Vibraphon

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Vibraphon

Das Vibraphon oder Vibrafon ist als Metallophon (Schlaginstrument) eine Weiterentwicklung der Marimba und besitzt eine elektrisch angetriebene Modulationseinrichtung. Das Instrument hat eigentlich einen „kalten, metallenen Klang.“[1]

Bauart[Bearbeiten]

Das Vibraphon unterscheidet sich von der Marimba durch das Material der Platten, die aus einer harten Metalllegierung statt aus Holz bestehen. Die Platten sind wie bei der Marimba, dem Metallophon und dem Xylofon im Bereich der Schwingungsknoten ihrer Grundresonanzfrequenz gelagert. Ihre Länge ist umgekehrt proportional zur Quadratwurzel der Grundresonanzfrequenz. Das Stimmen ist nur im Werk erforderlich und geschieht durch Beschleifen, wobei durch Verringern der Masse oder der Steifigkeit sowohl höher oder tiefer gestimmt werden kann.

Einige Metallplatten abgedeckt: Blick in die Röhren

Das Vibraphon wird mit Schlägeln (Mallets) angeschlagen, deren oberes Ende aus einem garnumwickelten Gummikopf besteht. Der Tonumfang besteht üblicherweise aus drei Oktaven von f bis f3. Ein Vorläufer des Vibraphons mit beweglichen Röhren wurde 1916 in den USA von Hermann Winterhoff entwickelt und als „Steel Marimba“ patentiert. Die heute verbreitete Bauart mit rotierenden Metallscheiben über den Resonanzröhren entstand 1921 unter dem Namen „Vibraharp“.

Unter den Platten hängen gestimmte Resonanzröhren zur Verstärkung des Klangs. Bei einigen Vibraphonen sind diese unter den hohen Tönen aus optischen Gründen verlängert. Innen sind sie aber unterteilt, um die richtige Länge zu erhalten.

Am oberen Ende der Resonanzröhren drehen sich jeweils dünne runde Kunststoff- oder Metallscheiben, die auf einer gemeinsame Welle angebracht sind und durch einen Elektromotor angetrieben werden. Durch die Rotation werden alle Resonanzröhren periodisch geöffnet und geschlossen, was dem Vibraphon je nach Drehgeschwindigkeit das charakteristische Vibrato verleiht. Die Vibratogeschwindigkeit ist meist regelbar. In Partituren wird sie gelegentlich angegeben oder es wird durch Anweisungen wie „ohne Motor“ oder „ohne Vibrato“ das Abschalten vorgeschrieben.

Zudem kann über ein Pedal ein Dämpfer bedient werden, um ähnlich wie beim Klavier die Klangdauer zu regeln.

Das Vibraphon im Jazz[Bearbeiten]

Swing[Bearbeiten]

Das Vibraphon ist eines der klassischen Instrumente im Jazz. Die erste Aufnahme eines Vibraphons in einer Jazznummer machte Lionel Hampton im Jahre 1930. Während einer Aufnahme in den NBC-Studios in Los Angeles entdeckte Louis Armstrong ein Vibraphon und bat Hampton, es zu spielen. Hampton, dem das Instrument nach dem Prinzip des Xylophons bekannt war, versuchte es erfolgreich und machte in der Folge das Vibraphon als Jazzinstrument populär. Zur gleichen Zeit spielte bereits Red Norvo das Vibraphon als Soloinstrument im Jazz, machte aber erst 1933 bei Victor Young erste Aufnahmen auf dem Instrument. Während Norvo das Instrument pianistisch spielte, benutzte es der Bandleader Hampton phrasierend perkussiv, hinter sich die rhythmischen Riffs seiner Big Band.

Modern Jazz[Bearbeiten]

Milt Jackson wurde bereits 1939 von einem Lehrer auf das damals neue Instrument aufmerksam gemacht. Er experimentierte, bevor er einen dritten Zugang zum Instrument entwickelte, indem er weiche Schläger („soft mallets“) entwickelte und spielte; außerdem reduzierte er die Drehwelle von 10 auf 3,3 Umdrehungen pro Sekunde herab. So entlockte er dem Vibraphon eine Ausdrucksstärke, die jenseits dessen lag, was die Instrumentenentwickler beabsichtigt hatten:. „Das Vibrato, das ich auf diesem Instrument erreichte, war dem Vibrato sehr ähnlich, das ich als Sänger in meiner Stimme hatte. Das faszinierte mich – und ich gab das Singen und vier andere Instrumente auf, um mich auf dieses eine zu konzentrieren.“[1] Das Modern Jazz Quartet unter der gemeinsamen Leitung von Jackson und dem Pianisten John Lewis trug mit seinen Jazz-Interpretationen sehr zur Anerkennung des Vibraphons als Soloinstrument bei.

