Vesper von Ephesos

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Reich des Mithridates VI.

Als Vesper von Ephesos (auch asiatische Vesper, Blutbefehl von Ephesos) wird das Blutbad an rund 80.000 Römern[1] und Italikern im Jahre 88 v. Chr. bezeichnet, das Mithridates in allen Städten der von ihm besetzten Provinz Asia angeordnet hatte.

Die Vesper von Ephesos fällt in die Zeit der Mithridatischen Kriege. Diese hatten ihren Ausgangspunkt in Versuchen des Mithridates, seinen Herrschaftsbereich in Kleinasien zu erweitern, und führten zu Konflikten mit Rom, das eine solche Machtkonzentration in dieser Region nicht tolerieren wollte. 89/88 trat die Stadt Ephesos zu Mithridates über. Der pontische König Mithridates beabsichtigte mit der Vesper von Ephesos jede italische Opposition in dem von ihm beherrschten Gebiet auszuschalten. Zugleich war sein Ziel, die materiellen Erwartungen seiner Parteigänger zu befriedigen. Mithridates hatte sich im Zuge seiner annexionistischen Bestrebungen zwar zum Befreier der Griechen proklamiert, doch war es ihm bis dahin nicht gelungen, seine Kriegskasse aufzufüllen. Als lohnende Zielgruppe machte er somit die in Kleinasien ansässigen Italiker aus, die durch ihre Herkunft nicht seiner Politik angehörten. Zudem waren diese Leute vermögend, da sie überwiegend im Handel und in der Verwaltung tätig waren. Als weitere Ursache für das von Mithridates befohlene Pogrom wird auch der aufgestaute Hass der Bevölkerung der Provinz Asia auf die römischen Steuerpächter angenommen, welche die Provinz über 40 Jahre ausgebeutet hatten.[2] Somit befahl Mithridates per Erlass von seiner Residenz in Ephesos aus die Ermordung aller Italiker gleich welchen Alters, Standes oder Geschlechts an einem bestimmten Tag. Die Bestattung der Getöteten wurde untersagt.

Der Erste Mithridatische Krieg wurde durch den Friedensvertrag von Dardanos im Jahr 85 v. Chr. beendet. Bei der Neuordnung Kleinasiens verhängte Sulla 84 v. Chr. über die Stadt Ephesos, die sich zu bereitwillig auf die Seite Mithridates stellte, ein Strafgericht.[3] Die Stadt verlor weite Teile ihres Territoriums und die Häupter der antirömischen Partei wurden hingerichtet. Es erfolgte eine Brandschatzung. Als zusätzliche Belastung richtete Sulla hier sein Winterquartier ein.[4]

Literatur[Bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Wolfram Letzner: Lucius Cornelius Sulla. Versuch einer Biographie. Münster u. a. 2000, S. 154. Die Zahlen differieren. Valerius Maximus 9,2 nennt 80 000 Opfer. Plutarch, Sulla 24,4 spricht von 150 000 Toten.
  2. Elmar Schwertheim: Kleinasien in der Antike. Von den Hethitern bis Konstantin. Beck, München 2005, ISBN 3-40650-848-0, S. 89.
  3. Appian, Mithridates 61–63.
  4. Wolfram Letzner: Lucius Cornelius Sulla. Versuch einer Biographie. Lit, Münster [u.a.] 2000, ISBN 3-8258-5041-2, S. 211.