Vetschau/Spreewald

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Vetschau/Spreewald
Vetschau/Spreewald
Deutschlandkarte, Position der Stadt Vetschau/Spreewald hervorgehoben
51.78361111111114.07361111111160Koordinaten: 51° 47′ N, 14° 4′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Oberspreewald-Lausitz
Höhe: 60 m ü. NHN
Fläche: 111,6 km²
Einwohner: 8491 (31. Dez. 2013)[1]
Bevölkerungsdichte: 76 Einwohner je km²
Postleitzahl: 03226
Vorwahlen: 035433, 03541 (Gahlen), 035436 (Laasow, Ogrosen, Fleißdorf), 035752 (Koßwig, Missen, Tornitz)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: OSL, CA, SFB
Gemeindeschlüssel: 12 0 66 320
Stadtgliederung: 10 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Schlossstraße 10
03226 Vetschau/Spreewald
Webpräsenz: www.vetschau.de
Bürgermeister: Bengt Kanzler (parteilos)
Lage der Stadt Vetschau/Spreewald im Landkreis Oberspreewald-Lausitz
Sachsen Cottbus Landkreis Dahme-Spreewald Landkreis Elbe-Elster Landkreis Spree-Neiße Landkreis Teltow-Fläming Altdöbern Bronkow Calau Frauendorf (Amt Ortrand) Großkmehlen Großräschen Grünewald Guteborn Hermsdorf (bei Ruhland) Hohenbocka Kroppen Lauchhammer Lindenau (Oberlausitz) Lübbenau/Spreewald Luckaitztal Neupetershain Neu-Seeland Ortrand Ruhland Schipkau Schwarzbach (Lausitz) Schwarzheide Senftenberg Tettau (Brandenburg) Vetschau/SpreewaldKarte
Über dieses Bild

Vetschau/Spreewald (bis 31. März 1997 Vetschau[2]), niedersorbisch Wětošow/Błota, ist eine Kleinstadt im Landkreis Oberspreewald-Lausitz im Süden des Bundeslandes Brandenburg, in Deutschland.

Geografie[Bearbeiten]

Der Ratskeller am Markt in Vetschau
Schloss Vetschau
Das älteste Haus Vetschaus
Schönebegk-Gedenkstein
Der Nachbau der Slawenburg

Vetschau liegt am Südrand des Spreewaldes ostsüdöstlich von Lübbenau und nördlich der ehemaligen Kreisstadt Calau. Die nördlichen Ortsteile liegen unmittelbar im Biosphärenreservat Spreewald.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Als Ortsteile der Stadt sind ausgewiesen:

  • Göritz (niedersorbisch Chórice)
  • Koßwig (Kósojce)
  • Laasow (Łaz)
  • Missen (Pšyne) - Der Ort hat 490 Einwohner, welche seit etwa 1990 konstant ist. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte 1346 im amtlichen Kirchbuch. Gründer war wahrscheinlich ein Herr von Zabeltitz aus der Umgebung von Meißen. Dessen Herkunft war auch für den alten Namen des Ortes Misne verantwortlich. Sehenswert ist die neogotische Kirche aus dem 19. Jahrhundert. Die Grundschule ist ein Modellversuch des Landes Brandenburg „Kleine Grundschule“.[3]
  • Naundorf (Njabožkojce)
  • Ogrosen (Hogrozna)
  • Raddusch (Raduš)
  • Repten (Herpna)
  • Stradow (Tšadow)
  • Suschow (Zušow)

Daneben existieren die bewohnten Gemeindeteile Belten (Běłośin), Fleißdorf (Długi), Gahlen (Gołyń), Lobendorf (Łoboźice), Märkischheide (Wusoka, bis 23. Oktober 1937 amtlich deutsch Weissagk[4]), Tornitz (Tarnojsk) und Wüstenhain (Huštań).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Wappen für Rath und Gmaind des Marckhts Vetzschew wurde dem Ort am 17. März 1548 durch König Ferdinand I. in Augsburg ausgestellt. Die Urkunde war lange verschollen und wurde erst im Juli 2005 auf einem Dachboden in Vetschau wiederentdeckt.[5]

Bis ins späte 19. Jahrhundert hinein waren die meisten Dörfer in der näheren Umgebung von Vetschau noch überwiegend sorbischsprachig.[6] Der Sprachwechsel zum Deutschen erfolgte hier - beschleunigt durch die Abschaffung sorbischer Gottesdienste und die Durchsetzung des Deutschen in den Schulen - im Wesentlichen bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts.