Gary Burton mit vier Schlägeln

Zur Generation Milt Jacksons gehören die Vibraphonisten Terry Gibbs, Teddy Charles, Victor Feldman, später kamen der früh verstorbene Eddie Costa, Larry Bunker sowie Mike Mainieri. Dem Klangideal des 1961 verstorbenen Lem Winchester folgten Musiker wie Gary Burton, Tom van der Geld und Bobby Hutcherson, der das Vibraphonspiel revolutionierte und „nach 15 Jahren Milt Jackson-Herrschaft“ (Berendt/Huesmann) von dem Übervater des Instruments emanzipierte.

Exotica[Bearbeiten]

Der Percussionist Cal Tjader führte das Vibraphon in den Latin-Jazz ein und ist bis heute einer der musikalisch einflussreichsten Vibraphonisten. Unter der Leitung von Martin Denny führte Julius Wechter das Vibraphon in die hawaiische Musik ein und prägte mit ihm den Musikstil „Exotica“, der in den 1950er und 1960er Jahren populär war. Aber auch in der Easy-Listening-Musik der 1960er Jahre hat das Instrument seinen Platz. Auch heute noch wird es in modernen Musikstücken genutzt, da es einen atmosphärischen Klang hat.

Free Jazz[Bearbeiten]

Die deutschen Jazzmusiker Gunter Hampel und Karl Berger setzen das Vibraphon seit Mitte der 1960er Jahre im Free Jazz ein. Hampel schuf in seinen verschiedenen Gruppen Klanggeflechte, indem er das Vibraphon mit Flöten sowie in hohen Lagen gespielten Saxophonen einsetzte.

Das Vibraphon in der Klassischen Musik[Bearbeiten]

Ausbildung[Bearbeiten]

Das Vibraphon wird den Schlaginstrumenten im Bereich der „Mallets“ zugeordnet. Somit gehört es zum musikalischen Studium an allen musikausbildenden Instituten (Musikhochschulen, Konservatorien, Akademien, Berufsfachschulen für Musik,…), die das Fach Schlagzeug anbieten. Das Studium endet an allen Instituten mit einer staatlichen Abschlussprüfung (Bachelor/Master). Einige Institute bieten die spezielle Ausbildung im Bereich Jazz an (Universität der Künste Berlin/David Friedman; Hochschule für Musik Nürnberg/Bill Molenhof; Hochschule für Musik Basel/Urs Wiesner).

Alben[Bearbeiten]

  • Karl Berger: Transit (Black Saint, 1986)
  • Walt Dickerson: To My Queen, Impressions Of A Patch Of Blue, This Is Walt Dickerson u.a.
  • Gary Burton: Gary Burton & Keith Jarrett (Rhino, 1969/70)
  • Teddy Charles: New Directions (OJC, 1951-53)
  • Eddie Costa & Bill Evans: Guys and Dolls Like Vibes (Verve, 1958)
  • Victor Feldman: With Mallets a Fore Thouzght (VSOP, 1957)
  • Lionel Hampton: Lionel Hampton with Oscar Peterson - Jazz Masters 26 (Verve Records, 1953/54)
  • Bobby Hutcherson: Dialogue (Blue Note, 1965), Happenings (Blue Note, 1966), Oblique (Blue Note, 1967)
  • Milt Jackson: Wizard of the Vibes (Blue Note Records, 1947-52) mit Thelonious Monk
  • Bobby Naughton/Leo Smith. Divine Love (ECM, 1978)
  • Red Norvo: The Red Norvo Trios (OJC/Prestige Records, 1953/54) mit Tal Farlow, Jimmy Raney
  • Cal Tjader: Cal Tjaders Greatest Hits (Fantasy, 1954-75)
  • Various Artists: Jazzclub Vibraphone (Verve Records-Anthologie von 1944 bis 1970) mit Titeln von Hampton, Winchester, Gibbs, Norvo, Milt Jackson, Burton, Feldman, Tjader u.a.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Vibraphone – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vibrafon – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Hans-Jürgen Schaal Milt Jackson Die singenden Vibes (2003)