Vexier

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Drahtvexiere
Ein anspruchsvolles Schnur-Entwirrspiel, siehe Chinesische Ringe

Vexiere (lat. vexare „plagen, quälen“) sind Geduldspiele mit der Aufgabe, ein Teil abzunehmen oder anzubauen, also etwas zu entwirren oder sinnvoll zusammenzusetzen. Es gibt Vexiere aus verschiedensten Materialien, z. B. aus gebogenen Drähten, Schnüren, Holzkugeln, etc.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Spiele hatten ihre erste weite Verbreitung gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit dem allgemeinen Puzzle-Wahn. Eine große Anzahl von auch jetzt noch erhältlichen Vexieren haben ihren Ursprung in dieser Zeit.

Zuvor waren Vexiere allgemein in der Schlosserkunst bekannt. Hauptsächlich, um Sicherheitsschlösser noch sicherer zu machen, waren Vorrichtungen eingebaut, die in eine nur dem Besitzer bekannte bestimmte Stellung gebracht werden mussten, um dann das eigentliche Schloss freizulegen. Sie wurden Vexierschlösser genannt.

Sowohl in der Literaturwissenschaft als auch in der Filmkritik wird der Begriff Vexier auch als eine Bezeichnung für komplizierte intellektuelle Rätsel wie beispielsweise in den Filmen Letztes Jahr in Marienbad (hier speziell auch das Marienbad (Spiel)) oder Der Kontrakt des Zeichners gesehen.

Variationen[Bearbeiten]

Eine andere Art von Vexieren sind Ringpuzzles, zu denen auch die Chinesischen Ringe gehören. Bei diesen Spielen muss eine längliche Drahtschlaufe von einem Geflecht von Ringen und Drähten gelöst werden. Die Anzahl der dafür notwendigen Schritte ist oft exponentiell zur Anzahl der Schlaufen.

Beispiel[Bearbeiten]

Ausgangslage zum Beispielvexier

Ein bekanntes Vexier ist das teilweise unter der Bezeichnung Berchtesgadener Problem (auch unter dem Namen Head of Nails, Magic Nails oder Nagelprobe) bekannte Rätsel. Es handelt sich um ein Vexier, das aufgrund seines verwendeten Materials auch gerne bei Richtfesten durch Zimmermänner demonstriert wird.

Aufgabenstellung[Bearbeiten]

In einem Brett ist ein normaler Nagel (vorzugsweise auch ein Zimmermannsnagel) einige Millimeter eingeschlagen. Nun besteht die Aufgabe darin, eine größere Anzahl weiterer Nägel oder auch eine möglichst maximale Anzahl von Nägeln so auf diesem einen Nagel auszubalancieren, dass diese weder den Boden noch das Brett, sondern ausschließlich die anderen Nägel berühren. Dies muss ohne Zuhilfenahme von anderen Gegenständen, wie etwa einem Magneten, erreicht werden. Des Weiteren dürfen die Nägel während des Balanceakts nicht von irgendeinem Körperteil berührt oder beeinflusst werden.

Lösung zum Beispielvexier
Auf einem Grundnagel werden Nägel quer positioniert, die abwechselnd die Köpfe auf beiden Seiten des Grundnagels haben. Abschließend wird ein Nagel parallel des Grundnagels aufgelegt. Nun muss das gesamte Konstrukt an den beiden Grundnägeln angehoben und unter Beachtung des Schwerpunkts auf den Kopf des eingeschlagenen Nagels abgelegt werden. Durch die herabhängenden Nägel befindet sich der Gesamtschwerpunkt der Anordnung unterhalb des Aufhängepunktes, so dass eine stabile Lage erreicht wird. Das Vexier ist gelöst. Häufig wird angenommen, dass eine stabile paarweise Anordnung nur durch gerade Anzahl balancierender Nägel eine Lösung bildet oder dass es durch die feste Länge der tragenden beiden Nägel eine klare Obergrenze an Nägeln in der Lösung geben muss. Die gezeigte Lösung mit 50 Zimmermannsnägeln widerlegt solche Irrtümer. Tatsächlich könnten noch viele Nägel mehr auf ähnliche Weise auf dem eingeschlagenen Nagel balancieren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Pieter van Delft und Jack Botermans: Denkspiele der Welt, Weltbild, 2004, ISBN 3-8289-2032-2

Weblinks[Bearbeiten]