In den Jahren 1929 bis 1932 fanden hier jeweils Anfang August die Spreewälder Volks- und Trachtenfeste statt. Organisiert wurden sie vom damaligen Bürgermeister Otto Rohde und der niederlausitzer bzw. niedersorbischen Abteilung des wendischen Bildungs- und Buchvereins Maśica Serbska in Cottbus.[7]

Vetschau war von 1964 bis 1996 Standort eines der größten Braunkohlekraftwerke der Region, des Kraftwerks Vetschau. Die Schornsteine des Kraftwerks waren Wahrzeichen der Stadt, sorgten aber auch für eine erhebliche Schwefeldioxidbelastung.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Märkischheide wurde 1959 eingemeindet.[8] Ende 2001 wurden vier[9], Ende 2002 zwei[10] und im Oktober 2003 weitere vier ehemalige Gemeinden eingegliedert.[11]

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung
Briesen 1. Januar 1926 Eingemeindung nach Tornitz
Dubrau 1. Oktober 1966 Eingemeindung nach Koßwig
Fleißdorf 1. Januar 1974 Eingemeindung nach Naundorf
Gahlen 1. Januar 1957 Eingemeindung nach Missen
Göritz 31. Dezember 2001
Jehschen 1. Januar 1928 Eingemeindung nach Missen
Koßwig 26. Oktober 2003
Laasow 26. Oktober 2003
Märkischheide 1. April 1959
Missen 26. Oktober 2003
Naundorf 31. Dezember 2001
Ogrosen 31. Dezember 2002
Raddusch 26. Oktober 2003
Repten 31. Dezember 2001
Schönebegk 1. Januar 1928
Stradow 31. Dezember 2001
Suschow 31. Dezember 2002
Tornitz 1. Mai 1974 Eingemeindung nach Laasow
Wüstenhain 1. Mai 1974 Eingemeindung nach Laasow

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Von der Gründung des Deutschen Reiches bis zum Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Bevölkerungszahl Vetschaus wenig. Die Stadt blieb hinter dem Brandenburger Durchschnitt zurück. Mit Ende des Krieges brachten die Flüchtlinge aus den Ostgebieten einen Bevölkerungsschub. Durch die starke Industrialisierung der Region nach dem Zweiten Weltkrieg, die insbesondere mit der Nutzung der heimischen Braunkohle verbunden war, stiegen die Zahlen der Einwohner bis zur Mitte der 1970er Jahre stetig an. Seitdem fällt die Einwohnerzahl kontinuierlich. Die aktuellen Prognosen gehen davon aus, dass sie bis 2030 auf ca. 7.000 sinken wird. Das wäre ein Rückgang um 35 % seit 2000.

Vetschau/Spreewald:
Bevölkerungsentwicklung in den Grenzen von 2013
Jahr Einwohner
1875 7 243
1890 8 324
1910 8 254
1925 8 101
1933 7 675
1939 7 929
1946 10 798
1950 10 604
1964 11 938
1971 13 286
Jahr Einwohner
1981 13 059
1985 12 728
1989 12 304
1990 12 044
1991 11 534
1992 11 392
1993 11 283
1994 11 198
1995 11 170
1996 11 188
Jahr Einwohner
1997 11 139
1998 11 113
1999 10 956
2000 10 744
2001 10 470
2002 10 192
2003 10 025
2004 9 778
2005 9 616
2006 9 384
Jahr Einwohner
2007 9 208
2008 9 036
2009 8 903
2010 8 770
2011 8 702
2012 8 541
2013 8 491

Die Quellen der Daten finden sich detailliert in den Wikimedia Commons[12].

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008
Wahlbeteiligung: 53,18 % (2003: 44,27 %)
 %
30
20
10
0
25,17 %
24,43 %
23,78 %
20,14 %
6,47 %
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-4,32 %p
-8,09 %p
+7,37 %p
+4,76 %p
+0,27 %p
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
c 2003: PDS
d Wählergruppe Ortsteile

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Der Stadtverordnetenversammlung (StVv) besteht aus 18 Stadtverordneten und dem Bürgermeister.[13]

Ein Stadtverordneter der Linken wechselte zu Bündnis 90/Die Grünen.[14]

(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 3. Mai 1993 genehmigt.

