Verwaltung 2000

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Verwaltung 2000
Emblema Stasi.svg
Emblem des MfS
Aktiv 1950 bis 2. Oktober 1990
Land Deutschland Demokratische Republik 1949DDR DDR
Streitkräfte NVA
Typ Hauptabteilung
Stärke ca. 2.319 Mitarbeiter
Unterstellung MfS
Garnison Berlin-Niederschöneweide, Schnellerstr.
Vorgesetzter der Diensteinheit
Generalleutnant
Gerhard Neiber (ab 1986)
Stv. des Ministers für Staatssicherheit
Generalleutnant
Manfred Dietze (1989)
Leiter: Hauptabteilung I
oder Verwaltung 2000

Verwaltung 2000 (V2000, V 2000, V-2000 oder einfach 2000), seltener Büro 2000, war die Tarnbezeichnung für die Linie I Bewaffnete Organe/Nationale Volksarmee (NVA) mit der zuständigen Hauptabteilung I (HA I) im Ministerium für Staatssicherheit (MfS) der DDR.

Auftrag[Bearbeiten]

Die Verwaltung 2000[1] war mit Gründung des MfS zunächst für den Bereich Bewaffnete Organe als abwehrender Nachrichtendienst tätig. Ab 1956 bis zur MfS-Auflösung 1990 war ihre Hauptaufgabe die Abschirmung, Absicherung und Überwachung aller Personen im Geschäftsbereich des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV) einschließlich der Grenztruppen der DDR und des militärischen Nachrichtendienstes der NVA.

Organisation[Bearbeiten]

Die Verwaltung 2000 war zentralistisch aufgebaut und streng hierarchisch gegliedert. Die Hauptabteilung I hatte als oberste Diensteinheit ihren Sitz in der MfS-Dienststelle Schnellerstraße in Berlin-Niederschöneweide. Im Bereich des Ministeriums für Nationale Verteidigung (MfNV) in Strausberg befand sich die Verwaltung für den ministeriellen Bereich und die direkt unterstellten Organisationsbereich (Org-Bereiche), aber auch eine eigenständige Abteilung, die für das Ministerium für Nationale Verteidigung am Standort Strausberg zuständig war.

In den Führungskommandos der Teilstreitkräfte, der Grenztruppen und der Militärbezirke befanden sich jeweils eine Diensteinheit mit Abteilungsstatus (Dotierung Oberst OF5) für den jeweiligen gesamten Organisationsbereich, war aber wiederum auch eine eigenständige Unterabteilung (im Personalumfang eines Dezernats, Dotierung Oberstleutnant OF4) für den jeweiligen Führungsstab selbst und das im betreffenden Kasernenbereich befindliche militärische und zivile Personal. Das Prinzip setzte sich fort über die Großverbände, die Militärakademie „Friedrich Engels“, Offiziershochschulen und weitere Lehreinrichtungen bis hin zu den Brigaden, Regimentern, selbständigen Bataillonen und gleichgestellten Org-Bereichen. Auf der Ebene Regiment/Bataillon kamen in aller Regel zwei Angehörige der Verwaltung 2000 (Dotierung Oberleutnant OF2 bis Hauptmann OF3) zum Einsatz.

Nach eigenem Verständnis war die Verwaltung 2000 „Schild und Schwert der Partei“ in der NVA. Partnerorganisation war unter anderem der KGB-Abschirmdienst beim Führungsstab der GSSD.

Arbeitsweise, Rekrutierung und Dienstbekleidung[Bearbeiten]

Entgegen der allgemein üblichen und somit konspirativ orientierten Arbeitsweise von Geheimdiensten war für Mitarbeiter der Verwaltung 2000 in gewissem Umfang ein offener Umgang mit den NVA-Angehörigen beabsichtigt.

Der Personalbestand der Verwaltung 2000 rekrutierte sich aus Unteroffizieren mit und ohne Portepee, Fähnrichen und Offizieren des MfS, der NVA und der Grenztruppen. Auf der Ebene Truppenteil bzw. Einheit waren vor allem Spezialisten gefragt, die mit den örtlichen Gegebenheiten vertraut waren und die einzelne Personen möglichst gut kannten. Die Soldaten und Zivilbeschäftigten wiederum kannten die für sie zuständigen Personen der Verwaltung 2000 von Angesicht.

Die Angehörigen der Verwaltung 2000 trugen grundsätzlich die verbandsübliche Uniform der Einheit ihres speziellen Zuständigkeitsbereichs, hatten aber auch uneingeschränkte Befugnis Zivilkleidung zu tragen. Auch trugen sie die üblichen Auszeichnungen und Ehrenzeichen, bis hin zum Absolventenabzeichen des MfS. Sie verfügten über personengebundene Dienst-Kfz mit ziviler und militärischer Zulassung sowie Zivil- und NVA-Kennzeichen, wodurch sie vom Fuhrpark der NVA unabhängig handeln konnten. Angehörige der Verwaltung 2000 waren grundsätzlich "ständige Waffenträger". Als Standardbewaffnung kam die Pistole Makarow (9mm) sowjetischer Bauart zum Einsatz.

