Vibrator

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Eine Beschreibung des Vibrators für technische Einsatzzwecke findet sich unter Vibrator (Technik)
Vibrator in Stabform
Audioaufzeichnung des typischen Klangs eines Vibrators
Der erste Silikon-Vibrator: Dolly Dolphin aus dem Jahr 1996
Design-Vibratoren

Vibratoren (lat. vibrare, „zittern, beben, schwingen“) sind elektromechanische Sexspielzeuge in verschiedenen Formen und aus verschiedenen Materialien, die mit einem kleinen Elektromotor in Schwingung versetzt werden. Ursprünglich als medizinisches Gerät gegen die sogenannte „weibliche Hysterie“ entwickelt, sollen durch die Bewegung erogene Zonen am Körper stimuliert werden. Heute werden Vibratoren als Masturbationshilfe oder Sexspielzeuge im partnerschaftlichen Geschlechtsverkehr überwiegend für die sexuelle Erregung von Frauen konzipiert, können aber ebenso von Männern benutzt werden. Für bestimmte Areale des Körpers, beispielsweise Brust oder Anus, sind spezielle Vibratoren verfügbar.

Geschichte

Der elektromechanische Vibrator der Neuzeit stellt eine Weiterentwicklung der Behandlungsmethoden gegen die sogenannte weibliche Hysterie dar, die in der Vorstellung des 19. Jahrhunderts und in den Anfängen des 20. Jahrhunderts als eine Erkrankung angesehen wurde, die von der Gebärmutter ausgeht und die Frauen zu einem seltsamen, „hysterischen“ Verhalten zwang. Die Behandlung bestand neben der Empfehlung, unverheiratete Hysterikerinnen zu verheiraten, unter anderem darin, die Patientin zu einer Krise oder dem hysterischen Paroxysmus, sprich dem Orgasmus, zu bringen und sie dadurch zu „beruhigen“. Anfangs wurde den Patientinnen von den behandelnden Ärzten mit manuellen Massagen des Genitalbereichs zur Beruhigung verholfen, später entwickelten sich verschiedene mechanische Möglichkeiten, die Behandlung unter ärztlicher Aufsicht durchführen zu lassen.[1]

Neben der bis dahin ebenfalls üblichen Wasserstrahlbehandlung, der sogenannten Hydrotherapie, die auch John Harvey Kellogg anwandte, entwickelte der Arzt George Taylor im Jahre 1869 in den USA schließlich ein dampfbetriebenes Gerät, den „Manipulator“, das den gewünschten Effekt hatte und die manuelle Stimulation und die nur in wenigen Badeorten anwendbare Hydrotherapie ablöste. Aufgrund der schwierigen Anwendung und der schlichten Größe konnte der „Manipulator“ jedoch nur von Ärzten und in Praxen angewandt werden. Wenige Jahre später erfand und patentierte Joseph Mortimer Granville 1883 einen elektromechanischen Vibrator, den „Percuteur“, der eigentlich für die Massage von Männern entwickelt worden war, aber aufgrund seiner verhältnismäßig geringen Abmessungen und der einfachen Bedienung für die Behandlung der weiblichen Patientinnen eingesetzt wurde.

Werbeanzeige für Vibratoren von 1910

Um die Jahrhundertwende gab es schließlich etliche verschiedene Vibratoren, sowohl für die medizinische Anwendung, als auch für die Anwendung zu Hause. Auf der Weltausstellung 1900 in Paris wurden über ein Dutzend Modelle vorgestellt, beispielsweise Standgeräte mit Rollen, einige baumelten von der Decke und sehr teure Modelle, die an die Steckdose angeschlossen werden konnten.[2] Getarnt als medizinisches oder hauswirtschaftliches Gerät wurde der Vibrator bis in die 1920er Jahre in Magazinen für Hausfrauen und Zeitschriften beworben; er sollte Verspannungen lösen, der Hysterie vorbeugen und die Jugend und Schönheit der Ehefrau erhalten. Die Werbung blieb lange Zeit verschleiernd, angeboten wurden Vibratoren bis weit in das 20. Jahrhundert hinein als Geräte zur Hautpflege, Hygiene oder zur Regulierung der Menses.[3]

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts bestanden Vibratoren vorwiegend aus klassisch-natürlichen Materialien wie Glas oder Holz. Bis Ende des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche neuartige Materialien verwendet - darunter verschiedene Arten von Kunststoffen und Latex. Aufgrund der sich daraus ergebenden gesundheitlichen Risiken (Allergien, Weichmacher), auftretenden Gerüchen und der Körperhygiene stellte die Firma Fun Factory im Jahr 1996 mit dem Dolly Dolphin den weltweit ersten Vibrator aus medizinischem Silikon der Öffentlichkeit vor. Durch seine Hautfreundlichkeit, seine anti-allergene Beschaffenheit und Geruchs-Neutralität werden seitdem immer mehr Vibratoren mit Silikon als wesentliches Material für die Umhüllung der Geräte verwendet.

Mit den gesellschaftlichen Veränderungen der sexuellen Revolution und der Emanzipation wurde der Umgang mit den Sexspielzeugen sowie der weiblichen Lust generell freier und der Vibrator wurde in neuen Farben und Formen, gezielt auch für die Ansprüche von Frauen auf den Markt gebracht.[4] Es wurden Vibratoren für spezielle Anwendungsbereiche, beispielsweise als Unter-Wasser-Geräte, oder für spezielle Körperstellen, wie den vermeintlichen G-Punkt, entwickelt. Nach Umfragen besaß im Jahre 2006 jede dritte Österreicherin, jede fünfte Deutsche sowie fast jede zweite Taiwanerin und US-Amerikanerin einen Vibrator.[5]

Vibratoren zur sexuellen Stimulation

Vibrator-Ei

Allgemein wird als Vibrator ein meist batteriebetriebenes Sexspielzeug aus Kunststoff oder Silikon bezeichnet, das häufig, wie auch ein Dildo, einem erigierten Penis ähnlich sieht und zur sexuellen Stimulierung bei der Masturbation oder beim partnerschaftlichen Liebesspiel eingesetzt werden kann. Vibratoren werden überwiegend für die klitorale Stimulation verwendet, können aber auch in die Vagina eingeführt werden, bei Männern oder Frauen anal verwendet werden oder andere individuell als erogen empfundene Körperstellen, wie die Brustwarzen oder den Hoden stimulieren. Die durch einen Motor elektrisch erzeugte Vibration, deren Geschwindigkeit und Stärke sich bei den meisten Modellen variieren lässt, kann eine sexuelle Erregung bis zum Orgasmus bewirken.

Im Handel gibt es unzählige Vibratoren in allen Formen, Farben und Größen. Die Auswahl reicht vom schlichten Massagestab bis zum raffinierten, chipgesteuerten Gerät, das für variable Vibrationen programmierbar ist. Heute gibt es auch sogenannte Vibrationstransmitter, sehr kleine Vibratoren, die die Finger des Trägers in Vibrationen versetzen (Vibrationstransmitter werden meist mit dem Begriff Tantra-Beam bezeichnet) sowie Vibratoren, die in Butt-Plugs und andere Sexspielzeuge eingebaut sind. Beim Butt-Plug kann die Vibration auch die Entspannung des Schließmuskels fördern. Insbesondere Vibratoren, die von Frauen für Frauen entwickelt werden, haben oft eine weiche Oberfläche, sind in fröhlichen Farben gehalten und entsprechen in ihrer Form nicht mehr dem herkömmlichen Stabmodell. So lassen sie sich beispielsweise auf den Venushügel auflegen (z. B. Butterfly-Vibratoren), sind optisch kaum als Vibratoren erkennbar oder haben ein außergewöhnliches Design (Beispiele hierfür sind einige Vibratoren der US-Firma Good Vibrations oder der Fun Factory GmbH, deren Vibrator Delight mit dem red dot design award 2008 ausgezeichnet wurde).[6] Geeignete und im technischen Sinne ungefährliche Vibratoren erhalten wie alle anderen elektrotechnischen Geräte auch ein TÜV-Siegel.[7]

Penis-Vibrator

Die zur Stimulation des Penis im Handel erhältlichen Vibratoren unterscheiden sich in Form und Aufbau von der künstlichen Vagina. Diese umfassen und stimulieren meist nur den Bereich um die Eichel und sind durch programmierbare variable Vibrationen in der Lage, eine sexuelle Erregung bis hin zum Orgasmus zu bewirken.