Blasonierung: „Gespalten; vorn in Rot ein aufgerichteter, nach links gewendeter silberner Windhund mit goldenem Halsband, hinten blau-silbern geschacht.“[15]

Flagge[Bearbeiten]

Die Flagge besteht – bei Aufhängung an einem Querholz – aus zwei Längsstreifen in den Farben Weiß - Rot, auf die das Stadtwappen auf der Nahtstelle aufgelegt ist.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten]

Bedburg (Nordrhein-Westfalen) ist Partnerstadt von Vetschau.

Blick auf die beiden Kirchenschiffe der Doppelkirche

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In Vetschau ist das Niederlausitzer Storchenzentrum mit Ausstellungen zum Weißstorch und Informationen zum Biosphärenreservat Spreewald ansässig.

Bauwerke[Bearbeiten]

Vetschau verfügt über eine zum Teil noch gut erhaltene historische Bausubstanz. Diverse Gebäude sind in der Denkmalliste eingetragen. Im bereits um 1540 entstandenen Schloss Vetschau sitzt heute die Stadtverwaltung. Besonders bekannt ist die aus dem 17. Jahrhundert stammende Wendisch-Deutsche Doppelkirche. Als ältestes Wohnhaus der Stadt gilt das um 1710 entstandene Fachwerkhaus in der Schlossstraße 8, an dessen bemaltem Längsbalken ein historischer Segensspruch zu lesen ist. Bemerkenswert ist auch der um 1890 entstandene Ratskeller Vetschau am Markt 5. Am Rande Vetschaus steht die Ende des 19. Jahrhunderts entstandene katholische Heilige-Familie-Kirche. Zur Erinnerung an die 1928 erfolgte Eingemeindung des Dorfes Schönebegk nach Vetschau wurde 2008 in der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße ein Gedenkstein aufgestellt.

Im Ortsteil Raddusch befindet sich mit der Slawenburg Raddusch ein originalgetreuer Nachbau einer Slawenburg.

Die Bodendenkmale sind in der Liste der Bodendenkmale in Vetschau/Spreewald aufgeführt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

Vetschau liegt an der Bundesautobahn 15 und der Bundesstraße 115.

Der Ort hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Berlin–Görlitz (BerlinLübbenauCottbusForst (Lausitz)).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Ehrenbürger[16][Bearbeiten]

  • Ferdinand Griebenow, (1848–1910), Unternehmer, am 15. Juli 1898 zum Ehrenbürger ernannt.
  • Selma Griebenow, geborene Blütchen (1851–1942), Stifterin, am 15. Juli 1898 zur Ehrenbürgerin ernannt.
  • Richard Hellmann, (1876–1971), Unternehmer, am 3. Mai 1929 zum Ehrenbürger ernannt.
  • Peter Ettelt, (1966-2009), Musiker, am 10. Dezember 2009 zum Ehrenbürger ernannt.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Claus Reimann: Vetschau. Ein Tor zum Spreewald. EUROVERLAG, Cottbus 1993.
  • Stefanie und Mathis Leibetseder: Vetschau. In: Schlösser und Gärten der Mark, Heft 125, Berlin 2012 (ISBN Nr.: 978-3-941675-41-4).

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2013 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Änderung des Namens der Stadt Vetschau. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 7. März 1997. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 8. Jahrgang, Nummer 19, 15. Mai 1997, S.358.
  3. Märkische Oderzeitung, 22. September 2005, S. 11
  4. Statistik des Deutschen Reichs, Band 450: Amtliches Gemeindeverzeichnis für das Deutsche Reich, Teil I, Berlin 1939; Seite 249
  5. Brandenburgische Archive Heft 24, S. 5-11 als PDF
  6. Arnošt Muka: Pućowanja po Serbach. Nakład Domowiny, Budyšin 1957, S. 67f.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBomenius: Wendische Trachtenumzüge in Vetschau – eine Ausstellung in der Wendischen Kirche. NIEDERLAUSITZ aktuell, 31. Juli 2011, abgerufen am 29. April 2013.
  8. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  9. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2001
  10. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  11. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2003
  12. Population Projection Brandenburg at Wikimedia Commons
  13. http://www.vetschau.de/stadtpolitik/fraktionen/fraktionen.html
  14. http://www.vetschau.de/stadtpolitik/fraktionen/buendnis-90-die-gruenen/fraktion-buendnis-90-die-gruenen-.html
  15. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  16. Ehrenbürger der Stadt Vetschau / Spreewald

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vetschau/Spreewald – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien