostenpflichtig gehalten.[10]

Einschränkungen der Verwertungsrechte[Bearbeiten]

Die körperlichen und unkörperlichen Verwertungsrechte des Urhebers (§ 15 UrhG) gelten nicht uneingeschränkt. Für die Verwertungsrechte gibt es Einschränkungen zugunsten der Allgemeinheit, d.h. unter bestimmten Voraussetzungen darf die Allgemeinheit ein Werk ohne Zustimmung des Urhebers nutzen. Die Rechte des Urhebers werden beispielsweise durch Panoramafreiheit und Zitierfreiheit eingeschränkt.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ulrich Loewenheim, Handbuch des UrhR, 2003, § 19 Rdnr. 4
  2. a b Ulrich Loewenheim, a.a.O., § 19 Rdnr. 5; Fromm/Nordemann, UrhG § 15 Rdnr. 2
  3. a b Ulrich Loewenheim, a.a.O., § 19 Rdnr. 5
  4. Michel Clement/Oliver Schusser/Dominik Papies, Ökonomie der Musikindustrie, 2008, S. 67
  5. Florian Debortoli, Merchandising und Licensing als Erfolgsfaktoren europäischer Ligasysteme, 2009, S. 34
  6. Florian Debortoli , a.a.O., S. 34
  7. DER SPIEGEL online vom 5. Juli 2013, Fernsehrechte: ARD-Verhandlungen über Wimbledon-Finale gescheitert
  8. EuGH, Urteil vom 22. Januar 2013, Az: C-283/11
  9. Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste
  10. BVerfGE 97, 228
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