Problematische Materialien und Sexualhygiene

Das Kölner ECO-Umweltinstitut untersuchte im Auftrag der Zeitschrift Stern verschiedene Dildos aus Kunststoff.[8] Danach enthielten die Dildos erhebliche Konzentrationen des Weichmachers Phthalat und Lösungsmittel wie etwa Toluol. Schleimhäute nehmen diese flüchtigen Substanzen besonders gut auf, so dass gesundheitliche Schäden drohen.[9] Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Zeitschrift Ökotest in der Ausgabe 11/2006.[10] Elf von 22 getesteten Vibratoren, von der Konstruktion Dildos mit Vibrationsmotor, wurden wegen phenolischen und zinnorganischen Verbindungen (z. B. Bisphenol A und Tributylzinn) negativ bewertet.

Glatte Materialien wie Glas (auch Acrylglas), Aluminium, Edelstahl, echtes Silikon und natürliche Materialien wie Granit, Ahornholz und Naturlatex (Ausnahme hiervon ist die Latexallergie) sind bei Befolgung der Hygieneempfehlungen als unbedenklich einzustufen. Bei anderen Materialien ist entweder die Verträglichkeit noch nicht geprüft oder sie sind auf lange Sicht und bei häufiger Anwendung als bedenklich einzustufen. Daher wird die regelmäßige Reinigung des Vibrators vor und nach der Benutzung und die Verwendung zusammen mit einem Kondom empfohlen. Bei der Verwendung von Modellen aus Silikon sollte keine Gleitmittel auf Silikonbasis verwendet werden, um ein Aufrauen der Oberfläche beziehungsweise weiterreichende Zerstörungen zu verhindern.

Grundsätzlich sollte bei der gemeinsamen und/oder gleichzeitigen analen und vaginalen Verwendung von Sexspielzeugen ein Kondom benutzt werden, um die Ansteckung über den Dildo oder Vibrator mit sexuell übertragbaren Krankheiten zu verhindern oder im Sinne der Sexualhygiene eine Keimverschleppung zu verhindern.

Literatur

  •  Nina E. Lerman, Ruth Oldenziel, Arwen Mohun: Gender and Technology. A Reader. Johns Hopkins University Press, Baltimore 2003, S. 98–122.
  •  Rachel P. Maines: The Technology of Orgasm. "Hysteria," the Vibrator, and Women's Sexual Satisfaction. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1998.

Film

  • In guten Händen (Originaltitel: Hysteria) von Tanya Wexler, Großbritannien 2011

Weblinks

 Commons: Vibrator – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Vibrator – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Nina E. Lerman, Ruth Oldenziel, Arwen Mohun, S. 101
  2. Nina E. Lerman, Ruth Oldenziel, Arwen Mohun, S. 106
  3.  Wolfgang König: Geschichte der Konsumgesellschaft. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2000, ISBN 978-3-515-07650-0, S. 263.
  4. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMasturbation aus philosophischer Sicht. ARTE, 22. November 2007, abgerufen am 28. August 2008.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatJede Dritte hat einen Vibrator! In: Kronen Zeitung. Abgerufen am 28. August 2008.
  6. [1], DeLight: Red Dot Design Award 2008
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatCordula Schmitz: Vibrator-Test: Der Motor sollte nicht heiß laufen. In: Welt online. 17. Januar 2008, abgerufen am Abruf 28. August 2008.
  8. Stern, Heft 31/2001
  9. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatBritta Bürger: Netdoktor Sextoys - was beim Gebrauch zu beachten ist. 7. Januar 2007, abgerufen am 8. März 2010.
  10.  Jürgen Steinert: Test Vibratoren: Dreck am Stecken. In: Ökotest. 11, November 2006, S. 30 ff. (Online, abgerufen am 8. März 2010).