Besonderheiten[Bearbeiten]

Die Angehörigen der Verwaltung 2000 unterstanden nicht der Befehlsgewalt der Befehlshaber, Kommandeure, Chefs oder Leiter ihres jeweiligen Einsatzbereichs. Sie hatten aber die Befugnis, ohne Nennung von Gründen an Dienstbesprechungen, Übungen und Einsätzen bis hin zu dienstlichen Veranstaltungen geselliger Art teilzunehmen. Bei letzteren waren sie zumeist Ehrengäste der jeweiligen Gastgeber.

Personalentscheidungen, die in besonderem Maße sicherheitsrelevant waren (ab VS-Geheim aufwärts), wie beispielsweise die persönliche die Kenntnisberechtigung für Reservefrequenzen von Funkstellen besonderer sicherheitsrelevanter Funkdienste, konnten ohne ausdrückliche Zustimmung der Verwaltung 2000 nicht getroffen werden.

Ähnlich wie in den Diensteinheiten des MAD in der Bundesrepublik verfügten die Angehörigen der Verwaltung 2000 bis in die Truppe über gesicherte Diensträume und ECM-gehärtete Kommunikationsmittel sowie über spezielle Ausweisdokumente zur Legitimation der besonderen Befugnisse und Zutrittsberechtigungen.

Im Zuständigkeitsbereich der Verwaltung 2000 gab es eine hohe Durchdringung mit Inoffiziellen Mitarbeitern (IM) und Offiziere im besonderen Einsatz (OibE). Darüber hinaus war die Beteiligung von NVA-Offizieren bzw. Spezialisten – ohne IM- oder OibE-Staus – im Rahmen der Abwehr technischer Aufklärungsmittel der NATO-Streitkräfte durchaus üblich.

Leiter der Verwaltung 2000[2][Bearbeiten]

Dienstgrad, Name Dienstzeit späterer Dienstgrad
Chefinspekteur Heinz Gronau 12/1951 – 2/1953 Oberst (ab 1953)
Generalleutnant Ottomar Pech 3/1953 – 4/1955
Generalmajor Martin Weikert 4/1955 – 6/1955 (vorübergehende Aufgabenwahrnehmung)
Generalmajor Karl Kleinjung 7/1955 – 6/1981 1974 Generalleutnant
Generalmajor Manfred Dietze 6/1982 – 1989 (bereits 2/1981 beauftragt) 1989 Generalleutnant

Geschichte[Bearbeiten]

Die Verwaltung 2000 nahm Anfang der 1950er Jahre, zunächst im Referat zur Besonderen Verwendung/ Abteilung I/3 der Hauptverwaltung Ausbildung der VP-Bereitschaft, mit circa zwei Dutzend Mitarbeitern unter Führung von Karl Krug ihre Tätigkeit auf. In VP-Kameradenkreisen kursierte für die Mitarbeiter schon bald der Spitzname „Karl-Heinz“, der sich noch bis in die 1980er Jahre hielt, aber zunehmend durch den Spitznamen „V-Null“ abgelöst wurde. Neben diesen Spitznamen kursierten noch weitere Bezeichnungen. In der Truppe wurde der einzelne Mitarbeiter der Verwaltung 2000 auch Mitarbeiter 2000 genannt; hinter vorgehaltener Hand auch „Gummi-Ohr“. Für die Verwaltung selbst waren auch die Bezeichnung "Firma" oder "2000" üblich.

Bis 1989 wuchs die Verwaltung 2000 mit 2.319 Mitarbeitern zur größten Diensteinheit des MfS auf.

Mit der politischen Wende in der DDR stand mit der gesamten Legitimation des MfS auch die Verwaltung 2000 zur Disposition. Mit der Umbenennung das MfS in Amt für Nationale Sicherheit im November 1989 setzte die Verwaltung die Tätigkeit zwar fort, wurde aber mit der Auflösung der Behörde ebenfalls ersatzlos abgeschafft.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Verwaltung : im, Sinne der Staatsverwaltung, die gesamte vollziehende und verfügende Tätigkeit als Staatsorgan, hier durch den Zwangs- und Unterdrückungsapparat des MfS. Die Namensgebung leitete sich von der russischen Übersetzung (ru: управление/uprawlenie ⇒ für de: Verwaltung) ab.
  2. Liste gem. Roland Wiedmann: Die Diensteinheiten des MfS 1950–1989, S. 250